Gmelin 1786
Johann Friedrich Gmelin, Grundsätze der technischen Chemie, Halle [Johann Jacob Gebauer] 1786.
Erste Abtheilung.
Technische Chemie der Mineralien.
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pp. 58–72
Drittes Kapitel.
Vitriole.
§. 110.
Vitriol ist ein Salz, das aus der Verbindung der Vitriolsäure mit einem Metalle entspringt.
§. 111.
Diejenigen Arten des Vitriols, die im Handel und Wandel gehen, unterscheiden sich durch einen mehr oder minder herben Geschmak, dadurch, daß sie leicht in Kristallen anschießen, die aber an der Luft Klarheit, Farbe und Vestigkeit bald verlieren, daß sie zwar anfangs in Feuer leicht, und so dünn als Wasser fließen, aber nachher erhärten, und denn auch im stärksten Feuer nicht wieder in Fluß zu bringen sind, endlich, daß sie zu ihrer Auflösung weniges Wasser erfordern, und diese nicht nur, wenn Pottaschenlauge, sondern auch wenn Blutlauge damit vermischt wird, trüb wird, und einen Saz zu Boden fallen läßt, der ausgewaschen, getroknet und mit schwarzem Flusse geschmolzen, ein wahres Metallkorn darstellt.
§. 112.
Auch sie stellt uns die Natur wenigstens nicht in der Menge, in welcher sie zu mancherlei Gebrauch erfordert werden, schon ganz ausgebildet dar: den grössern Theil scheidet die Kunst erst aus den Körpern, in welchen sie stecken; aus natürlichen Wassern, aus Erden, hauptsächlich aus Kiesen und mancherlei Erzen.
§. 113.
Sie verrathen sich theils schon in dem ganz rohen Zustande dieser Müttern, theils nachdem sie eine Zeitlang in der Luft gelegen haben, oder geröstet sind, und nun zerfallen und gleichsam weisses Meel auswittern, durch den Geschmak; noch mehr aber, daß sowohl jene natürliche Wasser, als Wasser, womit man die Erden, Kiese oder Erden gekocht hat, von Pottaschenlauge und Berliner-Blaulauge trüb werden, und wenn man sie über dem Feuer so weit einkocht, bis man gleichsam Körnchen auf ihrer Oberfläche wahrnimmt, noch heiß durchseiht, und nun in die Kälte sezt, Kristallen darinn anschiessen.
§. 114.
Will man aber genau wissen, wie viel Vitriol in diesen Körpern stekt, so verfährt man auf folgende Weise: Ist es ein vitriolhaltiges Wasser, so dampft man es über einem Feuer, über welchem es nie zum Kochen kommen muß, so lange ab, bis sich gleichsam Salzkörnchen auf der Oberfläche zeigen, und sezt sie denn in die Kälte; hier schießen Kristallen an; von diesen gießt man die darüber stehende Feuchtigkeit ab, nimmt die Kristallen heraus, und troknet sie ohne Wärme zwischen Loschpapier: die Flüssigkeit aber, die über ihnen stand, behandelt man wieder eben so, und wiederholt dieses so oft, bis endlich keine Kristallen mehr daraus anschießen; alle Kristalle zusammen wägt man, nachdem sie getroknet sind, genau ab; ihr Gewicht zeigt an, wie vielen Vitriol man aus der untersuchten Menge Wasser zu erwarten hat.
§. 115.
Sind es noch unzerfallene Kiese oder andere schwefelhafte Erze, aus welchen man Vitriole gewinnen will, so müssen sie, ehe man die Prüfung vornimmt, geröstet werden; bei andern ist diese Vorbereitung überflüssig; man wägt nur ein bestimmtes Gewicht davon ab, stößt sie in Stücke so groß als Haselnüsse, gießt in einem hölzernen Geschirr sechsmal so vieles heisses Wasser darauf, läßt es 24 Stunden lang darüber stehen, rührt es fleissig damit um, gießt es nach dieser Zeit in einen bleiernen Kessel, der über dem Feuer steht, gießt es kochend noch einmal auf das Erz, rührt es wieder öfters damit um, gießt es nach 24 Stunden ab, seiht es durch, bis sich Salzkörnchen auf der Oberfläche zeigen, und sezt es nun in einem hölzernen Geschirr in die Kälte; hier schießt der Vitriol an; man nimmt ihn etwa nach acht Tagen heraus, und troknet ihn ohne Wärme; die Flüssigkeit, die über dem Vitriol steht, behandelt man wieder eben so, und wiederholt dieses so oft, bis kein Vitriol mehr anschießen will; was noch von Vitriol anschießt, wirft man mit dem erstern zusammen, troknet es, und wägt es genau ab; sein Gewicht giebt die Menge des Vitriols an, welche man aus einem bestimmten Gewichte des Erzes zu erwarten hat.
