Zedler – Ludovici 1746/XLIX
Johann Heinrich Zedler – Carl Günther Ludovici (edd.), Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschafften und Künste, Welche bißhero durch menschlichen Verstand und Witz erfunden und verbessert worden… XLIX (Vit–Vn), Halle – Leipzig [Johann Heinrich Zedler] 1746.
col. 121–158
Vitriol
Vitriol, Lat. Vitriolum, Fr. Vitriol, Couperose, ist ein von Alters her schon sehr gebräuchliches mineralisches Stück, welchem man allerhand wunderliche Nahmen gegeben, z. E. Zirei, Zethas, Zeoth, Pubryas, Demngnum, Trogantum, Alumen u. vide, Alumen Suriæ, Terra Sybilla, Aes rubeum, Filius unicus, Leo oriens, Magnesia, Atramentum metallicum, Atramentum scriptorium, Atramentum portarium, Atramentum sutorium, Atramentum typographicum, Calcanthum, Terra balsamica, Terra cuperosa, und was dergleichen mehr sind, welche zum Theil als eine besondere Sprache klingen, so, daß man es fast für Rothwelsch ansehen solte; der Alten ihre Nisi, Sori, Calcithes, Melanteria u. d. g. nicht einmahl zu gedencken: denn weil man heutiges Tages nicht weiß, was für einen Vitriol sie eigentlich damit belegt haben, so mag es damit sein Bewenden haben, gnung, daß wir wissen, daß sie den Vitriol darunter verstanden haben. Wenn indessen heutiges Tages in den Recepten noch etwas vom Calcithide verschrieben wird, so nehme man nur einen reinen Eisen- oder Stahl-Vitriol dafür; wird aber Calcithes tosta verlanget, so muß ein roth calcinirter Vitriol gegeben werden, wie denn auch noch dieser Nahme bey der Composition des Theriaks vorkommt. Das Wort Calcanthum stammet vom Griechischen χάλκανθος, aus χαλκός, Kupfer, u. ἄνθος, flos, Blume, und bedeutet so viel als flos æris, Kupferblume. Atramentum u. andere dergleichen Nahmen führet der Vitriol daher, weil die meisten schwartzen Farben damit gemacht werden. Terra cuperosa, kommt von Cuprum und ros her, das ist, ein zerfressenes Kupfer, und mag ihm solcher Nahme wohl deswegen beygelegt worden seyn: weil sie Anfangs nur einen Kupfervitriol gehabt haben. Der gebräuchlichste Nahme aber ist Vitriolum, welchen einige von Vitro, Glas, herleiten: weil dem Erfinder des Nahmens solche Crystallen zuerst als ein durchsichtiges Glas geschienen; Andere sagen, es hiesse nicht Vitriolum, sondern Victriolum: weil das Vitriol-Oel, quasi Victrix, gleichsam als eine Ueberwinderin in der Chymie sich verhielte; Andere wollen, es hiesse so viel als Vitrioleum, weil es sich eine Zeitlang im Wasser als ein fliessendes Glas verhielte. Die Alchymisten geben diesen Nahmen verdeckt, damit man sobald nicht hinter die Geheimnisse kommen soll; daher sie die Buchstaben versetzet, u. es bald in Vitromuli, bald in Multivori, Mitrulivo, Milviortu &c. verkehret haben; Andere haben es in etliche Wörter zerstreuet, und nur die Anfangs-Buchstaben gebrauchet, z. E. Visitetis Interiora Terræ Rectificando Invenietis Occultum Lapidem, Veram Medicinam, (vel Verum Metallum). Heberad Jan, welcher vermeynte, daß der Vitriol der graue Küttel des kleinen Bauers, oder das philosophische Kupfer sey, spricht: „Viridario spagyrico: Zehen Buchstaben werden gesetzt, eines nach fünfftausend zuletzt, fünf Sylaben, auch fünf Vocal, macht tausend zwey und sechzig die Zahl, hundert auch damit hinlaufft, also ist dessen Nahme getaufft.“ Welches dergestalt heraus kommt: Vitriolum, oder M. C. LVVII. Andere nennen den Vitriol ein Sal astrale vel centrale omnium verum mineralium. Pantaleon aber schreibet: „Die nächst erwehlte Materie der gemeinen Alchymisten ist vor etlichen Jahren gewesen: der Vitriol oder das Kupferwasser in seiner gantzen Substanz; daß sie aber nichts herausgebracht, ist die Ursache, weil sie alles vom gemeinen Vitriole verstanden.“ und anderswo saget er: „Sie haben aber, was das vorgenommene Werck anbelanget, zwar eine Tinctur bekommen, aber für Tücher, und nicht auf die Metalle, und zum Endzwecke Kupfer an statt des Goldes, dieweil sie das Visitando Interiora Terræ nicht besser verstanden.“ Einige pflegen alle metallische Saltze, sie mögen gemacht seyn, mit was vor einer Säuere sie wollen, Vitriole zu nennen, als da haben sie Vitriolum Solis, Lunæ, Saturni, Mercurii, Bismuthi &c. Gold- Silber- Bley- Quecksilber- Wismuth- und dergleichen Vitriol, an statt des Gold- Silber- und dergleichen Saltzes oder Crystallen, angegeben. Es verdienen aber eigentlich keine andere Saltze dergleichen Titel, als allein die, welche mit Vitriolsäuere gemacht worden. In den Apothecken hat man viererley Sorten von Vitriolen, welche zwar auch mit Recht also genennet werden können; doch wenn das Wort Vitriol nur allein in einem Recepte verschrieben worden ist, und sonst nichts dabey stehet so muß allezeit ein reiner Eisen-Vitriol dafür genommen werden. Deutsch wird unser Subject Vitriol, Victril, Victriol, Kupferwasser, Schuster-schwartze, u. d. g. genennet. Die natürlichen, erzeugten oder gegrabenen Vitriole, Vitriola nativa, heissen entweder Atramentsteine, Jöckelguth, oder Kupferrauch, und sind solche theils gantz weiß, oder weißlich, grau, rötlich, grün, grünlich, bläulich, blau, Violetblau, und anders. Der blaue wird Jöckelguth, der rothe Rosenguth, der weisse weiß Jöckelguth, natürlicher Augenstein, oder weisser Galitzenstein genennet; die röthlichen oder braunrothen Arten heissen insgemein rothe Atramentsteine. Der Schwefel ist das Hauptwesen bey der Entstehung und Werdung des Vitriols. Aller Vitriol ist durch Art der Kunst vom Schwefel oder dessen Säuere, und aus dieser oder jener metallischen Erde entstanden, und kommt uns solcher in dreyerley Gestalt vor, als: 1) in Form einer Schwefelminer, oder als ein offenbarer Schwefelkies; 2) in Form eines mit nur etwas schweflichten Theilen vermischten Steines, als ein sogenannter Pyrites; und 3) unter der saltz- oder eißzapfichten Gestalt, als ein würcklich erzeugter Vitriol. Die Vitriol- oder Schwefelsäuere findet sich ferner, im Zinnober, Spießglase, Galmey, Steinkohlen, in alten Pechen, Drüsen, und kurtz, in alten Mineralien, die nur etwas Schweflichtes bey sich haben; wie auch nicht weniger im Gewächs-Reiche, im Fahrenkraute, in dem an Eichen gewachsenen Engelsüß, in der Eiche selbst, einigen Gattungen Moos, und in aller grünen Schalen der Früchte; desgleichen ist er auch in der allgemeinen Luft in der Welt schwebend, so, daß man alle Vitriolpräparate, ja den Vitriol selbst durch die Luft zusammen setzen, und natürlich darstellen kan. Alles, was auf dem Erdboden lebet, schlucket täglich durch die allgemeine Luft einen guten Theil von dieser Säuere in sich, daher es auch davon einen guten Theil besitzet. Daß der Vitriol von einer schweflichten Vermischung seine Abkunft habe, erhellet daher: weil derselbe niemals gefunden wird, wo nicht Schwefel zugleich mit gegenwärtig seyn solte: denn es wird der Vitriol in allen Pyritibus, Schwefelkiesen, und auch in dem klaren durchsichtigen Schwefel selbst gefunden. Diese Schwefelpyrites müssen aber nicht mit den Pyritibus igneis vel corneis, als den sogenannten Feuersteinen verwechselt werden, sondern die Pyrites, woraus der Vitriol genommen wird, sind gemeiniglich rund, und obwohl nicht allezeit gantz rund, doch abgerundet, oder platticht, auch nicht so gläntzend, als die Schwefel- und Kupferkiese, und besitzen auch weniger schweflichtes Wesen, als erstere. Die Alten hiessen die Steine durchgehends Marcasite, bis man weiter nur die gläntzenden, viereckichten Schwefelkiese, Schwefelmarcasite oder Schwefelpyrites genennet hat. Der Kupferkies siehet mehr grünlich gläntzend, als diese Pyrites, aus. Von diesen Schwefelsteinen oder Pyriten nun zerfallen einige gleich, so bald sie ausgegraben worden; andere in etlichen Tagen; noch andere in etlichen Wochen; wieder andere müssen wohl ein Jahr liegen, ehe sie zerfallen. Die in Hessen gefundenen Pyrites werden goldische Eisenminern, Minera Martis solares, genennet, obwohl weder Eisen noch Gold darinnen zugegen ist. Wenn diese Pyrites gegraben werden, so sind sie gantz harte, schmecken weder vitriolisch, noch salsicht, und wenn sie gleich zerstossen werden, so ist doch davon nicht das geringste wahrzunehmen; werden sie aber an die Luft geleget, so werden sie erstlich grau, denn immer weisser, und zerfallen dabey immer mehr und mehr, bis sie gar in ein Pulver verwandelt werden, da sich denn der sauere vitriolische Geschmack am mercklichsten äußert. Diese Pyrites nun sind nichts anders, als ein wenig schweflichtes Wesen, so mit vielen erdichten Theilen verwickelt ist. Zur Vitriolwerdung gehören nothwendig drey Stücke, als erstlich ein schweflichtes Wesen, hernach Feuer oder Luft, oder drittens beyde zusammen, wiewohl diese beyde Elemente hierbey nur als Instrumente anzusehen sind. Man kan zwar von allen Schwefelkiesen Vitriol, aber nicht von allen Vitriolkiesen Schwefel machen. Aus einigen Minern gewinnet man Vitriol und Schwefel zugleich. Aus einigen Vitriolerden, z. E. der Russischen, Ungarischen &c. erhält man nur durch blosses Auskochen einen Vitriol. Auch giebet es Wasser, so mehrentheils vitriolischer Natur sind, daraus man durch blosses Ausdampfen einen crystallisirten Vitriol gewinnet. Auch trift man pechichte oder bituminöse Höltzer an, welche in der See gefunden werden, und, wenn sie heraus genommen, sich gantz bituminös bezeigen; nachdem sie aber einige Zeit gelegen, und die Luft kan solche bestreichen, so blühen sie auf, und werden vitriolisch; wobey denn das brennbare Wesen verflieget, das beygemischte Pech und die holtzichte Materie zernichtet, und die gantze Vermischung in einen Vitriol verkehret wird. Natürliche Vitriole finden sich im Rammelsberge, und in Ungarn, auch in Meissen bey Schwartzenberg zu Graul, u. s. w. wo viele reiche Schwefelminern in Menge sind, und zwar in grossen, mittelmäßigen und kleinern Stücken, in Gestalt der Eifzapffen, dazu, als weisser, röthlicher, leibfarbener, hell- und dunckelgrüner, blaulichter, gantz blauer, ingleichen als Rosenguth, und violetblauer Vitriol. Zu dessen Hervorbringung tragen alle vier Elemente etwas bey, am meisten aber das Feuer, die Luft und Wasser. Mit der Entstehung des natürlichen Vitriols gehet es eben so zu, wie mit den gekünstelten Vitriolen: denn es ist bekannt, daß, wenn man Schwefel mit Metallen cementiret, man einen Vitriol erhält; oder ohne Feuer, wenn man Eisenfeilig mit gepülvertem Schwefel vermischet, in Wasser anfeuchtet, wohl umrühret, und stehen lässet, so greifet die Vitriolsäuere aus dem Schwefel in das Eisen, und machet eine Auflösung des Eisens in der Vitriolsäuere, die man denn durch weitere Verrauchung in einen Eisenvitriol bringen kan. Der Schwefel gehet also gar gerne an die Metalle, sowohl im Kalten, als im Warmen: So, wie nun diese Vereinigung durch die Kunst geschicht, also gehet solche auch natürlicher Weise im Rammelsberg zu. Denn da trifft man an, 1) von beyden dazu nothwendigen Stücken, als Schwefelkiesen, und Eisenertzen, die Menge; 2) fehlet es auch darinne an Wärme nicht, indem sie viele Klaftern Holtz aufeinmahl anzünden, und die Ertze zersprengen; 3) fehlet es dabey auch nicht an Luft und Wasser, da die Luft die Auflösung bequemet, und das Wasser die Auflösung machet; worauf es denn 4) durch die Höhlen und Klüfte der Felsen mit durchdringet, und sich gleichsam durchseihet; 5) durch die hinzukommende Wärme aber die überflüßige Feuchtigkeit verdampfet, bis es endlich in dieser eifzapfichten Gestalt theils oberhalb der Decke, theils durch Abtropfen unterhalb auf dem Boden sich ansetzet. Alles Wasser in diesem Rammelsberge schmeckt vitriolisch, und frisset das in diesen Bergwercken abtropfende Wasser alles entzwey, so, daß man dahero ohne Schaden nicht wieder daraus kommen kan. Der weisse natürliche Vitriol hat viel von einem zinkhaften Wesen in sich aufgelöset; der rosenfarbige hat etwas Wismuthisches; der hellgrüne mehr Eisenschüssiges; und der hellblaue mehr Kupferhaftes Wesen zu seinen Bestandtheilen. Man findet auf dreyerley Sorten natürlichen Vitriol. Die natürlichen Vitriole unterscheiden sich von den gekünstelten darinne: daß sie nicht so rein, als die letztern sind, und daß sie überhaupt aus mehreren, als aus einem Metalle bestehen; dahero sie auch zum Gebrauche in den Apotheken nicht anzurathen sind. Ferner findet man den natürlichen Vitriol noch in dreyerley Arten, als in Gestalt einer Vitriolminer, daran man das vitriolische Wesen, obgleich nicht sehen, doch schmäcken kan; hernach in Gestalt eines Steines oder Erdeklumpens, so wie die Pyrites leicht auswachsen und zerfallen; und endlich in flüssiger Gestalt, in offenbaren Vitriolwassern, so wohl unter als ober der Erde. Der Unterscheid der beyden erstern Sorten bestehet darinne, daß einige schon würcklich etwas Vitriolcrystallinisches in sich haben; andere oft etwas Schwefelhaftes besitzen, welches doch auch nach und nach durch das Zerfallen vergehet, und in etwas Vitriolisches verwandelt wird; andere etwas Gläntzendes dem Asbest und Talke ähnliches in sich halten; noch andere von diesen erst besagten Eigenschafften keine haben, aber in vielerley Farben unterschieden sind. Allein der vitriolische Geschmack ist gleich der Verräther. Die gläntzenden und wie Atlas aussehenden Vitriole, werden häufig in Ungarn und andern Ländern gefunden, und des Ansehens wegen auch Atlasvitriol genennet. Man hat davon verschiedene Sorten, als weisse, gelbe, gelbliche u. d. g. Die Atramentsteine sind verschiedentlich, und werden theils in Ungarn, Siebenbürgen &c. theils in Rußland, Sibirien &c. gefunden. Weil aber die natürlichen Vitriole solche zusammengesetzte Cörper sind, die aus mancherley nützlichen und schädlichen Dingen