Linné – Gmelin 1777/I
Carl von Linné – Johann Friederich Gmelin, Des Ritters Carl von Linné Königlich Schwedischen Leibarztes &c. &c. vollständiges Natursystem des Mineralreichs nach der zwölften lateinischen Ausgabe in einer freyen und vermehrten Uebersetzung I, Nürnberg [Gabriel Nicolaus Raspe] 1777.
Beschreibung
des
Mineralreichs.
Erste Classe.
Steine. (Petræ.)
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p. 345
Der ersten Classe
II. Ordnung.
Kalkarten. Calcariae.
Sie sind alle weich, so daß sie am Stahle gerieben, kein Feuer geben a). Alle werden, wenn man sie im Feuer brennt, locker und zerfallen, wenn man sie dann an die freye Luft bringt, zu einem weissen Staube, der sich wenigstens zum Theil in Wasser auflöst. Sie sind alle an sich äusserst strengflüßig, und erfordern, wenn sie ohne Zusatz in das Feuer kommen, ein anhaltendes sehr strenges Feuer, bis sie zu Glase schmelzen; aber mit Borax, Hornsalze, Flußspat und Thon im Feuer getrieben, gerathen sie leicht und größtentheils in einen sehr dünnen Fluß.
a) Ich nehme hier den Feldspat und einige mit ihm verwandte Arten aus, welche Linne unverdienter Weise unter dem Kalkspathe gelassen hat.
pp. 346–357
Zweytes Geschlecht.
Kalkstein. Marmor LINN.
Kalkstein und Marmor bey Wallerius. Kalkstein und Marmorstein bey Vogeln. Marmor und Kalkstein bey Walch. Calcareus Cartheuseri. Marmor bey Gerhard.
Es ist sehr wahrscheinlich, was Linne als eine entscheidende Wahrheit annimmt, daß diese Kalksteine ihren ersten Ursprung aus dem Thierreiche haben; so viel ist wenigstens gewiß, daß der Stoff, der ihnen wesentlich ist, ich meine die Kalkerde, sich in allen drey Reichen der Natur, und in dem Thiers reiche in vorzüglich großer Menge findet, und es liesse sich daraus vermuthen, daß die Kalkerde, wo nicht ihre erste Grundlage, doch ihre gegenwärtige Gestalt den belebten Körpern zu danken hat; diese Meynung bekommt auch noch dadurch einen neuen Schein von Wahrheit, da man in keiner Art von Steinen häufigere Verwandlungen von Thieren, vornämlich von Schaalthieren antrift, und da oft ganze Kalkberge aus solchen in Stein verwandelten Körpern zu bestehen scheinen.
Sie sind meistens halbhart, härter als die Gypsarten, aber weicher, als die meisten übrigen Steine; im Bruche sind sie matt, ihre kleinen Theilchen gemeiniglich fein, und mit blossen Augen kaum zu erkennen, zerschlägt oder zerbricht man sie, so springen sie zwar in eckige Stücke, die aber keine bestimmte Gestalt haben. Sie zerfallen an der Luft, einige geschwinder, andere langsamer; ihre Schwere verhält sich zur Schwere des Wassers, wie 2700 höchstens wie 2810 zu 1000; oder ein Kubikfuß wägt ungefähr neunzig bis sechs und neunzig Pfunde.
