Angermann 1766

Johann Gotthilf Angermann, Allgemeine practische Civil-Bau-Kunst, welche zum Vortheil alle Haus-Wirthe und Bau-Verständigen abgefasset worden, Halle [Johann Jacob Curt] 1766.


Johann Gotthilf Angermann was a German architect and architectural theorist who held the title of Royal Prussian Provincial Builder. Only limited information about his life is available. He authored an extensive treatise on the theory and practice of civil construction, published in Halle in 1766. In this work, Angermann drew upon earlier studies, including the treatises of Nicolaus Goldmann (1611–1665) and Leonhard Christoph Sturm (1669–1719), while also contributing his own observations. Presented here are the sections addressing the painted decoration of architecture and its various kinds and techniques, as well as the binding materials associated with construction and plastering work, such as sand and lime.


Eilfte Abtheilung.
Von den Bildhauerey- und Mahlerey-Wercken,
welche an Gebäuden vorkommen.

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pp. 59–61

Die Mahlerey, soweit sie zu der Architectur gehöret,
das ist, auf den Wänden der Gebäude
aufgeführet wird, ist dreyerley.

In tectorio recenti, al Fresco, a Fresque, in natte Kalck, In nassen Kalck. Ist die allermeisterhafteste Mahlerey, welche auch an der freyen Lufft wohl dauret, wird nur mit Erd-Farben, nicht mit Säften oder Mineralien, die mit Wasser angemacht werden, in den frisch angetragenen Bewurf der Mauren, ehe der Kalck eine Haut anzichet, gemahlet, da man hernach nicht nachhelfen und bessern kann, daher nicht nur, weil geschwinde und doch vollkommene gute Arbeit erfordert wird, sondern auch die Farben gar anderst aussehen, wenn sie aufgestrichen werden, als wenn das Werck trocken worden ist, diese Mahlerey für die künstlichste zu halten.

In tectorio sicco, à tempera, a detrempe, baven drooge Pleister, mit Leim-Farbe. Ist eine Art zu mahlen, da man fast alle Farben gebrauchen kann, die man mit wohlgeschlagenem Eyer-Dotter, darinn hernach zarte Aestchen vom Feigen-Baum zerrieben oder zerstossen worden, anmachet, und damit auf Mauren, oder auf alt Holtz, oder auf mit Leinewand überleimten Holtz, nachdem sie subtil mit Gyps überstrichen worden, mahlet.

Pictura ope olei lini facta, à olio, a huile, Schildery met Oly, Oehl-Farben. Ist eine neue Erfindung von einem Brabander in dem sechzehenden Jahr-Hundert, da man die Farben mit Lein-Oehl anmachet, und damit auf trockenen Kalck und grobe Leinewand mahlet.

Zweytens, die Wercke der Mahler, so zur Architectur gehören, sind folgende:

Megalographia, Historie, Histoires, Historyen, Geschichte. Wenn man Geschichte oder Fabeln, oder beydes mit einander vermenget, mit Personen nahe oder gantz in Lebens-Grösse vorstellet.

Topia, Paesi, Paisages, Landschappen, Landschaften. Wenn ganze Districte von annehmlichen Ländereyen oder See-Gegenden vorgestellet, und zuweilen mit Historien in kleinen Bildern gemahlet werden.

Nota. Das lateinische Wort, Topia, wird insgemein vor Lust-Gärtner-Arbeit ausgeleget; beym Vitruvio aber Libr. VII. Cap. 5. kann das Wort unmöglich eine andere Bedeutung haben, als die ich ihm hier gegeben habe.

Prospectus, Prospettive, Perspectives, Gesichtkondige Wercken, Aussichten. Hieher können zwar die Landschaften, ja einiger massen allerley Mahlereyen gezogen werden, weil in allen die Wissenschafft der Perspectiv vornehmlich in Acht genommen werden muß. Allein besonders werden durch diese Wörter Gemahlde verstanden, die in Kirchen, grossen Sälen, Gallerien und so weiter, an den Wänden gemachet werden, vorzustellen, als wenn dasselbe Gebäude da weiter fortgienge, oder mit einem andern offenen und im Gesicht stehenden Zimmer correspondirete, so, daß auch geschickte Augen dadurch betrogen werden.

Lacunarium pictura, Scorti fatti di Sotto in su, Peinture de Plafond, Zolder-Schildery, Decken-Stücken. Wenn an platten oder krummen Decken der Zimmer gemahlet wird, als wenn sie höher hinauf giengen, oben Gallerien hätten, da Leute herunter sehen, oder gar Himmel offen wären, und man nicht nur zu oberst herum sitzende, sondern auch in der Lufft schwebende Personen sähe.

Nota. Noch eine Art von Wercken ist, da man verschiedene Architectur und Schnitz-Werck an glatten Wänden durch Mahlerey vorstellet, daß auch öfters die Augen dadurch betrogen werden; aber ich finde keine besondere Terminos technicos hiervon.


p. 63

Erster Abschnitt.

Von der
Beschaffenheit
der
Bau-Materialien,
und mit welchen man dauerhaft
und feste bauen könne; 
und zwar in zweyen Abtheilungen,
als:
1. denen Haupt- und 2. denen Neben-Bau-Materialien.

. . .

p. 98

Das dritte Capitel.

Von
der Mauer-Speise,
und
was, hierzu vor Stücke gehören: auch wie ihre
Güte und Untauglichkeit zu erkennen; als in
Ansehung des Gypses, Kalcks, Leims und
Sandes.

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pp. 101–107

§ 2.

Vom Kalck und dessen Brennung.

Der Kalck-Stein ist ein weiß-blaulichter Stein, so hier zu Lande gefunden, und zum Kalck-Brennen genommen wird. Andere Länder haben wieder andere Sorten; welches aber hier zu weitläuftig seyn würde, wenn man alle Sorten anderer Länder beschreiben wollte: wie denn meine Absicht ist, dieses Werck bloß in hiesigen Ländern zu gebrauchen.

Es ist bereits bey der Erklärung der Stein-Theile die Kenntniß des Kalck-Steines gezeiget worden, nemlich, daß solcher effervescire, so man Scheide-Wasser darauf giesset: welches aber nicht genug ist, sondern man muß ihn vornemlich durch das Feuer probiren, und muß der Kalck-Stein nach dem Glühen im Wasser zerfallen, auch nach dem Brennen nur drey Viertel seiner Schweere, so er vor dem Brennen gehabt, leichter werden; bleibt aber solcher nach dem Brennen schweer, und löset sich im Wasser schweer auf: so ist solches ein richtiges Kenn-Zeichen, entweder eines unreifen Kalck-Steines, oder, daß der Stein zwar Kalck-Steine bey sich habe, welche aber mit vielen Quarz-artigen Theilen verbunden; oder, daß es ein fester Marmor-Stein sey, von welchem bereits Erklärung geschehen ist.