bestehen, so ist es rathsam, sich in der Medicin dafür zu hüten. Es giebet mineralische Wasser, welche ihres vitriolischen Herkommens wegen sich bekannt machen; doch aber wiederum darinne unterschieden seyn, daß sie entweder Eisen- oder Kupfervitriol, oder beyde zugleich, oder Kupfer, Zink und Eisen zugleich führen. Aus welcher Vermischung auch, wie einige meinen, die Sauerbrunnen und warmen Bäder entstehen sollen. Diejenige Wasser, welche von eingeschütteten Galläpfeln nicht schwartz werden, haben keinen Vitriol in Substanz bey sich, ob sie gleich vitriolisch schmäcken, und bitter seyn; sondern es ist in den meisten eine Gattung des Glauberschen Wundersaltzes, oder ein Bittersaltz, oder ein subtiler Vitriolgeist, oder beyde zugleich darinnen befindlich: denn die Vitriolsäuere ist mit einem Theile alkalischer Erde des Küchensaltzes verbunden; deswegen aber darf doch niemand glauben, daß ein reines Küchensaltz darinnen stecke, vielweniger ein vegetabilisches, fixalkalisches Saltz, denn sie ist davon sehr unterschieden. Lemery hat bey der Academie des Sciences einen Saß pour Memoire, von den unterirrdischen Erschütterungen und Erdbeben eingegeben, und darinnen behauptet, daß solche von der Vermischung der Schwefelsäuere und des Eisens herkämen; Man kan ihm aber darinne nicht beypflichten, weil unter der Erde kein solch vollkommenes Eisen ist, als wie die Probe mit dem reinen Eisenfeilig und dem gepülverten Schwefel vorgestellet. Boerhaven saget, alle Vitriole bestünden aus Kupfer und Eisen; allein wenn das wäre, wo blieben denn die zinkichten, erdichten, und ammoniacalischen Theile? anderer nicht zu gedencken. Unter den vitriolischen Wassern ist insonderheit das neusolische in Ungarn das berühmteste, welches natürlichen Eisenvitriol aufgelöset, bey sich hat. Alle Welt ist anfänglich, und bis auf den heutigen Tag noch die Alchymisten, damit betrogen worden, als welche in der Meynung stehen, daß dieses das eintzige Wasser in der Welt sey, welches das Eisen in Kupfer verwandele. Man hat aber nunmehro die Wahrheit von dieser Sache besser entdecket, nehmlich das neusolische Wasser ist nichts anders, als eine starcke Auflösung des Kupfers in der Vitriolsäure: Wird nun darein geschmiedetes Eisen geleget, so löset die in Wasser enthaltene Vitriolsäure das Eisen auf, hingegen präcipitiret sich an dessen statt so viel Kupfer wieder heraus, und stellet eben dieselbige Forme, so das Eisen vorhero gehabt hat, wieder vor; wie man denn davon vielerley Arten und Modelle vorzeiget, als Hufeisen, Crucifixe, Nahmen, Hertzen, u. d. g. Aus dieser Forme haben nun die allermeisten geschlossen, dieses wäre eine Verwandelung. Dergleichen Kupfer wird von einigen ungarisches Cementkupfer genennet; allein, es konnte unserer Meynung nach eher präcipitirtes oder niedergeschlagenes Kupfer heissen. Weil nun dieses neusolische Wasser, als eine ziemlich gesättigte, obwohl unreine Auflösung des Kupfers, in der Vitriolsäure anzusehen ist, diese Vitriolsäure aber sich mit dem Kupfer nicht so genau vereiniget, als mit dem Eisen; so kommt es auch daher, daß wenn Eisen in dieses Wasser hineingeworffen wird, die Vitriolsäure selbiges, der näheren Verwandtschaft wegen, lieber angreiffet und auflöset; hingegen setzet es sein vorher aufgelösetes Kupfer durch Niederschlagung an dieselbige Stelle, wo vorhin das Eisen gewesen, welches denn durch anhaltende Arbeit eben dieselbige Gestalt annimmt, die vorhero das Eisen gehabt hat: Daraus sehen wir, daß die Verwandlung der Metallen für keine Wahrheit gehalten werden kan, welche, wenn sie würcklich ist, sich nicht nur an einem Orte, sondern allenthalben in der gantzen Welt darstellen muß. Dasjenige, was hier im neusolischen Wasser geschiehet, kan auch allezeit und auf gleiche Art mit einer gesättigten Auflösung des Kupfervitriols nachgemachet werden: denn wenn Eisen drein geleget wird, so wird sie ebenfalls das Eisen auflösen, dagegen sich an dessen statt das Kupfer niederschlaget, und das gehet so lange fort, bis alles Eisen aufgelöset worden; die überstehende Auflösung aber ist denn keine Auflösung des Kupfervitriols mehr, sondern eine Auflösung des Eisenvitriols, welches an der Crystallisirung gnungsam ersehen werden kan. Die andere Art von Vitriolen sind die gekünstelten, welche wir wiederum in zwey Classen abtheilen, als: ingekünstelte und durch Kunst bereitete Vitriole, Vitriola artificialia & artefacta. Durch die gekünstelten Vitriole verstehen wir solche, worzu die Kunst nur einiger massen etwas beyträget; dagegen wir durch die vermöge der Kunst bereiteten, solche angedeutet wissen wollen, welche durch die blosse Kunst verfertiget werden: Die erstere Sorte ist mehr herausgebracht, und aus Steinen, Minern und Wassern ausgeschieden worden; die andere Art aber ist mehr hervorgebracht, oder gemacht. Die erstern sind am gebräuchlichsten, wohlfeilesten, und gemeinesten; die andern aber sind nicht so bekannt, seltener und theurer. In den Apotheken hat man verschiedene Arten von Vitriolen, welche wir demnach in vier Hauptorten eintheilen, als die erste ist ein Eisenvitriol, Vitriolum Veneris, die andere ein Kupfervitriol, Vitriolum Martis, die dritte ein eisenhafter Kupfervitriol, Vitriolum Venereo-martiale, und die vierte ein weisser Vitriol, Vitriolum Album. Oder wenn man die Vitriole nach den Apotheker-Nahmen eintheilet, so kommen sechs Sorten heraus, als da hat man: 1) Einen in grossen, festen und blauen Crystallen vorkommenden, nehmlich den Cyprischen Vitriol, Vitriolum de Cypro; 2) Einen gantz andern, nicht in so grossen und festen, doch auch in blauen Crystallen vorkommenden und aus Kupfer und Vitriol-Oel gekünstelten Kupfervitriol, Vitriolum Veneris; 3) Einen schwartz dunckelgrünen, nehmlich den Engelländischen Vitriol, Vitriolum anglicum; 4) Einen hellgrünen, und aus Vitriol-Geiste und Eisen gemachten Eisen- oder Stahlvitriol, Vitriolum Martis; 5) Einen blaulich grünen, und so genannten Goslarischen, Saltzburgischen oder Ungarischen Vitriol; und endlich 6) den bekannten weissen Vitriol, Vitriolum album: Allein, da der Engelländische Vitriol doch auch nichts bessers, als ein Eisenvitriol ist, und der Cyprische Vitriol auch nichts anders, als ein Kupfervitriol ist, so bleibet es dennoch dabey, daß man nicht mehr, als vier Hauptsorten in den Apotheken habe, ob sie wohl, in Ansehung der Arbeit, unterschieden seyn. Zu der ersten Classe, oder zu den gekünstelten Vitriolen zählen wir: Engelländischen, den gemeinen, und den weissen Vitriol. Unter die zweyte Classe, oder zu denen durch Kunst bereiteten Vitriolen rechnen wir: den Cyprischen, den reinen Eisen- und den Kupfervitriol. Bey allen künstlichen Vitriolen wird zu deren Hervorbringung Feuer, Wasser, und Luft erfordert, jedoch mit diesem Unterscheide: 1) Daß, wenn man schon vitriolisch schmäckende Wasser, Erden oder Steine hat, man dennoch zu dessen Scheidung Feuer und Lufft nöthig habe; 2) Hat man Pyrites, welche von Natur wohl etwas Schweflichtes, doch nichts Vitriolischschmäckendes bey sich haben, da ist die Luft vorhero ein nothwendiges Stück, als ohne welche man sonst keinen Vitriol daraus auslaugen kan; 3) Hat man Schwefel- und Kupferkiese, welche sich an der Luft im geringsten nicht verändern, oder durch Kochen nichts Vitriolisches von sich spüren lassen: Wenn nun daraus Vitriol hervorgebracht werden soll, so wird nothwendig Feuer darzu erfordert. Der Engelländische Vitriol wird aus dem allerarmsten Pyrites bereitet; hingegen sind die Böhmischen, Hessischen, Ungarischen und andere Vitriole vielmehr Schwefelkiese zu nennen, und schon mehr vitriolartig; dahero mit mehrerem Rechte die Engelländischen Vitriolkiese Wasserpyrites genannt werden könnten. Diese Pyrites nun sind insgemein Steine einer Faust groß, und theils an Farbe weißgrau, und etwas dabey schimmernd; Sie haben auch weder das geringste metallische Wesen, noch auch ein Saltz, oder Vitriol, oder Schwefel bey sich; werden sie aber destilliret, so wird erstlich ein Schwefel hervorgebracht. Die Chymisten haben sich mit deren Untersuchung grosse Mühe gegeben, aber niemahls etwas Metallisches oder Vitriolisches daraus erhalten können. Die Lauge des Engelländischen Vitriols ist nicht zu Crystallen zu bringen, wo nicht vorhero Eisen hinein geworffen wird. Uebrigens ist dieser Vitriol unter den gekünstelten Eisenvitriolen der beste, aber doch nicht gantz rein, sondern führet dabey noch etwas Kupfer, so viel nehmlich, als das Eisen selbst bey sich hat. Der gemeine oder eisenhafte Kupfervitriol ist derjenige, so in den Apotheken am meisten verkauffet, verschrieben, und gebrauchet wird, und siehet gemeiniglich blaulichgrün aus; doch siehet auch wiederum einer nicht wie der andere aus, sondern sind an der Farbe sehr unterschieden, und theils mehr heller oder dunckler, theils mehr blauer oder grüner, wie man solches in mechanischen Arbeiten, Färbereyen und dergleichen zur Gnüge sehen kan. Weil er indessen an den mehrersten Oertern zu bekommen ist, so ist er auch der wohlfeileste und gebräuchlichste. Endlich gehöret zu den durch Kunst zugerichteten Vitriolen auch der weisse Vitriol, dahero, weil man sowohl von Natur keinen so reinen findet, als auch, weil noch zur Zeit kein Mensch dergleichen durch die Kunst hat nachmachen können, sondern aller weisser Vitriol, welcher anjetzo verkauffet und gebrauchet wird, wird aus einer vermischten Miner in Goslar und wie einige wollen, auch in Ungarn erhalten. Diese Miner, woraus der weisse Vitriol hervorgebracht wird, hält noch verschiedene Metalle, als Bley, Kupfer, Silber, Gold und Zink; bey weiterer Bearbeitung aber auch Schwefel, Galmey, Vitriol, und eine Ochererde in sich. Auf dem Rammelsberge wird diese Miner nur rammelsbergisches Bleyertz genennet, weil sie am mehresten davon hält: Diese Bleyminer wird erstlich geröstet, denn mit Wasser ausgelauget, die Lauge etwas stehen gelassen, damit sich alles Unreine setzen möge; denn wird es Neigungsweise abgegossen, in bleyernen Pfannen etwas eingotten, hernach wieder etwas stehen gelassen, und endlich crystallisiret. Die Crystallen werden wieder aufs neue etwas calciniret, und aufgelöset; die Lauge lässet man wieder etwas stehen, denn giesset man das Klare Neigungsweise ab, verrauchet es, und giesset es, wenn es dicke genug, in grosse drey-eckigte Formen; endlich wird es getrocknet, und so verschicket. Und hat man hiervon Stücke, welche drey Achtel Centner wiegen. In Goslar wird der Vitriol nicht alle Jahre, sondern kaum in sieben bis acht Jahren nur einmahl gemacht. Nun kommen wir zu den durch Kunst zugerichteten Vitriolen, worunter denn der erste der cyprische Vitriol ist. Die Natur liefert zwar auch Kupfervitriole; allein sie sind doch nicht rein, sondern, wenn sie ja am mehresten vom Kupfer halten, so findet sich doch noch immer etwas von einem andern Metalle, am mehresten aber vom Eisen dabey mit eingemischet; dahero man zwar wohl aus dem aufgelöseten Kupfervitriole das an der Vitriolsäuere anhängende Kupfer durch Einwerfen des Eisens befreyen, und dagegen einen reinen Eisenvitriol erlangen kan; Welches aber nicht umgekehrt, oder wenn in aufgelöseten Eisenvitriol Kupfer geworfen wird, angehen will, daß man auch hierdurch einen reinen Kupfervitriol überkäme. Denn die Vereinigung dieser Säuere ist mit dem Eisen genauer, als mit dem Kupfer, dahero dieses eher mit jenem, als jenes mit diesem niedergeschlagen werden kan. Bedencklich ist es, daß dieser Vitriol von wenig Leuten, und an wenig Orten gemacht wird, vielleicht aus der Ursache, weil er so wenig abgehet. Dieser Cyprische Vitriol wird nun durch die Cementation bereitet, da entweder Kupfer oder Kupferstückchen, oder Kupferbleche mit Schwefel schichtweise geleget, und also cementiret werden, oder man macht ihn auch durch die Cementation mit Schwefelkiesen und Kupfer: Ueberhaupt ist der Cyprische Vitriol ein Saltz, welches aus Schwefelsäuere und Kupfer bestehet, und durch die Cementation oder Brennung bereitet wird; Die gemeinen Vitriole werden sonst im Handel nach denen Städten, wo solche Vitriole gemacht werden, genennet, als da hat man Ungarischen, Böhmischen, Schlesischen, Schwedischen, Spanischen, Engelländischen, Siebenbürgischen, Dänischen, Saltzburgischen, Goslarischen, Altsattlerischen, Sächsischen, Hirschbergischen und andere Vitriole. Diese Vitriole aber bestehen mehrentheils aus Kupfer und Eisen, und sind theils mehr eisenhaftkupfericht, theils mehr kupferichteisenhaft, die wenigsten aber pur eisenhaft, dahero sie auch von einigen Zwittervitriole, Vitriola hermaphroditica genennet werden. Und ob es gleich von dergleichen so vielerley Arten giebet, z. E. grüne, viridia, himmelbläuliche, coerulescentia, grünhimmelblaue, viridicoerulea, himmelsblau-grüne, coeruleoviridia, weisse, alba, himmelblaue, coerulea, und andere Vitriole, so kommen sie doch alle darinnen überein, daß sie gemischte Vitriole, Vitriola mixta, seyn, welche aus Kupfer und Eisen zugleich bestehen, weshalben wir auch alle Weitläuftigkeit, der Nahmen wegen, übergehen, und sie insgesammt unter die Sorte der gemeinen Vitriole zählen. Wenn also gemeiner Vitriol in Büchern, oder in der Rede vorkommt, so verstehet sich allezeit ein gemischter oder eisenhaftkupfrichter Vitriol darunter, es sey denn, daß es besser ausgedruckt, und noch ein Beynahme, als gemeiner Eisen-Kupfer, oder weisser Vitriol angefüget stunde. Im Handel ist der Cyprische Vitriol am theuresten, denn kommt der weisse Vitriol, und endlich der gemeine; wiewohl auch einige Sorten davon, als der Saltzburgische und Ungarische Vitriol, welche doch auch nichts anders, als gemischte Vitriole