Pott 1748
Johannes Henricus Pott, Chymische Untersuchungen, Welche fürnehmlich Lithogeognosia oder Erkäntniß und Bearbeitung der gemeinen einfacheren Steine und Erde Ingleichn Von Feuer und Licht handeln, Berlin – Potsdam [Christian Friedrich Voß] 1748.
SPECIMEN PYROTECHNICUM
IN LITHOGEOGNOSIA PHYSICO CHYMICA.
Oder
Chymische Untersuchung der gemeinen einfacheren Steine und Erden nach ihren Vermischungen Eigenschaften und Verhältnissen im Feuer.
Erste Abhandlung.
Von alcalischen Erden und Steinen.
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p. 3–5
Gründlichere Eintheilung.
Meines Orts finde ich bißher nur 4. Haupt-Sorten von Terris primitivis ihrer innern beschaffenheit nach, darunter die andern wohl mehrentheils gehören, oder aus deren verschiedenen Mischungen zusammen gesetzt sind, weil sie nemlich theils nur etwas differente species sind, theils unter sich vermengt werden, theils mit andern metallischen, mineralischen und sulphurischen Dampfen gefärbet und vermenget sind. Meine 4 Haupt-Genera heisse ich:
1) Terram alcalinam oder calcariam;
2) Terram gypseam;
3) Terram argillaceam;
4) Terram vitrescibilem strictius sumtam.
Diese 4. mögten wohl meist alles in sich fassen. Ueberhaupt sind zwar alle Erden vitrescibel, oder lassen sich zu einem durchsichtigen Glaß-Cörper machen, welches die Möglichkeit der universalen clarificirung unsers ganzen finstern Erd-Globi schön adumbriret, doch wollen die andern mehr Zusätze von Salien, oder gar andere Mischungen haben, als die Terra vitrescens strictior.
Ob sie gantz und gar einfach.
Ich gebe auch diese Erden nicht für die einfachesten oder simplicissimas aus, die nicht noch weiter und ad majorem simplicitatem könnten reducirt werden, ich glaube allerdings, daß sie schon gemischt sind, und mit der Zeit noch zu einer mehrern simplicitæt können reduciret werden. In deß so fält doch die differentia specifica von allen diesen vieren einem jeden gantz leicht in die Augen.
Haupt Unterschiede derer Erde.
Die erste Terra alcalina läßt sich allein zum Kalck brennen, und läßt sich in denen sauren menstruis mit effervescentz auflösen.
Die 2te terra vitrescibilis, wird am leichtesten und schnellesten zu Glase, incliniret im Feuer gern zur Durchsichtigkeit, schlägt gern Feuer mit Stahl, wird im calciniren weniger alterirt, solvirt sich nicht in acidis.
Die 3te Terra argillacea, läßt sich allein auf der Scheibe drehen wegen ihrer Viscositæt und Zartheit, wird in Brennen hart, coagulirt, solvirt sich nicht in acidis.
Die 4te gypsea wird in Brennen zu Gyps, oder zu einer solchen Kalck Art, die sich in keinen acido solviret, auch der vitrification am längsten mit wiederstehet.
Wenn diese 4 Haupt-Sorten hinlänglich untersucht und zum Grunde gelegt sind, so werden hernach die Terræ & lapides compositi sich leichter ordentlich rangiren lassen, und bey angestelten examine ihre Mischungen zu erkennen geben.
Wie sie am füglichsten zu behandeln.
Um aber diese Untersuchung derer 4 Erden gehörig auszuführrn, so halte ich dafür, daß ich den hauptsächlichsten Theil der pyrotechnie mit ihnen darin wohl am füglichsten einschräncken und absolviren werde: wenn ich zeige was jede Haupt-Sorte für Eigenschaften exserire, wenn sie behandelt wird:
1) in Feuer allein durch dessen verschiedene gradus,
2) in deren Versetzung mit allerhand flüßigen Salzen,
3) in der Vermengung mit allerhand vitris,
4) in der Vermischung mit den andern 3 Haupt-Sorten Erden und andern Compositis.
Ich bescheide mich hiebey, daß ich zwar diese Sachen nicht völlig exhauriren könne; aber ich werde doch diesen Weg etwas ebener machen, und anderweitige Untersuchungen und applicationes durch meine Arbeiten facilitiren; andere fleißige Natur-Forscher werden Trieb und Gelegenheit bekommen dieses weite Feld weiter zu excoliren und zum Nutzen zu bringen, das versehene zu verbessern, die applicationes näher anzustellen, sonderlich die metallisationes derer Erden und Steine, theils durch besondere Mischungen, theils durch geschickte vitrification, theils längeres und noch heftigeres Feuer, theils durch innige Anbringung eines concentrirten brennlichen Wesens; So kan es auch zum Modell dienen, wie andere unbekandte Erden gleichfals füglich zu untersuchen sind, und zum Probir-Stein, wohin sie hauptsächlich gehören.