Aller, Kalck, so nicht alleine in einem Ofen gebrannt wird, verlieret sehr viel von seiner Güte. Denn wenn man den Kalck-Stein nach seinen Bestand-Theilen betrachtet, und wie solche sich im Feuer verhalten, auch was durch die an den Ausdünstungen und Feuchtigkeiten der Mauer-Steine gewircket worden, untersuchet; so findet man offenbar einen sehr grossen Verlust von der Güte des Kalckes.

In unsern Zeiten ist das durchgängig Mode, daß Kalck- und Mauer-Steine zusammen in Einem Ofen gebrannt werden; da denn der Kalck-Stein zu erst um das Feuer gesetzet, auch die Feuer-Schluft damit bedecket wird: folglich muß alle Hitze erstlich durch den Kalck gehen, ehe die Mauer-Ziegeln, so neben und über den Kalck gebauet sind, allererst ihr Feuer bekommen. Auf diese Weise wird aller Kalck, so am Feuer lieget, gäntzlich ausgezehret und verbrannt; der aber, so an den Ziegel-Steinen lieget, wird von der Feuchtigkeit, so aus denselben gehet, angefüllet, so daß bey dem Gahr-Brennen des Kalckes alle gute Oehle und andere Theile mit der angezogenen Feuchtigkeit verfliegen; da denn der Kalck, so am Feuer verbrannt, samt dem, so ausgezehret, einen schlechten Mörtel giebt. Hiervon wird eine weitere Ausführung bey der Mischung des Kalckes und Mörtel-machen vorkommen, allwo gezeiget werden wird, wie die alten Römer ihren Kalck gebrannt, gelöschet und Mörtel daraus gemachet haben.

Es ist dahero nöthig, daß an diesem Orte gezeiget wird, wie der Kalck alleine zu brennen sey, wozu ich einen bequemen Ofen vorstellen will, in welchem der Kalck recht vortheilhaft zu seiner Güte kommt, indem die Mauer-Ziegel in den beschriebenen Oefen allein gebrannt werden müssen.

Tab. IV.

Zeiget einen Ofen, welcher eilf Fuß breit, vierzehen Fuß lang, und funfzehenthalb Ellen hoch; welches, nach Abzug der schiefen Sohle des Ofens, auch Gewölbes, zwey tausend und siebenzig Cubic-Fuß wahrer Inhalt desselben bleibet. Dahero können sechs Ruthen Kalck-Steine auf einmal darinnen gebrannt werden.

An dem Ofen Tab. IV. finden sich folgende Theile:

Fig. I.

stellet theils die vordere Seite, theils aber auch den Durchschnitt vor, und zwar, damit man so wol sehe, wie das Sparr-Werck des Daches oder Decke über dem Gewölbe des Ofens beschaffen sey; als auch das Gewölbe des Ofens, samt denen darinnen befindlichen Zug-Löchern.

a. sind mit Holz ausgebundene Wände von Holtze: damit aber auch solche halten, und das Dach tragen können; so müssen drey Balcken gantz durchgehen, um die Wände damit zusammen zu halten.

b. ist der Raum über dem Gewölbe, damit man zu denen Zug-Löchern kann, und um deßwillen sind auch nicht alle Balcken gantz durchgezogen.

c. ist das Gewölbe selbst, und

d. die darinnen befindliche Zug-Löcher, welches zusammen zwölf Stück betragen.

e. ist der Ofen selbst, in Absicht seiner Höhe und Breite.

f. sind die Eingänge und Feuer-Löcher, welche aber, wenn es möglich wäre, die obere Hälfte mit einem Blech-Schieber zu zu machen, damit solche bey der Feuerung nicht so hoch blieben, weil alsdenn der Zug dadurch vermehret wird.

g. sind die Aschen-Löcher.

h. ist das Mauer-Werck.

i. ist der obere Eingang; vor welchen

k. das Gerüste befindlich, von welchem eine Auffahrt, wie eine Brücke, angebracht werden muß: stehet aber der Ofen so tief, als die Höhe bis an den Eingang

i. beträgt, in der Erde; so ist solches so wol vor den Ofen zu seiner Dauer gut, als auch zur Vermeidung einer solchen Auffahrt.

Fig. II.

Stellet den Grund-Riß vor, wie derselbe in Absicht seiner Grund-Lage beschaffen ist; woben

a. das Mauer-Werck vorstellet, so den Ofen einschliesset.

b. sind die Eingänge, in welchen die eiserne Roste befindlich, damit das Feuer mehreren Trieb bekommt, und die Asche in die darunter befindliche Höhlen durchfallen kann.

c. ist die innerliche Grösse des ganzen Ofens, nach seiner Länge und Breite.

d. der Eingang, welcher in der vorigen Figur durch c. angemercket worden, in Absicht seiner Breite durch das

e. Mauer-Werck, samt dem Boden e. der darvor errichteten Stellage, den Kalck in den obern Theil des Ofens zu schaffen.

Fig. III.

Stellet den Ofen nach seinem Durchschnitte nach der Länge vor.

a. ist die Vor-Halle, so sehr nöthig ist, den fertigen Kalck darinnen bis zum Einlöschen zu verwahren, damit solcher nicht in der freyen Luft liegen darf, welches solchem höchst-schädlich ist, wie bey dem Mörtel-machen wird gezeiget werden.

b. ist der Eingang auf der Sohle des Ofens, wodurch der Kalck in und aus dem Ofen geschaffet wird.

c. ist der Aschen-Raum unter dem Roste, welcher etwas schief geleget werden muß, damit der hintere Theil des Aschen-Raums grösser wird, als die vordere Oeffnung, weil alsdenn ein weit stärckerer Zug entstehet, indem die kalte Luft in desto grösserer Menge eindringen kann, weil der Raum zur Verdünnung durch das Feuer grösser ist, und also einen starcken Zug erreget.

d. ist der innere Theil des Ofens, welcher an seinem hintersten Winckel vom Roste schief- auf gemauert werden muß, und zu einer guten Ausbrennung des Kalckes vieles beyträget: weßhalb auch die gantze Sohle des Ofens nicht horizontal oder gleich seyn darf, wie man in der ersten Figur an der Sohle zwischen den Eingängen siehet.

e. ist das Mauer-Werck.

f. das Gewölbe samt den Zug-Löchern.

g. die Zug-Löcher, deren in ieder Abtheilung nach der Länge vier Stück, und nach der Breite drey Stück seyn können; welche aber mit Deckeln versehen werden müssen, um solche, so es nöthig ist, zu öffnen und zu zu schliessen.

h. ist der Raum über dem Gewölbe, damit man ungehindert zu den Zug-Löchern kommen kann.