sind, theuer gnung zu stehen kommen, indem man den Centner vom Goslarischen Vitriole für zwey bis drey, von Saltzburgischen für funfzehen, und vom Ungarischen gar für vier und zwanzig Reichsthaler an manchen Orten bezahlen muß; allein, daß macht die Fracht, Accise, Zoll und andere Unkosten. Die Liebhaber der Alchymie geben wohl noch ein mehreres von dem Ungarischen Vitriole an, indem sie nicht allein rohes Gold, welches doch auch zuweilen sich dabey findet, sondern auch gar die Seele oder den Samen des Goldes, oder das Luftgold daraus ziehen, ja den stoffenen Rock des Königes, und noch über dem das Hermetische Vögelgen, nebst den schwartzen Raben darinnen fangen wollen, und was dergleichen Einbildungen mehr sind. Besehen wir nun, was der Vitriol sey, und woraus er bestehe, so saget Boerhaven, der Vitriol sey ein Halbmetall; Allein die Halbmetalle, z. E. Spießglas, Wismuth, Zinck und dergleichen werden sich in keinem Wasser auflösen, noch dergleichen Verhältnisse gegen die Metalle und Saltze bezeigen, als wie der Vitriol thut, folglich kan man ihn damit gar nicht vergleichen. Ein anderer saget, der Vitriol sey ein Saltz seiner Art, ein Saltz seiner Natur, ein eigenthümliches Saltz: Das aber heisset gar nichts, indem aus dieser Beschreibung niemand klug werden kan. Andere sagen, der Vitriol sey weder ein Saltz, noch Metall, sondern ein Ding mittler Natur; Allein, daß er weder ein vollkommenes, noch unvollkommenes Metall sey, ist gewiß, weil er die Eigenschafften eines Metalles nicht besitzet; daß er aber auch kein Saltz seyn soll, ist falsch, indem sowohl die crystallinische Gestalt, als auch dessen Geschmack und Auflößlichkeit in Wasser es gnungsam bezeuget, daß er ein Saltz sey: Wenn man aber sagte, er sey kein reines Saltz, so liesse sich darwieder nichts einwenden. Rothe erkennet ihn zwar für ein Saltz, betittelt solches aber ein gesaltzenes oder Mittelsaltz: Allein, ob er wohl ein Saltz mittler Natur ist, so kan man ihn doch nicht schlechterdings für ein Mittelsaltz erkennen, und mit den wahren aus Säure, und Alkali zusammengesetzten Mittelsaltzen vermengen: denn zu einem rechten Mittelsaltze wird eine Säuere, und ein alkalisches Saltz, oder eine alkalische Erde erfordert, hernach darf sich ein rechtes Mittelsaltz durch Alkalien nicht niederschlagen lassen, wie doch der aufgelösete Vitriol thut; und endlich muß zum rechten Mittelsaltze nichts metallisches kommen, wie doch würcklich bey dem Vitriole ist. Schröder saget, der Vitriol ist ein mineralisches Saltz, welches den Metallen und besonders dem Kupfer am nähesten kommt: Daß der Vitriol ein mineralisches Saltz sey, ist gewiß, daß er aber ein Saltz und Metall zugleich seyn soll, ist nicht möglich, Er ist zwar eine Auflösung der Metallen, aber kein Metall selbststen, sonst wäre er auch nicht crystallinisch. Ein anderer saget, der Vitriol wäre ein pures saueres Saltz: Allein, so müßte er den Veilgensyrup roth färben, welches aber nicht erfolget. Dahero es besser ist, wenn er saget: er sey ein saueres mit Metall gesättigtes Saltz, da die Säuere durch das Metall gebrochen, und in ein gleichsam mitteles Saltz verkehret wird; dahero er denn auch die blaue Farbe des Beilgensyrups nicht leicht verändert. Andere hingegen sagen: der crystallinische Vitriol wäre keine Säuere, hätte auch keine Säuere in sich, sondern es würde dieselbige erstlich vermittelst der Destillation durch das Feuer, von dem Feuer, oder in dem Feuer erzeuget: Allein es kan ja die Säuere in dem Vitriole aus den Niederschlagungen und Sättigungen gnungsam erwiesen werden; ingleichen durch die Zusammenvergleichung aus der Vermischung der Vitriolsäuere mit Eisen oder Kupfer, als womit man allezeit in einem Augenblicke eben dergleichen crystallinisches Vitriol zusammensetzen kan: denn wäre die Säuere nicht das Hauptwesen im Vitriol, so müßte man ja aus Kupfer und Eisen mit Wasser einen Vitriol auskochen können, so aber nicht angehet. Mercat giebt dem Vitriol gar für einen herben und scharfen Saft aus: Allein im mineralischen Reiche findet das Wort Saft gar nicht statt. Zwelfer saget: der Vitriol bestehe aus den dreyen Principien der Alten, nehmlich aus Saltz, Quecksilber und Schwefel, und will er es daher beweisen, weil der Vitriol mehrentheils aus einem Metalle bestehe, die Metalle aber aus den dreyen Principien bestünden: Allein, wenn diese Stücke allein den Vitriol ausmachten, so müßte man solche auch abgeschieden daraus darstellen können, so aber niemand bewerkstelligen wird. Libav, Quercetan, Hartmann, Lemery und andere behaupten, daß der Vitriol mehrentheils aus Schwefel bestunde, und doch zeiget keiner wie er davon abzuscheiden sey. Wäre ein rechter Schwefel darinnen, so müßte er auch durch die Herausbringung und Scheidung davon dargestellt werden können: Allein, ob man gleich daraus einen Schwefel erkünsteln kan, und auch die Vitriolsäuere der größte Bestandtheil des Schwefels ist, so kan man doch nicht sagen, daß dasjenige schon ein würcklicher Schwefel sey, was nur einen einseitigen Theil von demselben ausmachet: Denn ein anderes ist nur ein Theil, ein anderes der gantze Schwefel. Hermann saget, alle Gattungen des Vitriols bestünden aus vieler, so wohl flüchtiger, als fixer Vitriolsäuere, und ein wenig Alkali: Allein was man für heißet, das ist nicht flüchtig, und ein Alkali kan keiner darinnen erweisen. Vom Alkali in der Mutterlauge hat Geoffroi in Paris Meldung gethan, daß, wenn der Vitriol öfters crystallisiret, und wieder recrystallisiret wurde, sich durch die Wärme ein Alkali erzeugete, so aber noch erstlich zu erweisen ist. Kircher hat den Vitriol noch am besten beschrieben, indem er saget, der Vitriol sey ein metallisches Saltz, und bestehe aus der Vitriol- oder Schwefelsäuere, aus vielem Wasser, und aus einem Metalle. Der Vitriol ist demnach ein Saltz, welches die salsichten Crystallen, und die Flüssigkeit und Auflöslichkeit im Wasser bezeugen; er ist aber auch ein metallisches Saltz, welches die Farbe, der metallische Geschmack, und die Niederschlagung beweisen; und endlich ein saueres Saltz, welches die Schärfe des Geschmacks, und die Aufwallung mit Alkalischen Saltzen bezeuget. Die brechende Würckung des Vitriols kommt von dem mit eingemischten Kupfer her. Der Vitriol ist also ein metallisches, oder aus einem Metalle hervorgebrachtes Saltz, das ist, ein solches Saltz, welches vermittelst der Vitriolsäuere aus einem Metalle hervorgebracht und ausgezogen worden. Kurtz! der Vitriol ist ein solches Saltz, worinnen ein gantzes Metall durch die Auflösung und Zusammensetzung in vitriolische Crystallen verwandelt worden. Mit einem Worte: Er ist ein metallisches Saltz. Doch sind diese metallische Saltze besonders, und unterscheiden sich sehr von andern mit andern Säuren gemachten metallischen Saltzen: denn wir haben sonst noch mehrere metallische Saltze, welche aber schon mehr durch die Kunst bereitet sind, z. E. den Bley- und Zinnzucker, das sublimirte und roth-präcipitirte Quecksilber, die Silber- und Quecksilbercrystallen, das Wismuth-Grünspansaltz und andere. Diese aber können keine Vitriole heissen, sondern dasjenige, was also genennet wird, muß auf Seiten der Säuere aus der Vitriol- oder Schwefelsäuere bestehen: Was also keine solche Säuere zum Grunde hat, das kan auch nicht Vitriol, sondern Crystallen genennet werden. Wenn in den Büchern einer Schwefel-Vitriol, oder Alaunsäuere gedacht wird, so sind solche drey Benennungen, oder die Säuere in diesen dreyen Stücken in Hauptwesen einerley. Nachdem man aber befunden, daß in der Alaune zugleich auch etwas von der Saltzsäuere mit eingemischet ist, so pfleget man den Vitriolgeist aus Alaune nicht so gerne, als den aus Vitriol oder Schwefel erhaltenen Geist zu gebrauchen. Wenn also im Reden oder Schreiben der Vitriol, oder Schwefelsäuere, gedacht wird, so wird allezeit eine reine Vitriolsäuere darunter verstanden, wie z. E. im mineralischen Turbith und dem crystallisirten Vitriolweinsteine ist. Dieweil diese Säuere aber in den Vitriolen nicht rein ist, sondern allezeit noch viel Wasser bey sich hat, so ist daher das Wasser auch, als ein Bestandtheil des Vitriols mit anzusehen, und bestehen derowegen die Vitriole gemeiniglich überhaupt aus dreyen Hauptstücken, als aus dem saueren Schwefel- oder Vitriolsaltze, aus einer oder der andern metallischen Materie, und aus ziemlich vielen Wasser. Insbesondere bestehet ein reiner Eisenvitriol, aus sehr vielem Wasser, aus der Vitriolsäuere, so aber hierinnen weniger, als im Kupfervitriole ist, und aus keinem reinen Eisen, sondern nur aus einer von Natur reinen Eisenerden. Ein Kupfervitriol bestehet aus wenigerem Wasser, als im Eisenvitriole; hingegen aus mehrerer Vitriol- oder Schwefelsäuere, als im Eisenvitriole, und zwar aus keinem reinen Kupfer, doch aber aus einer solchen metallischen Erde, welche durch Zukunfft eines Brennbaren im Feuer zum reinen Kupfer wird. Ein vermischter eisenhaffter Kupfervitriol bestehet aus Wasser, aus Eisen und Kupfer, oder vielmehr aus diesen beyden metallischen Erden zugleich; Doch bestehet solcher eher aus einem reinen Kupfer, als reinem Eisen, und eher aus einer Eisen- als Kupfer-Erde, und nachdem auch der vermischte Vitriol mehr vom Kupffer oder Eisen führet, nachdem hat er auch mehr oder weniger Säuere oder Wasser. Mit dem weissen Vitriole aber hat es eine gantz andere Beschaffenheit, und erfordert, den Gehalt der Ingrediensen desselben genau zu beschreiben, mehr Mühe, als mit den vorhergehenden: Denn, weil der weisse Vitriol aus einer vermischten Miner erhalten wird, worinnen die Natur mehr als zehnerley Sachen in einen Klumpen gemischet hat, so sind auch darunter einige Stücke, welche so sehr damit vereiniget, und so genau verbunden sind, daß man sie daraus nicht scheiden, sondern nur einiger massen muthmassen kan; dahero man denn auch die Bestandtheile dieses Vitriols so genau und nach ihren kleinesten eingemischten wenigen Theilen nicht sagen, und deshalben auch keinen dergleichen Vitriol durch die Kunst nachmachen kan, sondern was man davon weiß, solches muß man den größten Theilen nach nur davon urtheilen: Und so wenig, als man alle Stücke, wenn z. E. zehnerley Essenzen oder Extracte, oder vielerley Kräuter unter einem Pulver, oder vielerley Stücke unter einer galenischen Lattwerge gemischet wären, wissen, und ein jedes Stück davon wieder ausklauben, und sagen kan, woraus es bestunde, und was alle diese Stücke wären, eben so wenig kan man auch des weissen Vitriols Bestand-Theile genau wissen, und anzeigen, weil er ebenfalls aus einer solchen starck vermischten Miner erhalten wird. Alles, was von der Vermischung des weissen Vitriols in Büchern stehet, ist weder zuverlässig noch hinlänglich. Lächerlich ist es, wenn einige sagen, daß der weisse Vitriol viel Schwefel bey sich habe; ingleichen, daß er von grünem Vitriole herkomme, und daß er seinen Ursprung einer gelinden, und mehrern Wärme zu dancken habe. Hartmann saget, der weisse Vitriol sey ein weisses Saltz: Allein, das ist eben so viel, als wenn man saget, ein Käse ist eine käsichte Substanz, oder als Käse zurechte gebracht worden; ferner spricht er, dieses weisse Saltz sey aus der Lauge der Vitriol-Erde gesotten, welches aber gar nicht bewiesen werden kan; hernach sey es eines sauern, säuerlichen und anhaltenden Geschmacks: Das bezeichnet aber nichts eigenthümliches vom Vitriole, sondern dieser Punct gehet alle Vitriole an. Geoffroi saget, in dem weissen Vitriole sey diejenige Säuere befindlich, welche auch im Gallmey zugegen sey, nur daß sie mit einer Zinn- und Bley-Erde gesättiget wäre: Allein Zinn ist gar was unrechtes, indem man im Rammelsberge keine Spur vom Zinne findet; hingegen vergisset er das kupferichte Ingrediens gar. Einigemeynen, es würde das Rammelsbergische Jöckelguth mit Urine oder Seifensieder-Lauge gesotten, und daraus ein weisser Vitriol erhalten: Allein es ist falsch, und mag man sich dieser Vermischung wegen noch so viel Mühe geben, so wird man doch keinen recht vollkommenen, sondern nur einen einigermassen ähnlichen weissen Vitriol erhalten. Man hat vom Engelländischen, Goslarischen und Cyprischen Vitriole, von jedem eine Unze, in Wasser zerlassen, und allezeit ein Quentgen vom Gallmey, Zinck, Alaune, Bley, Bleyzucker, Borax, ungelöschten Kalck, Urin und dergleichen drein geworffen, aber niemahls einen ordentlich weissen Vitriol erhalten, sondern das, was man noch bekommen hat, ist ein Zinckvitriol gewesen. Der weisse Vitriol ist ein zusammengesetzter Vitriol, da die Vitriolsäuere wenigstens mit viererley Metallen, und etwas erdigten Wesen, welches die Alaune ausmachet, gesättiget worden; dahero bestehet der weisse Vitriol aus der Vitriol- oder Schwefelsäuere, aus Eisen, Kupffer, Zinck, Bley, Wasser und einer subtilen alaunichten Erde. Die Vitriolsäuere zeiget sich, weil sich der aufgelöste weisse Vitriol gar leicht mit einem fixen Alkali niederschlagen, und daraus ein Vitriolweinstein hervorbringen lässet. Das Eisen wird man gewahr, aus der Auflösung des weissen Vitriols, da sich im Stillestehen und Digeriren immer etwas von einer gelben Erde abscheidet, und, wenn diese Erde getrocknet wird, ziehet solche der Magnet. Das Kupffer zeiget sich: Erstlich, wenn der weisse Vitriol naß gemacht, und auf ein rein polirtes Messer gestrichen wird, da er solches verkupfert; hernach, wenn weisser Vitriol in Wasser aufgelöset, und mit Zinck niedergeschlagen wird, da denn etwas Metallisches zu Boden fället, welches mit Wasser abgefüsset, durch die Digestion mit Salmiacgeiste eine blaue Tinctur giebet; und endlich aus des weissen Vitriols eckelhafften