Zeno 1770b

Franz Zeno, Beschreibung des bey Prag vor dem Wissehrader Thore gelegenen Kalksteinbruchs, mit seinen Seeversteinerungen und anderen Fossilien, Neue physicalische Belustigungen I/2, Prag [Franz Augustin Höchenberg] 1770, pp. 362–420.


pp. 363–390

Beschreibung des bey Prag vor dem
Wissehrader Thore gelegenen Kalksteinbruchs, mit
seinen Seeversteinerungen und anderen
Fossilien

Einleitung.

§. 1.

Da die gute Aufnahme bey Kennern, und Liebhabern der Naturlehre meiner ersten Abhandlung, von den um Prag sich zeigenden Versteinerungen, und anderen Fossilien, mich zur Fortsetzung meines Unternehmens nicht wenig aufgemuntert hat: so folget nun meinem Versprechen nach, das übrige von den, im Neustädter [!] Kalksteinbruche, vor dem Wissehrader Thore, bis jetzt gemachten Beobachtungen, und weiteren Entdeckungen. Es ist zwar wahr: daß sich ebenfals, wie alle dergleichen Schriften, dieser erste Versuch unter meinen Landsleuten verschiedene Vorwürfe, und Ausstellungen habe müssen gefallen lassen. Denn einem war die ganze Schrift eitel, und unnütz; dem anderten mit so vielen fremden, und unbekannten Namen angefüllet; daß sie ganz unverständlich, trocken, und eben darum eckelhaft bis auf wenige Stellen wurde. Noch einem dritten schien die ganze Sache übertrieben zu seyn; wie könnte man wohl dergleichen Steinmassen für wahre Seethiere halten? sind sie nicht vielmehr zufälligen Bildungen, und unordentlichen, einer Muschel kaum etwas ähnlichen Steinklumpen beyzurechnen? welchen man mit Hülfe der Phantasey einen Rang unter den Seeprodukten einräumet; und zu deren Erklärung die Sündflut bis in unsere Länder wilkührlich einführet; und endlich um diese Entstehungsart eben so: als um den goldenen Zahn einmal in  Schlesien, mit Scheingründen, und tiefsinnigen Erdichtungen sich eifrigst abgiebt; da indessen diese Steine nichts minder, als jemals das Meer bewohnet haben. Allein dergleichen Urtheile sind ihres seichten Grunds halber nicht so wichtig: daß sie mich von der ferneren Untersuchung, und Bekanntmachung der zu diesem Naturreiche gehörigen Gegenständen sollten zurückhalten. Denn was die Nutzbarkeit solcher Blätter anbetrift: so wird mir doch wohl jedermann frey zugestehen: daß sie doch viel nützlicher sind; als das öfters abgeschmackteste Romanenzeug; welches man doch (von anderen gefährlichen Schriften kein Wort zu sagen) um sich zu ergötzen, und die müßige Stunden durchzubringen, so fleißig liest. Ihr Nutzen zeigt sich sattsam aus diesem: daß wir dadurch diejenige Seltenheiten der Natur; und ihre unterirrdischen um uns herumliegende der Verwunderungs würdigsten Produkten in etwas näher kennen lernen; aus deren Betrachtung wir theils ein unschuldiges Vergnügen des auf alle Neuigkeiten so aufmerksammen Verstands; theils auch eine größere Erkänntniß unseres innerlichen Bodens, und dessen mannigfältigen Veränderung schöpfen können; so gewiß einen nicht geringen Einfluß in die ökonomische Wissenschaften enthält; und zum allgemeinen Vortheile durch weiteres Nachsinnen, und mehrere allgemach darinnen vorgenommenen Beobachtungen, und Versuche, sich gar füglich anwenden läst. Und obschon sie mit ihrem Inhalte auch nicht alsogleich ihren Nutzen verrathen, und merken lassen; weil auch Zeit, und Weile zur Hervorbringung der Früchte, wie in anderen, also noch mehr in dieser Art der gelehrten Arbeiten erfodert wird: so sollte uns es doch genug seyn, sie darum nicht minder zu schätzen: weil ihr Gegenstand zu jetziger Zeit von allen unseren Nachbaren als eine sogar der höchsten Häupter, und gelehrtesten Männer nicht unwürdige Beschäftigung angesehen wird. Zu welchem gewiß der jetzo überall schon herrschende, bey uns aber noch keimende geläuterte Geschmack das meiste beyträgt. Oder sind vielleicht von einer minderen Kunst; und eben darum weniger betrachtet zu werden werth die Fossilien, und gegrabenen versteinigten organischen Körper, und Urbilder eines allerweisesten Meisters der Natur? als etwa jene oftmals recht niederträchtigen, und eines rechtschaffenen Auges höchst unwürdigen durch menschlichen Witz, und Pinsel vorgebrachten Geburten? welche man doch mit Verschwendung so vielen Geldes mühsam samlet, und in Ansehung derselben sich nicht genugsam ersättigen kan. Wollte Gott! es verlegten sich mehrere von unseren Landsleuten auf solche- mit Vernunft, und aller Behutsamkeit anzustellenden Untersuchungen der Natur, und Beschaffenheit unserer Gegenden: man wurde gar bald aus ihren vereinigten Kräften einen so auserlesenen Nutzen unserem Reiche zuwachsen sehen: den wir aus blos theoretischen Wissenschaften umsonst, und fälschlich uns versprechen; und niemals erwarten werden. Frankreich, und Sachsen sind in dem Beurtheilen, und Einsehen ihres Vortheiles bis jetzo gegewiß weder zu unvermögend noch zu schläfrig gewesen. Und mit was für einem Eifer betrieben nicht beyde dieses Fach der Gelehrsamkeit? Frankreich! das sonst so stoltze Frankreich trägt gar kein Bedenken nun deutsche davon handelnde Schriftsteller in ihre Sprache häufigst zu übersetzen: um sie unter ihren Landeskindern desto bekannter, und gebräuchlicher zu machen. Von ihren eigenen dißfalls angestellten Untersuchungen, und fleißiger Nachgrüblung in dem Innersten der Erde zeigen sich sattsamme Schriften, und Beyspiele; die da uns ebenfals noch mehr ermuntern sollten.

