Cronstedt 1760

[Axel Fridric Cronstedt], Versuch einer neuen Mineralogie aus dem Schwedischen übersetzt, Kopenhagen [Rothensche Buchhandlung] 1760.


pp. 11–22

Erste Klasse.

§. 3.

Erdarten. Terrae.

Erden sind mineralische Körper, die sich nicht ausdehnen lassen, größtentheils im Wasser und in Oelen unauflöslich sind, und in glüender Hitze nichts von ihrem körperlichen Innhalte verlieren.

§. 4.

Diese Erden werden hie, nach ihrem Grundstoffe, in so weit selbiger bisher bekannt ist, in neun Ordnungen abgetheilt.

Erste Ordnung.

Kalkarten. Terrae calcareae.

Diese haben, wenn sie rein und ohne Beymischung fremder Theile sind, folgende allgemeine Eigenschaften.

1) Im Feuer gebrannt, werden sie locker, und zerfallen hernach in einen weisen Staub.

2) Dieses Zerfallen geschieht im Wasser sehr schleunig. Es entstehet dabey eine starke Hitze, und einige Auflösung.

3) Im geschlossenen Feuer können sie nicht ohne fremden Zusatz zu Glase werden.

4) Der gebrannte Kalk vergrössert die Schärfe, und fressende Eigenschaft des Laugensalzes.

5) Durch saure Geister werden sie mit einem erhitzenden Brausen aufgelöset, und zwar verhalten sich selbige, bey der Auflösung, folgendergestalt:

1. Die Vitriolsäure fällt mit dem Kalke nieder, und wird eine Gipserde: Das, was sich aufgelöst erhält, schieset nach der Ausdünstung an in selenitische Krystalle.

2. Die Kochsalzsäure machet mit der Kalkerde, den so genannten feuerbeständigen Salmiak (sal ammoniacum fixum), welcher auch zum Theil von selbst zu Boden fällt.

3. Die Salpetersäure löset den Kalk gänzlich auf, und lasset ihn nicht fahren, es sey denn, daß ihr ein Laugensalz, an dessen Stelle, zugesellet werde.

6) Mit Borax versetzt, schmelzen die Kalkerden sehr leicht zu einem Glase, welches in einem Grade der Hitze, der geringer ist, als der Grad der glüenden Hitze, allerley Eindrücke annehmen kann.

7) Ein gleiches eräugnet sich, mit einer Erhitzung, durch Zusetzung des salis fusibilis microcosmici.

8) Der Flußspaht schmelzet unter allen Bergarten am leichtesten, mit dem Kalke, zu einem schneidenden Glase.

9) Die Kalkerden haben auch in Ansehung einiger metallischen Kalke, z. Er. des Bleyes und Wismuts, eine reducirende Eigenschaft. In einem geringern Grade zeiget sich diese am Eisen und Kupfer. Folglich

10) Gleichen sie sowohl in jenem (9) als auch in andern Verhältnissen einem feuerbeständigen Laugensalze, (sal alcali fixum.) Es wird deswegen die ganze Ordnung derselben, mit hinlänglichem Grunde sehr oft mit dem Namen der Alkalischen Erdarten Terrae alcalinae, benennet.

11) Diese Erdarten sind allen dreyen Naturreichen gemein. Man findet sie in den Gebeinen und Schalen der Thiere, und in der Asche der Gewächse. Sie haben also da gewesen seyn müssen, ehe Thiere und Gewächse ihr Daseyn erreichten. Wegen ihrer großen Nothwendigkeit sind sie auch über die ganze Erdkugel vertheilet.

§. 5.

Man findet die Kalkerde

1. Rein. Terra calcarea pura.

1) Staubig, pulverulenta. Schwedisch Blecke: Agaricus mineralis.

1. weis. Jemteland bey Rödön. Westgohtand in Timmerdala. Schmoland. Ostgohtland, auf der Insel Gohtland, an sumpfigten Oertern, und auf den Gründen der Seen.

2. roth. Auf Gohtland.

3. gelb. in Timmerdala in Westgohtland.