Geschmacke. Das zinckigte Wesen erhellet daher: Weil man mit vielen Todtenköpffen des weissen Vitriols etwas Gelbliches oder Meßinghafftes machen kan; ferner aus seinem Nutzen in Augen-Entzündung, da er eben das verrichtet, was die Zinckblumen und Gallmey thun. Das bleiychte Ingrediens erhellet daher: Weil der weisse Vitriol von einem Bleyerze seine Abkunfft hat, da es denn so genau nicht abgehen kan, daß die Säuere nicht auch etwas davon bey dessen Ausscheidung oder Rösten erhaschen, und mit daran kleben solte; weil er süßlicht schmecket; und weil er in Augen-Beschwerungen kühlet. Die erdigten Theile, so zur Bestimmung eines Saltzes erfordert werden, kan man nach der Reduction und Aussüssung darstellen. Der Gebrauch des weissen Vitriols ist: innerlich als ein Brech-Mittel, so wohl für sich, als auch nach vorhergegangener Auflösung und Crystallisirung unter dem Nahmen Gilla Theophrasti, äusserlich als eine Augen- und Niesearkney: besonders brauchen ihn die Pferde-Schmiede und Vernißmacher. Im Brandenburgischen Dispensator kommt er zum Palm- und zu Crollens Stich-Pflaster. Der Cyprische Vitriol bestehet aus der Vitriolsäuere, aus einem guten Theile Wasser, und aus Kupffer. Eine Unze Kupffer-Vitriol hält in sich ein Quentgen Kupffer, ein Quentgen und sechs und zwantzig Gran Säuere, und sechstehalb Quentaen sechs Gran Wasser. Innerlich ist dieser Vitriol nicht anzurathen, indem er im menschlichen Cörper so starck würcket, als die arsenicalischen Arzneyen: Besonders ist den Fieber-Mitteln, so mit diesem Vitriole oder Arsenicalien gemacht sind, gar nicht zu trauen. Nach dem Brandenburgischen Dispensator kommt der Cyprische Vitriol zum sympathetischen Pulver und zu Crollens Arzneyischen Steine. Alle Arten des Cyprischen Vitriols, sie seyn eisenartig, kupfricht oder vermischt, können einer so gut, wie der andere, zum Niederschlagen und Destilliren, und zu allen Apotheckerpräparaten, worzu nur die Vitriolsäuere kommt, gebrauchet werden. Der Engelländische Vitriol bestehet größten Theils aus Wasser, aus schweflichter Vitriolsäuere, aus einem eisenschüssigen und aus etwas alaunigtem Wesen. Man findet zuweilen auch etwas gemeines Saltz dabey, welches aber doch nicht in dem crystallinischen Vitriole, sondern in dessen uncrystallisirlichen Magma oder Ueberbleibsel ist, wovon wir denn bey Gelegenheit des Magma ein mehreres sagen werden. Ein Pfund Engelländischer Vitriol hält, ein halb Pfund Wasser, anderthalbe Unze reine Säuere und sechs Unzen Eisen-Materie in sich. Von hundert Pfunden Engelländischen Vitriol, der bis zur Gelbe calciniret worden, erhält man, da doch schon eine ziemliche Menge Wasser durch die Calcination weggejaget, doch noch funf und vierzig Pfund Wasser, und dreyzehen Pfund concentrirtes Vitriolöl. Der Goslarische Vitriol ist größten Theils ein Eisenvitriol, wobey er doch noch mit etwas Kupffer vermenget, daher er auch das Eisen verkupffert, und der wäßrige Salmiacgeist eine blaue Farbe daraus ziehet. Ein Pfund Goslarisches Vitriol hält in sich: sieben Unzen Wasser, drey Unzen Säuere, fünf Unzen, sieben Quentgen und zwey Scrupel Eisen, und zwey Quentgen Kupffer. Wie viel Säuere in einem Pfunde Vitriol stecke, kan man erfahren, wenn man eine gewisse Menge Vitriol abwieget, solche anmercket, denn diesen Vitriol in gnung Wasser zerlässet; hernach eine gewisse Menge von einem reinen fixen alkalischen Saltze nimmt, es in einer gewissen Menge Wasser auflöset, und von beyden das Gewichte aufschreibet; ferner das aufgelöste Alkali in den zerlassenen Vitriol giesset, bis sich nichts mehr niederschläget; weiter das im Wasser aufgelöste noch rückständige Alkali wieget, und es von dem andern abrechnet; hierauf das Niedergeschlagene aussüsset, durchseiget, verdicket und wieget, so wird man finden, wie viel das Alkali zugenommen, welcher Zuwachs denn die Vitriolsäuere ist. Der Eisenvitriol verlässet das Wasser gerne, dagegen es bey dem Kupffervitriole schon mehr Gewalt erfordert, und ist es gewiß innerlich, daß, da doch der Eisenvitriol aus der Heffte Wasser bestehet, solches doch der Vitriol in trockener crystallinischer Gestalt erhält. Aus dem Todenkopffe kan man leicht schliessen, was für einen Vitriol man zur Destillation gebrauchet habe: Denn der Todenkopff aus dem Eisenvitriole, ist viel röther, als der aus dem Kupffervitriole, so schon mehr ins Braune fällt. Es giebet sonst kein mineralisches Saltz oder crystallinische Substanz, welche so viel Wasser in ihrem gantzen Gewichte hätte, als der Eisenvitriol. Die Eigenschafft des Eisenvitriols ist, daß er mit zusammenziehenden Erdgewächsen versetzet, eine Schwärtze verursachet, dahero man ihn auch zu der gemeinen Dinte gebrauchet: Denn wenn man ein Galläpfel-Decoct mit zerlassenen Eisenvitriole vermischet, so wird eine Halbniederschlagung zuwege gebracht; damit es sich aber nicht gäntzlich niederschlage, so mischet man noch Arabisches Gummi darunter, welches denn auch zugleich eine mehrere Schwärtze mit verursachet, wiewohl es eigentlich keine Schwärtze, sondern eine Blaue damit vorstellet, wie man noch besser mit einer aufgelösten Eisenminer, und einem zusammenziehenden Decocte wahrnehmen kan, als welche mit demselben eine gesättigte blaue Farbe macht, so man die Dantziger Frankbrannteweins-Probe nennet. Die Blaue aber kommt ebenfalls nur von einem zusammenziehenden vegetabilischen Wesen her: Denn wenn der Frankbranntewein lange auf eichenen Fässern gelegen, so ziehet er etwas davon aus, daher er auch gelb, und von dieser aufgelösten Eisenminer blau wird; nimmt man aber einen andern gut rectificirten Branntewein, der nicht in solchen Fässern gelegen, und giesset dazu etwas von dieser Auflösung, so wird er wohl unverändert bleiben: Wo man aber nur einige Tropffen von einem starcken Infus eines zusammenziehenden Erdgewächses in eine ziemliche Menge eines reinen Brannteweins giesset, und dann einige Tropffen von der aufgelösten Eisenminer drein tröpfelt, so wird es auch gleich so blau werden, als mit dem Frankbrannteweine, folglich rühret die Blaue bloß von einem zusammenziehenden Erdgewächse her, und erhellet auch daraus, daß die gemeine Dinte nicht schwarz, sondern violetblau sey, und nur das Gummi solche Farbe in etwas verdunckle, daß sie so schwarz scheinet. Doch kan man diese Halbniederschlagung der Dinte leichtlich durch Zugiessung einer Vitriolsäuere wieder aufheben, da sie denn auch nicht mehr schwarz, sondern gank helle und klar aussiehet. Die Färber brauchen den Vitriol gleichfalls zum Färben, doch nehmen sie lieber einen vermischten, als reinen Eisenvitriol dazu, wiewohl das kupferichte Wesen zu der Schwärtze selbst nichts beyträget, sondern nur besser einfrisset. Auch sollen die Tabacksspinner, und Canaster-Tabacksmacher ihre Künsteleyen mit dem Eyenvitriole haben. Die Chymischen Arbeiten mit dem Vitriole sind verschieden, und theilet Schröder solche in siebnerley Arten ein, als: 1) In die Reinigung, 2) Calcination, 3) Niederschlagung, 4) Sublimation, 5) Destillation, 6) Ausziehung, und 7) in die Saltzmachung des Vitriols; allein, die Saltzmachung und Ausziehung findet hier nicht statt: Denn weil der Vitriol schon an sich ein Saltz ist, so machet man ja nicht erstlich eines daraus, und so kan man auch nichts daraus ziehen, sondern er bleibet allezeit ein vollkommener Vitriol. So ist auch hier die Sublimation keine eigentliche Arbeit des Vitriols, indem sich der Vitriol als Vitriol nicht sublimiren lässet, sondern nur, wenn er dazu angewendet, als ein Hülfsmittel würcket, dahero denn an Schröders Eintheilung nicht viel ist. Da nun auch in dem Wasser und in der metallischen Erde des Vitriols nichts besonders ist, sondern nur die Säure dieses Saltzes vor allen Dingen in der Welt sich hervorgethan hat, so ist dahero auch die gröste Absicht auf das sauere Saltz zu machen. Ehe wir aber zu der reinen Säuere schreiten, so wollen wir zuvor noch etwas von dem rohen Vitriole erwehnen, allwo der Arbeiter entweder Geist noch Oel erhält; oder wo die Säuere nicht an andere Dinge gehet, sondern beybehalten wird; oder da sich die Saltzsäuere zwar abscheidet, doch sich so gleich wieder mit etwas andern vermischet, und anhänget: Zu dergleichen Arbeiten mit dem rohen Vitriole gehöret nach der ersten Classe die unschuldigste Arbeit des Vitriols, nehmlich die Reinigung, dabey aber gehen dreyerley Sachen vor, als eine Auflösung, eine niederschlagende Scheidung, und eine Widercrystallisirung. Solche Reinigung geschicht nun entweder mit oder ohne Zusatz vom Wasser. Ohne Zusatz geschicht es wieder auf dreyerley Weise, als 1) durch die Digestion, wenn man eine Parthey rohen Vitriol in einen Kolben schüttet, ihn damit bis zur Hälffte anfüllet, und in gelinde Wärme setzet, so zergehet durch die Wärme der Vitriol in seinem eigenen Wasser, welchen man alsdenn heraus nimmt, durchseiget, die Lauge wieder etwas abdampffen und anschiessen lässet. Viele sind mit der einmahligen Reinigung nicht zufrieden, sondern wiederholen die Auflösung drey bis viermahl; Andere verdicken nur den Vitriol bis zur Trockene, zerlassen ihn wieder mit wenigem Wasser und crystallisiren ihn endlich. 2) Durch die Vegetation oder das Aufwachsen, da man den Vitriol in etwas wenigem Wasser zerlässet, in ein ziemlich weites Glas schüttet, und an einem gelinden warmen Orte stehen lässet, so erhebet sich nach und nach der Vitriol an den Seiten des Glases in die Höhe und lässet zugleich einen ziemlichen Theil von der metallischen Erde fallen; Oder 3) durch die freywillige Zerpülverung, da man rohen Vitriol an einen laulichten Ort, oder an die Sonne leget, wovon er denn nach und nach calciniret, und in ein weisses Pulver verwandelt wird. Die andere Art der Reinigung geschicht mit Zusatz vom Wasser, und zwar mit gemeinem oder destillirtem Wasser; mit Thau- Schnee- und Regen-Wasser; oder, nebst dem Wasser, mit Eyweiß, Hausblase; oder sie lassen den Vitriol an der Lufft zerfallen, destilliren davon das Phlegma, zerlassen damit wieder den in der Retorte zurückgebliebenen Vitriol, und wiedercrystallisiren ihn; oder sie zerlassen den Vitriol in Wasser, giessen Branntewein, Branntewein-frühlig, oder destillirten Eßig oder zweyerley zugleich hinein, und reinigen also den Vitriol. Dasbey ist aber zu mercken: Daß allemahl bey einer jeden angestellten Auflösung sich etwas von der Ochererde ausscheide; daß bey einer jeden Auflösung etwas von dem zartesten Geiste verfluge; daß allezeit auf die Letzte etwas Schmierichtes zurücke bleibe welches sich gar nicht mehr crystallisiren will; daß, je öffterer es immer wieder vom neuen crystallisiret wird, je mehr von der Ochererde und dem schmierichten Wesen zurücke bleibet; je weniger metallisches bey dem Vitriole zurücke bleibet, desto weisser wird er; und durch öftern Zusatz des Brannteweins bey den Auflösungen, erhält man ein wenig gefärbtes Saltz; je offterer der Vitriol mit rohen Eßigen bearbeitet wird, desto mehr begiebet sich dabey etwas von Weinsteinoele hinein; dahero man denn in der Destillation ein röthliches oder rothes Oel erhält; ein offt aufgelöster und gereinigter Vitriol lässet viel eher seine Säuere fahren, als ein ordentlicher; wenn man die selbst eigene Zerfallung des Vitriols in Pulver anstellen will, so muß es nicht in gewaltiger Hitze, sondern auf einem warmen Ofen geschehen, damit nur der gröste Theil des Wassers weggehe, welches nicht nur die Wiedercrystallisirung und das schmierige Magma, sondern auch die Destillation, zeiget; aus zerlassenem Eisenvitriole fället die metallische Erde viel eher nieder, als bey einem gemischten, oder gar kupfrichten Vitriole; indem die metallische Erde bey dem Kupfervitriole viel stärker, als an dem Eisenvitriole hänget. Von dem Magma dienet noch zur Nachricht: Daß solch schmierigtes Wesen vom Vitriole nicht einerley Art sey, indem das, wo noch kein Eisen zugekommen, von einer gantz andern Art ist, als dasjenige, wovon schon würcklich einiges Eisen angewendet worden; daß dennoch nicht zu läugnen sey, als wenn auch keine Eisenerde darinnen wäre, ob schon diese Magmata kein vollkommenes Eisen bey sich haben; nebst dieser Eisenerde ist auch noch etwas Alaunigtes oder gemein Salsichtes, oder etwas von beyden zugleich darinnen enthalten; andere wollen auch gar etwas Quecksilberhaftes davon erhalten haben; daß aber Geoffroi ein fixes Alkali darinnen suchet, ist nicht zu erweisen, und wo ja etwas Alkalisches darinne gefunden seyn solte, so muß es von einer Küchensaltz-Erde, oder einem Wundersaltze herkommen, wiewohl doch niemahls in den Sauerbrunnen ein recht vollkommenes Wundersaltz, sondern allezeit nur eine alkalische Erde des Küchensaltzes gefunden wird. Kunckel saget, daß man aus dem Magma einen gantz andern Geist, als aus dem Vitriole selbst erhalte, wiewohl er den Unterscheid nicht dabey meldet. Wenn man denn nun wissen will, ob etwas von der Saltzsäuere, oder einem quecksilberhaften Wesen darinne enthalten sey, so kan man es aus dem äusserlichen Ansehen erfahren: Denn wenn man es bis zur Trockene abrauchen lässet und verdicket, und je weicher und mußhaffter es dabey wird, ein desto genaueres Kennzeichen ist es, daß eine Saltzsäuere darinnen sey, weil das in Saltzsäuere aufgelöste Eisen sich niemals trocken verdicken lässet: Weil aber diese Probe nicht allzusicher ist, und auch dem alkalischen Saltze zugeeignet werden könnte; so ist es besser, wenn man ein solch zerlassenes uncrystallisirliches Magma zu lebendigen Quecksilber, das mit Salpetergeist aufgelöset worden, giesset, so wird man aus der Farbe gleich sehen, ob etwas von der Saltzsäuere dabey sey: Wird die Niederschlagung weiß, so