Ludovici 1752/I

Carl Günther Ludovici, Eröffnete Akademie der Kaufleute: oder vollständiges Kaufmanns-Lexicon, woraus sämmtliche Handlungen oder Gewerbe, mit allen ihren Vortheilen, und der Art, sie zu treiben, erlernet werden können… I, Leipzig [Bernhard Christoph Breitkopf] 1752.


col. 1800–1805

Blau, Blaue Farbe

Blau, Blaue Farbe, lat. Cæruleus Color, franz. Bleu, ital. Cæleste, Turchino, ist die vierte unter den fünf Hauptfarben, das ist, unter den fünf Farben, welche die Färber ursprüngliche, deswegen nennen, weil sie der Grund von allen denen sind, so man auf die Zeuge bringen kann, sie mögen seyn, von was für einer Art sie wollen. Es ist die blaue Farbe auch diejenige Farbe, welche scheint am schwersten zubereitet werden zu können, und mithin viel Aufmerksamkeit bey ihrer Zubereitung fordert. Nachdem sie lichter oder dunkel ist, nachdem bekommt sie verschiedene Zunamen. Es ist ein alter Gebrauch bey den Färbern, 13 Schattirungen vom Blau, von der dunkelsten bis zur hellesten zu zählen. Ihre Benennungen sind zwar ein weinig willkührlich, und ist es nicht möglich, den Uebergang aus einer in die andere genau zu bestimmen, die helleste machet den Anfang: Bleu blanc, Bleu naissant, Bleu pale, Bleumourant, oder Bleichblau, Bleu mignon, Bleu celeste, oder Himmelblau, Bleu de Reine, Bleu Turquin, Bleu de Roy, Fleur de Guesde, Bleu Pers, Bleu Aldego, und Bleu d’Enfer. Alle diese Abtheilungen werden nicht von allen Färbern und in allen Provinzen gleich angenommen. Das Hinnnelblau ist nebst dem Grünen den menschlichen Augen die angenehmste Farbe, weil beyde ein gemäßigtes Licht bey sich haben, und also den Augapfel nicht allzu empfindlich rühren. Es wird die blaue Farbe in und auf andern Körpern verschiedentlich zuwege gebracht, und zwar (1) entweder durch künstliche Vermischung und Application solcher Materien, die eben den Namen der blauen Farbe an sich nicht führen, und auch nicht dazu allein, sondern auch zu andern Farben, vermittelst der Vermischung, gebrauchet werden können; oder (2) es wird dieselbe durch eine Materie verursachet, welche eigentlich die blaue Farbe nach Unterschied der Körper denenselben giebt, und insonderheit in ausnehmendem Verstande blaue Farbe, oder Blau genennet wird. Von der ersten Gattung ist die blaue Farbe, welche (a) die Chymisten aus Blumen und Kräutern bringen; ferner, wenn (b) die Färber mit Rothe, Alantwurzel, Weinstein, Brasilienspänen, und Grünspan blau färben, imgleichen Heidelbeeren gebrauchen. Ja, wenn man (c) dem Erzte eine blaue Farbe im Glühen anlaufen läßt; imgleichen im Feuer blau malet, da wird diese Farbe auch durch Kunst mit Hülfe des Feuers und der Veränderungen der Farben, so gewisse Materien in der Hitze leiden, zuwege gebracht, siehe Blau angelaufen. Was aber die zweyte Art der blauen Farbe betrifft, welche bald die Maler, bald die Färber, bald die Geschirr- und Porcellainbrenner brauchen: so wird die Materie theils aus dem Pflanzen- theils Thier- theils mineralischen Reiche genommen. Das a) Pflanzenreich giebt insonderheit den Waid; das b) Thierreich ist der Ursprung des Berlinerblaus; und endlich haben wir aus dem c) mineralischen Reiche 1) das Bergblau, welches aus dem Armeniersteine gemachet wird, und die Maler häufig brauchen, siehe Bergblau; 2) das Lasurblau, welches aus dem Lasursteine gemacht wird, und nichts als das unächte Ultramarin ist, so nicht im Feuer dauert, und auf glühendem Eisen verbrennet, siehe Lasurblau; 3) das eigentliche und ächte Ultramarin, welches aus orientalischem Lasursteine gemachet wird, im Feuer dauert, und sehr theuer, aber auch die schönste blaue Farbe der Maler, sonderlich der Emailliers ist, siehe Ultramarin; und 4) die im engen Verstande so genannte Blaue Farbe, welche in Deutschland aus dem Kobald, einer Bergart; in England aber aus einem andern schottländischen Erzte (so D. Becher denenselben angegeben, siehe das 20 Stück der Leipziger Sammlung N. 1.) gemacht wird, siehe Blaue Farbe. Außer dem, daß das Blau selbst allein auf Wolle, Leinen, Baumwolle, Seide, u. s. w. gebracht wird; dienet es auch zusammen gesetzte Farben zu machen. Aus der vermischten blauen und der französischen Scharlachfarbe wird gemacht die Königsfarbe, franz. Couleur de Roy, Couleur de Prince, und Amaranth, oder Tausendschönfarbe, franz. Amarante, wenn die Farbe mit der Curcumenwurzel hell gemacht