§. 116.
Um den Vitriol im Großen auszuziehen, müssen die trockenen Körper, worinn er stekt, vorher gestossen (gepocht) und Kiese und schwefelreiche Erze, wenn sie nicht schon von selbst zerfallen und ausgeschlagen sind, oder durch bloßes Liegen an der Luft verwittern, geröstet werden, dadurch wird der Schwefel, der die Einwirkung des Wassers hindert, theils abgetrieben, theils zerstört, und läßt denn seine Säure zurük, die mit dem Metall den Vitriol bildet: dieses Rösten kann daher leicht, man mag es in Retorten, oder besser in offenen Rosthaufen vornehmen, so eingerichtet werden, daß der Schwefel zugleich aufgefangen und erhalten wird. Aber bey manchen Kiesen und Erzen ist das Rösten noch nicht genug; sie müssen erst noch eine Zeit lang an der Luft liegen, da zerfallen und mit einem weissen Meele beschlagen.
§. 117.
In Italien, in England, auch in Zweibrücken geschieht das Ausziehen, oder das Auslaugen des Vitriols an offenen Plätzen, welche mit vestgestampften Thon und Cimenterde beschlagen sind, und entweder an der Anhöhe eines Hügels liegen, oder aus mehreren sich gegen einander neigenden schiefen Flächen bestehen; in Teutschland aber bringt man die Körper, nachdem sie auf die (§. 116.) erwähnte Weise zubereitet sind, auch zuweilen unter freiem Himmel in einen oder besser in mehrere unter einander stehende hölzerne viereckige Kästen (Laugekästen) Fässer oder Bütten (Treckbütten), gießt, nachdem man diese beinahe ganz damit gefüllt hat, Wasser, am besten kochendes, ungefähr so viel darauf, daß es drei Queerfinger hoch darüber steht, rührt es fleißig mit eisernen Krallen um, und läßt es einige Zeit lang darüber stehen.
§. 118.
In Sachsen leitet man das Wasser, wenn es im ersten Kasten eine Zeit lang über dem Erz gestanden hat, in den zweiten, von da in den dritten u. s. f. immer wieder auf frisches Erz; zu Goslar gießt man das Wasser aus den Treckbütten (wilde Lauge) in die mit jenen gleich große Schierbütten, und füllt sie ganz damit an; sie haben eine Butte, und an dieser von oben bis unten Zapfenlöcher mit Zapfen, unter sich aber ein Gerinne, durch welches die Lauge in eine dritte gleich große zunächst an der Siedepfanne in der Erde stehende Butte (Sumpfbutte), und aus dieser durch eine Pumpe in die Siedepfanne selbst geleitet wird.
§. 119.
In Sachsen kocht man die Lauge, wenn sie in dem zweiten Kasten über dem Erze 12 bis 13 Stunden lang gestanden hat, in einer bleiernen Pfanne (Schwefelpfanne, Rohpfanne), bringt sie von da in einen hölzernen Kasten (Salzkasten, Lauterkasten,) und wenn sich da die gelbe Ocher (Schlam, Schmand) niedergesezt hat, in einen Sumpf unter der Wachsbank, und wenn sie so stark ist, daß sich ein Ei darauf hält, in die Siedepfanne; in Goslar hält man sie für stark genug, wenn sie nach der Wasserwage zwanzig Loth hält.
§. 120.