ist eine Saltzsäuere darinnen enthalten, welche mit dem Quecksilber ein weißes niedergeschlagenes Quecksilber gebildet hat; ist aber keine darinnen, so wird der Präcipitat gelblich, und ein mineralisches Turbith. Wenn aber der Präcipitat weiß worden, und der Gegner es doch nicht glauben will, daß eine Saltzsäuere darinnen sey, so darf man nur zu seiner mehrern Ueberzeugung dergleichen Präcipitat mit gepülverten Spießglase vermischen, in eine Retorte schütten, und mit offenem Feuer destilliren, so wird man gar bald die Spießglas-Butter, als einen aufgelösten Spießdas König in der Saltzsäuere gewahr werden. Auch kan es der Geschmack zeigen, wenn es gewaltig ätzend schmacket, als welches mit der Auflösung des Eisens in der Saltzsäuere übereinkommt. Damit man aber auch nicht meine, daß in einem solchen Magma lauter Saltzsäuere sey, so destillire man es nur, und lege denn in diesen Geist reines Eisen, so wird man gar bald einen Eisenvitriol erhalten. Diese oberwehnte Reinigungen des Vitriols sind nun in den Apotheken weder gebräuchlich, noch nöthig, sondern es ist eine einmahlige Reinigung und Crystallisirung zu einem gereinigten Vitriole schon hinlänglich gnung, und hat man nicht nöthig, diese Weitläufftigkeit zu gebrauchen. Die Präparate, wozu in den Apotheken der rohe Vitriol angewendet wird, sind: 1) Ludovicis weinsteinisirte Stahltinctur; 2) Die Stahltinctur mit dem Aepfelsafte und Malvasier-Weine; 3) Die Wurmsaamen-Essenz; 4) Der Theriak; 5) Die stopfenden Wasser und Säfte, und 6) Die Dinte, deren Zurichtung verschiedentlich ist: Einige giessen auf die Species Bier, andere Wein, andere beydes zugleich. Einige nehmen Zucker, andere Küchensaltz dazu, um solche des Winters vor dem Gefrieren zu bewahren. Etliche nehmen Wasser und Frantzwein zum Aufgusse, und auf die Letzte schmeissen sie etwas gestossene Würznäglein dazu, um solche vor dem Schimmel zu bewahren. Hartmann will, daß, wenn Vitriol im Munde gehalten, und darauf Taback gerauchet wurde, es erstlich sehr zusammenzöge; allein nachgehends, wenn mit dem Rauchen lange angehalten wurde, einen sehr annehmmlich süssen Geschmack von sich gäbe; allein, es kommt auf den Liebhaber an. Ferner wird der rohe Vitriol in seiner Vermischung für sich zum Salpeter- und Saltzgeiste, dem Eisenvitriole, dem sublimirten Quecksilber, zum arzneyischen Steine, zu Tachens Vitriolweinsteine, dem Doppelarcan, Wunder- und Englischen Laxirsaltze gebrauchet. Otto Tachen ist der erste gewesen, welcher den rohen Vitriol zu der Vermischung mit dem Alkali, oder zum Vitriolweinsteine gebrauchet, wiewohl solches zu seiner Zeit niemand annehmen wollen, indem sie immer dafür gehalten, als wenn in diesem Vitriolweinsteine, welcher mit rohen Vitriole gemacht worden, noch einige metallische Theile vorhanden wären, bis endlich Stahl und Hofmann solchen offentlich anrathen, zu verfertigen, und gewiesen haben, daß sich dabey nichts anders, als die sauern Theile mit dem Alkali sättigten, die metallischen Theile aber sich alle davon sonderten, und daraus niederschlügen. Der Vitriolweinstein nun hat vielerley Nahmen; auch werden viel andere vitriolische Mittelsaltze zwar mit einem andern Nahmen belegt, welche aber doch in der That nichts anders, als ein Vitriolweinstein sind, doch Unverstandes halber nicht dafür erkennet, dahero auch nicht also, sondern gantz anders genennet, und unter solchem mißbrauchlichen Nahmen noch beybehalten werden, als da ist der Vitriolweinstein selbst, das Doppelarcan, Glaubers Wundersaltz, das Polychrestsaltz, das geschwefelte alkalische Saltz, der Vitriolsalpeter u. s. w. Diese alle sind Sorten vom Vitriolweinsteine, und einer Vermischung der Vitriolsäuere mit dem fixen Alkali, nur ist bey einigen von diesen Saltzen das Alkali verschieden, indem bey einem ein rein fixalkalisches Saltz, bey dem andern eine alkalische Salpeterserde, bey dem dritten eine alkalische Küchensaltzerde befindlich ist, wiewohl solches doch in der Hauptsache nichts ausmachet, sondern sie erweisen alle einerley Nuzen. Die Vereinigung dieser Säuere bey diesen Mittelsaltzen ist sehr gemein, und ist sie nicht ohne sonderliche Handgriffe und Geschicklichkeit wieder davon loß zu machen, und obgleich ein gewisser gelehrter Mann diese Scheidung so leichte machet, und saget, daß man diese Säuere gar bald durch die Destillation wieder davon scheiden könne, so ist es doch so gar leichte nicht, und destillire einer wie er will, so wird er doch nicht die geringste Spur von einer übergehenden Säuere vermercken. Der Vitriolweinstein, Tartarus Vitriolatus, hat den Nahmen vom Weinsteinalkali und dem Vitriole, oder dessen Geiste, und hätte er besser vitriolisirtes Weinsteinsaltz, oder Vitriolweinsteinsaltz, Sal Tartari vitriolatum, genennet werden können, indem kein roher Weinstein selbst, sondern nur dessen Saltz dazu genommen wird. Von Rechtswegen solte er vitriolisirtalkalisches Saltz, Sal alkali vitriolisatum, heissen, und muß dasjenige Saltz, so eigentlich Vitriolweinstein genennet wird, hauptsächlich aus einem fixalkalischen Saltze und der reinen Vitriolsäure bestehen; dagegen niemahls bey den andern vitriolischen Mittelsaltzen, welche mit vegetabilischen oder mineralischen Alkalien verfertiget werden, ein reiner, vielmehr aber allezeit ein mit einer andern mineralischen Säuere oder Erde vermischter Vitriolweinstein zum Vorscheine kommt, und theils das Alkali, theils die Säuere solchen verunreiniger, wie mit mehrerem unten zu vernehmen seyn wird: Alle diese Arten vom Vitriolweinsteine haben nun zwar im medicinischen Gebrauche wenigen Unterscheid; mehr aber kan ein geschickter Chymist solche unterscheiden, und deren besondere Unterschiede in nachedencklichen Arbeiten zeigen. Es sind demnach zwar der Vitriolsalpeter, der Schwefelsalpeter, das Polychrestsaltz, das salpetrichte Vitriolsaltz, das ausgelaugte Saltz, die schwefelichten Kräutersaltze, Glaubers Wundersaltz und andere, alle Gattungen eines Vitriolweinsteines; allein sie sind doch darinnen wieder von einander unterschieden, daß einige reiner, als die andern sind. Ein reiner Vitriolweinstein kan so wohl durch den feuchten als trockenen Weg verfertiget werden. Ueberhaupt kan man nach den verschiedenen Manieren sagen, daß man den Vitriolweinstein zurichten könne: theils durch Mischen, theils durch Niederschlagen und Uebernehmen, theils durch Calciniren, theils durch Rauchen, und theils durch Anziehen. Davon siehe den Artickel: Saltze (Mittels-) im XXXIII Bande, p. 1506. u. ff. Nur wollen wir alhier noch etwas von der Manier, solchen hervorzubringen, anführen. Man zerlasse nur eine Parthey gemeine Potasche in warmen Wasser, desgleichen auch eine Menge gemeinen Vitriol in heißem Wasser, und nach völliger Auflösung beyder Saltze giesset man sie zusammen, sättiget sie zu einem Mittelsaltze, untersuchet den Sättigungspunct mit Veilgensyrup, ob solcher davon entweder roth, oder grün verändert werde: Bekömmt er nun eine von diesen besagten Farben, so hat entweder, wenn er roth wird, die Säuere, oder wenn er grün aussiehet, das Alkali die Oberhand, da man denn dasjenige zuegen muß, was daran noch fehlet. Hat man nun den Sättigungspunct erhalten, so giesset man doch noch zum Ueberfluß etwas von einer alkalischen Auflösung dazu, und crystallisiret es denn. Hier möchte einer sagen: der Arbeiter ist nicht recht klug: Erstlich befiehlet er, den Sättigungspunct mit dem Veilgensyrupe zu untersuchen, u. wenn dieser grün würde, ihm noch mit dem Vitriole zu helffen, und nachgehends räth er doch wieder an, noch mehr vom Alkali aufs neue zuzugiessen; Wir antworten darauf, daß dieser Einwurf statt finde, wenn dieses Mengsel, so wie es ist, zur Trockene verdicket würde, da man denn allerdings ein falsches Mittelsaltz dadurch erhielte: Allein, weil wir uns ausdrücklich dabey des Wortes von der Crystallisation bedienet, so haben wir mit gutem Bedacht und Willen erstlich den Sättigungspunct mit dem Veilgensyrupe zu untersuchen, u. denn auch die Zugieung einer noch mehreren alkalischen Auflösung angerathen, aus der Ursache, als: Wenn der metallischen Erde mehrere alkalische Theile zugesetzet werden, so ist man gewiß, daß das sauere Saltz alle metallische Theile, welche es vorhero in sich aufgelöst gehalten, gäntzlich verlasse, und heraus niederschlage; hingegen sich mit dem Alkali völlig sättige, und also das sauere Saltz mit dem Alkali eine Uebernehmung anstelle; und wenn ja noch etwas überflüßig alkalisches Saltz dabey wäre, so ist man ja doch vorhero schon versichert, daß sich kein Alkali mit crystallisire; Und gesetzt, es bliebe noch etwas Alkalisches an der Oberfläche der Crystallen hängen, so wird es ja durch das Abwaschen wieder davon geschieden; So zerschmelzet ja auch ein Vitriolweinstein so leichte nicht in kaltem Wasser, dahero durch etlichmahliges geschwindes Abwaschen denn alles alkalische Wesen davon befreyet wird; So zeiget es auch die Probe mit dem Veilgensyrupe, wenn er seine blaue Farbe behält, daß nichts mehr von alkalischen Theilen dabey geblieben, sondern der Vitriolweinstein völlig gesättiget sey; Die gelinde Ausdünstung ist darzu nöthig, damit die subtilen vitriolischen Theile beybehalten werden, weil sonst durch starckes Kochen und öfteres Aufgiessen des Wassers die Säuere mehrentheils in die Luft gejaget werden kan; So müssen wir auch, aus guter Ueberlegung, anrathen, nur die gemeine Potasche, an statt eines reinen Weinsteinsaltzes zu gebrauchen, indem letzteres sowohl weit theurer, als auch nicht so vortheilhaftig, als ersteres ist, dieweit in dem erstern schon ein würcklicher Vitriolweinstein enthalten, auch weit wohlfeiler ist; So darf sich auch niemand befürchten, daß der überflüßige Zusatz vom Alkali bey dem Vitriolweinsteine Ursache sey, daß dieses Mittelsaltz leicht etwas aus der Luft anziehen, und davon schmelzen könnte, weil wir die Crystallisirung und nicht die Verdickung des völligen Mengsels angerathen haben, wie denn auch niemahls ein recht gesättigter Vitriolweinstein von der Luft einige Feuchtigkeit annehmen wird. Unter allen reinen Saltzen ist der Vitriolweinstein noch das schwerste Saltz, wie wir denn z. E. von etlichen uns bewusten Saltzen eine gleiche Menge genommen, und jedes besonders gewogen haben, so hat gewogen: der Vitriolweinstein ein Quentgen funf Gran, das Steinsaltz ein Quentgen, der Borax zwey Scrupel zwey Gran, das süße Quecksilber drey Quentgen einen Scrupel, und das sublimirte Quecksilber drey Quentgen sechs Gran. Auch ist es bedencklich, daß bey dieser Vermischung die metallischen Theile sehr verändert werden, indem man daraus kein sichtbares Metall wieder reduciret darstellen kan, wenn man auch gleich dazu einen reinen Eisen-Vitriol, welcher aus dem Vitriolgeiste, und einem reinen vollkommenen Eisen bereitet wäre, anwendete, so würde man doch ein gleiches auch an diesem wahrnehmen, und kein vollkommenes Metall wieder erlangen: denn in währender Würckung und Gegenwürckung beyder Saltze bekommen auch die metallischen Theile von diesen beyden Saltzen etwas ab, welche sich alsdenn so genau damit vereinigen, und daran anhängen, daß man kein vollkommenes Metall daraus wieder abscheiden und erlangen kan. Diejenigen, welche diesem ausgezehrten eisenerdigten Safrane (croco terreo martiali) den Nahmen schmertzstillender Vitriolschwefel, Sulphur Vitrioli narcoticum, beygelegt, haben nicht recht gethan, indem ja niemahls Schwefel darzu gekommen, und obwohl die beyden Bestandtheile des Schwefels, nehmlich das Brennbare in dem Eisen, und die Vitriolsäuere in dem Vitriole selbsten zugegen sind, so hat doch solcher Schwefel, welcher bey der Vermischung der Vitriolsäuere mit dem Eisen entstanden, sich dazumahl schon wieder davon ausgeschieden, so, daß er dahero hier nicht erstlich wieder gescheidet werden darf. Und wenn ja auch ein Schwefel darinne enthalten wäre, so müßte man solchen lieber einen Eisen- als Vitriol-Schwefel benennen, indem ja ohnedem bekannt gnung ist, daß kein Schwefel ohne die Vitriolsäuere entstehen, oder zu Stande gebracht werden könne: Allein das gantze Wesen bestehet in der Einbildung, und ist nicht darauf zu sehen. Wäre ein würcklicher Schwefel darinne, so müßte man auch einen daraus scheiden können, und wie soll dieser schmertzstillende Schwefel denn aussehen? grün, weiß, blau oder schwarz? Die Anstreicher oder Mahler wissen sich dieser Eisenerde, oder des so genannten schmertzstillenden Vitriolschwefels besser zum Anschmieren zu bedienen. Durch Räuchern erhält man einen Vitriolschwefel, wenn man Läppchens mit einem aufgelöseten Alkali anfeuchtet, und solche zwischen Sublimirtöpfe feste machet, denn unterhalb ein Läppchen mit zerstossenen Schwefel leget, solchen anzündet, und den Dampf davon oberhalb in die Läppchen gehen lässet: Wenn nun das Alkali mit der Säuere gnungsam gesättiget worden, so wird das Saltz davon ausgelauget, verdicket, wohl calciniret, denn wieder aufs neue zerlassen, verrauchet und crystallisiret: denn wenn es nicht wohl calciniret würde, so könnte diese Säuere, weil sie nur eine flüchtige Säuere ist, und so feste an dem Alkali nicht hänget, gar leicht nach der Crystalliirung mit einem Vitriolole wieder davon gejaget werden: So aber gehet währendem Calciniren das Flüchtige weg, und die Säuere verbindet sich desto fester mit dem Alkali, und machet ein gesättigtes fixes Mittelsaltz, oder einen guten Vitriolweinstein. Durch Anziehen den Vitriolweinstein zu verfertigen, ist die lustigste Manier, weil der Künstler keine Vitriolsäuere zuthut, sondern, wenn das Alkali der freyen Luft eine Zeitlang ausgesezet worden, so lässet sich alsdenn ein guter