wird; wie auch Couleur pensée und violet, wenn selbige nicht hell gemacht ist. Man bedienet sich aber gar selten solcher Vermischung, wegen des hohen Preißes der Farben, und können diese Farben viel besser und wohlfeiler mit der Rothe und Cochenille, als mit den Scharlachkörnern bereitet werden. Von der Vermischung des blau- und carmesinrothen wird die Purpurfarbe, Colombin, Amaranth-Carmesin, und Violet-Carmesin gemacht. Von eben dieser Vermischung, wenn die Zeuge oder Tücher etwas weniger mit Alaun und Weinstein gekochet werden, erhält man ferner folgende Farben: Gris argenté, oder Silberfarbe, Gris de lin, Gris violant, und Gris vineux. Ferner werden auch von den Farben dieser zwo Vermischungen allerhand Arten des Gris Carmoisin und andere Arten Carmesin, zu welchen die braune Farbe gebraucht wird, gemacht, und Gris lavande, Gris de Lauge, Gris de ramier, Gris plombé, Couleur d’ardoise, Pain bis, und Tristamie. Man nennet aber diejenigen Farben Carmesin, welche mit der Cochenille gemacht werden. Von der Mittelfarbe des blauen und halb scharlachenen, werden folgende Farben gemacht: Passe velours, L’amarante, Le tamé und la Rose seche, oder Bleich Rosenfarbe. Allein man bedienet sich der Farbe von dieser Mittelfarbe nicht, wegen des hohen Preißes der Scharlachkörner, so zur Composition der einen dieser Farbe gebrauchet werden. Von der Mittelfarbe des Blauen und Carmesin rothen Mittelfarbe wird die Amarante latane, la Rose seche, la pensée, oder Dreyfaltigkeits-Blumen-Farbe, und le passe velours, bereitet. Es muß aber zu den zwo letztern Farben etwas weniger von der Rothe, als Cochenille gebrauchet werden, weil die Dreyfaltigkeitblumenfarbe, und die passé velours rößlicher, als die andern gemacht seyn wollen. Es können auch von eben diesen Mittelfarben das Gris brun, und Sur brun gemacht werden. Zu merken ist auch, daß, wenn der Färber von Färbung eines Stück Zeuges noch etwas Substantiöses in seiner Blauküpe übrig behalten, daß er solche noch zu Bleu blanc, oder Bleu naissant, und also, wie alle andere Ueberreste der Süde und Bäder, zu den Farben gebrauchen kann, zu welchen sie ihm nützend und dienlich werden; nur muß sich bey einer blauen Küpe vorgesehen werden, daß sie nicht etwan zuvor im Sud übertrieben, und also dadurch garstig und veränderlich gemacht, oder derselben zu viel Potasche beygesetzt werde, welches die blaue Farbe grün und falsch machet: wie denn blau mit gelb vermenget, eine schöne grüne Farbe giebt. Sonst ist hierbey noch zu gedenken, daß die Zeuge, welche man blau färbet, sogleich und ohne alle andere Zurichtung, als die sie vom Walker bekommen, von weiß in blau gefärbet werden. Zu solchem Ende sind auch, besonders in Frankreich, die Färber gehalten, am Ende eines jeden Stück Zeuges eine blaue Rose von der Größe eines Silberthalers zu lassen, damit man wissen könne, ob den Zeugen wirklich der Grund oder Fuß vom Blauen gegeben worden. Im übrigen verschießt das Blaue niemals, wenn die Farbe gut ist. Was aber die blauen Malerfarben anbelanget; so sind selbige nach den unterschiedlichen Arten der Malerey, darinn man arbeiten will, ebenfalls unterschieden. Das Ultramarin, die blauen Aschen, und der Schmelz werden gleich viel zum Malen mit Oel, al Fresco, in Wasserfarben, und zur Miniatur gebrauchet. Diese drey Arten des Blauen, davon in ihren besondern Artikeln gehandelt wird, sind natürliche Farben, wenn man den Schmelz davon ausnimmt, welcher fast so viel von der Kunst, als von der Natur an sich hat. Es giebt auch ein Ultramarin, welches pur nachgekünstelt ist, und dessen Zubereitung in seinem eigenen Artikel gezeiget werden soll. Ferner ist auch der praparirte Indigo eine blaue Farbe, welcher man sich bey dem Oel- und Miniaturmalen bedienet. Diese Farben werden alle, entweder zu Pulver gestoßen und gerieben, oder mit Oel angefeuchtet, von den Materialisten und Specereyhändlern verkaufet. In dem hamburgischen Magazin Band V. p. 444 u. f. wird eine Art und Weise mitgetheilet, wie eine neue blaue Saftfarbe zu machen, die fast dem schönsten Ultramarin nichts nachgiebt, und bey Miniaturarbeit wohl zu gebrauchen Sie ist eine Erfindung des Herrn von Bergen in Frankfurt an der Oder. Die Schmelz- und Glasmaler aber bereiten sich ein jeder nach seiner Art und nach der Absicht, worzu er sie gebrauchen will, ihre Farben selber. Siehe auch den Artikel: Farbe.