Nun folget die Brennung selbst, und wie solche geschiehet.

Wenn der Ofen mit den erwähnten sechs Ruthen Kalck-Steinen ausgesetzet worden, und zwar so, daß einige Schluften darzwischen bleiben: so macht man erstlich von gespaltenem weichen Holtze ein gelindes Feuer, welches acht Stunden anhält, woben alle Züge offen seyn müssen; damit sich die grobe Feuchtigkeit erst absondere. Hierauf macht man ein Loch um das andere zu, und öffnet die Zug-Löcher unter dem Roste nur halb, welche mit Schiebern versehen seyn müssen; und macht darauf mit ganzen Scheiten von weichem Holtze noch acht Stunden ein stärcker Feuer. Sodann lässet man nur in ieder Ecke des Gewölbes ein Zug-Loch offen, wie auch in der Mitte zwey derselben; und leget hart Holtz nach, damit der Grad des Feuers noch stärcker wird, welcher wieder acht Stunden so erhalten wird. Darnach öffnet man die Zug-Löcher gantz, so unter dem Roste sind, als auch alle Züge des Gewölbes, und verstärcket das Feuer noch acht Stunden: so dauret der gantze Brand zwey und dreyßig Stunden.

Sind diese Stunden verflossen, so lässet man das Feuer abgehen, und den Ofen nach Abgang des Feuers zwo Stunden so stehen: darauf macht man alle Züge zu, sowol oben, als unten, und läßt den Ofen noch sechs Stunden so stehen. Hernach öffnet man alles, so der Kalck gleich gebrannt wird; ist aber solches nicht, so ist es besser, daß man nur einige Löcher des Gewölbes halb öffnet, wie auch nur etwas derer unteren Zug-Löcher; und darauf lässet man den Ofen so stehen, bis er abgekühlet: so ist der Kalck gebrannt, wie man solchen nur verlanget.

Hierzu braucht man vierthalb Klaftern Weich-Holtz, und fünfthalb Klaftern Hart-Holtz; wobey zu mercken, daß das Holtz, so schwach ist, wodurch die Flammen vermehret werden, besser ist, als das gar starcke.

Noch ist bey diesem Kalck-Ofen so wol, als auch den vorhergehenden, zu mercken, daß bey selbigen, wenn sie keine gerade Sohlen oder Boden haben, die Roste, worauf das Feuer gemacht wird, zu beyden Seiten einen Rand haben müssen, welcher zwey bis drey Zoll hoch ist: damit die Steine nicht von der Schiefe oder Böschung auf dem Rost glitschen oder schieben.

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pp. 107–108

§. 4.

Vom Sande, und dessen Güte.

Der Sand, welcher zum Bauen gebraucht wird, bestehet aus lauter kleinen Kiesel-Steinen; und giebt es desselben verschiedene Arten, welche man Sand nennet, und zu einerley Gebrauch dienen. Derjenige, von welchem eigentlich hier die Rede ist, wird bloß bey dem Bauen, theils unter den Kalck gemischet, theils aber zum Pflastern gebrauchet; und von solchen giebt es zwo Haupt-Arten.

Die erste Art solches Sandes wird in der Erde gefunden. Dieser ist öfters der beste, wenn er keine Erd-Theile bey sich hat; welches man im Wasser probiren muß. Wird das Wasser davon schlammigt, so taugt der Sand nichts: findet sich solches aber nicht, und ist recht grob, und nicht zu fein, so ist es der köstlichste unter den Kalck.

Die zweyte Art des zum Bauen dienlichen Sandes ist der Fluß-Sand, welcher aber selten von Schlamm und Erd-Theilen rein ist. Doch giebt es öfters Oerter in einem Flusse, wo das Wasser einen Fall hat, oder starck reisset, wodurch auch der Schlamm aus dem Sande geführet wird.

Ueberhaupt muß der Sand, so unter den Kalck gemischet wird, keine Erde bey sich haben, weil solches die Bindung verhindert. Es ist zwar gut, daß bey einem Wercke, so weitläuftig von Gebäuden ist, und dahero öftere Reparaturen nöthig hat, ein Vorrath von Sande angeschaffet wird: aber es muß solcher nicht in einem Haufen unter freyen Himmel liegen, denn dadurch wird vieler Sand zu Staub und Erde; sondern es muß solcher entweder in einer Grube liegen, so er aus der Erde gegraben worden, und welche alsdenn verdecket seyn muß; oder es kann der Fluß-Sand unter einem Verdeck liegen, da es alsdenn solchem nichts schadet; er wird auch dadurch recht trocken, und in seinen eigenen Theilen reifer.


p. 109

Zweyte Abtheilung.

Von denen
Neben-Bau-Materialien,
so nicht bey allen Gebäuden vorkommen,
doch aber ben vielen gebrauchet
werden.


Viertes Capitel.

Von denen
Neben-Bau-Materialien
in Absicht ihrer Güte und Untauglichkeit.

Selbige bestehen aus folgenden Stücken,

als:

1. Eisen , 2. Nägel , 3. Drath , 4. Blech, 5. Bley, 6. Staaken- oder Weller-Holtz , 7. Dach-Spänen oder Splinten , 8. Reif- Stäben , 9. Rohr, 10. Stroh, 11. Scheeben oder Spreu, 12. Stricken oder Bau-Seilen, und 13. Farben.

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p. 113

§. 3.

Vom Drathe.

Solcher wird bey dem Bauen gebrauchet zu der Befestigung des Rohrs, wenn die Decken in den Zimmern, oder das Holtz-Werck mit Kalck beworfen werden soll; solcher aber muß seine gehörige Stärcke haben, und muß weder zu starck, noch zu schwach seyn. Seine Stärcke ist, wenn funfzehen Drath-Stärcken just einen Zoll betragen; und von welchen hundert und vier und dreyßig und einen halben Fuß-Länge auf ein Pfund gehen. Solcher aber muß vor dem Gebrauch geglühet werden, damit er recht geschmeidig wird, und bey der Arbeit nicht bricht.

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p. 119

§. 10.

Von dem Rohr.

Das Rohr dienet bey dem Bauen zur Befestigung des Kalcks, wenn nemlich eine Decke gut halten soll, damit der Kalck nicht abfalle, wenn solche mit Gyps-Figuren verzieret wird. Auch dienet solches, wenn leichte Wände mit Tünche ohne Leim überzogen werden sollen, so giebt man dem Kalcke seine Festigkeit dadurch. Das Rohr nun muß recht starck seyn, und seine gehörige Reife haben. Ferner muß solches nach der Zeit, da es abgehauen worden, nicht lange auf einander gelegen haben; weil es sonst verstockt ist, und keinen Halt bey der Verarbeitung hat. Auch muß solches nicht so dichte an denen Decken und Wänden befestiget werden, welches durch den Drath geschiehet; sondern es muß zwischen iedem Rohr-Stengel ein Zwischen-Raum bleiben, und zwar so viel, als ein Drittel eines Rohr-Stabes austräget.