So zubereitet kocht man die Lauge in dem Kessel oder in der Pfanne (Gutpfanne), die gewöhnlich von Blei gegossen ist, gießt, wenn sie an Höhe abgenommen hat, immer wieder neue nach, und wirft von dem Metall, welches der Vitriol enthalten soll, um ihn ganz damit zu sättigen, noch etwas darein, ist sie (gar) so stark eingesotten, daß sie, wenn man etwas davon ganz heiß in einen kalten hölzernen Trog fallen läßt, in kurzer Zeit anschießt, so bringt man sie am besten in einen oder mehrere hölzerne Kästen (Lauterkasten); zu Goslar nach zwölf Stunden aus diesen in kleinere länglichte; fängt sie da an, kalt zu werden, so legt man 7-8 Stük Latten voll kleiner Löcher darüber, und stekt in jedes dieser Löcher ein Rohr, an welches sich denn so wie an den Boden und an den Seiten der Vitriol ansezt: In Sachsen sind in den Lauterkästen nicht weit von dem Boden lose Bretter so angebracht, daß das Klare durchseihen kann; hat sich da alles Trübe abgesezt, so bringt man die Lauge zum Anschießen in eine grosse Wachsbank, oder in mehrere kleinere (Wachströge) länglichte und abschüssige Kästen, und hängt Hölzer darein, um Stäbe daran zu bevestigen, die so lang, als die Kästen tief sind.
§. 121.
Die Feuchtigkeit, die über dem Vitriol steht (Mutterlauge, Salzlauge) läuft von den Wachsbanken in einen darunter befindlichen Sumpf ab, sonst aber wird sie, nachdem der Vitriol herausgenommen ist, abgegossen oder abgezapft, und dieser, damit die Feuchtigkeit ablaufe, auf einen erhöhten abschüssigen Kasten, oder auf einen eigenen von vornen offenen und aus Dielen zusammengeschlagenen Jöckelkasten geworfen.
§. 122.
Zu Goslar wird das, was bei dem Uebergießen aus den Treckbütten (§. 118.) trüb zurükbleibt, zum Abklären in zwo andere gleich grosse Bütten (Schlambütten) und die Lauge (Schlamlauge) nachdem sie klar ist, zu der andern (§. 118.) gegossen; was unaufgelöst zurükbleibt, (§. 118.) wascht man mit Wasser aus, gießt dieses (Kernlauge) wieder in eine andere Butte (Kernbutte), und nachdem es sich abgeklärt hat, wieder zu der übrigen Lauge; was nun noch zurükbleibt, wirft man durch Körbe, und gebraucht sowohl das, was durchfällt (Vitriolklein), als das was zurükbleibt (Vitriolkern) bei dem Rösten der Kiese und kiesichten Erze wieder. Zu Dylta in Schweden nuzt man diesen Rückstand zu rother Farbe: Sonst kann man ihn auch, entweder wenn er noch nicht genug ausgelaugt ist, noch eine oder etlichemal auslaugen, oder, wenn er es ist, als Zuschlag bey dem Schmelzen der Erze gebrauchen, oder noch besser an die freie Luft werfen, und nach einem oder zwei Jahren wieder, zuweilen wohl zum vierten oder fünften male auf Vitriol, auch wohl auf Alaun nützen.
§. 123.
Was noch über dem angeschossenen Vitriol steht (§. 121.), kann in die Siedepfanne zurükgegossen, und mit der neuen Lauge versotten werden; am Stahlberge in Zweibrücken, siedet man, wenn kein Vitriol mehr daraus anschießen will, mit einem Zusaz von Seifensiederlauge Alaun daraus. Was sich von Eisenocher (§. 118. 119.) in den Kästen absezt, kann in kleinen mit einem hohen Gewölbe versehenen, sonst dem Zinnsteinbrennofen ziemlich ähnlichen Calciniröfen zu rother Farbe oder Braunroth gebrannt werden. Was von reichhaltigern Erzen nach der Gewinnung des Vitriols zurükbleibt, kann sehr wohl auf Metall verschmolzen werden.
§. 124.
Vom Vitriol sind drei Arten im Handel; grüner oder Eisenvitriol oder Kupferwasser, blauer oder Kupfervitriol, weisser oder Zinkvitriol oder Gallizenstein.