Was zweytens die Unverständlichkeit meiner ersten Abhandlung anbetrift: so können die vorkommenden Namen blos denjenigen gänzlich unbekannt seyn: welche von diesem Theile der natürlichen Historie entweder noch gar nichts gelesen, oder gehöret: oder die so verschiedenen hier zu Prag sich befindlichen nicht geringen Fossiliensammlungen niemals gesehen; und mit einem philosophischen Auge betrachtet haben. Aber diesen zu gefallen kan ich nicht vom Anfange das Reich der gesammten Fossilien in einer so kurzen Abhandlung durchgehen; und alles haarklein auseinander wicklen; sondern sie haben sich es selbst zu verdanken: daß sie bey so hellem Lichte unserer Nachbaren in diesem Punkte noch so unerfahren sind. Jedoch ich hoffe nicht ohne Grunde: daß auch diesfals in kurzer Zeit mehrere Liebhaber, und Kenner unser Vaterland aufzuweisen haben werde; als wir uns selbst wohl einbilden mögen. Da ihnen aus der huldreichesten allerhöchsten Anordnung Gelegenheit an die Hand gegeben wird (in öffentlichen von dem Mineralreiche allhier bey der Universität gehaltenen, und bestens eingerichteten Vorlesungen) einen starken Grund darinn zu legen; um durch eigenes Nachforschen, und fleißigen Beobachten ferners ganz leicht fortzuschreiten. Besonders aber, wenn zugleich die von verschiedenen aus hiesigem hohen Adel mit Eifer angefangenen, und ansehnlich fortgesetzten Fossiliensammlungen (unter welchen wohl die vollständigste, und berühmteste des durchlauchtigsten Herrn Herrn Fürsten von Fürstenberg ist) mit gleicher Munterkeit, und Beständigkeit, wie ohne Zweifel gut zu hoffen ist, weiter fort werden von ihren hohen Besitzern zur Aufnahme, und dem gemeinen Besten des Vaterlandes höchst löblichst, und ruhmwürdigst betrieben werden.

Diese Sammlungen werden erstens zwar nur die Augen unserer Nation, hernach aber auch das Gemüth selbst also auf sich ziehen: daß die Untersuchung, und Nachforschung in denselben erstens unter anderen Verrichtungen eine angenehme Mitbeschäftigung; in einsamen, und freyen Stunden aber hernach ein Hauptzweck bey nicht wenigen ausmachen wird.

Was endlich die Wirklichkeit unserer versteinigten Schaalthieren anbelangt: so werde ich solche in gegenwärtigen Blättern an seinem Orte sattsam zu beweisen nicht unterlassen. Wende mich daher zu der Hauptabsicht dieser Abhandlung; nämlich zu dem Kalksteinbruche ohnweit Prag vor dem Wissehrader Thore; an welchen eine Stunde fast vor der Stadt der kleine Ort Cisorž [!] stosset; von dem ich diesem Theile des weiter gegen Süd-Ost sich fortziehenden niedrigen Gebirges indessen den Namen beylegen werde, um denselben von anderen desto leichter zu entscheiden.

Beschreibung des Gebirgs.

§. 2. In meiner ersten Abhandlung fieng ich sogleich an von der Beschreibung der mir dazumal in diesem Gebirge vorgefallenen Käfermuscheln, Helmechiniten, und unbekannten Turbiniten Art; ohne daß ich auf die Bestandtheile, Lage, und Mischung dieser Bergen sonderlich meinen Augenmerk warf. Und dies vorzüglich darum: weil ich mir für diese Gegend schon damals eine eigene Beschreibung derselben vorbehielt; und nur gleichsam im Vorübergehen, um den anderten Ort meiner in sich zwar ersteren Bemühungen, desto füglicher der Lage nach zu bestimmen, mich dessen kurzer Anführung gebrauchen wollte.

Diese Gegend ist sodenn Ostwärts hinter dem Schloße Wissehrad an der Moldau gelegen; und mit nicht gar zu hohen meistens grünen Bergen, oder Hügeln (worauf doch wenig Bäume) versehen. Aus welchen diejenige in denen die eigentlichen in der Arbeit wirklich stehenden Kalksteinbrüche angeleget sind, sonst zwar bis an die Moldau anstießen; und nach dem Ufer derselben sich allgemächlich fortzogen; nun aber durch Hinwegräumung so vieler tausend gebrochener Klafter des allerbesten Kalksteines, ein gutes Stück in das Land hinein entfernet sind. Sie machen, wegen den ihnen häufig Adernweise beygemischten Spath, und weißlich und gelblichen Mergel, dem sich der Stadt jenseits annahenden Reisenden ein nicht unangenehmes Ansehen; da sie bey den darauf fallenden Westlichen Sonnenstrahlen meistens ein weißes Licht zurückwerfen, obschon der untere Stein selbst stark in das Schwarze fällt.

