Beckmann 1772/III

Johann Beckmann, Physikalisch-ökonomische Bibliothek, worinn von den neuesten Büchern, welche die Naturgeschichte, Naturlehre und die Land- und Stadtwirthschaft betreffen, zuverlässige und vollständige Nachrichten ertheilet werden III/3, Göttingen [Wittwe Vandenoeck] 1772.


Johann Beckmann (1739–1811) was a German natural scientist and technologist from Hanover. He studied in Göttingen, Brunswick, and the Netherlands, and later worked in Russia, also travelling to Denmark and Sweden. In 1766, he was appointed Associate Professor at the University of Göttingen, where he subsequently became a member of the Royal Scientific Society. Beckmann was deeply interested in various manufacturing processes, which he introduced to his students and discussed in several of his publications. From his Physikalisch-ökonomische Bibliothek (1772) we include a passage in which he comments on the findings concerning the preparation of Naples yellow, as published by August Denis Fougeroux de Bondaroy (1732–1789).


I.

Histoire de l’academie royale des sciences. Année 1767, avec les Memoires de Mathematique & de Physique, pour la même année, tirés des Registres de cette Academie. A Paris, de l’imprimerie royale. 1770, 830 Seiten in 4.

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pp. 228–332

Aus der, wie gewöhnlich, vorgesetzten Histoire de l’Academie. Le Roi streitet heftig wider diejenigen, welche die Verwandlung des Wassers in Erde behaupten. Den Versuch, den Boyle erzählt, daß Wasser, nachdem es 200mal destillirt worden, drey Viertheil seines Gewichts Erde gegeben, verwirft er als unzuverläßig, und eben so gut hätte er des Helmonts Versuch mit der Weide verwerfen können, als der auch nur von einem Gärtner angestellet worden. Markgrafs Versuche sind die wichtigsten. Aber alle von diesem Gelehrten im reinsten Regenwasser gefundene Erde, soll schon vorher im Wasser unsichtbar vorhanden gewesen seyn. Da sie so fein darinn vertheilt gewesen, daß sie mit den Dünsten zur Höhe der Regenwolken aufsteigen können, so sey es nicht wundersam, daß nicht gleich die erste Destillation, woben das Steigen der Dünste ungleich geringer ist, alle Erde auf einmal trennen könne. Bey jeder Wiederholung erhält man eben dieselbige kalkichte Erde, die zum erstenmal beym Durchseihen erhalten wird. – Fougeroux hat um Denainvilliers eine Cicade angetroffen, aber die Art ist nicht bestimt. – Am Ufer der Rhone giebt es noch Biber, (aber wenige Kentniß der Thiergeschichte zeigt es an, wenn gesagt wird, man hatte dieses Thier in ganz Europa nicht mehr erwartet. Auch im Luneburgischen sind Biber. Bibl. I. S. 134 und II. S. 205 ). Die Cartheuser, die kein Fleisch essen dürfen, kaufen sie, eben wie die Ottern, theuer, und verspeisen sie, aber unter dem Vorwande, daß sie zu den Fischen gehören. – Sonderbare Würkungen des Blitzes, unter andern hat er in einem hölzernen Kasten viel Eisengeräth geschmolzen, ohne ein halbes Pfund Schießpulver, so im Kasten gleichfals gewesen, zu zünden. – Bäume, die jenseit des Aequators zu Hause gehören, wo Sommer ist, wann wir Winter haben, haben auch ben uns noch in den Wintermonaten den stärksten Trieb zum Wachsthum; aber Pflanzen derselbigen Art, die in Europa aus Samen gezogen, betragen sich nicht so. – Wir übergehen hier die Aufsätze, welche die Medicin, Anatomie und Mathematik betreffen; auch Duhamels Wetterbeobachtungen. Hingegen müssen wir die schon im vorhergehenden Bande angezeigte, nun aber durch Versuche bestätigte Bereitung einer gelben Farbe nicht übergehn.

Man erhält dieselbe aus Neapel, unter dem Namen neapolitanisches Gelb, oder Giallolino, und gebraucht es zur Miniatur und Schmelzmahleren, wo es ein weit angenehmeres, höheres Gelb giebt, als Operment, Masticot und Oker, auch sich besser mit andern Materialien und mit Gummi, Oehl und Wachs zur Encaustik mischen läst; auch ist sie an der Luft standhaft. Selbst in Neapel ist die Bereitung wenig bekant, indem nur ein jetzt schon bejahrter Mann selbige weiß, und zu seinem Vortheile ganz geheim hält; und man vermuthet, die ganze Kunst werde mit ihm aussterben. Dies veranlassete den H. Fougeroux de Bondaroy dieses Product genauer zu untersuchen, und durch chemische Versuche die Bereitung zu entdecken, welcher Vorsatz ihm auch völlig geglückt ist. Vor ihm haben die meisten dies Gelb für ein Mineral, einige für eine Oker, andere für eine Art Bolus, noch andere für ein Product des Vesuvs gehalten; nur H. Pott ist der Wahrheit am nächsten gekommen, indem er es für einen durch heftiges Feuer hervorgebrachten Körper gehalten hat. Die hier gegebene Beschreibung passet völlig auf diejenigen Proben, die wir von verschiedenen Materialisten für unsere Samlung haben kommen lassen. Es scheint eine Kruste zu seyn, die etwa drey oder vier Linien breit ist, aus einem körnichten Wesen besteht, und eine große Schwere hat. Zuweilen sieht man noch Spuhren vom Gefäße, worinn dies Gelb bereitet worden. Inzwischen kan man es auch von Neapel als ein feines Pulver kommen lassen. Die Farbe zieht keine Feuchtigkeit an sich, auch zerfale sie nicht an der Luft; im Wasser vertheilt sie sich einige Zeitlang, fält aber hernach, wie andere Magisteria, zu Boden; sie brauset nicht, und das Wasser, worinn man Giallolino aufgelöset hat, giebt einen Selenit und ein Salz. Mit Glaßfritte giebt das Gelb ein milchweißes Glaß, weswegen es nicht martialisch seyn kan; ja, das geringste beygemischte Eisen verdirbt das schöne Gelb gänzlich. Mit brennbaren Dingen versetzt giebt es einen König, der leicht schmilzt. Dieser beweiset seine Abkunft vom Bleye dadurch, daß er Glatte giebt und sich vergläset, weswegen kein Zinn da seyn kan. Auch Eisen ist nicht da, weil das Vitriolsauer unwirksam ist. Nach einigen Versuchen zeigte sich, daß man wahres neapolitanisches Gelb erhält, wenn man 12 Unzen Bleyweiß, eine Unze Alaun, eine Unze Salmiak und drey Unzen Spießglaßkalk (Antimoine diaphoretique) genau mischet, und solches in einem offenen Gefäße in ein nicht starkes, aber anhaltendes Feuer bringt. Von dem Kalke des Spießglases und von der Alaun Erde leitet H. F. die Dauerhaftigkeit dieser Farbe, die es vor andern bleyischen Bereitungen hat, her. Wir haben diese Bereitung aus den Schriften der Akademie fürs Jahr 1766 S. 303 gezogen; in dem Theile, den wir eigentlich angezeigt haben, steht nur die Nachricht, daß man dies nachgemachte Gelb in den Proben auf Porzellan eben so gut, als das neapolitanische gefunden hat. Wir sehen übrigens noch hinzu, daß die Vorschrift, welche de la Lande zur Bereitung dieser Farbe vom Prinzen Severo erhalten hat, mit der obigen in der Hauptsache überein komt. Wir haben sie gefunden in Voyages d’un François en Italie. Vol. 6 p. 397.

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