§. 11.

Vom Stroh.

Das Stroh dienet zur Festigkeit des Leims, so bey Klebung der Wände und Decken der Gebäude gebrauchet wird; und ist hierzu das lange Roggen-Stroh am besten.

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s. 120–121

§. 14.

Von Farben.

Die Farben werden theils zum Abputzen der Gebäude, theils auch zur Anstreichung des Holz-Werckes gebrauchet; wozu aber nur die Körper-Farben, nicht aber die Saft-Farben, genommen werden. Bey den Farben ist zu mercken, daß solche nach zwey verschiedenen Mischungen verbrauchet werden, als:

1. Alles Betünchte und mit Kalck Ueberzogene, wird mit Wasser-Farbe angestrichen, welche mit Weiß-Kalcke dunckler und blasser gemachet wird.

2. Will man aber Holz-Werck anstreichen lassen, (welches auch denen Säulen und allem Holz-Wercke, wenn solches an einem Gebäude sichtbar bleibet, zur Dauer dienet;) so müssen die Farben mit Oehl-Firniß abgerieben, und solche mit Bleyweiß erhöhet oder vertiefet werden.

Die gemeinsten Farben, so zu diesem Gebrauch dienen, bestehen in folgenden:

1. Zu Weiß: nimmt man ordinairen gelöschten Kalck unter die Wasser-Farben; alsdenn Bleyweiß, Kreide, Schieferweiß; letzteres aber wird zu gantz feinen Mahlereyen, so innerlich im Gebäude geschehen, gebrauchet.

2. Zu Roth: als gemeine Farben, rother Bolus; zu feinen Mahlereyen, Zinnober und Mennige.

3. Zu Grün: als gemeine Farben, ordinaire grüne Erde; zu feinen Mahlereyen aber kann Grünspahn genommen werden. Auch kann man gelb und blau unter einander mischen, so wird solches grün: und kann solches durch Zusatz von gelb hoch oder helle; vom Zusatz des Blauen aber tief oder dunckel gemachet werden.

4. Zum Braunen: wird Umbra genommen, wovon es ein lichtes und ein dunckeles giebt.

5. Zu Gelb: und zwar zu schlechter Farbe, nimmt man ordinaire gelbe Erde; zu feinen Mahlereyen aber Aurum pigmentum, Schütt-Gelb und Eyer-Gelb.

6. Zu Blau: nimmt man Oehl-Blau oder Berg-Blau; zu feinen Mahlereyen aber Berliner-Blau.

7. Zu Schwartz: hat man eine schwarze Kreide, oder man nimmt Ruß.

Dieses sind die gemeinesten Farben, so man allenthalben haben kann: welche aber vor dem Gebrauch recht fein mit Wasser abgerieben werden müssen; deßgleichen die, so unter das Oehl gemischet werden sollen.


p. 156

Dritte Abtheilung.

Von
Mischung der Mauer-Speise,
welche
aus Gyps, Kalck, Leim, Sand und Stein-Kütten bestehet; 
und wie solche zur Festigkeit und Dauer zubereitet
werden müsse.

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pp. 169–185

Fünftes Capitel.

Von denen
Kalck-Steinen,
in Absicht ihrer Verschiedenheit, und wie solche
nach dem Brennen gelöschet und Mörtel zum
Mauer-Werck davon gemacht werden muß:
deßgleichen auch von Mischung der Stein-Kütte
und des Leims.

§. 1.

Von ordinairen Kalck-Steinen.

Kalck-Steine sind diejenigen, so im Feuer zerfallen, und bey der Einmischung mit Wasser und Sande eine neue Härte bekommen. Auch verwittert der Kalck-Stein in der Luft von sich selbst; und zwar der harte langsam, der weiche aber geschwinder. Ferner brauset oder gähret er mit Scheide-Wasser und andern sauren Geistern auf, wie bereits gedacht worden. Von solchen giebt es nun verschiedene Arten von Farbe, harte und weiche, wie sie hier itzt folgen.

Die erste Art ist ein dichter und fester Kalck-Stein.

Solches ist der härteste Kalck-Stein, dessen Theilchen nicht mit blossen Augen unterschieden werden können; und solcher kann von einem Feuer-Steine nicht anders unterschieden werden, als daß man

1. mit einem Stahle daran schlägt, so giebt er kein Feuer:

2. kann man ihn mit einer Feile abraspeln, welches der Feuer-Stein nicht zulässet:

3. ist er zu unterscheiden durch das Scheide-Wasser, weil er dadurch aufbrauset.

Diese erstere Art ist weiß, grau und bläulicht, auch noch einiger andern Farbe, und siehet fast wie ein Feuer-Stein aus.

Der rechte feste Kalck-Stein findet sich am häufigsten auf Frösä in Jämtland, auch in Upland auf den Aeckern; deßgleichen auch bey Bruchsahl: solcher hat eine dunckele Eisen-Farbe, und springet durch das Schlagen in Splittern, wie ein Feuer-Stein.

Sodenn giebt es rothen dichten Kalck-Stein, auch grünen und schwarzen, welche beyde Arten bey Prag gefunden werden: auch giebt es von dieser ersten festen Art durch-aderten und gestreiften, welcher öfters dem Marmor an Farbe gleichet, nimmt aber selten eine Politur an.

Die zweyte Art ist der schimmernde Kalck-Stein: Solcher hat kleine weisse Flimmern, und funckelt. Von diesem giebt es nun weissen, grauen, grünlichen, schwartzen, bunten und mit vielen Farben vermischten schimmernden Kalck-Stein; bey welchem aber zu mercken, daß solcher schlechten Kalck giebt, weil solcher zu viel fremd-artige Dinge bey sich hat.

Die dritte Art ist der körnigte Kalck-Stein. Die Theilchen desselben gleichen dem kleinen Spath-Griese oder Gyps-Brocken. Er ist öfters auch mit fremd-artigen Dingen vermischet, welche aber allemal besondere Lagen und Schichten haben, und nicht mit unter den guten Kalck-Stein gemischet werden müssen, so der Kalck gute Dienste beym Gebrauch leisten soll. Es giebt hiervon an Farbe weissen, grauen, grünen und gestreiften, körnigten Kalck-Stein; und solcher giebt nach dem Brennen den weissesten Kalck.