Die obere Gartenerde ist von sehr ungleicher, Tiefe; doch selten über ein oder anderthalb Fuß. Auf welche sogleich hie und da bis auf einige Klafter ein mittelmäßig feiner Mergel folget. Er braußte mir stark mit sauren Geistern; und schmolz im heftigen Feur zu einer weißlichen Schlacke; vor der Schmelzung hingegen gelangte er im gelinden Feur zu einer kaum merklich größeren Härte; als die er noch ungebrannt hatte. Im Wasser ließ er fast gar nichts von einer thonartigen Fette an sich verspüren: sondern verschluckte hurtig alle Nässe; so bald man ihn aus dem Wasser nahm; und zeigte vielmehr die Beymischung etwas weniges Sandes an. So alles ein Zeichen ist: daß dieser Mergel mehr kalkartige Bestandtheile; als von Letten, und Sande mit sich führe; und folglich leicht zu einem wirklichen, und besten Kalksteine übergehen könne; wie es sich auch in der That so heut zu Tage in diesem Gebirge sehr wahrscheinlich zuzutragen pflegt. Denn auch unter dem oben noch liegenden Mergel findt man hie und wieder vermischte Stücke von Kalksteinen, mit noch nicht so schwarzer Farbe, und geringerer Härte, und Fette; als sie sich weiter in die Teuffe zu, darzeigen; welche vermuthlich nicht lange, oder doch später, als die tieferen entstanden sind. In eben demselben Mergel trift man nicht minder Abdrücke jener Versteinerungen an; ja wohl auch noch Trümmer von vermoderten Schaalen: welche auch in den tiefesten schwärzlichsten Steine wahrzunehmen sind. Ferners die Güte des aus diesem Bruche gebrannten Kalks ist jedermann schon genugsam bekannt; und empfehlt sich vorzüglich im Bauen daher: weil der damit angemachte Mörtel schier unter den Händen selbst in der Arbeit schon verhärtet, und trocken wird. Wegen seiner fast unglaublichen Feste aber überaus langen Dauer verdienet er den Vorzug über alle um Prag sich befindliche Steine von dieser Art. Eine fleißig mit ihm aufgeführte Mauer (wenn sie eine geraume Zeit ausgetrocknet ist) läßt sich nicht anders, als härteste Felsen mit Schlägel, und Eisen was abgewinnen.

Im Kalksteine und dem Mergel/ Steinöl/ Schwefelnieten/ kalkartiger Spath/ dessen Veränderung in Kalkstein, und wie alles dieß entstanden?

§. 3. Da ich in diesem Kalksteinbruche die versteinigten Conchilien, und andere Erscheinungen selbst einstens aufsuchte eben zur Zeit; als sich die sonst hier beschäftigten Arbeitsleute einfanden: erzehlten sie mir nach verschiedenen an sie gestellten Fragen: daß sie oftmals unter dem härtesten Steine ein sehr stark riechendes Öel von dunkler röthlicher Farbe antreffen; so ihnen wider die sich öfters von ungefähr ereignenden Wunden, und Gefräre der äusseren Gliedmaßen gute Dienste thäte. Sie zeigten mir noch Spuren von diesem Öele in einem und anderen allda zerstreuten Steinstücken; die ich nachgehends sowohl, als andere noch mehrere dergleichen mit Muße weiters untersuchte. Ich fand meistens etliche Linien weite Löcherchen im Durchschnitte; worinnen noch eine ganz andere Masse, als der übrige Stein vorhanden war. Um diese Löcherchen herum gaben die röthlichen Flecken durch ihre Fette, und starken balsamisch säuerlichen Geruche die ehemalige Anwesenheit des wirklichen mit Erde etwas vermischten Bergöls klar an Tag. Die Tiefe ihrer Oefnungen ist verschieden: ich fand einige von etwelchen Linien, bis auf etliche Zolle lang; wer weis aber, ob sie hie und da nicht noch länger sind? bey der Betrachtung dieses Bergöls fiel mir ein: daß der harzige Geruch an dem anderten Orte der in meiner ersten Abhandlung beschriebenen Versteinerungen vielleicht ebenermaßen einem beygemischten Bergöle zugemessen werden könnte; und auf diese Weise nicht nöthig wäre denselben von dem Meerwasser herzuleiten. Allein nach sattsammer Vergleichung stellte sich mir dar ein genugsam deutlicher Unterschied unter beyden Stein- und Sandarten in diesem: daß der Kalkstein mehrere Säure verrieth; und dem Stinksteine, und Katzenurin viel näher kam, als der Sand, und die Wacke von dem anderten Orte; an denen man einen mehr bitteren Geruch entdeckte. Und wenn dieser Geruch des jetzt gemeldten Sandes, und der Wacke unweit Statenitz ebenfalls von einem Bergöle herzuholen wäre; so müste er gleichfalls, wie in dem Kalksteine, in der ganzen Lage, also auch in den verschiedenen Arten des Sandes, und Steine (so beyeinander sind) von einerley Stärke angetroffen werden; was doch wieder die Erfahrniß läuft. Und obschon dieser Meersand seinen Geruch auch von dem im Meere sich befindlichen Felsenfette, und harzigen Orte in seinem Ursprunge unfehlbar genomen hat: so kan er doch nie so stark damit angehäuffet seyn; da in dem Wasser das Oel schon sehr verdünnet, und geschwächet worden: ehe es mit dem Sande inniglich verbunden werden kunte.