Anmerk. Diese staubigte Kalkerde, scheinet ein aus zerfallenen Kalksteinen zusammengeflossener Schlamm zu seyn. Man findet sie deswegen meistentheils an solchen Oertern, wo Kalkberge sind. Man vermisset sie zwar in den Tiefen; dieß hindert aber gar nicht, daß selbige obenbenannten Ursprung sollten haben können. Durch die Gewaltsamkeit des Wassers in gewissen Flüssen können sie weiter weggeführet worden seyn. Bisweilen findet man sie in Bergklüften, und alsdenn erhält sie vorzüglichere Namen. Sie heisset alsdenn: Guhr, Mondmilch, Agaricus mineralis, u. s. f. In Formen gepackt, läst sie sich sehr bequem zu Kalk brennen. Sonst wird ungebrannt zur weisen Tünche gebraucht, die aber sehr abschmutzet. In Schmoland findet man an gewissen sumpfigten Oertern, eine weise Erde, die dem Ansehen nach, der Blecke gleichet, allein sie brauset nicht mit Scheidewasser, und wird im Brennen nicht zu Kalk. Sie verdienet, von denen, die Gelegenheit haben, sie in großer Menge zu erhalten, untersucht zu werden.

§. 6.

2. Locker und Zusammenhängend. Solida friabilis. Kreide. Creta.

1) weise Kreide. Creta alba. Engeland. Frankreich. Schonen, wo sie an den Feuersteinen fest anhänget.

In den beyden ersten Ländern, machet sie in der Erde ordentliche Lagen aus, die zwischen sich Lagen von Kieselsteinen einschließen. Es scheinet demnach, daß die auf den Feldern los liegende Feuersteine, durch gewaltsame Zerrüttungen aus ihrem natürlichen Lager ausgeworfen worden, allein bisher hat noch keiner beweisen können, daß beyde, aus einerley Grundtheilen entstanden.

Der Name: Kreide, wird sonst sehr unbestimmt verschiedenen andern Erdarten beygeleget. Man redet daher von Kreidearten, von verschiedener Farbe; allein ich kenne ausser dieser, keine, die kalkartig ist. Der Unterschied verschiedener Gattungen von Kreide hanget nur ab, von der Feinigkeit derselben, und der Festigkeit des Zusammenhangs der Theile.

§. 7.

3. Versteinert, oder hart. Terra calcarea indurata. Kalkstein. Lapis calcareus.

1) Dicht, von unfühlbaren Theilen. Particulis impalpabilibus.

Diese Gattung ist an Härte und Farbe verschieden. Man findet den Kalkstein

1. weis. Ein solcher Kalkstein ist der Kreidestein aus Hull in Engelland.

2. weislich gelb. Der Kalkstein vom Baldursberg in Schonen, und der venetianische.

3. fleischfarbig. Von dieser Farbe sind die Steine, die man in den upländischen Aeckern findet.

4. röthlich braun. Oeland, Jemteland, Rättwick in Dahlien und Kinnakulle.

5. grau. An benannten Oertern.

6. bunt. Der italienische, blankenburgische und verschiedener anderer Marmor.

7. schwarz. Jemteland. Flandern. (Siehe 23.)

Anmerk. Ob es gleich vielen mißfällig seyn mochte, daß ich die Marmorarten, Kalksteine nenne, so habe ich doch gar keine Kennzeichen, durch die ich selbige von einander unterscheiden könnte. Die Farbe und der Zusammenhang der Theile sind die einzigen Ursachen, warum wir eine Gattung der andern vorziehen. Hat aber die Natur einigen Farben vor andern einen Vorzug gegeben? Sind nicht alle dichte Kalksteine zur Politur geschickt, ehe sie durch Verwitterung verdorben werden? Man hat also unter den Gattungen der dichten Kalksteine, solche, die man nach seinem Geschmacke aussuchen, und unter dem Namen des Marmors zu künstlichen, und zierlichen Arbeiten gebrauchen kann.

Den Geographis subterraneis gebühret es, zu untersuchen, ob dieser (3) Kalkstein anders, als lagen- ober flötzenweise, und ohne Einmischung anderer, gleichfals in Kalk verwandelter Körper, vorkomme. Hie in Norden findet man ihn allezeit so, daß man deutlich sehen kann, er sey in Flüssen, oder bey Wasserüberschwemmungen entstanden, wie es mit dem Schlamm bey unseren Pochwerken geschicht, wenn allerhand fremde Sachen mit folgen. Dergleichen aber sind zu wenig, daß die ganze Masse dadurch hätte sollen in Kalk verwandelt werden können, anderer Umstände zu geschweigen, die einen solchen willkührlichen Satz gar zu unwahrscheinlich machen.

§. 8.

2. Körnig. Lapis Calcareus particulis granulatis.

1) grobkörnig und los. Salzschlag. (schw. Saltslag.) Sahlberg

1. röthlich gelb.