völliger Vitriolweinstein daraus auslaugen, ingleichen wenn Lappen mit einer alkalischen Lauge geträncket, und an die Luft gehänget werden, so kan man gleichfals in weniger Zeit einen Vitriolweinstein daraus auslaugen. Damit man aber nicht dencken möge, als käme die Vitriolsäuere von dem Holtze oder Stängeln der Pflantzen oder anderer Erdgewächse her, als welche bey dem Ein-äschern sich von denenselben, als ein sauerer Geist abgesondert, und mit dem Alkali in der Einäscherung sich eingebraten, und eingeschlichen hatte, und man deswegen auch glauben solte, als wäre schon wurcklich ein dergleichen vitriolisches Mittelsaltz in den vegetabilischen Theilen, welches sich aber nur so lange darinnen verborgen hielte, bis die freye Luft darzu käme, und solches völlig entdeckete, oder zum Vorschein brachte: So nehme man ein gantz reines gereinigtes Alkali, seze es eine Zeitlang an die freye Luft, und verfahre weiter, wie vorgemeldet, so wird man eben dergleichen Vitriolweinstein haben, dabey ist auch merckwürdig, daß das alkalische Saltz nur diese einige Säuere unter andern so viel vermischten Dingen in der Luft anziehet, und gleichsam eine magnetische Eigenschaft damit beweiset. Die Gattungen des Vitriolweinsteins sind darinnen von einander unterschieden, daß einige mit einem reinen fixalkalischen Saltze; andere mit einem mineralisch erdigt alkalischen Wesen; andere mit einem mineralischen Alkali selbsten versehen seyn; und daß, nebst der Erde oder dem Alkali, bey einigen auch noch etwas von der Salpeter- oder Saltzsäuere mit eingemenget ist: dahero die vitriolischen Mittelsaltze auch verschiedentlich sind, und bey chymischen Kunststückgen besondere Würckungen bezeigen. Der Unterscheid des Doppelarcans vom Vitriolweinsteine bestehet nur darinne, daß, wenn die Bestandtheile untersuchet werden, das Alkali hierinnen den Unterscheid machet: denn das einseitige Ingrediens, nehmlich die Vitriolsäuere ist hier eben so richtig, als in dem Vitriolweinsteine selbsten, aber mit dem andern Ingrediens ist es unterschieden, daß nehmlich im Doppelarcan, eine alkalische Salpetererde, und im Vitriolweinsteine ein rein alkalisches Saltz mit der Vitriolsäuere vereiniget wird. Es kommt also darauf an, daß, wenn bey der Zurichtung des Salpeters, kein ungelöschter Kalck gebrauchet worden, alsdenn von einem solchen Salpeter auch nichts anders, als ein alkalisches Saltz zurück bleiben könne, mithin wäre ein Doppelarcan, welches auf solche Art verfertiget worden, freylich dem Vitriolweinsteine in allen Stücken völlig gleich; Nun aber wird der Salpeter gemeiniglich mit ungelöschtem Kalcke gemacht; da kommen also ungelöschter Kalck und alkalisches Saltz zusammen, und machen ein ekendes alkalisches Saltz im Salpeter. Aus diesem Grunde nun entstehet allerdings ein Unterscheid: maßen hier zum Doppelarcan eine mineralische Kalckerde, hingegen zum Vitriolweinsteine ein rein vegetabilisch fixalkalisches Saltz kommt; Ueberdem, wenn der Salpeter, wie öfters geschiehet, mit Küchensaltz verfälschet ist, so ist folglich auch etwas von der alkalischen Küchensaltzerde bey dem Doppelarcan mit verhaftet, oder auch, wenn zu viel Salpeter zu dem Gehalt des Scheidewassers genommen worden, so ist auch noch wohl ein roher Salpeter mit bey dem Doppelarcan, welcher von der Vitriolsäuere nicht hat können berühret, und vollkommen gesättiget werden: In so ferne demnach ein Doppelarcan mit der Kalckerde des Salpeters, oder mit der alkalischen Küchensaltzerde, oder auch mit dem rohen Salpeter selbst verunreiniget ist, in so weit ist es auch von dem Vitriolweinsteine unterschieden. Wenn also bey dem Salpeter noch etwas vom gemeinen Saltze gewesen, so sind bey dem Doppelarcan dreyerley alkalische Saltze mit eingemischet, als ein vegetabilisch alkalisches Saltz; ein erdigt-alkalinisches Zeug vom ungelöschten Kalcke; und eine alkalische Küchensaltzerde. Bey dessen Bereitung sind hauptsächlich zwey Stücke zu betrachten, als, daß der Todtenkopf wohl auscalciniret werde, und daß er noch mit mehrerem fixalkalischen Saltze übersezet werde damit sich alles Metallische heraus niederschlagen möge. Das Polychrestsaltz wird auch wider Willen bey der Verpuffung des Spießglases mit drey Theilen Salpeter zum schweißtreibenden Spießglase, unter dem spießglasichten Salpeter vermischt gefunden, welches aber leicht daraus geschieden werden kan. Auch kan dieses Polychrestsaltz gemacht werden: aus Vitriol, Schwefel, und aus der Vitriolminer und dem ehenden alkalischen Saltze; aus Schwefel, Alaune und fixen Salpeter; aus Vitriol und Seifensiederlauge; aus Schwefel, Salpeter und Weinsteine; aus Alaune und calcinirten Salpeter, u s. w. Doch ist zu mercken, daß die Alaune mit alkalischen Saltze keinen guten Vitriolweinstein giebet, weil gemeiniglich etwas von der kreidigten Alaunerde sich darein begeben hat. Das Wundersalz ist zweyerley, als entweder natürlich oder gekünstelt. Das erstere findet man in allen warmen Bädern und Sauerbrunnen. Wir wollen nur vier Sorten, und zwar von denen noch jetzo gebräuchlichen anführen: Diese, ob sie gleich in der That natürlich sind, so findet man sie doch im jetzigen Handel niemahls aufrichtig, sondern, wo nicht gantz und gar nachgemacht, doch mit vielen falschen Sachen vermenget, als da ist: 1) Das Ebshamer oder Englische Salz, welches Anfangs funfzehen Meilen von London aus dem dasigen Sauerwasser gekocht worden, nachgehends aber hat man gelernet, daß aus zwey unnützen, und sonst nicht weiter brauchbaren Dingen ein gleiches Saltz durch die Kunst gemacht werden könne, nehmlich aus dem Todtenkopfe des Vitriols, und aus dem Magma des überbliebenen Meersaltzes, und ist also nichts anders, als ein Wundersaltz. 2) Das Seydschiger Saltz, welches mit dem vorigen gleich ist, sowohl an kleinen Crystallen, als an Bitterkeit, und wird solches heut zu Tage auch durch die Kunst gemacht, da sie Ebshamer Saltz in Seydschizer Wasser zerlassen, wieder crystallisiren, und es sechsmahl so theuer verkauffen, als das Ebshamer Saltz. 3) Das Egerische und 4) das Carlsbader Saltz. Diese beyde haben schon größere Crystallen, sind aber nicht so bitter, als die vorigen. Inzwischen sind alle Arten von Wundersaltzen einander überhaupt gleich, nur daß einige insbesondere von einander unterschieden sind, doch ist dieser Unterscheid nur stufenweis, in Ansehung einer zarten Küchensaltzerde oder mehreren Reinlichkeit. Einige sind auch durchsichtiger, als die andern, und kommt es also endlich nur darauf an, daß eines immer reiner ist, als das andere. Hieraus ist folglich auch zu schliessen, warum die warmen Bäder und Sauerbrunnen immer von einander unterschieden seyn, ingleichen, warum sie, mit fixen Alkali bearbeitet, die alkalische Küchensaltzerde fahren lassen, und einen Vitriolweinstein darstellen. Das Wundersaltz wird nun in den Apotheken verfertiget: 1) Aus Vitriolöle und Küchensaltze; 2) Aus zwey Theilen Eisenvitriole und einem Theile Küchensaltz; 3) Aus zwey Theilen Alaune und einem Theile Küchensaltz, welches letztere aber nicht rein ist, indem noch ein gut Theil von der kreidigten Erde dabey geblieben, weswegen es auch in grössern Crystallen erscheinet; 4) Aus dem Ueberbleibsel des sublimirten Quecksilbers, wenn nehmlich Vitriol dazu genommen worden ist: Wiewohl doch das ordentliche Wundersaltz gantz anders bereitet wird. Unter die unreinen Mittelsaltze gehören die crystallisirten Kräutersaltze, zu welchen zwar ein würcklich vegetabilisch-alkalisches Saltz kommt: Allein, sie sind mit der Säuere nicht gnung, oder nicht hinlänglich gesättiget worden; dahero sie auch insgemein weder Wundersaltze, noch Vitriolweinsteine, noch reine fixalkalische Saltze sind, noch genennet werden können, besonders wenn sie mit Schwefel gemacht sind. Auch gehöret das vitriolische Mittelsaltz, so aus der Vitriolsäuere und dem fixen Urinsaltze bestehet, unter die unreinen vitriolischen Mittelsaltze. Was das ehende alkalische Saltz betrifft, so wird man bey keinem Schriffftsteller finden, wie viel eine gewisse Menge eines reinen fixalkalischen Saltzes, von der Kalckerde in sich halten könne, dahero wir folgende Beobachtungen hierher setzen wollen: 1) Daß eine Unze gereinigtes fixalkalisches Saltz drittehalben Scrupel Kalcktheilgen zu sich genommen, und dadurch zum ehenden alkalischen Saltze geworden sey; 2) Daß eine halbe Unze Eisenvitriol acht Unzen Kalckwasser zur Sättigung erfordere, und daß das hieraus gewordene Saltz von anderthalben Quentgen, sich nicht wieder im Wasser auflösen lasse, sondern erdigter Art sey; Die wahre in der Vermischung hieraus niedergeschlagene Eisenerde wieget ein Quentgen achtzehen Gran; 3) Ein Pfund Kalckwasser erfordert, zur Sättigung sechs Quentgen Vitriolöl, giebet aber kein Saltz, sondern einen, wie Benzoesblumen aussehenden erdigten Zusammenwachs von zwey Quentgen; 4) Ein Pfund mit gemeinem Wasser gelöschter Kalck erfodert zur Sättigung fünftehalb Pfund goslarischen in Wasser zerlassenen Vitriol. Das Mengsel ausgelauget und verdicket, liefert eine Unze, drey Quentgen und einen Scrupel erdigten Zusammenwachs, der sich in Wasser nicht zerschmelzen lässet. Die überbliebene Erde wieget drey Pfund neun Unzen. Aus diesen angestellten Versuchen erhellet: daß die Vitriolsäuere zernichtet wird; ferner, daß bey dieser Vermischung kein neues Saltz entstehet, sondern die Vitriolsäuere hierbey größten Theils in eine Erde verwandelt wird. Aus dem oben unter der vierten Zahl erwähnten Zusammenwachse kan man mit Zusatz von Salpeter einen Salpetergeist destilliren, woraus denn zu sehen ist, daß die Vitriolsäuere darinne eingewickelt worden. Auch kan man diesen erdigten Zusammenwachs in Salpeter-Saltzgeiste und Goldscheidewasser auflösen. Ein Quentgen ehendalkalisches Saltz erfordert zur Sättigung zwey Quentgen Vitriolgeist, und ist merckwürdig, daß sich bey dieser Sättigung ein abscheulicher Gestanck ereignet; Hingegen ein Quentgen fixalkalisches Saltz wird mit drey Quentgen Vitriolgeist kaum gesättiget. Damit wir nun noch überhaupt eine richtige Beschreibung desjenigen geben, worinne die verschiedenen Sorten vom Weinstein-Vitriole in seiner Art von einander unterschieden seyn, so sagen wir: 1) Daß der Vitriolweinstein, welcher mit Vitriolgeiste, oder mit verdünnten Vitriolöle gemacht worden, der schärfste sey; 2) Daß Tachens Vitriolweinstein, aus gemeinem Vitriole und fixen Alkali bereitet, der beste und gelindeste sey: Denn er hat denn allersubtilesten sauern Vitriolgeist oder das sogenannte Vitriolgas noch bey sich; 3) Daß der mit ehenden Alkali gemachte Vitriolweinstein der stumpfeste und mehr irrdische sey, wie bey allen Doppelarcanen zu sehen ist; 4) Daß der Vitriolweinstein, so sich unter dem Nahmen Polychrestsaltz in den Apotheken befindet, gemeiniglich noch etwas von rohen Salpeter bey sich habe, wenn die Gleichheit der Ingrediensen nicht getroffen, oder die Vitriolsäuere ist mehr, wie eine flüchtige oder Schwefelsäuere, als wie eine Vitriolsäuere dabey, so aber bey andern nicht ist; 5) Der Vitriolweinstein aus Alaune und alkalischen Saltze gemacht, führet nicht allein von der kreidigten Alaunerde, ingleichen ein irrdisch alkalisches Wesen aus der Seifensieder-Lauge, sondern es ist auch wohl zuweilen etwas Küchen-salsichtes dabey; 6) Der Vitriolweinstein aus Potasche, oder der aus der Luft entstandene, ist der reineste und unschuldigste; 7) Der Vitriolweinstein aus Schwefel und fixen Alkali oder aus der Schwefelleber verfertiget, ist auch einer von den reinesten, wenn nehmlich das Brennbare davon geschieden wird. Ueberhaupt aber ist an allen jetzt gemeldeten Vitriolweinsteinen in der medicinischen Praxis gar kein erheblicher Unterscheid zu spüren, wenn nur bey der Niederschlagung in Acht genommen wird, daß alles Metallische, insonderheit das kupfrichte Wesen heraus niedergeschlagen werde. Das Wundersaltz aber kan gantz in keine Vergleichung mit dem Vitriolweinsteine kommen, ausgenommen, daß es bitter ist, und sich fix bezeiget: Denn 1) hat es dem äusserlichen Ansehen nach gantz andere Crystallen, als ein Vitriolweinstein, obwohl auch die verschiedenen Zurichtungen den Unterscheid in der Crystallisirung machen; 2) Calciniren sich die Wundersaltze gar leicht, und zwar in der geringsten Wärme zum weissen Pulver, welches aber der Vitriolweinstein nicht thut, sondern allezeit fest und crystallinisch bleibet; 3) Fliesset das Wundersaltz im Feuer, und bohret den Tiegel wohl gar durch, welches aber bey dem Vitriolweinsteine im stärcksten Feuer nicht geschicht; 4) Das Wundersaltz zerschmelzet sich leichtlich in wenigem Wasser, der Vitriolweinstein hingegen kaum, oder wenigstens in sehr vielen und zwar heissen Wasser, zumahl, wenn er gepülvert ist, noch schwerer; 5) Aufgelöstes Wundersaltz wird leicht von aufgelöstem fixalkalischen Saltze getrübet und niedergeschlagen, so aber bey dem Vitriolweinsteine nicht geschiehet, ingleichen, da das Niedergeschlagene, welches aus aufgelöstem Wundersaltze mit fixen Alkali niedergeschlagen wird, eine alkalische Küchensaltzerde ist; So ist hingegen das aus aufgelöstem Vitriolweinsteine Ausgeschiedene ein würcklicher Vitriolweinstein selbst; 6) Gerinnet und schläget der rectificirteste Branntewein das aufgelöste Wundersaltz mercklich nieder, welches aber ebenfalls bey dem Vitriolweinsteine nicht geschicht, sondern wenn sich etwas niederschläget, so ist es ein würcklich crystallisirter Vitriolweinstein selbst. Der Verhältniß mit den Metallen in Feuerarbeiten zu geschweigen. 