Ist daher noch dieser Grund des alldort angeführten Geruchs hinlänglich genug, den Sand, und die Wacke dem Meere am wahrscheinlichsten zuzueignen: weil er hauptsächlich in verschiedenen Graden; aber doch in einer jeden Gattung des Sandes beständig einerley gefunden wird; so gewiß einem sich noch heut zu Tage in demselben gemeiniglich hie und da ungleich sammlenden Oele gar nicht zuzumassen ist.

Nun woher kömmt wohl dieses Oel in unserem Steinbruche? es ist dessen Quelle eben daher zu leiten; woher man in anderen Orten das Bergöl zu entstehen schon sattsam überzeigt ist. Im Welschlande bey Fiumetto einer Gegend des Herzogthums Modena fängt man ein dergleichen doch dreyfach unterschiedenes Oel, vermittels dazu verfertigten Gräben, in einem hohen Berge auf. Der am höchsten gelegene Graben an diesem Berge, giebt aus mit Fleiß gemachten Oefnungen, ein lichtgelbes, durchsichtiges, und sehr flüchtiges Oel, als eine Art der reinen Naphta; in dem mittlern Graben hingegen, ist es schon etwas dicker, schwerer, und röthlicher; am Fuße des besagten Berges endlich, ist es am schwersten, und dicksten; noch tiefer unten ist es anfänglich etwas weich, denn gänzlich hart, und unbiegsam.

Dieser Unterschied des Bergöls ist nach der gemeinen Meynung, und gemachten öfteren Beobachtungen keiner anderen Ursache wahrscheinlicher beyzumessen: als der unterirrdischen Wärme, und heftigen innerlichen Ausdünstungen; als durch welche das harte unterste Anfangs erweichet; hernach je höher es durch die Ritzen der Felsen, und andere Oefnungen getrieben wird; desto mehr wird es geläutert; bis es endlich zu der oben angezeigten Flüchtigkeit, Feine, und hellen Farbe gelanget.

Eben also ist vermuthlich in unserem Berge das Steinöl von unten aus dem tiefen Grunde an, durch innerliche heraufdringende Dünste, unter die im Anfange pure Mergelerde ausgetheilet; und in deren Zwischenräumchen gleichwie von Haarröhrchen aufgezogen worden. Welche Vereinigung sodenn, und die innere aus der Wärme der Dünsten, der Säure, des Oels, und der alkalischen Bestandtheilchen des Mergels entstandene gewaltige Gährung; mit Zerreibung, und Versetzung der kleinsten Theilchen aus dem Mergel den Kalkstein hervorgebracht hat.

Es ist dieß daraus abzunehmen: weil der Stein, je tiefer man ihn gräbt; desto häufiger mit diesem Oele durchgeschwängert ist; obschon in der Höhe noch der blosse Mergel, darauf ein sehr schlechter weißlichter Kalkstein; oder auch unter dem Mergel selbst, sich gemeiniglich darzeiget.

Diese innerliche Gährung aber kan wohl von der gleich an den Bergen vorbeylaufenden Moldau auf eben die Art (wie man die fette Alaun- und Salpetererde von der feuchten Luft, und Regen sich vom Freyen entzünden sieht) verursachet werden. Denn wer weis nicht? daß ein so starker Fluß sehr tief, und breit in die herumliegende Gegend von unten an beyden Ufern eindringe? wir finden solches hier augenscheinlich in den so vielen bey der Moldau gegrabenen Brunnen; sowohl in als ausser der Stadt; welche man gewißlich der Moldau zu verdanken hat. Fügt es sich nun zu; daß diese Vermischung des von dem Grunde herauf dringenden Oels mit der wässerichten Masse; und die darauf nothwendig folgende Auflösung der ölichten Theilchen in die Gestalt des gewöhnlichen Bergschwadens, so lang in den lockern Mergel aufsteiget; oder auch durch die in dem wirklichen Kalksteine häufig sich befindlichen Ritzen, und Spalten; bis sie einen etwas grösseren leeren Raum irgendwo antrift; so muß in solchen, aus Mangel der weiteren Anziehung von den höheren entfernten Theilen; und ob größerem Durchschnitte der Röhre, wo sie sich befindet, nach und nach sie angehäuffet; die Form, und Dichte des Oels wiederum beynahe erlangen; welche sie unten gehabt; und also in diesen kleinen Drusen Löcherchen wie der Harz im Fichten sitzen verbleiben. Hr. Cronstädt (*) erzehlet von einem sehr ähnlichen mit in dergleichen Löchern zusammgeloffenen Oele angefüllten Kalksteine; welchen man in einer öden Grube in Osmundberge in Dahlien, an den Norwegischen Gränzen, antrift.

(*) Versuch einer neuen Mineralogie. 147. S.