Ueberhaupt aber ist bey allen Kalck-Arten dieses zu mercken: Ehe man einen ganzen Brand von einer Art des Kalck-Steins thun lässet, muß man vorher allemal eine Probe mit einem Steine machen, damit man sehe, wie er sich im Feuer verhält; denn einige Arten können nur bey schwachem Feuer gut gebrannt werden, und bey starckem Feuer verderben; andere aber verlangen starck Feuer. Auch muß man nicht verschiedene Arten unter einander brennen, dieweil man sonst keinen tauglichen Kalck bekommt. Wird man aber die angeführten Stücke beym Gebrauch desselben beobachten, so wird man allemal eine gute Art Kalck bekommen.

§. 2.

Von Löschung des gebrannten Kalcks.

Das Brennen des Kalckes ist bereits bey der Erklärung des Kalck-Ofens gezeiget werden. Ist nun der Kalck also gehörig gebrannt, so muß solcher ja nicht lange unter freyem Himmel liegen; damit er nicht zerfalle, und seine Kraft durch die trockene Ausdünstung verliere: sondern man muß solchen, so bald als möglich, nach dem Brennen löschen.

Da man nun bey einem grossen Bau oder beständigem Bau-Wesen, jährlich eine gewisse Menge Kalck brauchet: so ist es sehr dienlich, daß man dahin sehe, einen ganzen Brand zur Einlöschung zu bekommen; dieweil man alsdenn, so wol den verbrannten, als auch guten und nicht gar ausgebrannten Stein, unter einander bringet, und in einer Grube einlöschet, damit eine Sorte der andern hilft. Denn es ist unmöglich, daß aller Kalck, so in einem Ofen gebrannt worden, einerley Feuerung bekomme; sondern es wird allemal eine Verschiedenheit unter dem gebrannten Kalck sich finden.

Soll nun der Kalck in grosser Menge eingelöschet werden; so ist nöthig, daß man drey bis vier Gruben in der Erde hat, welche mit Bohlen oder Brettern ausgeschlagen sind, damit sich der Kalck nicht mit der Erde vermische, und dem Kalcke seine Feuchtigkeit mit entzogen werde. Vor der Grube aber muß ein Kasten befindlich seyn, in welchem der Kalck gelöschet werden kann; welcher aber wegen des Abflusses, nach der Grube zu, einen Hang von vier bis fünf Zollen haben muß. Auch muß der Kasten einen Fuß über die Grube überstossen, damit alles aus dem Kasten in die Grube laufe.

Solches wird in der ersten und zweyten Figur auf der dreyzehenden Tabelle gezeiget; woselbst die erste Figur die Grube und den Lösch-Kasten auf der oberen Fläche vorstellet, als: a. die Grube, und b. den Lösch-Kasten, welcher bey c. einen Schieber hat, der zwischen zwey Leisten stecket, und, nachdem der Kalck gelöschet ist, aufgezogen werden kann, damit das Wasser und der aufgelösete und zerfallene Kalck in die Grube laufen kann. Die zweyte Figur stellet die Grube a. und den Kasten b. von der Seite vor; damit man den Hang und Ueberstossung des Lösch-Kastens b. sehen kann.

Nun ist bekannt, daß der Kalck, wie gewöhnlich, in den Kasten mit grosser Menge geschüttet wird, und Wasser darauf gelassen; und alsdenn mit Kalck-Hacken oder Krücken unter einander gerühret, wobey es denn einen starcken Rauch giebet, welcher in die Luft steiget: hernach wird, so bald sich der Kalck mit dem Wasser vereiniget hat, der Schieber am Lösch-Kasten geöffnet, und die Masse in die Grube gelassen. Sodenn aber wird wieder eine neue Löschung vorgenommen, bis die Grube gefüllet ist. Dieses aber ist nicht die rechte Löschung, wodurch man einen festen Kalck bekommt; denn mit dergleichen Kalck kann man, nach der Mischung mit Sande, keine feste und dauerhafte Mauer aufführen.

Was aber den Kalck betrifft, so man zum Ausweissen gebrauchet; so kann allerdings die Löschung nach der gewöhnlichen Art, so kurtz vorher gesagt worden, geschehen: die rechte Löschung hingegen eines festen und dauerhaften Kalckes, muß also vollbracht werden:

Man leget den frisch gebrannten Kalck-Stein in den Lösch-Kasten, und zwar so, daß kein Stein über einander liege, sondern so, daß der gantze Boden des Kastens bedecket ist: hierauf bedecket man den Lösch-Kasten mit Bohlen, welche Bohlen in einander gefuget seyn müssen, wie eine feste Decke, und die den ganzen Kasten bedecken müssen; zu welchem Ende der Kasten umher eine Leiste bekommen muß, zwischen welche die Decke einpasset: in solchen aber muß vorne ein klein Loch befindlich seyn, durch welches man das Wasser laufen lässet.

Ist nun so viel Wasser in den Lösch-Kasten auf den gebrannten Kalck-Steinen gelassen worden, daß solcher bedeckt ist; so legt man das Loch auch zu, damit kein Rauch aus dem Kasten in die Luft steige: und so lässet man es stehen, bis alles erkaltet ist. Darnach aber öffnet man den Kasten, und nimmt eine Kalck-Krücke, und fähret damit über den ganzen Boden des Lösch-Kastens, damit dadurch alle Steine, so unter dem Kalck befindlich, zurück gezogen werden, und nicht mit in die Grube fallen: darauf schiebet man den Schieber auf, und lässet den Kalck in die Grube, welche aber auch mit Brettern bedeckt werden muß.

Wenn denn nun, nach wiederholtem Löschen, die Grube voll ist; so bedecket man die darauf gelegten Bretter, oder die Grube selbst, nachdem sich der Kalck gesetzet, und ausgequollen ist. Denn das ist eine Haupt-Regel der alten Römer: „Aller Kalck muß so wol beym Brennen, als auch bey dem Löschen, vor allen überflüßigen Ausdünstungen bewahret werden, sonderlich aber bey dem Löschen.“ Und dieses ist auch gewiß, daß der Kalck von gantz anderer Beschaffenheit ist, welcher sorgfältig beym Löschen aufbehalten, und vor der Luft bewahret wird; solches hat man aus der Erfahrung gesehen.

Es muß demnach auch bey dem so genannten Mehl-Kalcke ein gleiches beobachtet werden; nemlich, dieser Kalck wird, nachdem er gebrannt worden, mit Wasser besprenget, da er denn davon zu einem Mehl zerfällt. Derselbe ist nur brauchbar zur Untermischung des Cements, welcher zur Mauerung derer Steine im Wasser am dienlichsten, und wovon an seinem Orte geredet werden wird. Von diesem Kalcke nun ist zu mercken, daß man solchen, nach dem Benetzen mit Wasser, zudecke, und also in Mehl zerfallen lasse; und darnach das Mehl gleichfalls an einen trockenen Ort, bis zum Gebrauch, vor aller Feuchtigkeit bewahre.