§. 125.
Der Eisenvitriol ist am häufigsten im Gebrauche; er hat einen herben, eigentlichen Dintengeschmak, und grüne, klare, blätterichte Kristallen mit rhomboidalischen Seitenflächen, die an der Luft gelblicht anlaufen, undurchsichtig werden und zerfallen, und, wenn sie in Wasser aufgelöst sind, mit Galläpfeln Dinte, und mit Blutlauge Berliner Blau geben: Ist er vollkommen rein, so hat er eine sattgrüne, nicht in die blaue spielende Farbe, und einen reinen Dintengeschmak ohne hintennach folgende Schärfe; er läßt, wenn er an einem angefeuchteten polirten Eisen gerieben wird, keinen Kupferstrich zurük; seine Auflösung in Wasser theilt, auch wenn sie warm ist, solchem Eisen, wenn man es darein legt, keine Kupferrinde mit; die Auflösung zeigt, wenn Salmiakgeist darauf gegossen wird, keine blaue Farbe, und läßt, wenn der Eisenvitriol schon daraus angeschossen ist, und sie noch weiter abgedampft wird, keinen andern Vitriol zu Boden fallen.
§. 126.
Zeigt der Vitriol durch diese Merkmale (§. 125.) daß er unrein ist, und, was das gewöhnlichste ist, Kupfer hält, so taugt er nicht zu allen Arbeiten und Bestimmungen, obgleich Färber und andere Künstler den kupferhaltigen dem reineren vorziehen, weil dieser zu vieles Wasser, und gewöhnlich mehr vorschlagende Säure hat, welche die Ware leicht spröde macht, und ihr einen fahlen Schein giebt. Zu anderem, vornemlich zum Arzneigebrauche muß er durchaus gereinigt werden.
§. 127.
Diese Reinigung beruht darauf, daß das Eisen von allen Säuren stärker gezogen wird, als das Kupfer, und also Kupfer, wenn es in einer Säure aufgelöst ist, von dieser scheidet; man löst also den Eisenvitriol in warmem Wasser auf, wirft, wenn er gang darinn zergangen ist, altes Eisen darein, gießt die Auflösung nach einiger Zeit, wenn man vermuthen kann, daß sich das Kupfer abgesezt hat, ab, und kocht sie (§. 120.) wieder ein.
§. 128.
Ausser dem Gebrauche des Eisenvitriols zu Dinte, zu anderer schwarzer Farbe, und zum Berliner Blau, zu welchem jede Auflösung des Eisens in Säure angewandt werden kann, und ausser dem, daß er, wenn man ihn in wenigem Wasser auflöst, in die Auflösung feingesiebten weissen Kalk streut, und alles abtroknet, eine gute rothe Farbe zum Anstreichen der Häuser bekommt, dient er, weil er wohlfeiler ist, als Alaun und andere Vitriolarten, aus welchen man diese Säure ebenfalls bereiten könnte, noch jezt in Teutschland, und hat vormals im Grossen fast durchaus allein dazu gedient, um Vitriolgeist und Vitriolöl zu verfertigen.
§. 129.