2. weis. Die sahlbergische Grube giebt beyde Abänderungen. Sonst nennet man auch den Körnigen Flußspaht, Salzschlag.

2) kleinkörnig.

1. weis. Sahlberg.

2. halbdurchsichtig. Solfatara in Italien. Gediegener Schwefel wird darin angetroffen.

3) feinkörnig. Der sahlbergische Kalkstein.

1. weis und grünn. Die große Grube in Sahlberg.

2. weis und schwarz. Der Herrsteins Boden in Sahlberg.

Anmerk. Diese Gattungen haben oft so schöne Farben, als die so genannten Marmorarten; allein die Zusammensetzung, und der Zusammenhang der Theile verstatten keine gute Politur.

§. 9.

3. Schuppenartig. Lapis Calcareus particulis squamosis s. spatosis. Leimstein.

1) mit groben Schuppen.

1. weis. Garpenberg.

In Tunaberg und Südermannland findet man diese Gattung auch. Sie ist aber von der Beschaffenheit, daß sie im Feuer 40 pro Cent von ihrer Schwere verlieret, und wenn sie verwittert, bräunlich wird, welches letztere eine Anzeige eines geringen Eisengehaltes ist, daß sie also zwischen dem Stahlsteine und dem Kalksteine ein Mittelding ist. Roh brauset sie auch nicht mit sauren Geistern.

2. röthlich gelb. Finnland.

2) mit kleinen Schuppen.

1. weis. Tuna Kirchspiel in Dahlekarlien. Ostgohtland im Marmorbruche. Merike, im Kirchspiele Lillkyrkie. Finnland in den Kirchspielen Kimito und Kargas.

3) fein schimmernd.

1. weis. Carrara in Italien. Pargas in Finnland.

2. bunt. Von dieser Art sind ein Theil ausländischer Marmorarten.

Anmerk. Diese Art der Kalksteine nimmt die Politur an, und wird daher, wenn ihre Farben schön sind als Marmor gebraucht.

Sonst ist zu merken, daß der körnige, und schuppen artige Kalkstein (§. 9. u. 10 ) entweder in Gängen stehen, oder auch ganze Berge, die keine Spur, oder Schichten von Versteinerungen zeigen, ausmachen.

§. 10.

4. Spatartig. Spatum calcareum. Kalkspat.

1) rhomboidalisch.

1. durchsichtig. diaphanum.

1) Doppelstein. Spatum Islandicum, Verdoppelt die Gegenstände, die man durch selbigen siehet. Brattfors Eisengrube in Wermeland. Schweitz. Island.

2) nicht verdoppelnd.

1. weis und ungefärbt.

2. gelblich. Phosphorescens. Jonuswando in Lappland bey Tornea.

2. undurchsichtig. Spatum R. opacum.

1) weis. Wird an vielen Orten, meist aber in Klüften und drusigen Gängen gefunden.

2) schwarz. Kongsberg im Winorn.

3) braungelb. Sahlberg.

2) dünnschiefrig. lamellosum.

Dieser Kalkstein hat keine rhomboidalische Figur, sondern ist aus blätterigen Theilen so zusammengesetzt, als wenn Postpapier in Lagen übereinander gelegt wird.

1. dunkel, weis. Spatum L. Opacum. Kongsberg im Minorn. Die Skaragrube auf dem Eger in Norwegen.

§. 11.

5. Krystallisirt. Lapis calcareus crystallisatus. Kalkspatdrusen. Spatum Drusicum.

Dieser Kalkstein ist aus (§. 10.) angeführten Kalkspate, der in seiner Oberfläche verschiedene Flächen und Seiten angenommen, entstanden. Hiedurch sind viele Figuren zum Vorschein gekommen, die man weder alle hinlänglich zu betrachten, noch zu beschreiben im Stande gewesen. Zu Beyspielen werden demnach nur folgende, als die ordentlichsten, und häufigst vorkommenden benennet.

1) klare und durchsichtige Ralkspatdrusen, Spatum drusicum diaphanum.

1. sechsseitige an dem Ende abgestümpfte. Chrystalli spatosi hexagoni-truncati. Diese findet man auf dem Harze. Jonuswando.

2. pyramidalische. pyramidales.

1) Schweinezähne. pyramidales distincti. Dannemora. Sahlberg.

2) Spattlose. pyramidales concreti. Sind Klöse, die aus achtseitigen pyramidalischen Zusammenlaufenden Spatkrystallen bestehen. Rättwick, u. a. Oe.

