Hermann 1782
Benedikt Franz Hermann, Abriß der physikalischen Beschaffenheit der Oesterreichschen Staaten, und des gegenwärtigen Zustandes der Landwirthschaft, Gewerbe, Manufakturen, Fabriken und der Handlung in denselben, St. Peterburg – Leipzig [Johann Zacharias Logan] 1782.
Das Königreich Böhmen.
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pp. 183–190
§. 9.
Produkten
Das Königreich Böhmen ist ein an verschiedenen Produkten zur Handlung, und an den meisten zur menschlichen Nothdurft, ungemein gesegnetes Land.
a) Aus dem Mineralreiche
Wir wollen nach unsrer angenommenen Ordnung zuerst das Mineralreich aufführen; und aus diesem Fache hat Böhmen viele Schätze, nämlich verschiedne Farbenerden 1), Porzellainerde 2), Thon- und Mergelerden 3), Kreide 4), gemeine Kalksteine 5), Marmor 6), Gyps, Alabaster 7), Spekstein, Serpentinstein, Amiant; – 8), Kristall, Amethyst, Topas; – Diamanten, Rubine, Sapphire, Granaten 9), Türkis 10), Opale, Chrysoliten, Calcedon und Karneole, Jaspis 11), Achat 12), Porphyr 13), Sandsteine, Granit 14), – Vitriol 15), Alaun 16), Salpeter 17), Bittersalz 18), Bergöl, Torf 19), Holzkohlen, Steinkohlen 20), Bernstein 21), Schwefel 22), – Arsenik 23), Kobolt 24), Spiesglas 25), Wismuth 26), Zink 27), Quechsilber; – 28), Bley 29), Zinn 30), Kupfer 31), Eisen 32), Magneten, Silber 33), und Gold 34).
1) Im Weissenberge bey Prag findet man Trippel und rothen und weißen Bolus. Bey Caaden im Saazerkreise bricht eine schöne grüne Farbenerde, und bey Liboriz und Falkenburg rother Bolus.
2) Poerzellainthon bricht bey Caaden im Saazerkreise.
3) Thon- und Mergelerden werden nicht selten gefunden, obwohl letztere zum ökonomischen Gerbrauche nicht angewendet wird.
4) Kreide wird an verschiedenen Orten gefunden.
5) Böhmen hat eine Menge gemeiner Kalksteine, und der ganze weiße Berg bey Prag besteht aus Kalkstein.
6) Das Land besitzt verschiedene schöne Marmorarten; – weißen im Königgräzerkreise; von verschiednen Farben bey Czestin, Kostel und Sternberg im Kaurzimerkreise; vor allen aber haben die Marmorarten aus dem Beraunerkreise den Vorzug; sie brechen bey Tetin, Dobrzichowiz, Kozirz, St. Johann unterm Felsen, Zwirow, und Karlstein.
7) Fraueneis, Gyps und Alabaster brechen an vielen Orten, und aus Gyps werden viele Büsten gemacht.
8) Spek- und Serpentinsteine, dann Amiant- und Asbestarten finden sich in verschiedenen Bergwerken; erstrer vorzüglich zu Ratiborzitz. Zu Maschau im Saazerkreise wird in großer Menge Asbest gefunden; und Serpentin im Königgräzerkreise.
9) Böhmen ist mit einer ungeheuren. Menge ganz und halbedler Steine gesegnet; die in Bergen, auf Feldern und in Flüssen häufig gefunden werden. Die vorzüglichsten Oerter, wo man diese Produkte sammelt, sind: das Riesengebirg, besonders auf der Iserwiese; um Prag; um Klösterle, einem gräflichen thunischem Städtchen im Saazerkreise, allwo auch Aquamarin gefunden wird; – Am Tillenberg im egerischen Bezirke, allwo sich ein mächtiger Granatbruch gezeigt hat, dessen Granaten etwas bleicher sind als die übrigen; – Auf den Gebirgen und Feldern der Herrschaft Rumburg im Leutmerizerkreise; Ferner um Reichenberg, Nims, Benatek, und Turnau im Bunzlouerkreise; – an den Ufern der Elbe, Moldau, Eger, Iser &c; – auf den Gebirgen und Feldern des Königgräzer- und Krudimer Kreises; – Um Pilsen; und endlich im Prachinerkreise, allwo besonders die schönsten Granaten so häufig auf den Feldern gefunden werden, daß sie die Gänse verschlingen. Den bömischen Edelsteinen fehlt nicht der Glanz, sondern blos die Härte, um für orientalische gehalten zu werden.