Eigentlicher character der alcalischen Erde.
Die erste Art also, die ich jetzo abzuhandeln gedencke, ist die Terra alcalina oder calcaria, sie giebt dadurch ihren characterem specificum am alcalischen schnellesten zu erkennen, daß sie eben wie die alcalischen Saltze mit allen acidis effervescirt, sich darin solvirt, aber auch daraus durch salia alcalina sich wieder niederschlagen läßt, und in starcken Feuer sich zu Kalck brennet, aber auch alsdenn sich noch leichter in den acidis solvirt. Diese Sorte ist sehr häufig in die Erde verstreuet und ausgetheilet; sie ist wohl eigentlich das alcali naturale (und nicht das vegetabilische Sal alcalicum) sie attrahirt aus der Luft, aus dem Wasser und aus der Erde das verstreuete acidum sowohl universale als particulare, saturirt sich damit, wird zu einem Mittel-Saltze, welches hernach in alle andere Natur-Reiche und deren producta seine effectus resolutorios condensatorios combinatorios subtilisatorios häuffigst exseriret, das acidum dadurch mildert, sein zerstöhrendes Wesen temperiret, und zu unzählig anderen Verbindungen und neuen Ausgebuhrten geschickt machet.
Verschieden Arten deselben.
Der weiseste Schöpfer hat dieses so nothwendige Wesen um seines unentbehrlichen Nutzens willen darum so häufig und fast überall in die Erde eingesenckt, daß wir so wohl als die Natur es zu so verschiedenen Nutzungen anwenden können. Diß erkennet man handgreiflich an der überall so häufig befindlichen Menge derer Kalck-Steine, Kreyte, Marmor, Spaat, Mergel, Lapis Judaicus, Lapis Lyncis, Cement-Stein, Englische-Erde, Alaun-Erde, Corallen, ausgelaugte Asche, Lapis Spongiæ, gebrandte Knochen, Austern, Schnecken, Eyer und Muschel-Schalen, zum Theil auch Schiefer, Töpfer-Thon, gemeiner Porcellain-Thon, armenischer Bolus, Leimen, osteocolla &c. &c. als welche alle hauptsächlich aus dieser Erde bestehen, und nur quoad accidentia differiren: Indem diese Erde aus dem mineralischen Reichen nach ihrer solution unmittelbar in die vegetabilische und animalische Mischungen eintritt, wie an der Asche, gebrandten Hirsch-Horn, Knochen &c. offenbahr zu sehen, und constituiret in den selben, mit dem dabey coagulirten glutine deren fulcrum und Basin, so wir an uns die Knochen nennen, und behält doch, wenigstens so bald das gluten vertrieben ist, dabey seinen wesentlichen character unverändert. Dieser Unterscheid zeiget sich auch in mineralischen Reichen, daß das zufällige gluten die verschiedene Harte causirt, also ist Kreyte von Marmor darin mercklich unterschieden, obgleich die Erde einerley ist, item Kalck-Stein und Spaat von der Mergel-Erde. Der Kalck-Stein schon solvirt sich zwar nicht so schnell und häuffig in denen menstruis acidis, als der aus ihn durchs Brennen bereitete ungelöschte Kalck, aber das gluten des Kalck Steines, welches durchs Feuer verjagt wird, ist wohl die einzige Ursach davon, eben diß hindert die action des Scheide-Wassers auf Elffenbein, wenns auch gleich gebrandt ist; so ist auch gebrandt Hirschhorn, item Kalck, in manchen Umständen viel strenger und hartflüßiger als Kreyte und Marmor, wird auch schwerer pellucide, ich werde einige dergleichen differentienhin und wieder bey Gelegenheit mit bemercken. Hingegen alle folgende Steine und Erden gehören nicht darunter, und effervesciren nicht mit aquafort, als Alabaster, Gyps und Gyps-Stein, Glacies Mariæ, Sand, Kiesel, Feuer-Steine, Crystall, Qvartz, Fluß-Spaat, Edelgesteine, weisser Thon, frisch oder gebrandte Spanische Kreyte, rother Bolus, Terra sigillata, rubra Lemnica, weisser Bolus, Terræ sigillata Albæ, Horn-Stein, Form-Sand, Lac Lunæ, Nihil album, Tripel, Talcum, Amianthus, Asbestus, Lapis Nephriticus, Serpentin-Stein, Bimß-Stein, Ocker, Aackner, Gallmey, Alaun-Ertz, auch theils Schiefer &c.
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