Ferners weil im Durchdringen durch den Mergel, oder andere enge Ritzen, und Spalten der Schwaden vermög feiner Reibung überal etwas von der feineren Erde abstößt; und mit sich fortführet: so ist kein Wunder: wenn das Oel in den Drusen Löcherchen einen erdigen Satz nach und nach absetzet; und in seiner allgemähligen Ausdünstung zurückläßt; wie ich oben gemeldet habe. Sind nun diese Löcherchen durch was immer für einen Zufall zu einer gemeinschaftlichen Verbindung mit der äusseren Luft gelanget: so wird die in unserem Dunstkreise überal ausgetheilte Vitriolsäure das Brennbare gewöhnlichermaßen aus dem Oele an sich ziehen; und endlich mit der noch fest der Erde anhangenden übrigen mineralischen Fette, oder der entzündlichen Becherischen Erde, in die Natur des gemeinen Schwefels übergehen. Und sofern die vorher gemeldte in den Löcherchen abgesetzte Erde martialisch ist? das ist: sofern diese Erde (wie sie es auch in der That so gemeiniglich ist) mit dem überal herrschenden merkurialischen, oder fließbaren Bestandtheilchen verknüpft ist: muß in diesen Löcherchen zur Zeit ein wirklicher Schwefelkieß entstehen; als welcher nebst einer martialischen durch das merkurialische Principium hervorgebrachten Erde, aus den brennbaren mit der Vitriolsäure vereinbarten, und gesättigten Grundtheilchen nach Pots, Ellerts, Marggrafs, u. anderen Versuchen und Beweisen entspringt.

Aber eben so verhält es sich wirklich in unserem Kalksteinbruche. Ich fand erstens in den bekannten Drußenlöcherchen hie und da, eine solche aschenfarbige etwas herbe Erdart; welche im Feur den bey sich gehabten Schwefel ganz merklich fahren ließ. Ja in anderen verschiedenen Löcherchen traf ich auch schon fertigen Kieß an; den ich, aus den damit gemachten Versuchen unstreitig unter die Schwefelkieße rechnen muste; obschon er zimlich dicht aussah; und auch in seiner Farbe und Dichte dem gelben Kupfererze nicht unähnlich schien. Dieser Kieß zeigte sich aber sonsten nirgends in dem Kalksteine; als eben in diesen Drußenlöcherchen allein; und in eben dergleichen Oefnungen in dem Spathe, so allda noch zu sehen ist. Der gleich angeführte Spath ist meines Erachtens auf folgende Art erzeuget worden; und wird noch heutiges Tages, wie ich es oben in dem Mergel oft bemerket habe, wahrscheinlicher Weiße, ja fast ohne Zweifel, erzeuget. Wir haben gesehen: daß in unserem Bruche die fließbare, oder merkurialische Erde sich unstreitig darzeige; ohne welcher der schon erwähnte Schwefelkieß unmöglich hätte zu Stande kommen können; und welche dem, aus dem vormaligen Seewasser allda noch übrigen Meersalze ihr Daseyn, nach gemeiner Meynung, und bewährten Versuchen der heutigen besten unermüdeten, schon oben benannten Naturforschern, und Chymisten, zuzuschreiben hat. Diese merkurialische Erde, wenn sie sich mit der glasartigen (welche im Mergel, als ein im Sande gegenwärtiger Bestandtheil, nothwendig vorhanden ist) und der brennbaren in gewisser Vermischung befindt: bringt selbe nach des Herrn Ellers Grundsätzen den Arsenik zuwegen; und mit diesem endlich: sofern einige fremde Erdarten sich fest, oder unzertrennlich verbinden; wird entweder Blende, oder Spath daraus. Weil also der in hinlänglicher Menge in diesem Berge eben von unten, aufsteigende, und aus gegenwärtigen dreyen Erden entsprungene arsenikalische Dunst, wegen dem lockeren Zustande der Mergelerde, und des daraus entstandenen Kalksteines, seiner unbegreiflichen Flüchtigkeit halber, durch selbe, oder neben, und zwischen derselben in die Fugen sich eindringt, und fortstreicht: muß er mit der fremden kalkartigen, noch von den zertrümmerten Meermuscheln, übrigen, und anderen dergleichen Erden sich fest verknüpfen; und also diesen schweren, etwas durchsichtigen rhomboidalischen Spath gestalten. Es ist eben dieser Spath theils gleich verschiedenen