Zedler – Ludovici 1740/XXV
Johann Heinrich Zedler – Carl Günther Ludovici (edd.), Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschafften und Künste, Welche bißhero durch menschlichen Verstand und Witz erfunden und verbessert worden… XXV (O), Halle – Leipzig [Johann Heinrich Zedler] 1740.
col. 341
Ocher, Ocker, Ochergelb, Ockergelb, Ogger, Berggelb, Berggeel, Lateinisch Ochra, Ochera, Griechisch ὤχρα, Frantzösisch Ochre, Ocre, Italienisch Ocrea, Spanisch Color de al magra quemada, ist nichts anders, als ein gelber, oder auch weißgelber Thon, der gleich anderer Erde einen etwas anhaltenden Geschmack hat: Anfangs kam er theils aus Franckreich, theils aus Engeland, welcher letztere von einem gemahlenen Steine herrühren, und derowegen viel trockner seyn soll, als der Frantzösische, weswegen jener ohne diesen nicht wohl verarbeitet und unter die Olitäten gemischet werden kan, wie Pomet in seiner Frantzösischen Materialkammer Art. III. Lib. V. c. 4. p. 113 berichtet. Heut zu Tage aber findet sich der Ocher auch hin und wieder in Deutschland, als in Ungern, um Hildesheim, in Hessen, zwischen Alsfeld und Eimbeck, auch an anderen Orten. Johann Gottfried Berger versichert in seinem Berichte vom Carlsbade, p. 26. 32. 34. 41. 49. 134. 135. 144 und 200, daß so wohl im Carls- und Teplitzerbade, als auch in den Sauerbrunnen, ja überhaupt in allen warmen Bädern, ein Ocher angetroffen werde. Sonst hat man verschiedene Sorten von diesem Thone, nachdem er entweder also aus der Erde gegraben, oder durch Kunst zubereitet worden. Des natürlichen Ochers haben die Materialisten drey Gattungen, nemlich diegemeine, die Mittelgattung, und die feine, welche letzte zart und lichte in der Farbe seyn muß. Aus diesen wird. Durch ein starckes Reverberirfeuer der rothe Ocher zubereitet: Gleichwie man auch einen gelben gekünstelten Ocher hat, welcher aus Reißbley gebrannt, und gemeiniglich Ochra plumbaria, oder Bleygelb genennet wird. Andere bey uns noch unbekannte Sorten führet Wormius in seinem Museo an. Alle diese Gattungen werden zu den Farben gebrauchet, und bedienen sich deren davon die Weißgerber, das Leder damit gelb zu färben; wiewohl bey uns hierzu die Terra citrina, die gelbe Erde, welche die Nürnberger mit der rothen häuffig bringen, mehrentheils gebrauchet wird. Die Säckler in Engeland aber färben die schönen gelben Englischen Handschuh für das Frauenzimmer nur mit dem Ocher. Zur Arzney werden alle Gattungen des Ochers selten, und nur äusserlich, gegen die so genannten Gliedschwämme gebrauchet, da sie denn eine zertheilende, trocknende und anhaltende Krafft haben sollen.
OCHERA, siehe Ocher.
Ochergelb (Englisches) siehe Trippelerde.
Ochergelbe Erde aus dem Vitriole. Löset gereinigten Vitriol in Brunnenwasser auf, lasset ihn hernach eine Weile stehen, so fällt eine Ochergelbe Erde von sich selbst zu Boden.