col. 1808–1812

Blaue Farbe, Bläue oder Blös, wie auch Smalte

Blaue Farbe, Bläue oder Blös, wie auch Smalte, lat. Smalta, ist ein aus Kobold verfertigtes Blau. Sie wird häufig in Sachsen, und zwar die meiste bey Schneeberg ( siehe Blaue Schneeberger Farbe), von dem abgerösteten Kobald zubereitet, der mit einem gewissen Theile Sand und Pottasche wieder versetzet, und zu einem dunkeln und dichten blauen Glase geschmolzen wird. Dieses wird alsdenn gar zart gestoßen, und auf einer gewissen Mühle zwischen zween sonderlich harten Steinen zu einem Mehl gemahlen, ferner geschlämmet, und in unterschiedliche Sorten, da immer eine feiner, als die andere ist, getheilet. Wenn nun diese blaue Farbe genug gepucht, gemahlen und gewaschen worden; wird sie in Fässer eingethan, und in großer Menge nach Welschland, Holland und England verschicket. Von dar kömmt sie nach Portugall und andere Orte mehr, allwo diese Blös zu dem so genannten Porcellangeschirre genommen, und denn auch zu Hanau, Nürnberg und andern Orten, wo man nur mit dem weißen glasurten Geschirre umzugehen weiß, gebrauchet wird. Die beste muß recht schön blau, trocken und zart seyn. Die andern sind gemeiniglich blässer. Diese Farbe wird so wohl vom Frauenzimmer mit zur Stärke, als auch zum Wasser- und Leimfarbenmalen gebrauchet. Es behält die blaue Farbe ihre Farbe im nassen Wetter und Sonnenscheine ganz beständig; sie hält auch das Feuer aus, und ist nicht leicht zerstörlich. An und vor sich selbst ist solche zwar zum andernmale sehr hartschmelzig, aber mit besonderm Fleiße kann sie dennoch gar leichtlich geschmolzen werden. Man hat in Deutschland sonderlich die chursächsische und die böhmische. Denn ob man gleich in Schwaben, imgleichen am Harz zu Issenburg, und sonst, z. E. zu Saalfeld, hin und wieder auch etwas machet, so bedeutet es doch nicht so viel. Es besteht daher auch die blaue Farbenhandlung insgemein aus chursächsischen und böhmischen blauen Farben. Die chursächsische blaue Farbe wird für die schönste und feineste gehalten. man hat daher eine eigene wichtige Handlungs- und Verlegers-Compagnie aufgerichtet, die dieses kostbare Werk verleget, den Kobald anschaffet, und gewinnet, blaue Farbemühlen und Puchwerke anleget und hält, hiernächst aber die blaue Farbe in Fässern vertreibt, siehe Blaue Schneeberger Farbe. Es ist die chursächsische blaue Farbe durchgängig von allen Sorten mit Avantage zu erhalten in Leipzig bey den vornehmen Herren sächsischen Farben-Interessenten; die böhmische aber, insbesondere in Breitenbach und Glashütte. Aber auch diese kömmt in Leipzig in großer Quantität an. Beyde gehen wieder unter starkem Consumo ab nach Hamburg, Amsterdam, London, u. s. w. Die sächsische führet durchgängig, oben an dem Auflageboden des Fasses, zum Generalbrandzeichen,