Anmerk. Man bedienet sich des Wortes: Spat, als eines sehr bekannten, um eine gewisse Figur, nämlich die rhomboidalische, würfeligte und blätterige mit glatten Flächen anzudeuten, ohne beym Gebrauch des selben auf die Bestandtheile des benannten zu sehen. Eben deßwegen muß man diese durch einen Zusatz bestimmen. Man sage also: Kalk- Gips- Fluß- und Schörl-Spat. Dieß erstreckt sich doch nur auf Erdarten, und solche Erze, die mit ihnen einige Aehnlichkeit haben. Ein Beyspiel sey der Bleyspat.

Alle kalkartige Drusen zeigen, wenn sie zerschlagen werden, in ihren Theilen eine Spatfigur, Ihre Krystallisirung ist dem Raume, der nach der Zusammenziehung der spatigen Bestandtheile übriggeblieben, zuzuschreiben. Dergleichen Räume werden offene Gänge (schw. Drake oder Drusebol) genennet.

Die Figuren der Krystallen sind in diesem Geschlechte weit mehr, als in irgend einem andern unterschieden, ohne daß man hievon eine Ursache anzugeben weis. In Salzen darf man sie nicht suchen, da man niemals die Gegenwart derselben wird beweisen können, und im Gegentheile, große Anleitung hat, sich vorzustellen, daß mehrere mineralische Körper zufälliger Weise eine eckigte Figur, an der Fläche haben annehmen müssen. Sieh. des Herrn Cronstedts Eintritsrede, gehalten vor der königlichen Akademie der Wissenschaften.

Ausserdem dienet die genaue Aufmerksamkeit auf diese Figuren mehr zur Befriedigung der Neugierde als zum wahren Nutzen. Die Bergverständigen haben bis auf diese Stunde in den Erzgängen, nach der Verschiedenheit derselben keinen Unterschied bemerket. Diejenigen, die sich derselben zum Grottenwerk bedienen, rechnen niemals die Anzahl der Seiten. Sie sind mit einem in der Weite schön scheinenden Ansehen derselben zufrieden. Nichtsdestoweniger würde es gut seyn, wenn sich jemand die Mühe nehmen wollte, zu untersuchen, ob nicht eine jedwede Gattung von Spaten, ihre bestimmte Anzahl von Figuren hätte, innerhalb welcher allemal die Krystallisirung geschicht. Dieß hat bisher nicht geschehen können, indem man alle Spate, ohne einiges Absehen auf ihre Bestandtheile, unter einander gesetzet hat. Ich hege, meines Theils, keine große Hofnung, daß etwas Wesentliches daraus werde.

§. 12.

6. Stalaktitischen Kalkstein. Tropfstein. Stalactites calcareus. Rindenstein.

Wird in den Klüften der Berge, oder in der Erde vom Kalkwasser, welches, unter dem Fortfliesen und Tröpfeln, die Kalkerde, die es zu sich genommen, fallen läst, erzeuget. Es ist daher dieser Stein mehrentheils nur eine Rinde, bisweilen auch im Bruche dicht und spatig. Die äussere Gestalt richtet sich nach dem Orte, wo das Fällen des Kalkes geschicht, nach der Beschaffenheit des Wassers, und mehrern dergleichen zufälligen Umständen. Es wird gefunden

1) Schaligter Tropfstein von feinen Theilen, Stalachtes testaceus particulis impalpabilibus.

1. runder. testaceus globosus.

1) weiser. Der Karlsbader Sprudelstein.

2) grauer. Der gohtländische Roggenstein. Pisolithes. Oolithes.

2. kegelförmiger hohler. Coniformis perforatus.

1) weiser. Man findet diesen in allen mit Kalk gemauerten Gewölben, wo das Wasser hindurchdringet, wie auch in den Klüften der Kalkberge.

3. von keiner bestimmten Figur. Figura incerta. Sinter. Die Baumannshöle. Die Wasserleitung bey Adrianopel. Italien u. s. f.

4. aus zusammenhangenden ausgehöhlten Regeln. Conis concretis excavatis. So beschreibet man einen Rindenstein, der bey Helsingburg den Raum einer Erdritze eingenommen. Seine Figur ist ganz sonderbar. Er gleichet nämlich zusammenhängenden in einander gesteckten papiernen Teuten, die sowohl in der Höhe, als in den übrigen Abmessungen, nach und nach abnehmen.

2) Dichter Tropfstein, der im Bruche spatartig ist. Stalactites solidus particulis spatosis.

