Henckel – Stephani 1747
Johann Friedrich Henckel – Johann Emanuel Stephani (ed.), Henkelius in Mineralogia Redivivus, Das ist; Hencklischer Aufrichtig und gründlicher Unterricht von der Mineralogie oder Wißenschafft von Waßern, Erdsäfften, Saltzen, Erden, Steinen und Ertzen, nebst angefüngsten Unterricht von der Chymia Metallurgica…, Dreßden [Johann Nicolas Erlacher] 1747.
Eingang.
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Caput V.
Von Steinen.
p. 26
Die Historie von Steinen nun liegt in solcher Unordnung, Mißverständniß und Æqvivocation, daß man alle Mühe hat, sich daraus zu finden. Am sichersten gehet man, wenn man das verschiedliche Absehen in acht nimmt, in oder nach welchem die Eintheilung gemacht wird, oder gemacht werden soll.
Denn anders theilet die Steine der Hauswirth, ein anders der Jubelirer, anders der Steinmetze und Bildhauer, anders der Bergmann, anders der Physicus oder Gelehrte; Daher z. E. die distinctiones kommen in lapides pretiosos & minus pretiosos, in Qverz und Spat, in Pflastersteine und Mauersteine, in scissiles & minus scissiles, in Sandstein, Alabaster und Marmor, in Kalck, Kiesel und Schiefersteine &c.
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p. 30
Nach der Härte gehen erstlich vor alle Edelgesteine, ausgenommen der Türckis, Opal, Malachit &c. hernach kommen alle Kiesel- und Marmorsteine, hierauf alle gemsige, schiefrige, mergelartige, Gipß- Alabaster und Kalck-Steine.
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pp. 34–36
Aus dem Verhalten gegen das Feuer ist auch nichts zulängliches zu nehmen, denn will man auf die höchste Probe, das ist die Verglasung gehen, so sind ja alle Steine darinnen fließend und zu Glaß zu machen, nemlich durch gehörigen Brennspiegel. Man müste denn die distinction unter leicht zu verglasende, und schwer zu verglasende, oder leichtflüßig und strengflüßige belieben, da nehmlich das Küchenfeuer im Glaßofen viele Steinarten zwar bezwingen kan, manche aber z. E. Kalckstein, Pimsstein &c. schwerlich oder gar nicht kan, sondern solche dem Brennglase überlassen muß: allein das wäre keine real-distinction unter Sachen nach demjenigen Umstande, nach welchem dieselben nur gradu differiren.
Und da nun selbige in Ansehung des Verhaltens gegen das Feuer hierinnen differiren, daß theils strengflüßig, theils aber leichtflüßig, so sind ad A. strengflüßig, a) Qverz oder Kieselstein, wohin auch vornemlich gehöret Bergcristall, ferner Sandstein und einige bundte Steine, welche die Farbe in Feuer verliehren und wie ein gebrandter Kieselstein oder Cristall werden, z. E. Amethyst, Rauchtopas und anderer unächter gelber Topaß, dahero auch nur die Cristallhärte haben. b) Hornstein, dahin gehöret das Geschiebe, so in Feldern befindlich, Küchenfeuerstein, woraus die Flintensteine geschlagen werden. Ferner der jenige, so bey Bergwercken in Klüften und Gängen vorfällt, von einer hornigen Consistenz ist, bald braun, bald roth, bald gelbe, bald weiß, blaulich und schwärzlich vorkommet und von andern Leuten nur anders, nehmlich Jaspis, Achat u. d. g. genennet zu werden pfleget. c) Alle diejenigen Geschiebe, Nieren und Flezsteine, z. E. Achat, Onyx, Carniol, inländischer Opal, Chalcedon u. d. g. welche alle hornig aussehen, auch im zerschlagen, schneiden und poliren sich zähe erweisen.
B. Die leichtflüßigen Steine sind a) Kalckstein, welcher dem Kieselstein gerade entgegen stehet. Dahin gehöret Stinckstein, Luchsstein oder belemactes, und der Marmor insgemein, als welcher zur Bearbeitung weich und milde erfordert wird. b) Alabaster, so vom Kalckstein weiter nicht differiret, als daß er sich nicht sehr erhitzet und geschwinder bindet; dahin gehöret so wohl lebendiger Kalck, d. i. gebrannter Kalckstein, Gips oder gebrannter Alabaster. c) Spat, ein Mittelstein zwischen Kalckstein und Kieselstein, dahero sich wie Kalckstein nicht so wohl brennen lässet, aber doch zerfället, und welcher gleichwohl von der Natur des Kalcksteins mehr als des Kieselsteines participiret; Dahin gehöret Spiegelspat, wenn er in spiegelnden Blättern bestehet. Frauenglas, wenn die Blätter sehr groß und zart fallen.
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pp. 38–40
Aus dem Verhalten gegen scharfe Wasser leuchtet noch der beste Umstand hervor, welcher eine Eintheilung derer Steine, nach ihrer Natur und Mischung an die Hand geben dürfte. Denn etliche Steine zerlösen sich, z. E. in Spir. sal. comm. nehmlich Kalck und Gipsstein, wenn sie zumahl gebrannt sind, ja auch roh genommen, andere aber bleiben sowohl in diesem, als in einen andern acido unverändert.