Weil der Vitriol in seinem gewöhnlichen Zustande vieles Wasser mit sich führet, von welchem er sich im Feuer stark aufbläht, und das, wenn es ihm beigemischt bliebe, die zu gewinnende Säure nur schwächen wurde, so wird er zuvor durch Brennen seines überflüßigen Wassers beraubt: Man bringt ihn zu diesem Endzwek, nachdem man ihn in kleine Stücke gestossen hat, in einem eisernen Topfe über ein Feuer, in welchem er fließt, und läßt ihn unter beständigem Umrühren und Abscharren von den Wänden des Topfes so lange darinn, bis er eine röthliche Farbe angenommen und die Hälfte seines Gewichts verlohren hat. Nun stößt man ihn klein, wenn sich große Klumpen darinn finden, und bringt ihn, noch so lange er warm ist, in thönerne (§. 89. 1.) beschlagene (§. 91.) Retorten, die man so weit damit anfüllt, daß noch der dritte Theil des Bauchs leer bleibt, sezt diese in einen Reverberirofen, oder mehrere derselbigen zugleich in einen Galeerenofen (§. 92.) legt eine Vorlage, allenfalls noch dazwischen einen Vorstoß an, verklebt die Fugen wohl, und gibt nun Feuer, anfangs gelinde, und steigt nach und nach damit auf; nimmt man wahr, daß die Tropfen, die aus der Mündung der Retorte herausfallen, kleiner werden, und sich der innere Raum der Gefässe mit grauweissen Nebeln anfüllt, so hält man mit dem Feuer etwas still, und nimmt, wenn der Hals der Retorte etwas erkaltet ist, die Vorlage ab, gießt, was darinn ist, und dis ist Vitriolgeist, oder eine mit vielem Wasser verdünnte Vitriolsäure, aus, und legt sogleich eine neue reine Vorlage an, küttet sie vest an, giebt nun wieder stärker Feuer, und steigt damit nach und nach so weit auf, daß die Retorte zulezt im Boden glüht; legt auch, um die übergehenden Dämpfe desto eher zu verdicken, mit kaltem Wasser naßgemachte Tücher auf die Vorlage, oder im Winter diese in Schnee: Sieht man endlich im innern Raum der Gefässe keine Nebel mehr, und aus der Mündung der Retorte keine Tropfen mehr herunterfallen, so hört man mit dem Feuer auf.
Ist die Vorlage gänzlich erkaltet, so nimmt man zuerst behutsam den Leim, denn die Vorlage ab, gießt die Flüssigkeit aus derselbigen mit dem, was sich in vesterer Gestalt oder als Eisöl innwendig in der Vorlage angelegt hat, durch einen Glastrichter sogleich in ein Glas mit engem Halse und mit einem Glasstöpsel oder in einen Krug von Steingut mit einem genau darein passenden und gebrannten thönernen Stöpsel: Die Vorlage aber spült man noch mit etwas Wasser aus, um so noch etwas schwachen Vitriolgeist zu erhalten.
§. 130.
Das Hauptprodukt dieser (§. 129.) Arbeit, das man in der zwoten Vorlage erhält, fließt zäh, wie ein Oel, und heißt daher, ob es gleich eine ätzende Schärfe hat, und sich mit Wasser mit starker Erhitzung innig vermischen läßt, Vitriolöl; wie stärker es sich mit Wasser und Oelen und Kächensalz erhizt, wie heftiger mit diesem und mit Laugensalz aufbraust, desto besser ist es; bleibt die Auflösung eines reinen Laugensalzes in hinreichendem Wasser auf das Zugießen des Vitriolöls, nach dem Aufbrausen klar, so ist auch dieses ein Beweis einer ziemlich grossen Reinigkeit; der Künstler beurtheilt diese nach der dunklen Farbe und dem Rauchen des Vitriolöls; allein beide Eigenschaften kommen von einem fremden, brennbaren Stoff, der freilich bei dem Gebrauche, den er davon gewöhnlich macht, nicht sehr schadet: Zu Nordhausen erlangt man bei einer Arbeit, die gemeiniglich mehrere Tage und Nächte in einem fort dauert, aus 7½–8 Centnern goslarischen Vitriols 70–90 Pfunde Vitriolöl.
§. 131.