Sie enthalten die Kalkerde ziemlich rein, wenigstens so, daß sie ihre Eigenschaften ungehindert äusern kann; oft ist ihnen etwas Erdharz, von welchem einige eine schwarze im Feuer vergängliche Farbe haben, zuweilen Sand, Leim, Thon, oder Eisentheile beygemischt; in den letztern liegt bey den meisten der Grund der Farbe, und ihr Gehalt beträgt oft am Centner vier bis fünf Pfunde. Sie brausen alle mit allen Säuren, wenn die letztern flüßig und nicht zu sehr verdünnt sind, auf; sie lösen sich auch in allen Säuren, wenn sie gänzlich rein sind, vollkommen auf, und, wie reiner sie sind, desto weniger bleibt davon unaufgelöst; gießt man zu ihrer Auflösung in jeder andern Säure Vitriolsäure, so bildet sie damit ein Salz, das in weissen Blättchen oder viereckigen Prismaten niederfällt, wenig Geschmack hat, im Wasser schwer vergeht, zwischen den Zähnen knirscht, und im Feuer mit Knistern zerspringt. Kocht man ihre Auflösung in Salpetersäure ein, und brennt sie nachher in offenem Feuer, so erhält man daraus einen Körper, der, wenn er gerieben wird, im Finstern leuchtet, oder den Balduinischen Phosphorus; diese beyden Säuren des Vitriols und des Salpeters verbinden sich so genau damit, daß sie sie auch im stärksten Feuer nicht fahren lassen, wenn nicht ein anderer Körper zugesetzt wird. Ihre Auflösung in Salzsäure läßt sich leichter von ihrem Auflösungsmittel durch ein gewaltsames Feuer scheiden; wenn sie recht übergesättigt ist, so gibt sie gleichfalls einen Körper, der durch Reiben die Eigenschaft bekommt, im Finstern zu leuchten, oder den Hombergischen Phosphorus. Von allen ihren Auflösungen in Säuren können sie durch jedes Laugensalz wieder geschieden und gefällt werden, und fallen als ein weisser Staub daraus nieder. Sie befördern auch durch ihre Beymischung die Abscheidung des Laugensalzes aus dem Weinstein. So wie sie durch Laugensalze von ihren Auflösungsmitteln geschieden werden können, so treiben sie hinwiederum das flüchtige Laugensalz aus seinen Verbindungen mit andern Körpern aus; reibt man sie daher mit Salmiak, so steigt ein starker Geruch auf, der vollkommen, wie flüchtiger Salmiakgeist riecht.
Im gewöhnlichen Feuer, auch im Sonnenfeuer brennen sie sich alle mürbe, oder sie werden zu Kalk; dieser Kalk zerfällt, wenn er an der freyen Luft liegt, zwar ohne Brausen, aber doch mit einiger Erhitzung zu Staube; aber gießt man Wasser darauf, so kocht er heftig auf, erhitzt sich gewaltig, und stößt ganze Wolken von Dünsten aus; gießt man Säuren darauf, so braust er nicht auf, wie die rohe Kalkerde; brennt man ihn mit Laugensalzen im Feuer, oder vermischt man ihn in flüßiger Gestalt damit, so erhöht er ihre Schärfe auf die höchste Stuffe, und erleichtert ihre Vereinigung mit Oelen, Fetten, Harzen, und Schwefel; er benimmt ihnen aber zugleich die Eigenschaft, mit Säuren aufzubrausen; reibt oder destillirt man ihn mit einem Salze, welches flüchtiges Laugensalz enthält, so treibt er dieses, wie die rohe Kalkerde aus, nur mit diesem Unterschiede, daß er hier niemalen in trockener fester Gestalt erscheint, der Eigenschaft, mit Säuren aufzubrausen, ganz verlustig wird, eine weit größere Schärfe bekommt, und mit höchst gereinigtem Weingeiste nicht gerinnt. Läßt man den Kalk lange an der freyen Luft liegen, oder aus seiner Auflösung ins Wasser niederfallen, so verliert er diese auszeichnende Eigenschaften, und verhält sich wieder, wie Kalkerde, erhält aber alle jene Eigenschaften wieder, wenn er wieder von neuem gebrannt wird. Er lößt sich im Wasser vollkommen auf, nur erfordert er zu seiner Auflösung vieles Wasser, und fällt, wenn die Auflösung an freyer Luft steht, von selbst als Kalkerde, wieder daraus nieder; bey den Fällungen der metallischen Körper aus ihren Auflösungen verhält er sich, gerade, wie ein feuerbeständiges Laugensalz. Mit Sand oder mit gestossenen Backsteinen vermischt, wird er so hart, als Stein. Oele, welche darüber abgezogen werden, von welcher Art sie auch seyen, werden dadurch ungemein verfeinert, heller, durchsichtiger und flüchtiger.
Wenn der Kalkstein einmal zu Kalk gebrannt ist, so leidet er in dem gewöhnlichen Feuer keine Veränderung mehr; und die meisten Mineralogen verflossener und unserer Zeiten behaupten einstimmig, daß dieses die letzte Veränderung seye, so lange kein Zusatz zu dem Kalke komme. Ich würde ihrer Meynung beypflichten, wenn es nicht einem Pörner gelungen wäre, in einem äuserst heftigen, lange in dem gleichen Grade anhaltenden Feuer auch ohne Zusatz Kalkstein und Kalk zu einem schönen, durchsichtigen, grünen und so dünnen Glas zu schmelzen, daß es durch zween Tügel durchfloß.