1. Regelförmiger und hohler, Coniformis.

1) weiser halbdurchsichtiger. Chaceline  bey Rouen in Frankreich,

Anmerk. Wenn man Kalkwasser (Aqua calcis vivae) machet, siehet man wie sich der Kalk nach und nach auf die Oberfläche des Wassers, als eine Haut sammlet, und hernach, wenn diese Haut geborsten, als ein blätteriger Bodensatz, niederfället. Dieses dauret lange und gehet gut von statten, wenn gleich das Kalkwasser filtrirt worden. Man kann sich also vorstellen, daß es in der Werkstätte der Natur eben so hergehe. Der Tropfstein ist daher mehrentheils schalig, oder er hat Zeichen dieser Beschaffenheit. Findet man ihn spatartig, wie der Rouensche ist, so kann man glauben, daß dieß einer auf einmal sehr häufig zufließenden Materie zuzuschreiben sey, und daß Kalkspate, und deren Drusen, die, so viel mir bewußt ist, nur in Bergspalten, die die Bergverständigen, nach der Ausfüllung Klüfte und Gänge nennen, vorkommen, wie Tropfsteine erzeuget werden. Wir haben sie also füglich, alle auf einmal, als wenig von einander unterschieden, in Betrachtung ziehen können. Die Mühe, ihnen an statt der Beschreibungen, besondere Namen zu geben, ist dadurch ersparet worden; denn es ist ausgemacht, daß ein Stück von zerschlagenen großen Spatkrystallen, oder auch spatartige Tropfsteine in Mineraliensammlungen allezeit für blosen Kalkstein könne angesehen werden, ohne einige Spur besonderer Kennzeichen, die ihm, im Ganzen vereiniget, eigen waren zu zeigen.

. . .


pp. 37–45

§. 39.

Allgemeine Anmerkungen vom Kalke.

So allgemein die Kalkerde in der Welt ist, so sehr sie auch in einigen Körpern verwickelt und verborgen lieget, so vielfältig ist ihr Nutzen und Gebrauch. Könnte man erweisen, daß die Natur zu ihren Wirkungen, nur zweyer wirkenden Mittel, der Säure und des Laugenhaften bedürfe, und daß die Kalkerde, unter gewissen Umständen in ein mineralisches Laugensalz, könne verwandelt werden, (wie einige gemuthmaßt haben) so würden wir die Nothwendigkeit der Kalkerde auch in dieser Absicht hinlänglich einsehen. Allein dergleichen Sätze, die noch lange, und vielleicht beständig willkührlich bleiben möchten, lassen wir billig bey ihrem Wehrte. Wir wenden vielmehr unsere Aufmerksamkeit auf den Nutzen, den der Gebrauch der Kalkerde in der Haushaltung der Menschen mit sich bringet. Der Gebrauch ist nach der Verschiedenheit der Nahrungsarten verschiedentlich, und bald von größerer, bald von geringerer Wichtigkeit. Doch werde ich mich nicht in weitläuftige Beweise einlassen. Ich werde nur dem Leser anzeigen, wie der Kalk entweder roh, oder gebrannt im gemeinen Leben angewendet wird.

Die lose Kalkerde, oder so genannte Blecke, wird zur Tünche gebraucht. Zum Gebrauch im Ackerbau wird sie mit einer Thonerde vermischt. Ihre alkalische Natur ist es, die sie geschickt macht, nach den Regeln des Wachsthums der Pflanzen, die der Herr D. Külbel untersucht hat, fette Theile mit dem Wasser zu vereinigen. Ausserdem trocknet die Kalkerde den Thon aus, und macht ihn weniger zusammenhängend, oder wie die Ackerleute reden, zum Anbau leicht. Dieß ist die Ursache, warum an einigen auswärtigen Oertern, die lose Kalkerde, (Blecke) Mergel genennet wird; denn wenn sie auf thonigte Erde gebracht wird, trägt sie vieles zur Erzeugung des Mergels bey. Die Schneckenerde kann als eine der nächst mit ihr verwandten Gattungen von Kalkerde angesehen werden. Allein es ist eben Schade, daß an denen Oertern, die Kalkerde im Ueberfluß haben, die Thonerde so selten ist, und daß man bisweilen von der Kalkerde mehr fordert, als sie wirklich leisten kann. Die Blecke, wenn sie im Wasser erweicht und in Formen gepackt wird, läst sich zum Kalkbrennen sehr bequem gebrauchen.