Was vom Vitriol (§. 129.) zurükbleibt, (Kolkothar) enthält immer noch etwas Vitriolsäure, welche durch das Feuer wie ganz ausgetrieben werden kann: daher kann man es zur Gewinnung des Salzgeistes und des Bittersalzes aus der Mutterlauge des Kochsalzes (§. 54. 55.) anwenden; in England zieht man Kornbrandwein darüber ab, um ihm seinen widerlichen Geruch zu nehmen; oder brennt es noch einmal recht stark, reibt es nachher recht zart ab, und gebraucht es, unter dem Namen: rothe englische Erde, zum Poliren von Steinen und Metallen: Wascht man es so lange mit Wasser aus, bis dieses keinen Geschmak mehr davon annimmt, troknet es, und zermalmt es recht fein (§. 108.) so erhält man eine ähnliche rothe Farbe, (Vitriolroth), dergleichen auch die italiänischen Färber mit Harn zu ihren Arbeiten gebrauchen sollen. Man kann sich seiner in der Oel- und Frescomalerei zu Wasser- Leim- und Pastelfarben bedienen; auch giebt er, wenn er wie das Zinn (§. 617–620.) mit Küchensalz im Feuer behandelt, und mit einem Glase, das aus Kieselmeel und viermal so vieler Glätte, oder mit dreimal bis viermal so viel von einem Glase, das aus einem Loth gestoßener Barometerrohren, einem Loth Salpeters, und etwas über ein halbes Loth gebrannten Boraxes bereitet ist, zusammengerieben, und mit Spiköl oder Kieselfeuchtigkeit angemacht wird, sehr schönes rothes Email. Zu Deptford in England brennt man den Vitriol ohne seine Säure zu nüzen, unter beständigem Umrühren roth, und gebraucht ihn denn als Farbe.
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II. Abschnitt.
Technische Chemie der Erden und Steine.
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pp. 132–133
Zweites Kapitel.
Thonarten.
§. 250.
Die Thonarten brausen, wenn sie nicht mit Kalkerde verunreinigt sind, nicht mit Scheidewasser auf, nehmen, wenn sie mit Wasser befeuchtet werden, eine gewisse Zähigkeit an, schlucken überhaupt Wasser und Fett in sich und lassen es schwer wieder fahren, brennen sich im Feuer hart, und gehen dabei ein, erhitzen sich nach dem Brennen nicht mit Wasser, und gehen überhaupt keine Verbindung mit ihm ein, sind im gewöhnlichen Schmelzfeuer nicht, und, wie reiner sie sind, desto weniger in Fluß zu bringen, und treiben aus Salpeter und Küchensalz die Säure aus.
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pp. 148–149
Dritte Gattung.
Eisenhaltiger Thon.
§. 284.
Dieser Thon brennt sich im Feuer bald heller, bald dunkler roth, zeigt, wenn man etwas Leinöl darüber abbrennen läßt, Theilchen, welche der Magnet anzieht, und theilt dem Scheidewasser eine feuerrothe Farbe mit, macht auch, daß dieses, wenn es eine Zeitlang darüber gestanden hat, auf das Zugießen von Blutlauge einen blauen Saz fallen läßt, und von Galläpfeln schwarz wird.
Erste Art.
Farberden.
§. 285.
So wird aus einem grünlichten Thon in Oberitalien (Terra verte di Verona), und in Tirol, hier auch aus einem purpurblauen und umberbraunen Thon durch blosses Schlemmen a), eine schöne grüne, blaue und umberbraune Erdfarbe, die als Oel- und Leimfarbe, auch in der Frescomalerei, auf Wände, die schon zweimal mit Gips geweißt sind, gebraucht werden kann, und in Holland aus einem gelben Eisenthon, der in Berry gefunden wird, englisches und preussisches Braunroth bereitet, dessen man sich zum Anstreichen in Zimmern, zum Poliren des Spiegelglases, und zum Drucken auf Papier bedient b).
a) Von der Landwirthschaft in Tirol bei Beckmann a. a. O. S. 207.
b) Sage Memoir. de l’ Acad. royale des scienc. à Paris pour. 1779. à Paris. 1782. 4. S. 310-313. in Crell chem. Annal. 1784. B. I. St. IV. S. 343.
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p. 159
Siebende Art.
Pozzolanerde.
§. 305.
Pozzolanerde erhärtet, wenn sie mit Kalk und Wasser angerührt wird, und kann daher, so wie Traß und Basalt, wenn sie gemahlen sind (§. 226.) zu wasserdichtem Mörtel gebraucht werden.
IV. Abschnitt.
Technische Chemie der metallischen Körper.
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pp. 246–250
Fünfte Gattung.
Spiesglanz.
§. 471.