Leichter geschieht diese letztere Verwandlung der Kalksteine, wenn ihnen andere Steine und Salze zugesetzt werden. Mit Borax und Harnsalz kommen sie sehr leicht in Fluß, und werden damit zu einem Glase, das in einer weniger als glühenden Hitze auch bleibt und allerley Eindrucke annimmt; eben so leicht fliesen sie mit feuerbeständigen Laugensalzen, metallischen Gläsern und Flußspat; mit dem letztern fliesen sie sehr dünn und werden zu einem harten schneidenden Glase; sie befördern, wenn sie etwas brennbares Wesen halten, den Fluß glimmerichter Erden und Steine, und auch ohne dieses den Fluß des Thons, der Kieselarten, vornämlich wenn sie eisenschüßig sind, und der strengflüßigen Eisenerze oder der Dünnsteinerze; mit Glimmer- und Kieselarten geben sie eine dünne löcherichte Schlacke, und bey dem Quarz hält das Schmelzen noch am schwersten. Sie haben sowohl roh, als gebrannt, eine besondere Verwandschaft mit dem Schwefel, und scheiden ihn leicht von andern Materien ab, mit welchen sie verbunden sind. Das ist der Grund, warum sie mit Vortheil zum Ausscheiden des Quecksilbers aus dem Zinnober und anderer Metalle aus ihren schwefelhaltigen Erzen gebraucht werden. Sie äusern auch gegen einige metallische Kalke die Kraft, ihnen ihre metallische Gestalt wieder zu geben; das bemerkt man vornämlich bey Bley und Wismuth, auch in einem geringern Grade bey Eisen und Kupfer.
Die meisten Arten findet man gemeinigleich voll versteinter Seethiere; sie machen gemeiniglich die niedrigsten Berge und die Hügel. Diese Kalkberge sind meistens auf die Schiefergebirge, theils in den Thalern, theils höher aufgesetzt. Sie sind vornämlich in Flötzgebürgen zu Hause, wenigstens finden sie sich immer in solchen Gebürgen; die Flötze selbst sind von verschiedener Mächtigkeit, von einigen Zollen bis zu mehreren Lachtern. Bald sind sie ganz rein, bald wechseln sie mit andern Lagen, vornämlich mit Schiefer, ab, und so machen sie oft das Dach der Steinkohlen, des Kupferschiefers und des Steinsalzes, und führen dann an verschiedenen Orten den Namen Zechstein. Diese abwechselnde Lage der Kalkschichten und die Menge von Versteinerungen, welche man darinn, und zuweilen in jeder Schichte wieder von verschiedener Art, findet, zeigen ganz offenbar, daß die Kalkberge keine ursprünglichen Gebürge, sondern erst nach und nach durch mehrere auf einander folgende Ueberschwemmungen entstanden, und an und auf die zuvor vorhandene angeschwemmt worden sind. Inzwischen findet man doch auch, vornämlich in Ungarn und Oesterreich in Ganggebürgen, und selbst in Schlesien, Sachsen und auf dem Harze trift man ihn in sanften Mittelgebürgen an, die beynahe unmittelbar an die Flötzgebürge anstossen. Hier macht er hin und wieder das Hangende der Gänge aus, die aber doch selten eine beträchtliche Mächtigkeit haben, sich sehr oft abschneiden und niemalen in eine große Teufe niedersetzen. In Brabant, Flandern und Frankreich machen sie größtentheils die Hügel aus. Bey der vermuthlichen Entstehungsart der Kalksteine ist es sehr unwahrscheinlich, daß sie jemalen den innwendigen Kern der Ganggebürge ausmachen, und es ist zu zweifeln, ob Schriftsteller, welche das letztere gesehen zu haben vorgeben, wahre Ganggebürge vor sich hatten. Zuweilen laufen sie als Adern durch andere Steine, vornämlich durch Schiefer.
Eigentliche Gänge findet man nicht in Kalksteinflötzen, aber desto häufiger Steinkohlen, Schwefelkiese, Alaun- und Vitriolerze, schwarzen und grauen Kupferschiefer, auch nesterweise Nierenstein, Amianth, gediegenen Schwefel, Arsenik und verschiedene seiner Erze; sehr oft Eisenerze, gelb, blau, grau und grün Kupfererz auch Kupferglas, und Bleyglanz, auch Zinnober, und bey Annaberg in Sachsen verlarvtes Silber.