10) Türkisse wurden bey Lessa im Saazerkreise entdeckt.
11) Jaspis wird um Prag gefunden; in der Gegend von Tursko, Mikowiz, Miniz und Tuchomirziz ist ein ganzes Gebirge von Jaspis, woraus sogar ein großer Theil der dasigen Bauernhäuser aufgebaut ist; – ferner bey Klösterle &c.
12) Um Caaden im Saazerkreise und a. O.
13) Porphyr findet man um Prag u. a. O. Unweit Trautenau soll man in einer Strecke von etlichen 1000 Schritten ganze Reihen großer senkrecht und abgesondert da stehender Steinsäulen von 100 und mehr Schuhen in der Höhe finden, welches vermuthlich Basaltsäulen sind.
14) Böhmen hat an Graniten einen Ueberfluß; besonders bricht um Klösterle im Saazerkreise ein schöner Granit, woraus große Säulen gehauen werden könnten.
15) Die beträchtlichsten Vitriolwerke sind zu Grasliz, Tscheren, und Altsattel im Saazerkreise; bey Elenbogen; – bey Mülbach im egerischen Bezirke; zu Nasseberg im Czaslauerkreise; und bey Plan und Kuttenplan im Pilsnerkreise; – zu Kupferberg könnten auch jährlich 800 bis 1000 Zentner schöner cyprischer Vitriol bereitet werden, wenn es nicht an Absatz fehlte.
16) Alaun wird zu Wissoczan und Hlaupetin um Prag; zu Comotau, Jorkau Tscheren, Neudorf, und Altsattel im Saazer- und bey Elenbogen im Elenbognerkreise: – bey Mühlbach im egerischen Bezirke; und bey Plan und Kuttenplan im Pilsnerkreise bereitet.
17) Salpeterplantagen giebt es nun eine Menge in Böhmen; auch soll kürzlich jemand das Geheimniß in Prag entdeckt haben, aus Kochsalz Salpeter zu machen; eine Sache die sehr wichtig wäre, wenn es nicht Wind ist?
18) In Böhmen wird aus den dasigen vielen mineralischen Wassern, besonders aus denen zu Sedliz, Seidschüz, Töpliz, Karlsbad &c. sehr viel Bittersalz bereitet.
18) Torf findet sich an vielen Orten; die größte Menge wird um Platten und Gottesgab gestochen, allwo er zum ökonomischen Gebrauche, insonderheit zum Eisenschmieden und zu Auswärmung der Treibherde verwendet wird; er wird zu diesem Ende vorher in gemeinen offenen Meilern verkohlet.
20) Steinkohlen findet man bey Wissoczan und Hlaupetin bey Prag; bey Mohr unweit Presniz im Saazerkreise; – zu Eidliz, Neudorf, Karlsbad, in der Herrschaft Litschkau, bey Postelberg, Brix und Altsattel, in eben diesem Kreise; bey Mühlbach im egerischen Bezirke; – und bey Töpliz, zu Dux, Karwiz, Luchz, Tilsch, Grospriesen und Aussig im Leutmerizerkreise; die von letzterm Orte lassen sich wie feines Holz zum Auslegen der Tischlerarbeiten gebrauchen.
21) Bernstein wurde bey Skaliz im Prachinerkreise gefunden.
22) Schwefelhütten giebt es zu Altsattel im Saazerkreise; und zu Nasseberg im Czaslauerkreise.
23) Arsenikerze brechen in vielen Bergwerken, besonders aber in den Koboltgruben.
24) Die bis itzt bekannten Koboltgruben Böhmens sind: zu Joachimsthal, Aberdam, Platten, Gottesgab und Schönsicht, im Saazerkreise, allwo jährlich ungefehr 10,000 Zentner Kobolt gewonnen werden. Er wird nach Verschiedenheit seiner Güte der Zentner von 13 bis 30, 40 und 45 Gulden verkauft. Man könnte vielmehr gewinnen, wenn es nicht an Absatz der Smalte so wohl, als des rohen Kobolts fehlte.
25) Spiesglas wird zuweilen, aber nicht oft gefunden.
27) Wismuth bricht zu Joachimsthal, Aberdam, Platten, Gottesgab, und Schönsicht.