Versteinerte Kalkerde oder Kalkstein thut, als losliegend auf den Aeckern, fürtreflichen Nutzen. So wie er nach der Hand an seiner Oberfläche verwittert ziehet er Feuchtigkeiten an sich, und behält sie länger in sich, als die mehresten der übrigen Steinarten. Die Einwohner in Jemteland, Rättwick und Kinnekulle, und mehrere vom Ackerbau sich nährende Menschen, würden durch die Dürre weit größern Schaden leiden, wenn nicht diese losen Steine, ihre aus lauter Kalk und Schiefererde bestehende Acker, bedeckten.

In der Baukunst ist der Kalkstein unumgänglich nothwendig, und alle Gattungen werden gebrauchet.

Der dichte Kalkstein, (§. 7.) welcher, wenn man ihn wegen seiner schlechten Farben nicht poliren will, nur schlechthin Topfstein, Alwarstein, öeländischer Stein, u. s. f. genennet wird, ist größtentheils schiefrig. Die dicksten Lagen werden deswegen zu groben Arbeiten gewählet, wozu sie auch sehr gut dienen. Die Dünnern hingegen brauchet man zum Pflastern der Estriche n. dergl. Ist man bey der Wahl dieser Steine nicht vorsichtig genug, so kann es leicht geschehen, daß die besten verarbeiteten Sachen, sich mit der Zeit in Schiefer von einander trennen, wenn sie in freyer Luft stehen; denn die Zwischenräume der schiefrigen Theile sind mit versteinertem Mergel ausgefüllt. Dieser verwittert aber. Die obersten Lagen in dergleichen Steinbrüchen werden daher nicht geachtet, und als eine andere Gattung von Steinen, welcher man den Namen Gorsten (das ist: unbrauchbarer Stein) zu geben beliebet, angesehen.

Wenn die Kalksteine hohe Farben haben, wenn sie gleich nur dunkelbraun sind, so erhalten sie alsobald den vorzüglichern Namen: Marmor. Die dicken und dichten, die so weit in der Tiefe liegen, daß sie durch Verwitterung nicht können beschädiget werden, braucht man zu Arbeiten, die polirt werden sollen. Hiezu sind auch solche Kalksteine vor allen andern dienlich, weil sie ganz dunkel sind, und die Lichtstrahlen von ihrer Oberfläche zurückprallen. Die meisten italienischen und antiquen Marmorarten sind von dieser Art: als

Marm. Negro di Fiandra.
Giallo antico.  
Di fiume d’Arno
di Fiorenza, Paesino.

di Porto Venere
Negro e bianco di Carrara
Tartufato d’Urbino
Brocatella di Spagna
Palombina Antica.
Alberino di monte Gallicano.

Rosso di San Giusto.   
Carnagione di Pistoia.
Fior di Persico di Savarezza
Pavonazzo.  

Bardiglio.         

Schwarz.
Gelb mit einigen weisen Adern.
Gelb mit schwarzen dratähnlichen Figuren.
Gelb mit braunen, Rumen vorstellenden Figuren.
Schwarz mit gelben Adern.
Schwarz und weis.
Bleichgelb mit schwarz-grauen Flecken.
Gelb, weis und roth.
Bleichgelb.
Olivenfarbig mit dunkleren feinen Querstrichen, und Baumähnlichen Figuren.
Braunroth. 
Fleischfarbig und gelb. 
Carmoisin roth, weis und grau.
Hat rothbraune Drüsen auf einem weisen Grunde.
Bläulichgrau.

Es sind unendlich mehrere. Ihre Anzahl wird ohne Noth von denen, die des Gewinnes halber Proben herbeyschaffen, ja auch von gewissen Sammlern, die auf Farben und Figuren sehr aufmerksam sind, vermehret. Man siehet aus dem vorhergehenden, daß die italienischen Namen größtentheils von der Farbe hergenommen sind. Wenn der Ort, wo der Marmor gebrochen worden, unbekannt ist, so heiset die Marmorart Antica. Sind verschiedene hohe Farben im Gesteine, so heisset er Brocatella, oder Brocettelata. Im Paesino di Fiorenza, Alberino di Monte Gallicano u. a. hat man auf die Figuren gesehen. Wenn man keine Originale hat, so nimmt man ähnliche Arten, an deren Stelle, und färbt auch wohl weise Marmorarten. Ein solcher gefärbter Marmor ist gemeiniglich der sogenannte Marmore de Sangue di Dragone. Zu diesen dichten Marmorarten gehören auch:

1) Der blankenburgische Marmor, von rother weiser und schwarzer Farbe.