Adern von unten biß oben an durch den Stein durchgesetzt; theils findt man ihn in größeren Klumpen: theils Schieferweise zwischen dem Steine; ja weiter gegen Mittag zu, in einem Theile des Berges hab ich ihn so mit dem Steine eingewicklet angetroffen: als man gemeiniglich an den Scherbenkobold, in verschiedenen Hüllen, kleine, und große kugelichte Klumpen zu sehen pflegt. Daß aber seine Bestandtheile meistentheils eine wirkliche mit dem arsenikalischen Dunste fest verbundene Kalkerde sey: zeiget sich erstens zwar aus dem Aufbrausen dieses rohen Spaths mit Scheidewasser; obschon dieß kein untrügliches, und einziges Zeichen eines Kalkspaths ist. Denn ich besitze selbst einen kristallinischen Flußspath aus unserer Kunstkammer; der da roh mit sauren Geistern bräust; im Feur aber zu keinem Kalke wird; sondern gar bald zum Fluße kommt. Jedoch andertens wird es aus folgendem Versuche klärer erhellen. Ich erhielt vor kurzer Zeit aus der Freygebigkeit eines guten Freundes ein Stückchen von eben demselben Bolognesischen Flußspath; aus welchem man alldort den berühmten Phosphorum Bononiensem verfertiget. Die Neugierde trieb mich an nach des Hrn. Marggrafs Anleitung zu versuchen; ob ich nicht selbst nach feiner Vorschrift einen solchen, das Taglicht an sich ziehenden Stein zuwegen bringen könnte. Ich griff alsogleich den Versuch an; und es gelung mir aus demselben Spathe eine dergleichen zu Kalk gemachte Masse zu erhalten: welche dem Taglichte ausgesetzt; im Finsteren hernach das Kohlenlicht; oder den glühenden Eisenschein nachahmte. Ich muß zwar gestehen: daß diese meine Masse nie in der Mitte, wegen etwelchen ungefähr entstandenen Flecken, und ungleicher Oberfläche, so hell, als um dem Rande geleichtet habe; jedoch dieß konte ich keinem anderen zuschreiben; als weil in meiner urplötzlich sich ereignenden nothwendigen Abwesenheit, die im Feur sich noch befindliche Masse, durch einen Fall aus dem schlecht verwahrten Ofenrost, Schmutz, und folglich Schaden litt. Nichts destoweniger war ich indessen zufrieden: daß es mir damals noch so von statten gieng. Bald darauf kam mir die Begierde an: den gemeldten Versuch mit anderen Spatharten aus unserer Gegend zu wiederholen; um zu sehen: ob dieselbe eben so tauglich dazu; als verschiedene Sächsische (welche der Herr Marggraf mit gutem Erfolge dazu gebraucht hat) seyn würden. Ich nahm also zuerst eben den jüngst beschriebenen Spath aus dem Steinbruche; ich stoßte ihn etwas klein; sezte ihn in einen neuen heßischen Tiegel; und ließ ihn gänzlich ausglühen; und alsdenn zu einem klaren Pulver mahlen. Aus diesem machte ich nachmals mit Gummi Tragant kleine Kuchen; aber sie wollten nicht recht zusammenhalten; und wurden in dem stärksten Feur gar nicht zusammen gebacken; sondern zerfielen darinnen in kleine Bröschen. Ich wiederholte noch einmal den ganzen Versuch; wie ich es mit dem Bolognesischen Spath ebenfals vorher gethan hatte: allein mit eben dem schlechten Ausgang, und Erfolge. Bey der ganzen Arbeit bemerkte ich: daß dieser Spath fast gar keinen schwefelichten; oder vielmehr verfaulten Eyern gleichen Geruch (so jederzeit dem fertigen Phosphorus eigen ist) von sich gab; welchen Geruch ich doch sehr stark in einem anderen verspürte; welcher von gipsartiger Natur in einem Weingarten auf der östlichen Seite Prags, fast einen ganzen Berg ausmacht; obschon weder dieser nach aller angewendeten Mühe, und Behutsammkeit; und wiederholter Arbeit die Eigenschaften des Bolognesischen Phosphorus annehmen wollte. Aus diesem erhellet also: daß in dem Spath von unserem Kalksteinbruche sehr wenig Phlogiston, gleichwie im Arsenick selbst, enthalten sey; und weil er nach so starkem Feur mit dem Flußwasser auch in eine Gährung gerieth: bewieß er unfehlbar seine kalkartige Natur; und den Grund feiner Bestandtheilen.