Der Spiesglanz hat ein strahlichtes Gefüge, eine schwarze Farbe und einen matten Glanz, schmelzt leicht im Feuer, giebt bei stärkerem Feuer in offenen Gefässen Schwefeldampf und Schwefelsflammen von sich, und geht in einem noch beträchtlich stärkerem ganz in Rauch auf; brennt man ihn anfangs so behutsam, daß er nicht schmelzt, und giebt, nachdem der Schwefeldampf nachläßt, ein stärkeres Feuer, so schmelzt er zu einem hyacinthgelben Glase; schmelzt man ihn aber mit feuervestem Laugensalze oder mit Kalk, so erhält man ein sprödes wie Silber glänzendes Metall daraus, das mit Schwefel vereinigt, den Spiesglanz ausmacht, und andere Metalle, mit welchen man es zusammenschmelzt, härter macht.
§. 472.
Man gebraucht den Spiesglanz zur Reinigung des Goldes von andern Metallen, wenn er mit fünf Theilen Blei und einem Theil Kupfer oder Messing versezt wird, zu Schriften, die gegossen werden, und wenn er mit gleich vielem Kupfer, gleich vielem Zinn, gleich vielem Wismuth, und fünfmal so vielem Blei zusammengeschmolzen wird, zu einer Art Spiegelmetall: Auch bereitet man den Spiesglaskönig daraus, d. h. man scheidet das Metall, das in der Verbindung mit Schwefel den Spiesglanz ausmacht, daraus.
§. 473.
Am besten erhält man diesen Spiesglaskönig, wenn man fünf Pfunde alten Brucheisens in einem Tigel recht durchglüht, denn zehen Pfunde grobzerstossenen Spiesglanz und zwei bis drittehalb Pfunde roher Pottasche darauf wirft, den Tigel zudekt, und nun im Windofen so lange Feuer giebt, bis alles zusammen so dünn als Wasser fließt, denn aber alles zusammen in einen heisgemachten eisernen Mörser ausgießt, und wenn es erkaltet und erstarrt ist, die Schlacken vom Spiesglaskönige abschlägt.
§. 474.
Dieser Spiesglaskönig (§. 473.) ist noch sehr spröde, soll aber durch wiederholtes Schmelzen mit mineralischem Laugensalze geschmeidiger werden; gewisser ist es, daß er weiche Metalle durch seinen Beitritt härter macht; so sezt man ihn dem Zinn zu, woraus Knöpfe gegossen a), Gabeln, Löffel, Becher u. d. gemacht werden b); schmelzt man acht Theile davon mit zwanzig Theilen Kupfer oder Messing, und neun Theilen Zinn, so bekommt man ein schönes Spiegelmetall und mit noch einmal so vielem Zinn und dem vierten Theile Kupfer das Härtzinn c); in Frankreich schmelzt man ihn mit viermal so vielem Blei zusammen, um Schriften daraus zu giessen, welche man besser erhält, wenn man noch den vierten Theil Messing zusezt d); auch kann er statt Zinn zum weissen Email gebraucht werden, wenn man auf zwölf Pfunde Kristallglas acht Loth davon nimmt e).
a) Klinghammer bei Schreber Sammlung verschiedener Schriften, welche in die ökonomische, Policey- und Cameral- auch andere Wissenschaften einschlagen. Halle. 8. B. XVI. 1765. S 316–321.
b) Cadet Memoir de l’ Acad. roy. des scienc. à Paris. 1772. bei Crell chemisch. Journal. Th. III. 1780. S. 183.
c) Rinman Gesch. des Eisens. Th. I. S. 33.
d) Rinman a. a. O. S. 510.
e) Kunckel a. a. O. S. 88.
§. 475.
Zur leztern Absicht (§. 474.) taugt der Spiesglaskönig noch besser, wenn er gebrannt, oder zu Spiesglasweiß, einer guten weissen Mahlerfarbe, gemacht wird: Man bereitet es am besten, wenn man den Spiesglaskönig zart gestossen mit dreimal so vielem Salpeter zusammenreibt, dieses Gemenge auf mehrere male in einen Schmelztiegel einträgt, der mitten zwischen gluhenden Kohlen steht, wenn alles eingetragen ist, und verpufft hat, den Tiegel erkalten läßt, das, was darinn zurükgeblieben ist, herausnimmt, klein stößt, und so lange mit heissem Wasser auswascht, bis dieses keinen Geschmak mehr davon annimt.