28) Böhmen hat in allen Bergwerken viele Blende und also auch viel Zink; übrigens bricht zu Tschüren auch Gallmey.
29) Quecksilbererze finden sich in den Gebirgen um Horzowiz, Komerow und Swota im Berauner Kreise, allwo der wenige Zinnober roh verkauft wird; – zu Wesserez im Pilsnerkreise; dieses edle Quecksilbergebirg wurde vor einigen Jahren bearbeitet, aber bald wieder aufgelassen. Dermal sind also keine Quecksilberbergwerke in Böhmen ungeachtet einige mit Nutzen bearbeitet werden könnten, und ungeachter die böhmischen Landstände das Recht haben, solche auf ihren Grund und Boden zu erheben.
30) Bleyerze, die alle silberhältig sind, und wovon einige auch auf Silber benützt werden, brechen: zu Joachimsthal und Bleystadt, wohin die Bleybergwerke zu Heinrichsgrün gehören, im Saazerkreise; zu Schlossenreut im Egerschen Bezirke; zu Tätschen im Leutmerizer Kreise; zu Ratiborziz, Altwoschiz, Jungwoschiz und bey Tabor im Bechinerkreise; am Michelsberg bey Mies – im Pilsner- und zu Przibram im Beraunerkreise, und an mehr andern Orten.
30) Das böhmische, besonders das Schlakenwalderzinn wird dem englischen an Güte gleich geschätzt. Dermal werden die Zinnerze gebrochen: zu Platten und Gottesgab, zu Bömischwiesenthal, Schlakenwald, Schönfeld, Lauterbach, Fribus, Mükenburg, Neudek, Lichtenstadt und Petschau. Alle diese Oerter sind im Saazerkreise gelegen, als welcher überhaupt die meisten Bergwerke in Böhmen enthält. Ferner sind noch Zinnwerke zu Graupen und Böhmisch Zinnwald im Leutmerizerkreise; der Geyersberg in eben diesem Kreise soll auch schöne Zinngänge enthalten. Auch sollen die alten Zinnbergwerke zu Sebastiansberg und Sonnenberg bey Presniz neuerdings erhoben worden seyn.
31) Die beträchtlichsten Kupfergruben, deren Kupfer größtentheils silberhaltig ist, sind: zu Joachimsthal, Grasliz, Mükenberg, Kuttenberg, Kaff, Kupferberg, Katharinaberg, Schönsicht, St. Georgenthal, zu Böhmisch-Neustadtl; bey Plan, Kuttenplan &c. Außerdem streichen noch an verschiednen andern Orten beträchtliche Kupferflöze, die noch nicht bearbeitet sind; z. B. bey Prag hinter dem Roß- und Karlsthor u. a. O. – Ferner: zu Muttersdorf und Dreyhaken im Pilsnerkreise, die aber bearbeitet werden.
Das meiste silberhältige Kupfer wird auf der Seigerhütte zu Grünthal in Sachsen geseigert, woselbst man vermög alter Verträge 32 Gulden für den Zentner bezahlt, und das ausgebrachte Silber, die feine Mark um 22 Gulden 25 Kreuzer, wieder nach Böhmen zurückliefert.
32) Die vorzüglichsten Eisenbergwerke sind: zu Presniz, Weibert und Neudek im Saazerkreise; im Beraunerkreise; zu Nisburg im Rakonizerkreise; – im Pilsnerkreise bey Töpl und Mayerhöfen; in der Herrschaft Rosenthal im Prachinerkreise; und im Chrudimerkreise. Die Magneten findet man auf dem Riesengebirge.
33) Böhmen hat viele Silberbergwerke, die ehdem ungemein reich waren. In den Jahren 1756 bis Ende 1761 sind blos von einigen im Joachimsthal, Gottesgab und Katharinaberg befindlichen Zeichen 61677 Mark 7 Loth 3 Quintl 3 Denar an feinem Brandsilber in die Münzstätte nach Prag geliefert worden welche, die Mark zu 22 Gulden 25 Kreuzer gerechnet, eine Summe von 1,382,593 Gulden betragen, ohne zu gedenken, daß bey diesen Gruben zugleich um einen großen Werth Kupfer, Zinn, Bley, Vitriol, Alaun und Smalte zu gute gemacht worden.