Bey eben diesem Spathe ist mir noch etwas merkwürdiges vorgekommen. Ich fand nemlich Stücke von demselben; die sowohl an der freyen Luft lagen; als die ich in Aufbrechung der schwarzen Kalksteine antraf; bald halb, bald gänzlich in Kalksteine, ohne ferneren, oder wenigstens mit sehr geringen hinterlassenen Zeichen ihrer weißen glänzenden Farbe; und halben Durchsichtigkeit, verwandlet. Ja sogar die in die versteinigten Seeprodukten eingedrungene, und darinn zu einem Spath gewordene Masse ließ hin und wider eine ebenfals ähnliche Veränderung ohne Beschwerniß sich anmerken. Ist demnach zum ersten dieser Spath auf die schon oben beschriebene Art aus dem Mergel, und der vermoderten Seemuschelnerde durch genaue Vereinigung des sehr feinen arsenikalischen Dunstes entsprungen; sofort aber in einen schwärzlichen Kalkstein übergegangen. Diese letztere Veränderung muthmasse ich von den häuffigen ölichten noch immer wahrscheinlicher Weise heraufsteigenden Dünsten entstanden zu seyn; besonders weil solche veränderte Spathe sehr fett aussehen; und (wenn sie gerieben werden) stark nach dem Bergöle riechen. Denn weil der Spath sehr klüftig schon vermög seines Gewebes ist; so läßt er diese ölichten Dünste leicht in seine Zwischenräume ein. Die in dem Oele gegenwärtige brennbare Erde vermischet sich ferners mit der durch den beständigen Zufluß der äusserlichen Luft sich einsieckernden Vitriolsäure; welche, wenn sie sich gar sehr anhäuffet: den Zusammenhang der merkurialischen Theile in dem Spathe verminderet; dieselbe durch den mit ihrem starken Zutritte freygemachten Weg in die Luft theils zerstreuet; theils wegen vielen anderen fremdartigen Theilchen mit dem Phlogiston aus dem Oele keinen würklichen Schwefelkieß; was sonst geschehen wurde; sondern in einer so besonderen Verhältniße, und Mischung aller dreyen Grunderden, einen etwas schwereren Stein, als der Spath selbst war, hervorbringen muß. Ich erhielt nicht längst ein rhomboidalisches Stück von solchem verwandleten Spathe; an welchem nichts, als etwas sehr weniges von seinen vorigen hellen Scheiben, gleich einem schlechten Glimmer noch übrig ist; nebst diesem bekam ich schon vormals verschiedene Schiefer, und Steinfiguren von dieser Art; an welchen man diese Abänderung stuffenweise abnehmen kan. Ist sodenn auch aus dieser Erscheinung klar zu sehen: daß noch heut zu Tage Steine entstehen; sich veränderen, zu Grunde gehen; und in andere verwandlet werden. So alles genugsam beweiset: daß in dem Steinreiche, und Fossilien kein eigentlicher organischer Saamen, und dessen allgemähliche Entwicklung, wie bey den Pflanzen; und Thieren statt habe: sondern daß vielmehr das ganze Werk ihres Ursprungs, und Unterschieds durch Zusetzung, Abnehmung, und Vermischung der manigfältigen Grundtheilchen nach der weißesten unendlichen Vorsicht, und Ordnung des großen anbethenswürdigen Meisters der Natur nach und nach sich ereigne. Ehe und bevor ich von diesem Spathe noch zu etwas anderen schreite: kan ich nicht unterlassen meinem überlästigen Einfalle Gehör zu verleihen. Es deucht mir; als hörte ich schon einen, und den anderen besonders über den von mir vorausgesetzten, und oben zur Ursache angeführten arsenikalischen Schwaden sich nicht wenig aufhalten; und mir folgenden Einwurf machen. Von diesen arsenikalischen Ausdünstungen ist wohl weder in dem Steine selbst, wenn er gebrannt wird, noch in dem Kalksteinbruche, und in dessen Gegend jemals etwas verspäret worden. Wilkührlich nimmt man also an, und ohne Erfahrniß, ja wider dieselbe, diesen Schwaden als das vornehmlichste Werkzeug des dabey gefundenen Spaths. Und weil also der Grund dieses ganzen Gebäudes der Auslegung von der Entstehungsart des Kalkspaths so schwach und wankelbar ist; so fällt die gänzliche Erklärung von sich selbst über den Haufen. Es ist wahr: daß dieser arsenikalische Schwaden nicht in diesem Bruche sich so vermerken läst: als wie man seiner etwa wahrnimmt in Koboldgruben, oder anderen dergleichen; wo er in was immer für Erze sichtbarlich zu Hause ist. Aber eben diese seine ausnehmende Feinheit; und dem Geruche, und Auge sich so entziehende Verdünnung, und Flüchtigkeit ist die Ursache: daß kein arsenikalischer Kieß, oder andere Erzart, sondern der Spath vielmehr, und allein von demselben gebildet werde. Ja wenn er auch in etwas größerer Dichte, und Menge allhier wirklich aufsteigen sollte: so wurde man ihn doch noch nicht verspüren können: indem er an diesem Mergel, und Kalksteine keine taugliche Mutter zu seiner sichtbaren Erzeugung, oder Anhäuffung antrifft; weil sie ihn als den feinsten, und flüchtigsten Dunst nicht Zeit genug sich zu sammlen gestattet: sondern entweder ihn sogleich durchläst; oder mit der kalchichten Modererde der verwesten Muscheln; und anderen ähnlichen Theilchen fest verknüpfet. Wenn sie dem Hrn. Eller (wie sie es ohne Gefahr eines Betrugs sicher thun können) glauben; und seinem wohlausgearbeiteten mit tüchtigen und hinlänglichen Versuchen befestigten Lehrgebäude von der Entstehung der Mineralien trauen wollen: so wird ihm zufolge gleichfals alles Eisenerz aus den arsenikalischen Dünsten erzeuget. Und findet man nicht wohl öfters solche Eisengruben: in welchen man keine merkliche Spuren des Arsenicks selbst beobachtet? ja in den meisten Eisensteinen, wenn sie auch sehr heftig durchgeglühet worden sind: werden sie niemals den geringsten arsenikalischen Geruch; noch den ihn sonst verrathenden weißlichen Knoblochrauch entdecken. Wer hat jemals aus dem Bleierze nur das kleinste merkliche Theilchen des Arsenicks, durch was immer für ein Feur ausgetrieben? ungeacht dessen derselbige das vornehmste Hervorbringungsmittel des Bleies ist. Denn die vorzügliche Schwere desselben (gleichwie auch unseres Spaths) bezeiget hinlänglich: daß in beyden die merkurialische Erde am häufigsten zu Hause ist; welche ebenfals der Grundstoff des Arsenicks ist; und dessen große Flüchtigkeit durch die glasartige, oder anderen zusammgesetzten Erden, zum Theile, wie schon oben von dem Spathe gesagt worden gehemmet; und durch eine besondere Mischung in eine nicht so leicht zertrennliche Feste verwandlet wird; zum Theile aber auch aus anderen Nebenumständen; die sich eben allhier ereignen; in die freye Luft gar zu geschwind verjaget werden; obschon sie mit noch häuffigeren merkurialischen, doch nicht mehr puren Theilchen, bald wiederum, oder fast zu gleicher Zeit, anzuwachsen pflegt. Schadet folglich meiner gegebenen Erklärung des erzeugten Spaths in dem Kalksteinbruche im geringsten nichts, daß man des arsenikalischen Schwadens nicht sichtbarlich gewahr wird. Es ist schon überflüßig genug: daß seine Gegenwart aus der Schwere des Spaths, und des Kalksteines; als aus einem untrüglichen Zeichen der merkurialischen arsenikalischen vornehmsten Bestandtheilen in Gesellschaft der glasartigen, und brennbaren Erde allhier sattsam sich darbietet.