§. 476.
Einen diesem Spiesglasweiß (§. 475.) etwas ähnlichen weissen Kalk (Antimonium diaphoreticum) erlangt man auch, wenn man rohen Spiesglanz auf gleiche Weise mit dreimal so vielem Salpeter verpuffen läßt, das, was sich währendem Verpuffen oben als eine Rinde ansezt, von Zeit zu Zeit ab, und in den Tigel hinunter stößt, und übrigens eben so (wie §. 475.) verfähret.
§. 477.
[Neapelgelb, Giallolino]
Dieser Kalk (§. 476.) taugt sehr gut, zum Poliren der Metalle, zum Schleifen der Gläser und Edelsteine, vornemlich aber macht er einen Bestandtheil des Neapelgelbes (Giallolino) aus, das in allen Arten der Malerei, auch als Feuerfarbe genüzt werden kann: Man vermengt drei Theile dieses Kalks mit zwölf Theilen reinen achten Bleiweisses, einem Theile Alaun, und einem Theile Salmiak (wenn die Farbe höher werden soll, vom ersteren und lezteren mehr), reibt alles auf einem Reibsteine recht genau untereinander, sezt es in einem zugedekten Schmelztiegel in das Feuer, giebt die ersten Stunden nur schwache Hitze, denn etliche Stunden lang stärkere, zulezt noch drei Stundenlang eine Hitze, bei welcher der Tiegel dunkelroth gluht; nun läßt man das Feuer abgehen, nimmt, wenn der Tiegel kalt ist, den schönen gelben Klumpen, der darinn ist, heraus, und reibt ihn zart.
Fougeroux de Bondaroy Memoir. de l’ Acad. roy. des scienc. à Paris. 1766.
pp. 341–342
Eilfte Gattung.
Blei.
§. 633.
Das Blei hat eine eigene graue oder blaue Farbe, die dunkeler ist, als bei dem Zinn, läuft an der Luft leicht schwarz an, und bekommt einen weissen Rost, löst sich in allen Säuren und fetten Oelen auf, theilt ihnen einen süssen Geschmak und eine giftige Eigenschaft, leztern auch eine gewisse Zähigkeit mit; es schmelzt sehr leicht, doch nicht so leicht, als Zinn und Wismuth, überzieht sich dabei, wenn es rein ist, mit einem pfauenschweifigen Häutchen; nimmt man dieses ab, so ist die Oberfläche wieder in ihrem vollen Glanze; dieser daurt aber nicht lange, denn bald zicht sich wieder ein ähnliches Häutchen u. s. f. und das Blei verwandelt sich eher als ein anderes der folgenden Metalle in einen Kalk, der anfangs grau ist (Bleiasche), wenn er länger im Feuer bleibt, doch bei einer Hitze, welche nicht im Stande ist, ihn in Fluß zu bringen, gelb (Bleigelb), und zulezt roth (Menninge) ist: Alle diese Kalke schmelzen leichter, als irgend ein anderer Metallkalk, ohne Zusaz, zu gelblichtem Glase, und verwandeln alle andere, selbst metallische Körper, welche diese Verglasungshitze aushalten können, nur Silber, Platina und Gold ausgenommen, mit sich in Glas: Sonst ist Blei mit Gold und Silber nahe verwandt, und näher, als dieses mit Kupfer.
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p. 356
§. 658.
[Menninge]
Die Menninge ist hoch gelbroth, höher, wenn sie feucht ist, und beinahe gelb, wenn sie trocken mit dem Finger auf Papier gerieben wird; ausserdem fühlt sie sich zwischen den Fingern so fein, als der feinste Haarpuder an; diese Eigenschaften verlieren, wenn sie, wie es öfters der Fall ist, mit Ziegelmeel, Röthel, Ocher oder Kolkothar verfälscht ist; auch der Pinsel mit ein wenig Oel entdekt diesen Betrug bald: Sie dient als rothe Farbe z. B. bei Obelaten, Siegellak, vornemlich als Leimfarbe, in der Miniatur- und Frescomalerei [sic!].