Diejenigen, so solche Erden oder Steine ein alcali nennen, welche mit den acidis effervesciren, und sich von diesen auflösen lassen, dürften hier bald ein Loch finden und die Steine eines theils unter den Titul derer alcalischen zu bringen suchen: Allein erstlich wäre nicht abzusehen, wie man die andern taufen wolte, und hernach wäre es auch wider die Distinction eines alcali, nach welcher dieses ein Salz seyn muß, ein Salz aber in Wasser zerlößlich ist und durchs filtrum gehet, wohin man aber Steine so schwerlich als Camele durch ein Nadelöhr bringen wird.
Inzwischen giebt doch der Steine Verhalten in scharfen Wassern ziemlichen Anlas zum wenigsten einige Art Steine zusammen in eine Classe, nehmlich unter dem Tittel derer lapidum calcarearum, oder Kalckgesteine zusammen zu ziehen. Wenn man zumahl betrachtet, wie solche in Ansehung der Durchbrennung im Feuer, und der Löschung in Luft und Wasser übereinkommen.
Um nun endlich einen Versuch zur Classirung derer Steine zu thun, so wollen wir dieselben folgendermassen eintheilen, so lange bis wirs besser lernen.
Die Steine sind entweder calcarei, oder silicei, oder calcareo-silicei, oder limosi.
Lapides calcarei, sind entweder lapis calcis vivæ, Kalckstein, so gebrannt zum Mauern gebraucht wird; oder alabastrites, Alabasterstein.
Lapides silicei sind 1) alle Edelgesteine, so wohl primi als secundi ordinis. 2) Kieselstein, Sandstein, so aus lauter kleinen Kieselsteingen bestehet.
Lapides calcareo-silicei, d. i. die sowohl von der Natur jener als dieser participiren, oder weder pure Kalcksteine sind, sind z. E. Spat, Talck, Frauenglas, Glimmer, Gemß, Stalactites albus, weiser Tropfstein, und die so genannte Eisenblüthe &c. Denn dergleichen lassen sich bald wie ein Kalckstein brennen, geben auch durch die Ablöschung im Wasser einen schwefelleber- oder salzigen Geruch, thun aber weder Kalches noch Gipses Dienste.
Lapides limosi, so von vorgedachten beyden ganz unterschieden sind, haben eine fette, schlammige Erde zum Grunde, z. E. Schiefer, als welcher ohne allem Zweifel aus einem Schlamm entstanden ist; Kneuß, so weder ein Kalckstein, noch ein Kiesel, noch ein Spat ist; Mergelstein, so aus einer Mergelerde bestehet. Vielmahls kommen Steine vor, welche von zweyen dieser Arten vermenget sind, z. E. der allgemeine Knauer, Bruchstein oder Fels, so insgemein aus lauter kleinen stratis oder Absätzen von Kiesel oder Spat und Glimmer zusammen gehäufet ist.†
† Mehrere Nachricht kan der geneigte Leser in des Autoris kleinen Mineralogisch-Chymischen Schriften finden.
pp. 302–304
Das siebende Buch,
Von Erden.
Sect. I.
Von Erdfarben.
ERdfarben gemacht, a) durch die Waschung, b) durch die Brennung.
2. Es giebt Erden, welche schon so fein und farbig sind, daß sie weder gewaschen noch gebrannt werden dürfen, aber die meisten bedürfen das erste, und viele werden durch das andere schöner ausgebracht.
3. Wenn die rohe Erde schon diejenige anständige Farbe hat, so giesset man nur reines Wasser drauf, zerrühret es wacker und schwencket es untereinander um, giesset das klare ab, und verfähret mit den übrigen wie vor; das abgeossene lässet man entweder gleich setzen und trocken werden, oder wenn noch grobes darunter ist, so stellet man durch abermaliges Schlämmen noch eine Separation an, sortiret also die Schlämme und Erden, und zwinget sie vor das Comercium durch eine Presse in Formen.
4. Stossen muß man in dieser Absicht die rohen Erden nicht, darum, weil sonsten die darinnen verwickelten zumahl farbigen Sände und Steingen sich mit zerkleinen, vererden, und also die Farbe entweder schwächen, oder gar verderben.
5. Nun giebt es aber viele Erden, welche entweder an sich keine, oder doch nicht so hohe Farbe, auch wohl eine Farbe haben, die man nicht haben will. Wenn man sie aber brennet oder glüet, so bekommen sie theils ganz andere, theils höhere Farben, und zwar nachdem sie kurz oder lang, wenig oder starck Feuer erfahren haben, z. B. Lehm wird erstlich ochergelb, hernach ziegelroth, dann braunroth und endlich dunckelbraun.
6. Wenn aber die Erden durch zu starckes Feuer harte und wie Stein werden, welches man wegen intendirter Farbe nicht wohl vermeiden kan, so muß man sie pochen oder mahlen und mit Schlämmen, sortiren und pressen verfahren, wie gesaget.
7. Hieher gehören auch Steine, (denn Steine nichts anders als verhärtete Erden sind,) welche durch Brennen öfters so schöne Farben geben, als man nicht hätte dencken sollen. Z. E. Mancher Gallmeystein, brauner Eisenstein und die eisenschüßigen Steine insgemein.
8. Da wir etliche solche Steinerden durch die Brennung zur Probe genommen, so gab a) Böhmischer Gallmey von Tzscheeren, der wie ein gelbgrauer Lehm aussiehet, eine schöne hochrothe Farbe. b) Pohlnischer gelber Gallmey, eine Isabellfarbe, c) Umbra von Berggießhübel eine hohe Zimmtfarbe. d) Zinnoberletten von Slana eine Rosenfarbe. e) Gelbe Gerbererde eine ziegelrothe Farbe. f) Braunstein bleibet ungeändert, und also eine schwarze Farbe.