Tophstein und Sinter.

§. 4. Nebst dem im Steinbruche kurz bevor beschriebenen Spathe, wird man allda noch ferners gewahr eines auf mannigfältige Weise figurirten Tophsteins, und Sinters. Ich erhielt unter anderen einen; welcher etwas röthlich gefärbt inwendig gegen einem Punkt zu gestreift erschien. Andere hatten bald flache, bald erhobene, bald niedergedruckte Lagen übereinander. Noch andere waren im Gegentheile von ganz unregelmäßiger, und unordentlicher Figur, und Größe. Sie brausten alle mit Scheidewasser. Auf gleiche Weise hielt der Sinter, oder Trophstein (den ich hier antraf) keine ordentliche Figur; er zeigte sich meistens so wie Eiszapfen; jedoch von bald größerer, bald kleinerer Krümmung. Und Wendung derselben; aus welchen er wunderlich zusammengesezt war. Die Entstehungsart beyder Steinen ist wie gewöhnlich sowohl dem Regenwasser, als dem Thau, und Schnee; und dessen gähen Auflösung zuzuschreiben. Denn zum ersten führt ein jedes Wasser, auch das, so uns der Regen aus den Wolken bringt, schleimigte; und erdhafte Theile bey sich. Wie es unter anderen schon längst Hr. Homberg in seinem bloß aus dem Regenwasser, bey jedweder sowohl natürlichen Hitze der Sonne, als des Ofenfeurs zur Winterszeit, sich aufrichtenden schleimichten Bodensatzes in Gestalt eines natürlichen Baumgewächses in verschlossener Viol beobachtet, und bezeiget hat. Dieser schleimichte Satz wird also von dem in die Ritze, und obere Spalten des Berges sich einziehenden Gewässer allgemach vermittels der Sonnen Wärme; und ihren eigenen aus der inneren Bewegung erfolgten Ausdünstung, auf einem härteren, oder leimichten festen Boden zurückgelassen; und theils mit den feinsten, auch durch die Luft zugebrachten Staub, oder auch der oben liegenden Mergelerde vermenget; und endlich durch die schon vorher behaupteten von unten aufsteigenden Dünste in eine spathartige, oder selenitische Masse verkehret. Die Figur desselben ist ganz zufällig; und kömmt von dem verschiedenen Zutritte theils des Wassers, theils der ungleichen Absetzung ihres Schleims her. Die strahlenförmige Blätchen scheinen mir durch eine Art Kristallisation diese so ordentliche Lage erhalten zu haben: wie aber eigentlich solche vor sich gehe: ist noch nicht genugsam zur Zeit in der Naturlehre ausgemacht. Auch die fleißigsten, und größten Männer in diesem Fache, als Linnäus selbst haben noch keinen allgemeinen Beyfall in ihrer Meynung von dem Salze; als worinn sie hauptsächlich den Grund dieser Erscheinung setzen, bisher erhalten; daher ich auch für dießmal diesen Punkt unberührt vorbeygehen lasse. Was den Sinter anbelangt: so ist seine Entstehung gar wohl begreiflich. Die Grundmaterie ist in demselben gemeiniglich einerley mit dem Tophstein; nemlich eine schleimichte mit kalkartigen Theilen vermischte von dem Regen, oder anderen sattsammen Feuchtigkeiten niedergesetzte, oder von neuen aufgeweichte Guhre. Welche wenn sie von oben zwischen den kleinen Fugen; oder durch eine sandartige Masse sich durchziehet; und in Tropfen nur zum abfallen zusammenfliest; wegen ihrer Zähigkeit das Wasser zwar fahren läst: den Satz hingegen in freyer Luft bald verhärtet; und nach einer wiederholten Ueberziehung durch beständigem Zufluße oft gleich einer Zwiebel ein Häutchen mit dem anderen einschließt; und eben aus dieser Ursache ungleiche Zapfen und unförmliche Kügelchen durch solche ungleiche Ansetzung; und Zuwachs zurückläst. Man findt auch in der Stadt allhier in einem Keller eine Art von Sinter: welcher von dem Gewölbe auf die Kanten abtropfet: und den Schwämmen nicht unähnliche erhobene theils weißlichte, theils etwas bräunlichte halb kugelichte Massen bildet. Ja die Moldau selbst setzet in dem Bubenetzer Teichstollen einen weißen wellenförmigen Duckstein ab: welcher auf der Seite: wo er aufsitzt einen schwarzen sandartigen mit etwas glimmerichten Theilen durchgesetzten Grund hat; der da weder eine Mergelerde ist: weil er im Feur zu einem weißen sandigen Pulver wird; und sich weder verglasen, noch härter werden will: weder ein Selenit ist: weil er mit sauren Geistern stark brauset; und dieselbe begierig in sich schlucket. Von anderen der gleichen, die man um Prag herum antrift, will ich dießmals keine fernere Meldung thun.

Versteinerungen im Kalksteinbruche. Belemniten/ Orthoceratiten / Lituiten / und Ammoniten.

§. 5. Nach genugsammer Abbildung des Gebirges, wende ich mich nun zu den verschiedenen Seeversteinerungen: welche sowohl im Mergel, aber schon ganz morsch, und von der Zeit zerfressen; als auch in dem Kalksteine, theils mit, theils ohne Schaalen einem wachtsammen Auge sich anerbiethen. Von dem allda in zimlicher Menge sich befindlichen Kakedumuscheln hab ich schon kürzlich in der ersten Abhandlung, was ich beobachtet, angemerket.

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