Aller gelöschete Kalck, so einige Jahre lieget, und dabey von der Ausdünstung befreyet wird, bekommt dadurch bessere Güte.

Vor etwa funfzehen Jahren fand man in Thüringen eine neue mit Erde bedeckte Kalck-Grube: zu welchen Zeiten aber solcher darinnen gebrannt und gelöschet worden war, konnte keiner wissen; ausser daß man an der Gegend und Grube und deren Bedeckung sahe, daß solche aus sehr alten Zeiten daselbst verlassen worden wäre. Dieser Kalck, welcher das Ansehen hatte, als ob es alter holländischer Käse sey, gab nach der Vermischung mit Wasser und Sande eine solche Festigkeit, als ob man einen warmen Stein-Kütt hätte, mit welchem man im Winter mauerte, der gleich kalt und feste wird.

Nicht nur aus diesem Exempel, sondern auch aus täglicher Erfahrung, zeiget sichs, daß aller Kalck, ie älter solcher mit seiner gehörigen Feuchtigkeit worden, desto besser hält solcher. Und solche Probe: ob ein Kalck so feste halte? lässet sich am besten bey einer Wand, so man einige Flecke daran tünchet, sehen.

§. 3.

Von Mischung des Mörtels.

Der Mörtel ist eine Vermischung des Kalckes und Sandes, so wie man damit mauert. Ich will mich itzo in keine Untersuchung einlassen, warum das Mauer-Werck von dem Mörtel derer Alten weit besser gehalten, als das unserige; weil ich unten im fünften Paragraphen den gantzen Mörtel derer alten Römer beschreiben will, aus dessen angezeigter Beschaffenheit man gleich wird einsehen können, woher es gekommen, daß derer Alten Mauer-Werck von besserer Dauer gewesen, als das, so heut zu Tage insgemein aufgeführet wird: sondern ich will allhier die Vermischung des Mörtels zeigen, so wie solcher zu verschiedenen Arbeiten gemachet werden muß, womit es folgende Bewandniß hat.

Zum ersten:

Soll zum Mauer-Werck im Wasser und im Feuchten die Zubereitung des Mörtels geschehen: so nimmt man hierzu den Mehl-Kalck, von welchem vorhin Erwähnung geschehen; und alsdenn den sogenannten Cement oder Tuff-Stein. Von diesem letzteren giebt es verschiedene Arten, als weichen und harten. Im Mansfeldischen bey Besenstädt findet sich eine braune Art davon. Er siehet fast wie grober Bims-Stein durchlöchert. Dieser Tuff-Stein wird zuerst gantz fein gestossen: sodann nimmt man einen Theil desselben, und einen Theil Mehl-Kalck, und mischet beydes mit Wasser unter einander. Mauret man nun damit im Wasser, so vereiniget sich dieser Mörtel mit dem Stein dermassen, als wäre es eins, und hält sehr feste und lange.

Dieser Mörtel dienet auch zu dem Mauer-Werck derer Gewölber und Keller, zumal wenn man das Einbringen des Wassers befürchtet; so ist man durch diesen Mörtel dafür sicher, weil man auch damit eine solche Mauer berapen oder bewerfen lassen muß: deßgleichen kann das Pflaster des Kellers in solchen Mörtel geleget werden.

Ueberhaupt wäre es gut, daß man diesen Tuff-Stein allenthalben haben könnte; so würden alle Grund-Mauren von guter Dauer seyn, wenn solche damit aufgeführet werden könnten.

Zum andern:

Zu Aufführung aller ordinairen Mauren wird; ausserhalb der Erde, guter Kalck genommen; als Einen Theil desselben, und zwey Theile guten reinen Gruben- oder Fluß-Sand: solches beydes wird mit Wasser zu einem Mörtel gemischet.

Soll aber ein Mauer-Werck recht lange dauren, und der Anwurf deßgleichen lange halten; so muß man Einen Theil guten gelöschten alten Kalck, und dazu anderthalb Theil guten reinen Sand, der nicht mit Erde oder Staub vermischet ist, nehmen; alsdenn ein Acht-Theil fein gestossenen Schwefel, und eben so viel Hammer-Schlag hinzu thun: solches alles wird alsdenn mit Wasser zu einem etwas starcken Mörtel vermischet, so wird man eine gute Dauer bey dergleichen Mauer-Werck finden.

Zum Dritten:

Muß sonderlich aller Mörtel, welcher zu Bewerfung aller Mauren, oder Berapen und Tünchen, gebrauchet werden soll, allemal etwas fetter gemischet werden, als zum ordinairen Mauer-Werck: nemlich, es muß etwas mehr Kalck unter dem Mörtel gemischet werden.

Man kann überhaupt zum Abputzen derer Gebäude einen sehr festen Mörtel mischen, welcher aus folgenden Stücken bestehet: Erstlich wird ein Theil Bitter- oder Leder-Kalck genommen; ferner ein Dritt-Theil Gyps; ingleichen ein Viertel Kuh- oder Reh-Haare, oder alte Wolle; und anderthalb Theil Sand. Dieses alles wird mit Wasser unter einander gemischet und frisch verarbeitet. Kann man aber, an Statt des Sandes, von dem bereits beschriebenen Tuff-Stein nehmen, so wird von solchem Anwurf kein Regen etwas abwaschen können; sondern es hält solcher so fest, daß auch durch die Länge der Zeit kein Riß darinnen gefunden wird.

Auch ist zu mercken, daß man den gemischten Mörtel nicht in Vorrath machen lassen muß, damit solcher nicht trocken werde, oder von der Luft aufreisse; weil er alsdenn, so er auch wieder angefeuchtet wird, dennoch eine schlechte Mauer giebt, und der Anwurf von solchem Mörtel äusserlich von einem Gebäude in kurtzem wieder abfällt.

Ein mehreres wird von der Zurichtung des Mörtels unten bey der Beschreibung des Mörtels der alten Römer im fünften Paragraphen gesagt werden.

§. 4.

Von Muscheln, und deren Zubereitung zum
Mauer-Werck.

Die See-Muscheln geben einen guten Kalck, so solche auf die gehörige Weise zurechte gemachet werden. Auch thun dieses alle Muscheln und Schnecken, so man hier zu Lande hat; und verhalten sich, nachdem solche zubereitet werden, wie unser Leder- oder Bitter-Kalck.

Die Muscheln müssen vor dem Brennen gewaschen werden: welches geschiehet, so man einen flachen Kasten oder Rinne etwas tief setzet, und die Muscheln, doch nicht gar zu viel auf einmal, hinein schüttet; sodann aber dieselben, bey Uebergiessung des Wassers, mit einer Krücke unter einander rühret; so spület sich der Schlamm, wenn die Muscheln nicht reine sind, davon ab: hierauf werden sie wieder getrocknet. Wann sie nun wohl trocken worden sind, werden sie gebrannt.