7) Im medicinischen Gebrauche laxiren und eröffnen die Wundersaltze, so aber der Vitriolweinstein und seines gleichen nicht eigentlich und gemeiniglich thut. Bey demjenigen Vitriolweinsteine, welcher mit Vitriolöle gemacht wird, ereignen sich zwey Umstände, worauf einige Absicht zu machen, und zwar beyde währender Vereinigung und Aufwallung: Erstlich steiget ein subtiler Dampf in die Höhe, welchen einige auffangen und entweder also verwahren, oder auch wohl durch Cohobiren etlichemahl abziehen, und für Basels Quecksilbergeist ausgeben; Zweytens fället eine zarte Erde zu Boden, die man auszufüssen, zu trocknen und Weinsteinmagisterium zu nennen pfleget. Wir möchten noch den dritten hinzufügen, daß nehmlich einige den überbliebenden Saft, wenn anders alles wohl gesättiget, und so viel, als möglich, hat anschiessen wollen, heraus crystallisiret worden, für ein besonderes Metallenmenstruum halten: Welches alles, nebst andern physicalisch-chymischen Dingen mehr, an seinen Ort gestellet seyn mag. An einigen Orten macht man auch zusammengesetzte Vitriolweinsteine, wie unter andern Friedrich Hofmann einen goldischen und auch einen silberhaften, ingleichen einen spießglasichten Vitriolweinstein aufgezeichnet hat; allein sie sind vors erste nicht gebräuchlich, und vors andere überhaupt nicht von Wichtigkeit, wenn man sie im Grunde betrachtet, zu geschweigen, daß der eine Proceß gar nicht thulich ist. Der Spießglasichte Vitriolweinstein, Tartarus vitriolatus antimonialis, soll gemachet werden, wenn die Todtenkopf-Lauge des Spießglas-Lyssus mit Vitriolgeiste niedergeschlagen wird; Der silberhafte Vitriolweinstein, Tartarus Vitriolatus Lunaris, würde, wenn Silberblechlein mit Vitriolweinsteine schichtweise geleget, im Tiegel drey Stunden lang cementiret, und diese Arbeit so vielmahl wiederholet würde, bis die Blechlein gantz zu Pulver zerfressen wären: Welche Arbeit sehr zweifelhaft, und welches Medicament, wenn es auch einträfe, oder vom Silber führete, dem Menschen eher schädlich, als nüzlich seyn möchte; Der Proceß mit dem goldischen Vitriolweinsteine, Tartarus Vitriolatus Solaris, ist vollends nicht thulich. Er lautet also: Man soll Blattgold mit Vitriolweinsteine eine Viertelstunde in Schmelzofen einsetzen, bis es schmelzet: Vors erste schmelzet oder fliesset der Vitriolweinstein gar nicht, und vors andere wird das Blattgold keine Viertelstunde Wärme, geschweige Hitze und Schmelzfeuer, vertragen oder abwarten, sondern mit dem größten Knalle placken und wegschlagen, so, daß man sich nicht wenig wundern muß, daß dergleichen Arbeit hat können angegeben werden. Zwelfer hat auch noch verschiedene zusammengesetzte Vitriolweinsteine, als einen purgirenden Brechvitriolweinstein, einen laxirenden Vitriolweinstein, einen spießglasichten Vitriolweinstein, und auch einen Vitriolweinstein mit Bingelkrautsafte, welche in seiner Mantissa Spagyrica können nachgesehen werden, und dieweil sie ebenfalls nicht gebräuchlich, noch von Erheblichkeit sind, als wollen wir uns dabey auch nicht länger aufhalten. Ferner hat man in den Apotheken auch noch einige Tincturen, wozu der rohe Vitriol kommt, und wobey ebenfalls die Vitriolsäuere zwar von den metallischen Theilen abgeschieden, hingegen doch auch nicht rein erhalten wird, sondern durch Uebernehmen wieder an andere Sachen gehet: Dahin gehöret nun: 1) Die Lungensuchts-Tinctur, Tinctura Antiphthisica, so aus gleichen Theilen Bleyzucker und Eisenvitriole, und vier Theilen des rectificirtesten Brannteweins bestehet. Hier wird nun zwar die Vitriolsäuere von der Eisenerde abgeschieden, und durch Niederschlagung an das Bley gebracht: Da hingegen die von der Vitriolsäuere abgeschiedenen Eisentheile wieder von dem Eßige aufgelöset werden, und eine von beyderley Theilen vermischte Tinctur vorstellen. 2) Zwelfers Eisentinctur, Tinctura Martis Zwelferi, welche sonst auch Eisentinctur mit Weinsteinarcan, Tinctura Martis cum Arcano Tartari, genennet wird: Sie ist von der vorigen nur darinne unterschieden, daß, an statt des Bleyzuckers, hier ein Weinsteinarcan mit dem Eisenvitriole versetzet wird; Man nimmt gemeiniglich mehr Eisenvitriol, als der blätterichen Weinsteinerde, und zwar zu drey Unzen blätterischer Erde viertehalbe Unze Eisenvitriol: Bey dieser Vermischung gehet die Vitriolsäuere mit an das Weinsteinsaltz; Der destillirte Eßig aber, so vorhero mit dem Weinsteinsaltze verbunden war, hänget sich an das verlassene Eisen; und ob es wohl mit der Uebernahme eben so reinlich nicht hergehet, daß sich dem ohngeachtet nicht von beyden etwas niederschlagen solte; so muß man es doch, in Ansehung der Arbeit, weil der rohe Vitriol eigentlich hierzu angewendet wird, hieher rechnen. Wenn beyde Stücke unter einander gerieben werden, so werden sie noch schmieriger, als das Mengsel mit dem Salmiac. 3) Die scharbockische vitriolisirte Eisen- oder Stahltinctur, Tinctura Martis vitriolata antiscorbutica, welche aus einer halben Unze Eisenvitriol, eben so viel Eisensalmiac, und einem halben Pfunde Löffelkrautgeiste bestehet. Bey dieser Vermischung ist zu mercken: daß die Vitriolsäuere in das flüchtigalkalische Saltz, so im Salmiac verbunden, greiffe, hingegen die davon befreyete Saltzsäure an die Eisentheile und solche auslöse. Ferner kommt der rohe Vitriol, auch im Brandenburgischen Dispensator, zu einigen zusammengesetzten Geistern, wovon zwar fünfe dem Nahmen, viere aber nur der Eigenschafft nach solche seyn, als da ist: Penots öffnender Geist; der Sichtgeist; der weinsteinisirte Vitriolgeiste; der Vitriolgeist zum schweren Gebrechen; und der Schlagvitriol-Geist. Der weinsteinisirte Vitriolgeist ist darunter noch der unschuldigste, und beste, welchem denn Penots öffnender Geist noch am nähesten kommen möchte. Der weinsteinisirte Vitriolgeist kommt sowohl vom Vitriole als Weinsteine, und bestehet aus zwey Theilen Eisenvitriole und einem Theile Weinstein-Crystallen. Diese Stücke sollen wohl zerstossen, gemischet, denn mit etwas Branntewein angefeuchtet und destilliret werden; allein das Verfahren im Brandenburgischen Dispensator ist viel zu weitläufftig, und kan man weit kürzer dazu kommen: Indem man keines Befeuchtens mit Branntewein nöthig hat; an statt der Weinstein-Crystallen auch der rohe Weinstein gut darzu ist; hernach darf ja nicht zu feste verkleibet werden, und endlich ist auch die Rectification des Destillats über seinen eigenen Todtenkopf nicht nothig. Dieser Geist möchte noch wohl seinen Nutzen haben, nur ist zu mercken, daß er sich mit denen Sachen, so mit Branntewein ausgezogen worden, nicht gerne vermischen will, sondern sich gerne davon niederschläget, dahero man allezeit solche Sachen dazu aussuchen muß, welche sich dazu schicken, und keine Niederschlagung verursachen. Penots öffnender Geist bestehet zwar auch aus eben diesen Haupt-Ingrediensen, doch sind dabey unnöthige Veränderung mit beygebracht. Es ist dieser z. E. vom vorigen unterschieden, dem Gewichte nach; denn soll hierzu der Vitriol erstlich calciniret werden; hernach kommen noch über das calcinirte Kieselsteine darzu; ferner ist nicht nothig, das Mengsel in Keller zu setzen; weiter ist die offtere Cohobirung des Destillats über das Ueberbleibsel etwas Ungereimtes; auch ist die Ausziehung des Saltzes aus dem Ueberbleibsel etwas Thörigtes; und endlich ist auch die darauf folgende Digestion was Lächerliches. Aus der gantzen Vermischung kommt nicht viel, wenigstens mehr etwas zerstreuetes und schlechteres, als bey voriger heraus. Wir rathen also diese Art, dergleichen Geist zu machen, nicht an, sondern sagen, daß man lieber gestossenen Weinstein mit Vitriol-Oel erstlich wohl vermische, denn aus einer gläsernen Retorte destillire, und das Destillat nochmahls rectificire. Die übrigen drey Geister sind überhaupt wunderliche und ungereimte Schmierereyen, und eine Sammlung von allerhand zur Destillation ungereimten Sachen beysammen: Z. E. was ist bey dem Vitriolgeiste zum schweren Gebrechen für wunderlich Zeug von der Hirnschale eines menschlichen Galgenvogels, Eichenmispel, Elends- und Hirschhorn, Corallen u. d. g. so sich gar nicht zur Destillation schicken, nur ist es Schade, daß der Erfinder davon nicht gar den Tag und das Himmelszeichen benennet hat, worinnen jedes Stück gesammlet werden soll. Mit weit mehrerem Nutzen aber wird der calcinirte Vitriol bey salsichten Destillationen und Cementationen angewendet, z. E. zur Destillation des Saltz- und Salpetergeistes, doch wird dieser Zusatz des Vitriols dabey in dreyerley verschiedenen Absichten angewendet, und zwar: 1) Entweder in der Absicht, daß man dadurch den Salh oder Salpetergeist selbst abgeschieden haben will; oder 2) daß man nach der dadurch losgemachten Säuere gar nichts fraget, sondern seine Hauptsache allein auf den Todtenkopf richtet, oder auch, daß man wohl alles beydes zugleich haben will; oder 3) daß man gesinnet ist, keines von beyden, weder den sauern Geist, noch den Todtenkopf zu erlangen, sondern nur die Vermischung um deswillen anstellet, um dadurch die losgehenden Geister etwas zu benagen und auslösen zu können. Was die erste Absicht, um nehmlich durch diesen Zusatz des calcinirten Vitriols, bey dem Salpeter und Küchensaltze den sauern Salpeter- oder Saltzgeist loszumachen, betrifft; so melden wir, daß, wenn eines von den vorerwehnten Saltzen mit dem calcinirten Vitriole versetzet, und stufenweise destilleret wird, solcher deren Säuere loßmache, und man dahero vermittelst der Destillation einen Salpeter- oder Saltzgeist erhält. Siehe den Artickel: Salpetergeist, im XXXIII Bande, p. 1179 u. f. und Saltzgeist, in eben dem Bande, p. 1522 u. f. Hierbey fället nun noch zu erinnern vor, daß: 1) Ohne Zusatz der Vitriolsäuere bey diesen Saltzen, weder der Salpeter- noch Saltzgeist, noch Goldscheidewasser in so grosser Menge zu erlangen sey; 2) daß zu deren Destillation nicht eben allerdings ein roher Vitriol seyn musse, sondern es kan solches auch die rohe oder gebrannte Alaune, ja noch wohl eine von Vitriolsäuere ärmere Sache, als Bolus, Laimen, oder andere gefärbte Erde verrichten; am besten aber ist dazu das Vitriolol: 3) wird aber zur Destillation roher Vitriol selbst angewendet, so greiffet er den Alkalischen Theil des Salpeters oder Saltzes an, und macheet damit entweder die Vermischung des Doppelarcans, oder des Wundersalses; hingegen verlässet er die metallische Erde, welche vorhero mit ihm vereiniget gewesen: Während dieser Arbeit wird die Salpeter- oder Saltzsäuere von ihren Banden loßgemacht, und durch die Destillation übergeführet. 4) Wenn ja einige glauben solten, als käme der Vitriol unnöthig zu diesen Destillationen, weil ja nichts davon mit übergienge; so dienet zu wissen, daß bey diesen falzsichten Destillationen unumgänglich eine Vitriolsäuere seyn müsse, indem sie sonsten in solcher Menge nicht destillabel wären, dahero diese gleichsam den dritten Mann, oder den Schiedsmann abgeben muß, weil sie in die alkalinische Erde desjenigen Salhes, so destilliret wird, eingreiffet, daß dahero diese, so vorhero an dieser alkalischen Erde gehangen, und damit vereiniget ein Mittelsals gemachet hat, anjeko davon losgemacht, und geschieden übergeführet wird. 5) Man nimmt aber zu diesen Destillationen nicht gerne rohen Vitriol, weil er noch zu viel Wasser hat, und weil in der ersten Destillation gerne etwas von dem subtilen Geiste mit übergehet, und den andern Geist damit verunreiniget, deswegen er erstlich lieber pfleget bis zur Gelbe calciniret zu werden. Was die andere Absicht betrifft, um nehmlich dadurch nur den Todtenkopff zu erlangen, so haben wir schon im vorigen bey den vitriolischen Mittelfalken umständlich davon gedacht, so, daß wir es für unnothig erachten, solches wiederum zu wiederholen, nur wollen wir hier noch mit wenigem einige dabey vorfallende Umstände erwägen, als: Daß, wenn man den dadurch losgemachten Geist, es sey nun solcher ein Salpeter- oder Saltzgeist gar nicht gebrauchen will, auch der Vitriol zuvor nicht calciniret werden dürffe. Will man ihn aber haben, so ist eine vorhergehende Calcination des Vitriols unumgänglich nothig. Die dritte Absicht, allwo weder auf den destillirten Geist, noch auf den rückständigen Todtenkopf gesehen wird, sondern da die losgehende Säuere so gleich wieder an etwas anders gehet, und solches entweder nur anfriet oder auflöset, geschiehet wieder auf dreyerley Art, als durch die Destillation, Sublimation und Cementation. Die erste Art geschicht, wenn durch die Destillation die loßgehende Säuere an ein Metall gebracht, und solches auch davon aufgelöset wird, wie an der Spießglas-Butter, welche ohne sublimirtes Quecksilber bereitet worden, zu sehen ist, da nehmlich das geröstete Saltz und der Spießglas-König mit rohen Vitriol versetzet und destilliret wird, bey welcher Würckung denn die Vitriol-Säuere in die vor sich findende alkalische Küchensaltz-Erde greiffet, und dahero die damit verbundene gewesene Saltz-Säuere davon loßmachet, welche denn auch sogleich in währendem Abscheiden mit dem vor sich findendem Spießglas-Könige sich wieder vereiniget, solchen auslöset, und bey mehr verspährender Hitze endlich gar in aufgelöster Gestalt mit überfuhret, welches alsdenn der äusserlichen butterhafften Stärcke wegen Spießglas-Butter genennet wird, aber nichts anders als ein in der Küchensaltz-Säuere aufgelöster Spießglas-König ist. Durch die Sublimation aber wird diese durch die Vitriol-Säuere loßgemachte Saltz-Säuere wieder an ein anderes Metall gebracht, wenn man eine Sublimation des sublimirten oder süssen Quecksilbers anstellen will, wobey auch eben das, wie bey der Spießglas-Butter, zu beobachten ist: Man kan demnach ein reines lebendiges Quecksilber erstlich in Scheidewasser zerlassen, die Auflösung crystallisiren, oder