welches in folgender Erklärung zu verstehen: Das mittelste Zeichen heißt ein Rautenkranz mit Churfürstlichen Schwerdtern. Das daneben auf der linken Hand ein Herz; über dasselbe eine Krone, welche offen gebrannt. Das zur rechten Hand heißt eine Lilie, oder wie es sonsten genennet wird, eine Brandsäule; das oberste Zeichen, eine voll gebrannte Krone, welche just über dem Rautenkranze steht. Unter dieses Zeichen kommen die Generalbrandbuchstaben, und zwar an Farben &c. an Eschel &c. und an Zaffris &c. um damit anzuzeigen, was für eine Sorte Farbe sich in diesem oder jenem Fasse befindet. Alle sächsische blaue Farbe ist durchgängig viel feiner als alle böhmische. Bey der böhmischen ist durchgängig das Haupt-Brand- und Generalzeichen der Buchstaben oben; und unter solchen Buchstaben drey gebrannte Brände, als z. E.

hier steht. Die drey Brände unten bleiben durchgängig bey allen böhmischen Farben. Die Hauptbrandbuchstaben aber oben, verändern sich jedesmal bey den Sortimenten der Farbe. Denn in diesem Fasse ist bald diese, und in dem andern wieder jene Farbe. Die sächsischen Farben aber ins besondere nach ihren Sortimenten zu beschreiben, besteht darinne: FFFE ist die extrafeinste Eschel; FFE extrafeine Eschel; FE feine Eschel; ME gesiebet, mittelfeine Esche[l]; OE gesiebet, ordinaire feine Eschel; OE in Stücken ordinaire Eschel; FFFC extrafeinste Farbe; FFC extrafeine Farbe; FFH feine Farbe; FC, FH, MC, MH, OC, OH ordinaire Farbe; FFS extrafeine Zaffers- oder Safflorfarbe; FS feinen Safflor; MS mittlen Safflor; OS ordinairen Safflor. Dieses wären also die Eschel, Farben nebst Safflor, von den sächsischen blauen Farben beschrieben, woran jedesmal eine jegliche Sorte richtig zu unterscheiden und zu erkennen, nach ihrer Feine und Schlechte. Von böhmischer aber wollen wir eben nicht alle Sorten beschreiben, sondern nur diejenigen allhier anführen, welche ins besondere courant, gänge und gäbe, solche sind folgende: FFC extrafeine böhmische C Farbe; FC feine böhmische C Farbe; ME gesiebet, mittelfein böhmisch Eschel; ME in Stücken mittel böhmische Eschel; MC mittel böhmische C Farbe; OE gesiebet, ordinaire feine Eschel; OE in Stücken, ordinaire Eschel; OC ordinaire böhmische C Farbe, oder ordinair böhmisch Blau. Alle Eschelfarbe ist feiner, als die C Farbe, und der Zaffers. Bey der OE und ME in Stücken, steht auf dem Aufschlageboden, allezeit noch mit unter den 2 Generalbrandbuchstaben, ein gebrannt S, als z. E. so: OE, welches anzeiget, daß in diesem Fasse Farbe S, OE in Stücken ist; und also die OE, ME gesiebet, von der OE und ME in Stücken, demnach wohl und richtig zu unterscheiden. Wer sich nun mit sächsischer und böhmischer blauen Farbe belegen will, der kann nachfolgende courante Sorten sich auf das Lager schaffen, weil davon stetig ein starker Abzug nach Amsterdam, Hamburg, auch zuweilen nach London, sich ereignet. Es sind aber diese von den C Farben: FFC, FC, MC, ОС. Von den E Farben, oder Eschel: FFE, FE, ME gesiebet, ME in Stücken; OE gesiebet, OE in Stücken. Von den S Farben, oder Zaffers, ist sich nicht mit vielen zu überlegen, weil dabey wenig Consumo; sondern nur meist zur Nachfrage mit auf das Lager zu schaffen sind. Die Farbe, Eschel und Zaffer, eines von den andern zu erkennen, und zu unterscheiden, besteht darinne: die Farbe führet allemal in dem letzten Brandbuchstaben ein gebrannt C, als z. E. FFC, und niemalen das C forne an, sondern zuletzt; auch nie kein E oder S zuletzt oder forne an. Die E Farbe oder Eschel, führet jederzeit im letzten Brandbuchstaben ein E, als z. E. FFE; niemals aber das E forne an, sondern zuletzt. Die Saffers, S Farbe, oder Safflor, hat allemal im letzten Brandbuchstaben ein S, als z. E. FFS, niemals aber das S forne an, sondern zuletzt: auch führet keine Sorte der andern ihren besondern Hauptbrandbuchstaben.