2) Der Jemteländische, der schwarz und weiß, oder nur schwarz ist.

3) Die französische Marmore. Serfontaine. Antin. Saracolin. St. Baume, Servelat u. a. die verschiedene hohe Farben haben.

Die schönsten jetzt gebräuchlichen dichten Marmorarten, sind die italienischen, blankenburgischen, französischen und die aus Flandern. In Sachsen, und dem übrigen Theile von Teutschland, in Norwegen und Schweden hat man auch einige Marmorarten; allein theils sind die Farben schlecht, theils sind sie von dem (§. 9.) beschriebenen schimmernden Kalksteine.

Unter den vorhergehenden sind doch einige, die etwas vom schiefrigen Kalksteine (§. 9, 3) in ihrer Zusammensetzung haben, ob er gleich einen Hauptbestandtheil nicht ausmacht, sondern nur ein Mittel ist, die Drüsen des dichten Kalksteines zusammen zu halten, und die Zwischenräume derselben auszufüllen. Dieser ist doch nicht vom Marmorgeschlechte auszuschliesen. Man muß nur den wählen, der die feineste Bestandtheile hat; denn der grobschiefrige erhält durch die Politur, nach dem Berichte der Steinmetzen, kein sonderliches Ansehen, und zeiget, wegen der Halbdurchsichtigkeit und verschiedenen Lage der Theile, seine rechte Farbe nicht. Man siehet dieß am Finnländischen Marmor, aus dem Kirchspiele Perno. Von der feinschimmernden Art (§. 9, 3) ist.

Marmore bianco di Carrare Salonedi Pari; weiser italienischer Marmor, der zu seinem bestimmten Gebrauch nicht poliret, sondern nur matt geschliffen wird, so auch: Biscio Antico; Porta santa; Carnagione di Verona; di Siena; Tigrato antico; Rosso antico; Giallo antico in Oro; Fiorito; Giallo Abrusciato; welche alle an ihren Enden etwas durchsichtig sind.

Im Kirchspiele Pargas bey Abo, wird man, nach der Probe zu urtheilen, einen eben so guten weisen  Marmor finden, als der italienische ist, wenn man erst unter die Tageschichten kommt, allein andere weise Kalksteine, als der von Lillkyrkie, und andere aus Schweden sind entweder zu grob, oder durch halbdurchsichtige Flecken, die ihnen von weiten ein unebenes Ansehen geben, verunstaltet.

Statuario antico ist zwar durchsichtig genug; aber ist zugleich überall eben. Es ist also die Durchsichtigkeit gar nicht nachtheilig, sondern macht vielmehr, daß er dem Alabaster gleichet. Zu diesen kurzen Betrachtungen der Marmorarten: wollen wir noch dieß hinzufügen : Da die Italiener, ein ziemlich gegründetes Recht haben, den Marmorarten Namen zu geben, und uns mit Sammlungen, sowohl von ihren einheimischen, als fremden, von den Alten in ihren Ländern gebrauchten, und jetzt Antichi benannten Marmorarten zu versehen: so hat man sich nach Anleitung solcher Sammlungen, und deren Betrachtung, die Freyheit genommen, die meisten Gattungen von Steinen, die sich poliren lassen, Marmorarten zu nennen. Der italienische Künstler weiß selbst sehr wohl zwischen Marmore, Diaspro und Granito einen Unterschied zu machen, bedienet sich auch dieser letzteren Namen, um damit mit ähnlichen Farben versehene Marmorarten zu benennen, wenn er die härtern Originale nicht bey der Hand hat, oder sich mit der mühsamen Schleifung derselben nicht abgeben mag. Eine solche Unordnung kann wohl nach diesem System geduldet werden, indem wir hie die drey benannten Geschlechter, Kalkstein, Jaspis und Felsstein betrachtet haben; da sie aber sich nicht nur auf ungleiche Weise bearbeiten lassen, sondern auch verschiedentlich der Gewaltsamkeit der Zeit widerstehen, so scheinen sie zu verdienen, daß Baukünstler sich von selbigen einen deutlichen Begriff bilden, und sie mit unterschiedenen Namen belegen.

Leidlicher ist der Fehler, wenn der Felsstein, der aus Kalkstein und Serpentinmarmor bestehet, Marmor genennet wird, nicht weniger, wenn der Kalkstein die Oberhand hat, als im Kolmordsteine, als wenn aus dem Serpentinsteine der größte Theil zusammengesetzt ist, wie im Pozzevera de Genova, und einem gewissen grünen Marmor aus Spanien, der sich, wie andere Marmorarten hauen und schleifen läst, obgleich der Serpentinstein etwas loser und leichter zu poliren ist.

