Wiener Farbenkabinet 1784
Wiener Farbenkabinet; oder vollständiges Musterbuch aller Natur- Grund- und Zusammensetzungsfarben, wie solche seit Erfindung der Malerei bis auf gegenwärtige Zeiten gesehen worden : mit fünftausend nach der Natur gemalten Abbildungen, und der Bestimmung des Namens einer jeden Farbe, dann einer ausführlichen Beschreibung aller Farbengeheimnisse, in Seide- Baum- und Schafwolle, Lein- Leder- Rauch- und Pelzwaaren, Papier, Holz und Bein, u. s. w., schön und dauerhaft zu färben. Herausgegeben zum Gebrauche aller Naturforscher, Eltern und Erzieher, Maler, Färber, Drucker, Fabrikanten, Künstler und Handwerker, und überhaupt aller Menschen, die sich mit Farben beschäftigen I, Wien – Prag [Schönfeldsche Handlung] 1794.
pp. 73–74
Dritter Abschnitt.
Von ded gelben Farbe überhaupt.
. . .
II.
Gelber Ocher.
Alle Ocherarten sind nichts anders als gemischte fette, schwere Erden, die einen Geschmack und eine Farbe haben, die durch das Feuer erhöhet wird. Sie entstehen von Metallen z. B. vom Zink, Eisen und Kupfer, die sich vitriolisirt, und mit den Erden gesetzt haben. Sie lassen sich in Wasser leicht zerweichen und zertheilen.
Es giebt zwar auch Ocher von verschiedenen Farben, und man hat dergleichen gelbe, rothe, blaue, grüne, braune. Man zählet wohl achterlei gelbe Ocher, und eben so viele rothe, eine Art blaue, eine grüne, zweierlei braune, und auch schwarze. Alle diese Arten können zum Malen gebraucht werden. Die größere oder geringe Menge der metallischen Theilgen, woraus die Ochererden bestehen, bestimmen auch den Grad der Schönheit und Lebhaftigkeit der Farbe, die gelben, so wie die Ocher haben ihre Farbe von den Eisen Theilen erhalten. Wenn die gelben Ocher in Feuer gebrannt werden, erhalten sie eine gelbrothe oder rothbraune Farbe.
pp. 75–76
V.
Wahres, neapolitanisches Gelb.
Das eigentliche neapolitanische Gelb, ist eine Art von gelbem Gesteine, den man in der Gegend von Neapel aus der Erde gewinnt, porös und hochgelb. Es verliert die Farbe im Feuer nicht, läßt sich leicht fein stossen, und löset sich in keiner Säure auf. Man hält es für ein Produkt des Vesuvs von einer Materie, welche aus dem innersten desselben gezogen worden, und ausgezehrter Schwefel genannt wird. In der Malerei wird es stark gebraucht, und in den Glashütten benützt man es zur Reinigung des Glases, welches bessere Dienste, als selbst der Braunstein thut. Man setzt von diesem neapolitanischen Gelbe zur Fritte den hunderten Theil ein.
Da dieses Gelb ein sehr scharfes Salz bei sich hat, so muß ihm solches durch das Absüßen benommen werden. Man gießt in dieser Absicht öfters frisches Wasser darauf, welches man jedesmal 2. Stunden lang stehen läßt. Man muß diese Farbe erst klein machen, ehe man sie zum Malen anfeuchtet, und sich dazu keines eisernen Messers bedienen, wenn man sie vom Reibestein sammelt, weil das Eisen ihr ein gräuliches oder grünliches Ansehen giebt; ein elfenbeinenes, oder hölzernes ist hiezu sehr bequem. Diese Farbe ist in Oel, Wasser und Wachs gut.
Note
Cf. Prange 1782a.