Die beträchtlichsten Silbergruben sind: zu Joachimsthal, Platen, Gottesgab, Presniz, Weibert, Katharinaberg, Sebastiansberg, Sonnenberg, bey Hauen- und Himmelstein zu Kupferberg und zu Schönficht; alle im Saazer- und Elenbognerkreise. Zu Joachimsthal sind seit der Erhebung dieses Bergwerkes einige hundert edle Gänge gelöset worden; und von den Jahren 1546 bis 1602 sind, nach Abzug des Bergzehends, Schlagschatzes und aller übrigen Kosten, 4,757,165 Thaler Ausbeute vertheilt worden, welche Summenach der jetzigen Silbertare 21,882,959 Gulden beträgt. Im Leutmerizerkreise giebt es zu Osseg, Grab, Rogenstok und Niklasberg Silberbergwerke. Im Czaslauerkreise ist das Silberbergwerk zu Kuttenberg bekannt. Im Bechiner Kreise giebt es sehr beträchtliche Silbergruben, nämlich zu Rudolphstadt bey Budweis; hier sind von 1548 bis 1572 nur von 3 Hauptzechen 95,481 Mark 4 Loth güldisches Silber erzeugt worden; und das sogenannte neue Bergwerk allhier hat in 7 Jahren 23,377 Mark 6 Loth Silber geliefert. Nicht weit von hier zu Libnitsch, wird dermal eine neue Silberzeche bearbeitet. Zu Ratiboschiz, Altwoschiz und Jungwoschiz sind beträchtliche Silbergruben; erstre zwo, die dem Fürsten von Schwarzenberg gehören, haben im Jahre 1779 über 9000 Mark bergfeines Silber nach Prag geliefert.
Bey Schwarzkostelez im Kaurzimerkreise sollen edle Silbergange streichen; – die Gebirge bey Horzoviz, Komarow, und Swota im Beraunerkreise sollen ebenfalls sehr edel seyn. Im Planergebirge betreibt das gräfliche schlikische Haus ein Silberbergwerk.
34) In der Gegend um Krummau und in der Herrschaft Grazen sollen Gold und andre edle Gänge streichen, die aber heute weder bekannt sind, noch bearbeitet werden.
So hat sich auch durch Geschiebe und Sicherungen gezeigt, daß um und zwischen den an der außersten Gränze gegen Sachsen gelegenen Bergstädten Gottesgab und Platten, auch weiter in das Land herein gegen die Herrschaft Schlakenwerth, zwischen Joachimsthal und Arlsgrün edle Goldgänge streichen.
Eigentliche in Bau stehende Goldbergwerke giebt es dermal keine in Böhmen; außer, daß das alte Schwarzthaler Gold- und Kupferbergwerk und die alten Freyheiter-Zechen am Fuße des Riesengebirges von Privatgewerben neuerdings aufgenommen worden, und daß von Seiten des Hofes das ehmalige reiche Goldbergwerk an der Eule im Kaurzimer Kreise dermal auf Pochgange bearbeitet wird. Allenthalben ist in dieser Gegend aus der Dammerde Gold zu waschen; auch hat Herr Hofrath von Peitner den Wenzeslaigang im Jahre 1760 neuerdings gemuthet, um einige 1000 Gulden Gold gewonnen, aber wegen Unbeständigkeit der Mitgewerken wieder aufgelassen. Das Bergwerk an der Eule war in alten Zeiten so reich, daß man im Jahre 946 aus dem damals neuerschrottenen Tobolergang nur in besagtem Jahre allein 100000 Mark Gold gewonnen hat; und von einer einzigen Fundgrube sind in einem Jahre 1,600,000 Dukaten Gold erobert worden, welches nach dem izigen Werthe 6,666,666 Gulden beträgt.
Die Goldwaschereyen waren ehdem in Böhmen sehr beträchtlich, und noch itzt könnten sie ansehnlich seyn, wenn man sich besser darauf verlegen wollte; denn beynahe alle Flüsse und Bäche führen Gold; z. B. die Elbe, Iser, Moldau &c; bey Zambach ist an der Moldau auch wirklich ein Goldpochwerk angelegt, allwo dermal so wohl Pochgänge von Eule als Waschgold amalgamirt wird. Der Prachinerkreis hatte in alten Zeiten besonders reiche Goldseifenwerke; und sie waren vorzüglich bey Bergreichenstein und Unterreichenstein so beträchtlich, daß unter dem Könige Johann von Lüzelburg [sic!] in diesen Gegenden an die 350 Quikmühlen im Gange waren.
