Leßer – Farbricius  1735

Friedrich Christian Leßer – Johannes Albertus Fabricius, Lithotheologie, Das ist: Natürliche Historie und geistliche Betrachtung derer Steine, Also abgefaßt, daß daraus Die Allmacht, Seißheit, Güte und Gerechtigkeit des grossen Sachöpffers gezeuget wird, Anbey viel Sprüche der Heiligen Schrifft erklähret, und die Menschen allesamt zur Bewunderung, Lobe und Dienste des grossen Gottes ermuntert werden, Hamburg [Christian Wilhelm Brandt] 1735.


Des fünfften Buches
II. Abtheilung.

Von unedlen Steinen, und zwar solchen, die ungestalt sind.

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pp. 387–388

Das andere Capitel.

Von weichen Steinen.

§. 279.

Unter die weichen Steine ist wohl zuerst zu rechnen der Kalckstein, Lapis calcarius, Saxum calcaricum. Er ist ein weißer oder grauer Stein, welcher, wenn er gebrennet wird, wegen seines mineralischen Saltzes den Kalck giebt, und heisset alsdenn calx viva, lebendiger Kalck oder Leder-Kalck. Dieser wenn er mit Wasser abgelöschet ist, wird er zum mauren und tünchen gebrauchet; und weil er nicht gar zu hart, ist er geschickt allerhand Figuren einzunehmen, daher man bisweilen, Fische, Schnecken, Muscheln und dergleichen drinne anzutreffen pfleget.

Kalckstein) Plin. l. c. L. XXXVI. C. XXIII.
der Gyps) Plin. H. N. L. XXXVI. C. XXIV.

§. 280.

Dem Kalcke ist der Gyps, Gypsum, Italianisch Gesso, oder Jesso, Frantzösisch du Plastre beyzusetzen. Er ist eine weiße, klare und kalckichte Stein-Arth, welche etwas weicher als Alabaster ist, und von den Künstlern auf unterschiedene Arth gebrauchet wird. Die Bildhauer wenden ihn an zum Abformen, machen auch wohl gantze Statuen und Bilder daraus. Die Structur-Arbeiter übertünchen damit die Decken derer Gemächer, und bilden daraus allerhand schöne erhabene Figuren, in welcher Kunst sonderlich die Italianer berühmt sind. Die Mahler pflegen denselben mit gewißen Farben zu untermischen, und machen hernach aus der Massa längliche Stängelchen, welche sie lassen trucken werden, und alsdenn damit mahlen, und dieses nennen sie trucken mahlen. Einige aber nehmen Erdfarben von starcken Wesen, und mahlen damit in den nassen Gyps, welches sie in Fresco mahlen nennen, worzu ein hurtiger und geübter Mahler mit einer geschwinden Hand erfodert wird, weil da in einem Tage geschehen muß, was man sonst in andern Gemählden kaum in einem Monath verfertigen kan.

trucken mahlen) alii loco calcis argillam optimam coloribus temperant, & in pastillos formant vid. Anon. Untterricht von der Graphice. C. II . §. 12. p. 17.