Der Kalkspat (§. 10.) und dessen Drusen (§. 11.) find härter zum Brennen, als andere Kalksteine. In der Baukunst sind sie deswegen von keinem großen Nutzen. Die Drusen können zum Grottenwerk gebraucht werden. Die Natur hat auch selbige sehr sparsam hervorgebracht.

Der Gips hingegen ist von größter Wichtigkeit, und dessen Erzeugungsörter sollten, zum Vortheile der Baukunst, genauer untersucht werden. Wäre es, wie einige behaupten, ausgemacht, daß die Erdschichten über den ganzen Erdboden in einerley Ordnung lägen, so könnten wir uns einen hinlänglichen Ueberfluß des Gipses versprechen. Wie schwierig aber ist, nicht, nach Anleitung einzelner in besondern Gegenden angestellten Beobachtungen ganze Systemen zu bilden? Es werden unzählige Versuche erfordert, um diesen Satz gründlich erweisen zu können. Unterdessen kann man doch, und zwar nicht ohne Grund fragen: Ob man den Gips in andern, als solchen Erdschichten, die deutliche Spuren zeigen, daß sie in der mittlern Zeit durch Schlämmung entstanden, dabey die vitriolische Säure gerne zugleich da gewesen, suchen solle? Weiter frägt sichs, ob eine Entzündung müsse vorgegangen seyn, dadurch die vitriolische Säure das brennbare Wesen hat verlassen, und sich mit einer reinen Kalkerde vereinigen müssen?

Die Bergleute bedienen sich, des rohen Kalksteins zu Gestellen in ihren Schmelzöfen, und zu Flüssen bey den Schmelzungen. Zu ersterer Absicht muß dichter, und schuppenartiger gebraucht werden, zur letzteren aber ist der schuppenartige (§. 9.) der beste, und nach ihm der körnige Kalkstein.

Denen, die Kalksteine zum Brennen suchen, und dabey befürchten, das weisse Eisenerz für einen dazu dienlichen Stein anzunehmen, dienet folgendes zum Unterricht: Das weise Eisenerz hat allezeit eine schwarze, oder schwärzlich braune Verwitterung im Tage, und erlangt im Feuer eine schwarze Farbe. Wenn es an Eisen eben nicht sehr reichhaltig ist, so kann es wohl zum Kalkbrennen gebraucht werden. Der Kalk wird. aber grau, wie, wenn Thon im Kalke ist. Der Alwarstein hat hievon auch einen geringen Theil.

Es scheinet, als wenn das weise Eisenerz vor allen andern zum Ciment dienlich seyn sollte, indem selbiges allezeit zu seinen Bestandtheilen Kalk und Eisen hat; allein ihre Verwitterung sind nicht zusammenhängend, und in Versuchen zeigen sie keine bindende Eigenschaft. Man muß sich also zu andern Körpern wenden. Man wird alsdenn vielleicht finden, daß das Eisen, welches eine gar zu metallische Form hat, von der vitriolischen, Säure leicht angegriffen wird. Das Ciment wird daher zu seiner Zeit, und an seinem Orte durch dieselbige aufgelöst und unbrauchbar werden. Auch leistet ein zum zweytenmale in Kalk verwandeltes Eisen bey weitem nicht die Dienste, die man von Eisen, das noch etwas von seinem brennbaren Wesen zurückbehalten, zu erwarten hat. Zum Beyspiel dienet, eine Erfahrung, daß der Hammerschlag der Schmiede, so mit Kalk und groben Sande vermischt gefunden, in gewisser Absicht gute Wirkungen gezeiget habe, deren Dauerhaftigkeit die Zeit lehren wird. Terra Pouzzolana, und Terras sind nichts anders, als mit einer unbekannten Erde vermischte Eisenerze. Ihre Wirkungen in den Cimenten möchten vielleicht allein vom Eisen herrühren, welches, durch unterirrdisches Feuer, von dem dessen Erzeugungsörter sichere Merkmale geben, eine besondere Beschaffenheit erhalten hat. Wo der Schiefer im Hunnaberg, oder Kinnakulle in Brand geriehte, so wäre es möglich, daß die oberste Lage, die eine Mischung von Eisen und andern Bergarten ist, und in Beschreibungen, Felsstein, (Gräberg) genennet wird, zum Theil im Schlacken, und zum Theil in die Terra pouzzolana verwandelt würde.