Cancrin 1792

Franz Ludwig von Cancrin, Grundlehren der Bürgerlichen Baukunst nach Theorie und Erfahrung vorgetragen, Gotha [Carl Wilhelm Ettinger] 1792.


pp. 389–390

§. 482.

Besondere Verzierung der innern Wände der Gebäude ohne Säulenordnungen.

Die Verzierung der innern Wände der Gebäude, die nicht mit Säulenordnungen geziert werden (S. 480.), sind sehr mancherley, und ziemlich willkührlich.

Verziert man nemlich die Wände in einem Zimmer mit Muscheln, Perlemutter, Knochen, Achat, Glas, Felssteinen, Kieselsteinen, Schlacken, petrificirten, oder andern solchen Dingen: So erhält man ein grottirtes Zimmer.

Macht man die Wände eines Zimmers aus Marmor, oder andern kostbaren Steinen, so, daß man keine Fugen sehen kan, oder überziehet die Wände mit einem Gyps, dem man verschiedene Farben gegeben, geschliffen und polirt hat: So bekommt man im ersten Falle natürliche, im andern aber künstliche marmorne Zimmer.

Ueberziehet man die Wände eines Zimmers mit Bretern oder Tafelwerk, das mit Füllungen (§. 300. Buchstabe f unter A.), und Simswerken geziert ist: So bekommt man ein getäfeltes Zimmer oder ein Boiserie, die dann mit Holz eingelegt, oder fournirt, oder wenn es kein kostbares Holz ist, mit Oelfarbe angestrichen, oder auch lackirt werden kan.

Läßt man die Wände eines Zimmers naß auf den Kalk mit Wasserfarben, das ist, al fresco, oder, nach dem sie mit leinenem Tuch bezogen sind, mit Oelfarbe mahlen: So bekommt man ein gemahltes Zimmer.

Behängt man ein Zimmer mit Gemählden, oder Kupferstichen: So erhält man ein Bilderzimmer, oder eine Bildergallerie.

Ueberziehet man die Wände eines Zimmers mit gefärbten oder gemahlten Papieren, Wachstuch, Leder, Zitz, Damast oder andern dergleichen Dingen: So bekommt man ein tapeziertes Zimmer, das man dann unten auf 1 ½ bis 2 Fus, ja auch bis an die Brüstung mit Täfelwerk, oder einer Lambris zu versehen pflegt.

Ferner erhält man ein Spiegelzimmer, wenn man die Wände eines Zimmers nach den Regeln der Katoptrik mit Spiegeln aussezt.

Endlich erhält man auch noch sehr gezierte Zimmer und Säle, wenn man an den innern Wänden Täfelwerk und Tapeten neben einander abwechseln läßt.

Uebrigens kan man die Zierlichkeit der Gebäude, Gallerien und Säle sehr erhöhen, wenn man sie an den Seiten mit Statüen mit oder ohne Nischen vermehrt (§. 471. und folg.).

Ich liefere keine weitere Beschreibung von allen diesen Verzierungen, weil ich gewiß zu weitläuftig werden, und zu viele Kupfer bekommen wurde.


pp. 391–392

§. 483.

Verzierung der Decken.

Man pflegt die Decken (§. 475. Zif. 2.) auf verschiedene Arten zu verzieren, und zwar mit Simswerk, mit Stuckaturarbeit, mit Gemählden und dann auch mit Tafelwerk (§. 482.).

Die Decken, welche aus Simswerk gemacht werden, sind da, wo sie an die Seitenwände der Gebäude, Gallerien, Zimmer und Säle anstosen, mit einem aus Mörtel oder Gyps gezogenen kleinen Gesimse umgeben, die Decken selbst aber sind durch andere kleine Simswerke, die meist aus einem Stabe, an den beyden Seiten hingegen aus einem Bande bestehen, in einer symmetrischen Ordnung in lauter kleine Felder oder Füllungen getheilt (§. 300. Buchstabe f. unter A.), so, daß wenn das eine Feld auswärts, das andere einwärts gebogen ist, und sich dann hier und da in gleichnahmigen Feldern kleine Rosen, oder andere solche Zierrathen befinden. Eine solche Decke nun, die aber heut zu Tage so stark nicht mehr gebraucht wird, pflegt man eine Felderdecke zu nennen. Man macht vielmehr in geringere Zimmer nur eine Hohlkehle (§. 327. Zif. 4.), die man dann nur unten an den Wänden und oben an der Decke mit einem kleinen Gesimse einschließt, und dann die Decke selbst ganz glatt läßt.

Die Decken, welche von Stuckaturarbeit gemacht werden, sind da, wo die Decke und die Seitenwände zusammen kommen, mit einer Hohlkehle versehen, die an den Wänden mit einem Kranze (§. 383.), an der Decke aber mit einem kleinen Gesimse eingefaßt ist. In den Ecken der Hohlkehle nun, ja auch in der Mitte der Hohlkehle, zwischen den Ecken befindet sich ein Laubwerk, oder ein Kindel (§. 467.), eben so ist aber auch an den Ecken der Decke selbst, da, wo solche dann an die Hohlkehle anstößt, ein schönes Laubwerk und dann sind noch in der Mitte ein und auch zwey grose Rosetten, woran die Kronleuchter zu stehen kommen. Auser dem bringt man aber auch da, wo die Decke und die Seitenwände zusammen stosen einen Kranz meist von der römischen und corinthischen Ordnung an, und verziert die Decke selbst an den Ecken mit einem Laubwerk, in der Mitte aber mit einer, oder etlichen grosen Rosen, Tab. XXIII, fig, 270.

Um die Kuppeln hingegen führt man bey ihrem Anfange einen Kranz von einer Säule, läßt von diesem Kranze an in einer symmetrischen Ordnung so genannte Rippen, die Balken vorstellen, und sich nach oben zu verjüngen, oben in der Kuppel an einem etwas erhabenen Kreise, worauf eine Rose liegt zusammen laufen, und macht dann zwischen die Felder lauter kleine Rosen, so, daß solche nach oben zu immer kleiner werden, Tab. XXIII. fig. 271, und sind diese beyden lezteren Verzierungen der Decken die jezt gebräuchlichsten.

Die gemahlten Decken sind immer mit einer Hohlkehle, oder einem Kranze eingeschlossen, und dann die Decken selbst auf nassen Kalk, oder al fresco gemahlt, die dann immer sehr zierlich sind.

Es ist selten, daß man die Decken der Zimmer täfelt, oder aus Tafelwerk macht, doch geschiehet dieses zuweiln bey den Zimmern, die an den Seitenwänden getäfelt und fournirt sind, in welchem Falle man dann auch die Decken fournirt, und das zwar etwas zierlicher, als wie die Seitenwände.

Ich enthalte mich um Kupfer zu erspahren, aller weiteren Abbildungen von den verzierten Decken.