Der Nutzen, den die Kalksteine schaffen, ist von einem sehr weiten Umfange. Schon die Kalksteine, welche blos hin und wieder auf Feldern, vornämlich auf dürren Feldern, liegen, machen sie fruchtbar, indem sie auf ihrer Oberfläche verwittern, die Feuchtigkeit an sich ziehen und länger behalten, und dadurch den Feldern mittheilen.
Den größten Nutzen leisten sie wohl in der Baukunst; nur Schade, daß sie größtentheils zu weich sind, und sich zu bald abreiben und abnutzen; daß sie an der freyen Luft nicht so lange ausdauren, sondern zu bald verwittern, oder sich auch, wenn man in der Wahl nicht behutsam ist, und die dicksten Lagen zu groben Arbeiten, die dünnern Schichten aber zum Pflaster des Estrichs und dergleichen gebraucht, sich schiefern. So kann man ihn zu Gestellen an Oefen, zu Fundamenten, und vorzüglich gut zu Schleußen, und überhaupt zum Wasserbau gebrauchen, wenn anderst das Mauerwerk beständig unter Wasser ist. Der schönern hochgefärbten Arten, welche durch die Politur einen Glanz annehmen, bedient man sich in der schönen Baukunst und in der Bildhauerkunst. Vornämlich aber dienen die Kalksteine um Kalk daraus zu brennen; dazu taugen diejenigen am besten, welche bey ihrer Auflösung in Scheidewasser am wenigsten unaufgelößte Materie zurücklassen, bey dem Auskochen mit Weinsteinöl die meiste Fettigkeit zeigen, im Feuer nicht zerplatzen, und keine oder doch wenige Eisentheilchen haben, von denen der Kalk grau wird. Ob sie hart oder weich sind, das bestimmt ihre Güte in dieser Absicht nicht immer, und wenn alle übrige Umstände gleich sind, so kosten die harten mehr Holz und Zeit zum Brennen.
Man kann den Kalk mit Holz oder mit Steinkohlen brennen. Wählt man das erstere, so geschieht es am besten in einem elliptischen Ofen, der etwa zehn bis eilf Pram hält, den Pram zu 4273 Cubikfus, oder zu zweyhundert und zehn Centnern gerechnet, so gewinnt man aus einem dergleichen Pram zweyhundert und dreyßig Scheffel Kalk, und diese erfordern zwischen vier und fünf sechsfüßige Cubikklafter Holz. Brennt man mit Steinkohlen, so wählt man am besten einen trichterförmigen Ofen, der oben weit und ganz offen, unten aber eng und mit gehörigen Zuglöchern versehen ist, legt darein die Kalksteine schichtenweise mit Steinkohlen, und so hat man, statt hundert und zwanzig Cubikfus Holz, fünfzehn bis zwanzig Cubikfus Glanzkohlen nöthig. Ein solcher trichterförmiger Ofen kann beständig gehen, weil man den guten Kalk immer unten heraus, nehmen kann, und der Kalk, den man auf diese Art erhält, ist zwar nicht so weiß, als der andere, weil ihm Steinkohlenasche beygemischt ist, aber er ist desto bindender, und taugt desto besser zum Kütt; und will man ihn zum Weissen in Zimmern recht blendend weiß haben, so darf man nur unter einem Centner ein halbes Pfund guten Grünspan mischen. Wenn der Kalk nicht gleich ausgebrannt ist, so zerfällt er nicht gleichförmig und fein genug, und hat vermuthlich, weil er nicht genug von dem flüchtigen Wesen in sich gezogen hat, das ihm seine bindende Kraft mittheilt, nicht genug bindende Kraft; überhaupt erkennet man daran, daß er genug gebrannt ist, wenn man den dunkeln Dampf, der anfänglich über den Steinen schwebt, verschwinden, und an dessen Stelle hin und wieder phosphorische oder electrische Funken schnell aufsteigen und verschwinden sieht.