Die Brennung der Muscheln geschicht entweder in einem recht starck geheitzten Back-Ofen; oder man bauet hierzu einen besonderen Ofen, wie auf der zwölften Tabelle dergleichen Abzeichnung befindlich ist. Die erste Figur daselbst zeiget den Durchschnitt auf der Linie a-b; in der zweyten Figur aber auch die vordere Seite des Öfens. Dieser Ofen ist im Lichten neun Fuß und neun Zoll breit, acht Fuß aber und zween Zoll tief, und acht Fuß hoch, wo das Gewölbe am höchsten ist.

Derselbe hat drey Feuer-Schluften, welche durch c. in der ersten und zweyten Figur angedeutet werden: solche haben einen Rost von eisernen Stäben, unter welchen ein Zug d. befindlich, worein zugleich die Asche vom Feuer fällt. Diese Feuer-Schluften aber sind auf beyden Seiten mit gewissen Mauren e. versehen, welche vier schmale Gänge formiren. Selbige Mauren e. haben im Ofen diejenige Gestalt, welche die dritte Figur zeiget. Diese Mauren sind von etwas starcken Mauer-Steinen aufgeführet, und hat eine iegliche drey Oeffnungen f, welche mit einem eisernen Gatter, das sehr dichte ist, versehen sind.

In diese Gänge nun werden die Muscheln geschüttet, und zwar durch die Oeffnungen in dem Gewölbe der ersten und vierten Figur, so durch g. bezeichnet sind; welche bey dem Brennen aber halb zugedecket werden: und so können binnen vier und zwanzig Stunden eine grosse Menge Muscheln gebrannt werden. Sind solche geglühet und kalt worden, so ziehet man die eisernen Schieber h. an den Zügen k. auf: alsdenn kann man die gebrannten Muscheln aus solchen Oeffnungen mit Hacken heraus bringen.

Wenn die Muscheln also gebrannt sind, werden solche mit Bretern, in welchen ein kleiner Stiel steckt, gedroschen oder geschlagen, wie bey dem Gypse geschiehet: hierauf werden solche gesiebet, alsdenn mit Sande vermischt, und zwar in gleicher Menge, wie bey dem Bitter-Kalck gezeiget worden.

Mit dem Gebrauche dieser gebrannten Muscheln verhält sichs eben so, wie mit dem ordinairen Kalck; und muß dahero auch alles das hierbey beobachtet werden, was bey den vorigen erinnert worden ist.

Die Malabaren nehmen auch die Muscheln zu ihrem Kalck, welche sie aber mit gedörretem Kuh-Mist oder Reys-Strohe brennen: und darnach mischen sie solchen mit schwartzem Zucker, der von dem Safte des Cocus-Baums gemacht wird, worunter noch eine Menge Eyer kommen. Dieser Kalck oder Mörtel gläntzet wie ein Spiegel; und wenn höltzerne Wände damit überzogen werden, so widerstehet der Anwurf dem Feuer.

§. 5.

Von dem Mörtel der alten Römer, und
dessen Zubereitung.

Die alten Römer nahmen ihre Kalck-Steine nach Beschaffenheit des Landes, was vor Art zu haben war.

Sie gruben eine runde Grube in die Erde, in Form eines Gewölbes oder Brenn-Ofens, welcher oben eine kleine Oeffnung hatte, woraus der Rauch vom Feuer gieng: auf der Seite aber war ein schiefer Gang, bis auf den Boden der Grube gemacht, um das Feuer anzumachen. Darnach setzten sie den Ofen bis oben voll Kalck-Steine aus; doch so, daß auf dem Boden des Ofens drey bis vier Schluften, oder Zwischen-Räume, zwischen den Steinen blieben.

Hierauf wurde das Feuer gemacht, welches gantz mäßig Nacht und Tag anhielt: den folgenden Tag aber wurde starck Feuer gemacht. Hernach liessen sie das Feuer abgehen, und die Grube erkalten. Sodann zogen sie die Asche und Kohlen heraus; wurfen die Oeffnung, wo das Feuer war hinein gemacht worden, mit Erde zu; bedeckten Hierauf die obere Oeffnung, wo der Rauch heraus gekommen, mit Sande, und begossen den Sand mit Wasser, doch nach und nach; und fuhren so fort, bis keine Hitze noch Rauch mehr verspühret wurde. Auch durfte die innere Hitze den Sand nicht aufreissen, sondern so bald der Sand Spalten bekam, wurfen sie wieder Sand darauf: so war der Kalck gebrannt und gelöschet.

Auf solche Weise nun blieb diese eingelöschte Grube bis zum Gebrauch liegen: wurde aber hernachmals Kalck heraus genommen, um damit Mörtel zu machen; so nahmen sie nur so viel Kalck aus der Grube, als sie gebrauchten, und deckten die Oeffnung wieder mit Sande zu.

Der Mörtel wurde alsdenn also gemacht. Man nahm einen halben Theil Kalck, anderthalb Theil Sand, und einen Theil gröblich gestossene Ziegel oder Back-Steine, auch etwas Schwefel: solches mischte man mit Wasser unter einander. Diese Art des Mörtels wurde zum Mauren auf der Erde gebraucht.

Solte aber der Mörtel zum Mauren im Wasser gebrauchet werden: so nahmen sie die vorhin erwähnten Species in eben derselben Proportion, thaten aber hinzu annoch ein Viertel Hammer-Schlag, (das ist dasjenige, was bey Schmiedung des Eisens abspringt.)

Der Bims-Stein ist auch hieher zu ziehen, welcher auf gleiche Weise von den alten Römern mit unter den Mörtel gemischet worden: ingleichen an Statt des Sandes anderthalb Theil fein gestossener Tuft-Stein. (Diesen Stein nennet Vitruvius, im sechsten Capitel seines zweyten Buchs, puteolanisches Pulver, welches aber nichts anders als eine Art Tuft-Stein ist.) Dieser Mörtel wird nach kurzer Zeit fester als Stein.

Anmerckungen.

Was erstlich das Brennen des Kalcks betrifft, so hat man aus der Erfahrung, daß gar zu grosse Gluth und lange Hitze, dem Kalcke seine besten Oehle benimmt, und solche verzehret. Denn wenn man solchen Kalck, der nahe bey dem Feuer gelegen, besonders nimmt und löschet, und Mörtel daraus macht, und bewirft damit ein Gebäude: so fället in kurzer Zeit alles wieder ab, und bindet nicht.

Dahero machten die Alten ein gantz mäßig Feuer, welches nur eine Nacht und zwey Tage anhielt; und zwar in drey bis vier Abtheilungen: so brannte die egale Hitze den Kalck allenthalben gahr.

