Jordan 1782
[?] Jordan, Nachricht, Hannoverisches Magazin 19 (Freitag, den 8ten Merz 1782), 1782, col. 301–304.
Nachricht.
Seit vielen Jahren hat sich im Bahrenburgerfelde ein weisser Lehm, oder eigentlich nach der richtigsten Benennung des Herrn Andreä, ein Kalchmergel zu Tage gelegt, wovon man den Nutzen bisher nicht weiter gekant, als daß er zur Noth in Ermanglung des Kalchs von geringen Leuten zum Weißen gebraucht ist: nicht zu gedenken was ich bei chemischen Arbeiten davon verbraucht habe.
Seit vier Jahren habe ich gedachten Kalchmergel zu einem recht festen Kitt oder Mörtel zuzubereiten herausgebracht, der vorzüglich vom Wasser, wenn er vorher langsam trocken worden, sich erhärtet, und mit allen Steinarten sich zu einem Körper verbindet. Er kan so wohl zum Wasserbau, als in der Luft statt Kalch, aber ohne Zusatz von Sande als Mauerspeise gebraucht werden, welches Gemaure, sonderlich unter Wasser, mit der Zeit gelblich wird, und in der Luft vom Regen erhärtet. Wenn Leimwände damit überzogen werden, hängt er fester daran als der Kalch, der sich leicht davon abscheelet. Man kann damit Fußboden, so wohl im Hause, als auch in Gärten überziehen, welche je älter je fester werden, ja man kan Mauer: und Dachziegel davon ohne Feuer bereiten, welche, so oft sie trocken worden, mit Wasser begossen werden müssen, als wodurch sie die Härte erlangen.
Es zeichnet sich dieser Mörtel von dem Gips und Kalch darin aus, daß er dem Gips zwar ähnlich zu seyn scheinet, aber nicht den geringsten Abgang im Wasser, welchen der Gips unterworfen ist, leidet, auch mit Steinen sich lieber und fester verbindet, als der Kalch.
Die schon außer Gebrauch gekommene Fresco Malerei verdient hier wieder angefangen zu werden, indem sich die Erdfarben, wenn sie mit diesem ganz fein gemachten Mörtel vermischt, und auf dergleichen Wand oder Stein aufgetragen werden, sehr erhärten, und von beständiger Dauer bleiben, auch die Farben nicht so matt erscheinen, als wenn solche mit Kalch aufgetragen worden.
Wenn man diesen Mörtel gebrauchen will, so muß etwa ¼ Pfund ungelöschter Kalch, der noch nicht von der Luft in Mehl zerfallen ist, in einem ordinairen Eimer voll Wasser gelöschet werden. Mit diesem dünnen Kalch wird der gemahlene Mörtel so dicke oder dünne angerührt, als es zu der vorhabenden Arbeit nöthig ist.
Wenn nun dem Publico daran gelegen seyn mögte, obbeschriebenen Mörtel um einen billigen Preis und in Menge zu haben, so habe ich zwar diese Bereitung vorerst ins Kleine gerichtet, werde aber nach Befinden und der Aufnahme des Publicums mit mehreren in Verbindung treten, um eine große Fabrik davon errichten zu lassen. Bis dahin ist ins Kleine der Himte zu 18 mgr. gemahlen bei mir zu haben. Proben bis zu 1 Pfund werden gratis davon abgegeben.
Jordan,
Apotheker zu Bahrenburg.