Dieser Kalk hat nun einen vielfachen Nutzen; er tödtet das brandichte Korn, und nur in so ferne hindert er den Brand im Getraide, wenn er mit dem Saatkorne vermischt wird. Der Scheidekünstler und Arzt gebrauchen ihn zum Kalkwasser, einem sehr guten äusserlichen und innerlichen reinigenden Mittel, das besonders in dem Steine nicht ohne Erfolg gebraucht wird, zum caustischen Steine, einem der stärksten Arzneymittel, zu einer eigenen sehr scharfen Art des flüchtigen Salmiakgeistes, zur Scheidung des groben Oels von andern Oelen, oder zur Verfeinerung und Reinigung der brandichten, schmierigen und wohlriechenden Oele. So gebraucht ihn der Gerber als ein fressendes Mittel, der Zuckersieder, um die groben färbenden Theile aus dem Syrup einzuziehen, und einen desto weissern Zucker zu machen, der Seifensieder, um Fett und Laugensalz desto genauer mit einander zu vereinigen. Vorzüglich aber bedient man sich seiner zum Mauren. In dieser Absicht muß er gelöscht werden, und da ist ein alter Kalk besser, als ein frischgelöschter, (vielleicht ist auch aus diesem Grunde das Mauerwerk der Alten so fest.) Man gießt also dem Maase nach eben so viel Wasser, als es Kalk ist, und zwar kaltes, am besten aber weiches Wasser, geschwind auf den Kalk; freylich erfodert ein harter Kalk öfters mehr, ein weicher weniger; nimmt man zu wenig Wasser, so zerfällt der Kalk nicht genug, nimmt man zu viel, so wird er zu stark ausgelaugt; nimmt man heißes Wasser, so wird er zu mager, und gießt man zu langsam auf, so verfliegt zu viel von dem flüchtigen Wesen, das zur bindenden Kraft nöthig ist. Ist er einmal gelöscht, so vermischt man ihn nun mit Sand, am besten mit grobem Kieselgries, oder auch mit anderm geschlemmten Sande. Ueberhaupt ist der Kalk desto besser, wie geschwinder er bey dieser Vermischung erhärtet und wie mehr er Sand annimmt und verträgt. Gelöscht kann man ihn auch, wenn man ihn mit gestossenen Backsteinen und brennbaren Körpern versetzt, statt der Puzzolanerde gebrauchen, und so gibt er auch einen sehr guten Mörtel, wenn man ihn mit einer Fettigkeit und Eisen, oder einer eisenhaltigen Erde vermischt; zu dieser Absicht muß der Kalk kurz vor dem Gebrauch mit heissem Wasser gelöscht werden; wie mehr er Eisen hat, desto bindender ist er; auch der Hammerschlag einer Schmide gibt mit Kalk und gutem Sande gemischt, einen ziemlich guten Mörtel. In ähnlichen Absichten und Mischungen wird der Kalk zum Verleimen der Gefäße in den chemischen Werkstätten gebraucht.
So können die Kalksteine, groß zerstosen, auf kaltem, saurem, eisenschüßigem und thonichtem Boden von sehr guter Wirkung seyn; indem sie Säure und Feuchtigkeit in sich schlucken, dabey sich gelinde erhitzen, die ölichten Theile auslösen, und die Erde überhaupt mürbe machen; aber im kalkartigen, sandigen, lockern, auch guten schwarzen Grunde werden sie eher schaden.
Auch in Schmelz- und Hüttenwerken leisten die Kalksteine sehr gute Dienste; sie befördern den Fluß an sich strengslüßiger Erze, und kommen vornämlich den Eisenerzen, auch andern schwefelreichen Erzen, selbst bey dem Verfrischen des Roheisens, sehr gut zu statten, nur muß man, besonders bey Wiesenerzen, wenn das Roheisen nicht zu grell werden soll, niemals zu viel, und nicht anderst, als wenn man wegen Strengflüßigkeit der Erze dazu genothiget ist, mehr als den zehnten Theil, in Verhältniß zu den Erzen, davon zusetzen; überhaupts muß man sie bey dem Verfrischen des Roheisens nicht gebrauchen, wenn man sie nicht sehr nothig hat, weil das Eisen trocken und mürbe wird; und bey den Kupfererzen, wenn sie nicht sehr schwefelreich sind, scheint ihre Beymischung uberhaupt schädlich zu seyn, weil die Schwefelleber, welche hier erzeugt wird, etwas Kupfergehalt hinwegnimmt, und die Beymischung selbst den Niederschlag des Eisens verhindert, dadurch die Röstungskosten des Kupfersteins sehr vermehrt, und selbst die Schwarzkupfer zuweilen unartig macht.
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