Hingegen heut zu Tage sind die Oefen mehrentheils so beschaffen, daß das Feuer an Einem Orte, selten aber an zweyen Orten, eingemacht wird; da es denn nicht anders kommen kann, als daß der Kalck, so am Feuer nahe gelegen, ausgezehret ist; der aber an beyden Enden des Ofens gelegen, nicht gahr gebrannt worden; woraus schlechter Mörtel werden muß.

Zum Zweyten: was das Löschen betrifft, so ist es gantz natürlich, daß derjenige Kalck, so nach dem Brennen viel in die Luft gebracht worden, und in einem offenen Kasten oder Faß gelöschet wird, schlechtern Mörtel geben muß, als derjenige, so wenig in die Luft gekommen ist: denn durch das lange liegen in der Luft, dunsten die besten Oehl-Theile, so die Verbindung eigentlich machen, fast alle aus; und durch das offene Löschen, wird mit Gewalt alle Bindung vertrieben.

Hier ist zu mercken, daß man einen Unterschied machen muß zwischen solchem Kalck, der zum Ausweissen derer Stuben gebraucht wird; denn der erstere wird etwas gelb. Dahero kann der Kalck welcher zum Weissen gebraucht wird, offen gelöschet werden; so verdunstet das fette und öhlichte, welches gelb siehet.

Der Kalck selbst hat zwey Salze bey sich, nemlich ein Laugen-Saltz, und ein Sauer-Saltz. Wenn nun solche durch das Wasser aufgelöset werden, und sich vereinigen; so entstehet Hitze und Rauch, und lösen sie sich dadurch auf. Haben sie nun freyen Ausgang, so bleibet nichts übrig als die Mutter oder der sichtbare Theil, das ist, der Kalck, aber ohne Seele. Muß aber die Fermentation derer Saltze (bey dem Löschen) durch alle Kalck-Theile gehen, welches durch das Zudecken des Sandes geschehen muß; so zertheilen sich in diese Kalck-Theile die Saltze, und wircken die Festigkeit.

Man findet auch öfters alte Mauren, wo in dem Mörtel kleine Holtz-Kohlen zu finden sind; und dieses kommt daher, wenn die Kohlen nicht alle aus den Zwischen-Räumen derer Kalck-Steine nach dem Brennen heraus gezogen sind; denn eigentlich müssen sich solche nicht darunter mischen, und können der Mauer keine Festigkeit geben; welches ich durch Proben gesehen habe.

Zum Dritten muß das Mörtel-machen so geschehen, daß man niemals mehr Mörtel auf einmal zubereitet, und einmischet, als man in einem Tage zu vermauren gedencket. Denn aller Mörtel, welcher einige Tage alt ist, hat wenig Verbindung: sonderlich wenn er trocken geworden ist, und wieder mit Wasser angefeuchtet wird; so taugt solcher gar nichts mehr.

Die oben beschriebene Quantität von Kalck, Sand, gestossenen Ziegel-Steinen, Hammer-Schlag, Schwefel und Tufft-Stein lässet es gar nicht zu, daß man Vorrath auf einige Tage mache; denn solches bindet geschwind: Wolte man ihm aber durch vieles Wasser die geschwinde Bindung verhindern, so verzehret sich durch langes Liegen seine Kraft. Dieses ist der wahre Mörtel derer Alten.

§. 6.

Wie der Mörtel heut zu Tage zum allgemeinen Gebrauch, nach derer Alten Weise, bereitet werden könnte.

Erstlich ist nothwendig, daß unsere Brenn-Oefen, so bereits ausserhalb der Erden, von Kalck-Steinen gebauet worden, drey bis vier Feuer-Oeffnungen bekommen, und zwar nach der bereits vorher gegebenen Angabe.

Zum andern, müssen sie keine so ungeheure Grösse und Höhe haben, damit der Kalck durch und durch einerley Hitze bekomme; und sodenn, daß auch kein zu starck Feuer auf einmal gemacht werde, sondern dasselbe egal anhalte und so abgehe, wie bey der Erklärung des Kalck-Brennens gezeiget worden.

Auch muß der Ofen nicht gerade aus gehen, und oben keine so grosse Oeffnung haben, als der Boden des Ofens ist: dahero sind oval-runde Oefen besser, als die vier-eckigte; und welche zugleich oben etwas zugewölbet sind: damit oben nur der Rauch heraus gehen kann, und die gar zu grosse Ausdünstung verhindert werde.

Es ist auch nicht schlechterdings nöthig, daß aller Kalck in der Erde eben müsse gebrannt werden, weil nicht an allen Orten die Einrichtung also gemacht werden kann; wo sich es aber thun lässet, ist es allemal besser.

Was das Löschen betrifft, so muß ein Privat-Mann, der zu einem kleinen Bau oder Reparatur wenig Kalck braucht, also verfahren, daß er den Kalck, sobald er nach oben beschriebener Art gebrannt ist, gleich nach dem Brennen holen lasse; und eine Grube in der Erde parat halten, um solchen Kalck gleich da hinein zu werfen, damit er nicht feuchte, oder von der Luft ausgezehret werde; und sodenn gleich mit naß-gemachtem Sande bewerfen, und darauf mit Wasser besprengen, so lange, bis man keinen Rauch und Hitze verspühret.

Solte aber der Sand von der Hitze Risse bekommen, so bedeckt man solche gleich wieder mit Sand: so ist alsdenn der Kalck gelöschet; und ist es gut, wenn solcher wenigstens ein Viertel-Jahr ruhet: denn ie länger er gelöschet ruhen kann, desto besser ist es. Es ist auch gut, wenn eine solche Grube mit Bohlen oder Brettern ausgesetzet wird, weil sich der Kalck alsdenn besser hält. Der Kalck zum Weissen derer Zimmer aber, wird offen gelöschet, wie oben gesagt worden.

Bey dem Mörtel ist zu mercken, daß man nicht mehr mische, als man in einem Tage zu verarbeiten gedencket: denn so bald er trocken geworden, oder als Mörtel lange in freyer Luft gelegen; so verliehret er seine Bindung. Weil aber bey einem grossen Baue es nicht möglich ist, so genau die iedesmal nöthige Quantität des Mörtels zu bestimmen, daß nichts zuweilen übrig bleiben sollte: so muß dieser übrig bleibende Mörtel nicht allein an dem andern Tage vermauert werden; sondern so man frischen Mörtel einmacht, muß dieser übrig gebliebene mit darunter gemischet werden, da er denn wenig von seiner Dauer und Festigkeit verliehret.

Bey dem Mauren selbst muß nicht zu viel Mörtel zwischen die Steine geworfen werden, wie solches die Maurer gerne in Gebrauch haben; weil dadurch sich gerne solche Gebäude sencken, und öfters Risse bekommen.