col. 1813–1815

Blaue Schneeberger Farbe

Blaue Schneeberger Farbe, kömmt bey Schneeberg in Meißen, woselbst die im Artikel: Blaufarbenwerk, schon gedachte Blaufarbenmanufactur seit etliche 90 Jahren angeleget worden ist. Diese dependiret sonderlich mit ihren Gebäuden, Waaren, Rechten, Bedienten und Arbeitern, von einer Societät, darinnen die Interessenten mit einander in Compagnie, die Kobaldzechen in dasigen Bergwerken bauen, auf ihren Farbenmühlen die blaue Farbe daraus verfertigen lassen; und den davon gewonnenen Profit nach Proportion ihrer davon habenden Antheile unter sich theilen. Solches Werk genießt in Sachsen das Bergrecht, steht unter der Jurisdiction des schneebergischen Bergamts, und wird gleich andern Zechen in 128 Kure eingetheilet; daher die Contrahenten auch Gewerken genennet werden. Dieser Werke sind in gedachter Gegend viere, nämlich 1) das königliche gedoppelte Werk vor der Stadt Schneeberg; 2) das schindlerische an der Mulde, eine Meile von Schneeberg; 3) das pfannenstielische, auch unweit Schneeberg; und 4) Zschopenthal, bey dem Städtchen Tschopau oder Zschopa, 4 Meilen von Schneeberg, welche drey letztere gewissen Privatpersonen zugehören. Sonderlich aber sind in Leipzig die wichtigsten Blauenfarbenwerks-Interessenten: daher auch der Debit dieser wichtigen Manufactur oder der Handel mit Leipzig einen ganz besondern Zusammenhang hat, siehe Blaue Farbe. Gedachte vier blaue Farbenwerke stehen erstlich in einer Generalcompagnie, daß eines so viel Kobald (als die Materie, woraus die Farbe gemacht wird) von den zechen bekömmt, als das andere; und jegliches auch so viel Farbe macht, als das andere, außer das königliche, welches gedoppelte Lieferung bekommt, und wieder ausgiebt. Hernach stehen die Interessenten von einem jeden Werke in einer specialen Compagnie, und halten auf jedem Werke ihren besondern Factor zu den Rechnungen und Austheilen des Gewinnes nach Proportion ihrer Antheile. Es haben auch diese Werke hierinnen einen besondern Vortheil, daß ihnen alle Kobalde im ganzen Lande für eine von dem schneebergischen Bergamte gemachte Taxe privative müssen geliefert, und bey hoher Strafe keine roh außerhalb Landes verführet werden dürfen, damit die Smalte nicht anderwärts nachgemacht, und dem Lande dadurch der Nutzen entzogen werde. Daher in den Gegenden, wo Kobaldzechen zu finden, gewisse Kobaldsbereiter gehalten werden, die den Unterschleif verhüten müssen. Wie denn insonderheit zum Nachtheile des Blaufarbenwerks bey hoher auch wohl nach Befinden bey Leib- und Lebensstrafe keine Partiererey mit Kobald, Wißmuthgraupen, Schlich, Grauplein und dergleichen getrieben werden soll. Wie diese Farbe aus den Kobalden auf gedachten Mühlen bereitet werde, steht in Büchern, die von Bergwerken handeln, weitläuftig beschrieben. Wenn die Farbe fertig, wird sie in Fässer, davon die größten 3 und drey Achtel, die darauf folgenden 1, und die kleinsten einen halben Centner Berggewichte, den Centner zu 112 Pfund gerechnet, halten, eingepacket. Solche Fäßgen werden so dann wohl zugeschlagen, mit guten Reifen verbunden, fleißig mit Zwecken und Nägeln beschlagen; und theils mit dem sächsischen Generalbrandzeichen, theils unter diesem mit den Generalbrandbuchstaben, um die Feine und Sorte anzuzeigen, bezeichnet. Dann wird die Blaue Schneeberger Farbe, theils nach Leipzig auf das Lager geliefert.