bis zur Trockene verdicken, denn mit geröstetem Küchen-Saltze und calcinirten Vitriole versehen, oder auch sogleich das in Scheidewasser aufgelöste Quecksilber mit Küchen-Saltze zum weissen niedergeschlagenen Quecksilber niederschlagen, oder man kan auch nur lebendiges Quecksilber mit geröstetem Küchen-Saltze und calcinirten Vitriole vermischen, und also die Sublimation anstellen. Wenn vorhero das lebendige Quecksilber in Salpeter-Säuere aufgelöset, die Auflösung bis zur Trockene verdunstet, und denn erstlich Küchen-Saltz und Vitriol zugesetzet wird, so greiffet die Vitriol-Säuere zuerst in die alkalische Küchensaltz-Erde, verbindet sich damit zur Vermischung des Wunder-Saltzes, und machet die Saltz-Säuere loß, welche denn in währendem Loßgehen das vor sich findende in der Salpeter-Säuere aufgelöste Quecksilber angreiffet, und die Salpeter-Säuere wieder fortjaget, welche alsdenn in Gestalt eines Dampfes verschwindet. Wenn zu dem Mengsel nicht genung calcinirter Vitriol gekommen, so, daß dadurch nicht alle Saltz-Säuere hat loßgemacht, und mit dem Quecksilber vereiniget werden können, folglich bey dem Mengsel mehr lebendiges Quecksilber und weniger Küchensaltz-Säuere ist, so erhält man nur ein süsses Quecksilber; setzet man aber dem Mengsel mehr Küchen-Saltz und calcinirten Vitriol zu, so, daß dadurch alle Saltz-Säuere loßgemacht werde, so erhält man ein sublimirtes Quecksilber. Die Bestandtheile sind hierbey einerley, nur lieget es an dem Gewichte der Ingrediensen, und kan man mit einer Sublimation, ohne wiederholte Rectification entweder sogleich ein süsses, oder ein ekendes sublimirtes Quecksilber erhalten, nachdem man nur das rechte Gewichte der Ingrediensen trifft: Denn wo man zu der Sublimation weniger lebendiges Quecksilber, und hingegen ein gut Theil mehr vom Küchen-Saltze und calcinirten Vitriole nimmt, so erhält man durch die Sublimation ein ehendes sublimirtes Quecksilber; nimmt man aber mehr vom lebendigen Quecksilber, und hingegen weniger vom Küchen-Saltze und Vitriole, so erhält man durch die Sublimation ein süsses Quecksilber. Die dritte Absicht, nehmlich durch die losgehende Säuere entweder etwas Metallisches aufzuschliessen, oder doch anzufressen, gehet dahin, daß, wenn man ein edles Metall hat, welches mit andern unedlen Metallen vermischet ist, man es hierdurch von diesen unedlern zu befreyen suchet. Dieser Zusatz aber ist verschieden, und wird insgemein Cementpulver genennet, und die salsichten Cement-Zusätze sind auch verschiedentlich, und muß man sich nach den Umständen und nach der Verschiedenheit der metallischen Mischung selbst richten: Sie nehmen darzu calcinirten Vitriol, Salpeter, Küchen-Saltz, Stein-Saltz, Salmiac, Grünspan, sublimirtes Quecksilber u. s. w, wie auch wohl nach den altväterischen Vorschrifften Ziegelmehl. Doch kommen diese Stücke nicht alle auf einmahl zusammen, sondern es werden aufs höchste nur zweye bis dreye davon auf einmahl darzu angewendet, und wird also damit verfahren: Das vermischte Metall wird geblechet, ein gleich rundes Feuer gemacht, ein Geschirr mit einem Deckel sammt dem schon verfertigten Cement-Pulver zur Hand gesetzt, dann unterhalb auf den Boden des Geschirres erstlich etwas von solchem Cement-Pulver gestreuet, darauf ein Stückgen von dem geblechten Metalle geleget, und schichtweise also mit den beyden Sachen verfahren, bis alles Metall dazu angewendet worden; denn wird das Geschirr zugedeckt, und mit gnung Feuer unterhalten, bis alle Säuere losgemacht und an das unedle Metall gebracht worden. Ist die einmahlige Cementation nicht hinlänglich gewesen, alles unedle Metall dadurch zu safranisiren, so muß die Cementation zum andern und drittenmahle wiederholet, und so lange damit fortgefahren werden, bis alles unedle Metall dadurch zum Safran gemacht, und bloß das edle Metall alles zurück bleibet. Um aber diese Sache besser zu verstehen, so wollen wir ein Exempel geben: Man hätte ein Stücke Gold, welches mit Eisen und Kupfer vermischet wäre, und man wolte das Kupfer davon scheiden, daß das Gold allein zurücke bliebe, so muß man seine Absicht auf solche Säueren richten, welche zwar das Kupfer und Eisen gerne auslösen, dem Golde selbst aber keinen Schaden thun. Wolte man hier Salpeter und Küchen-Saltz zum Cement-Pulver gebrauchen, so würde das Gold auch dadurch selbst angegriffen werden, weil das Cement-Pulver ein Gold-Scheidewasser ausmachet, dahero wählet man lieber Vitriol und Salpeter dazu, als welche das Eisen und Kupfer gerne auflösen und benagen, hingegen doch dem Golde keinen Schaden zufügen, und verfähret im übrigen damit, wie oben erwähnet, so werden die beyden Metalle zum Safran gemacht, und hingegen das Gold davon geschieden. Weiter gehöret unter die zweyte Abtheilung der ersten Classe auch noch derjenige Umstand, wenn die Vitriol-Säuere von einem Metalle an das andere gebracht wird: Das geringste Exempel davon ist, wenn man goslarischen Vitriol zu einem reinen Eisen-Vitriole macht, da denn das Kupfer daraus abgeschieden, hingegen sich die Vitriolsäuere an das Eisen anhänget, und es zum Eisenvitriole macht; ingleichen wenn Zinck in aufgelösten Eisenvitriol geleget wird, da denn die Vitriolsäuere, der nähern Verwandtschaft wegen, den Zinck auflöset, und das Kupffer durch Niederschlagung fallen lässet, mit dem Zinke aber einen Zinkvitriol machet; ohne der Verwandlungen der Vitriolsäuere mit aufgelöstem Zinne, Silber, Wismuth, Cadmie oder anderer erdigter Cörper zu gedencken. Einige Verhältnisse derselben mit ungelöschtem Kalcke haben wir schon oben erwähnet. Nun kommen noch einige Umstände vor, wo nicht so sehr auf die Uebernehmung der Säuere, als auf die Niederschlagung gesehen wird, z. E. im Brandenburgischen Dispensator stehet ein Kupffer-Safran, da der Kupffervitriol in Wasser aufgelöset, mit fixen Alkali niedergeschlagen, ausgesüsset und leztlich bis zur Rothe reverberiret wird. Hingegen greiffet hier die Vitriolsäuere währender Niederschlagung in das für sich findende fixe Alkali, machet damit einen Vitriol-Weinstein, und lässet das vorher aufgelöste Kupffer fallen. Andere schlagen den aufgelösten Eisenvitriol mit fixen oder flüchtigen Alkali nieder, und verwahren denn diesen Präcipitat; andere nehmen wohl zweyerley Sorten von Vitriolen zusammen, und schlagen solche mit einem oder beyden Alkalien nieder; andere ziehen den Eisenvitriol mit Eßige aus, und schlagen diesen Auszug mit fixen Alkali nieder. Bey diesen Niederschlagungen nun ereignen sich noch ein und andere Umstände, als: 1) Wenn man die Niederschlagung mit einem flüchtigen Alkali anstellet, so wird solches zwar allemahl einen aufgelösten Eisenvitriol, aber kein aufgelöstes Kupffer niederschlagen, indem es selbsten etwas davon ausschliesset. Wird dieser in flüchtigem Alkali aufgelöster Kupffervitriol Neigungsweise abgegossen, durchgeseiget, und denn ein rectificirtester Branntewein drein gegossen, so schlagen sich violetblaue Crystallen nieder. Die metallischen Theile, welche sich aus den vitriolischen Auflösungen niederschlagen, sind kein reines Metall, sondern es ist auch etwas von beyden Saltzen zugleich, sowohl vom auflösenden als niederschlagenden mit unter dem Präcipitate untergemischet, dahero man den Präcipitat, so sich bey der Sättigung des Vitriolweinsteins ausscheidet, so leichtlich nicht reduciren kan, als welches die unter dem Präcipitate vermischten salsichten Erdtheile verursachen. Einige haben diese Präcipitate aus dem Eisen- und Kupffer-Vitriole für Schwefel aus dem Eisen und Kupffer ausgegeben, und ihnen gar besondere Eigenschafften und Würckungen in der Medicin zugeschrieben, und selbige auch schmertzstillende und narcotische Schwefel benennet: Es erweisen aber diese metallische Safrane keine narcotische Würckung, und geben solche Leute damit nur an den Tag, daß sie es nicht verstehen. Der Nahme Schwefel kan bey diesen metallischen Präcipitaten gar nicht behauptet werden, indem durch diese Niederschlagung ja nicht der subtileste Theil des Metalles, sondern die gantze metallische Vermischung mit heraus fället; dergleichen Leute werden niemanden weißmachen können, daß dergleichen Eisen- oder Kupffer-Safran Schwefel wäre; man kan ja aus dem rohen Vitriole nicht das geringste Schweflichte erweisen, zu geschweigen sagen, daß der gantze Vitriol Schwefel sey: Denn obwohl die Vitriol- und Schwefelsäuere einerley Art ist, so folget doch daher nicht, daß auch das gantze Ding einerley seyn müsse: Denn die Vitriolsäuere ist mit einer metallischen Erde, die Schwefelsäuere aber mit einer brennbaren Erde verbunden. Man kan zwar wohl aus dem Vitriole einen Schwefel erkünsteln; allein, daraus folget nicht, daß dasjenige, was man erstlich aus einer Sache machen kan, auch schon würcklich so darinnen sey, und man es daher auch so nennen könnte, wie denn Stahl diesen Versuch durch die Schwefelmachung entdecket hat, da er nehmlich Vitriol-Weinstein oder Wundersaltz mit Kohlenstaube vermischet und geschmolzen, da sich denn die Vitriolsäuere aus dem Vitriol-Weinsteine oder Wundersaltze mit dem Brennbaren vereiniget, und nebst dem Alkali eine Schwefelleber vorstellet, welche Schwefelleber denn mit Wasser aufgelöset, mit Eßige niedergeschlagen, ausgesüsset, getrocknet, aufs neue sublimiret, und wieder geschmolzen wird, so hat man einen Schwefel fertig. Die zur andern Classe der Vitriol-Präparaten gehörige Betrachtungen, besonders von der Vitriolsäuere, sind unter dem Artickel: Vitriol- (oder Schwefel-) Säuere nachzusehen. Ueberhaupt können von dem Vitriole noch folgende Anmerckungen in Betrachtung gezogen werden: Bey der Engelländischen auch anderer Vitriolmachung ist merckwürdig, daß dem letzten Magma von der Küchensaltz-Säuere eingemenget sey, wovon Stahl seine Gedancken in seinen Observationen gar artig ausgedrücket hat. Man findet auch bey allen Vitriol-Crystallisirungen in der letzten Lauge etwas Salsichtes; woraus deutlich erhellet, daß die Saltzsäuere mit der Vitriolsäuere verwand sey. Kein natürlicher Vitriol hat vor den gekünstelten etwas zum voraus, indem der Vitriol in den Bergwercks-Klüfften ohne Wasser und Beykunfft der Luft nicht entstehen kan, und geschiehet dessen Erzeugung ebenfalls nicht anders, als mit den Schwefel- und Vitriol-Kiesen ausser den Bergwercken, dieweil der gantze Kies, in so ferne er rein ist, ein lauterer Vitriol an sich ist. Es wird zwar zu Graul, bey Schwartzenberg, allwo viel Vitriol- und Schwefelkiese gegraben werden, ein Vitriolkies in grossen Stücken gewältiget, dessen Gang auch zu zwey bis drey Ellen dicke ist. Dieser Kies scheinet gantz artig mit gewachsenem Vitriole durchwachsen zu seyn, woraus sie auch gleich den Vitriol laugen, ohne daß er erst einige Zeit in die Luft geleget wurde; wiewohl nicht aller Vitriol sodann herausgesotten werden kan, bis man die ausgesottenen Kiese auf einige Zeit noch der freyen Witterung ausleget, da sie denn folglich allen Vitriol von sich geben. Diese Miner scheinet einen pur gewachsenen Vitriol zu halten, welches dadurch noch mehr bekräfftiger zu werden scheinet, dieweil man aus diesen Vitriolkiesen keinen Schwefel erhält: Allein, obgleich diese Kiese gantz dicke brechen, so ist ihr Gang dennoch klufftig, als wodurch die Luft starck wircken kan, daß sich auch dabey gnung Feuchtigkeit mit einschleichet; die Beykunfft der Luft raubet ihm auch das haltende, ob vielleicht gleich wenige, Brennbare, weswegen nicht zu verwundern ist, daß dergleichen Kiese keinen Schwefel geben. Die Schwefel-Kiese daselbst, werden erst einmahl zum Vitriole abgesotten, dieweil sie allemahl erst an der Luft liegen und etwas zerfallen: Sie nennen solches den Schwefelsud; alsdenn werden selbige Kiese auf die Schwefelhütte nach Beyerfeld geschaffet, allwo in dazu geschickten Oefen der Schwefel davon geschieden, und ferner noch einmahl in einem andern Ofen, in irrdenem Gefässe geschmoltzen, und gereiniget wird, da er denn in eiserne Gefässe läuffet, und sodann in die Formen gegossen wird. Der ruckständige Todten-Kopff, welcher roth siehet, wird zum Vitriolmachen angewendet. Von der Reinigung des Schwefels bleibet auch noch ein hochrother Todtenkopf oder subtiler Safran zurücke, welcher eine gute Mahlerfarbe giebet; jedoch verdienete er noch wohl eine chymische Untersuchung. Sie bringen in gedachter Schwefelhütte nicht allein einen Eisenvitriol hervor, welcher jedoch auch ein wenig Kupffer-Erde hält, sondern auch einen blaulichten, der fast gleich viel Eisen und Kupffer-Erde hat, jedoch scheinet das Kupffer die Oberhand zu haben. Dieser Vitriol kommt dem Ungarischen gantz nahe. Destilliret man die Schwefelkiese für sich aus einer Retorte, so gehet zuerst eine flüßige, schwere und fast fette Materie, wie eine dicke Milch, und hernach sublimiret sich der Schwefel. Diese Materie wird von einigen Jungfern-Milch genennet, und für eine Wurtzel der Metallen gehalten. Daß diese Materie arsenicalisch sey, ist gewiß; desgleichen findet man, daß alle Schwefel- und Vitriolminern quecksilberhaftig oder vielmehr arsenicalisch seyn; auch kommt dieser sogenannten Jungfern-Milch die sogenannte Gur in Bergwercken ähnlich. So offte man den Vitriol in Wasser auflöset, so offte schläget sich noch ein Safran daraus nieder, dieweil die Vitriolsäuere durch das Wasser geschwächet wird, und also den Safran fallen lässet. Bey der Crystallisirung bleibet ein unbezwingliches Magma zurücke, welches der allersauerste Theil des Vitriols ist, der nicht Metall gnung zum Anschiessen hat, und welches seine Säuere leichter von sich giebet, als ein crystallisierter Vitriol; einige wollen besondere Arcane darinne suchen, allein, es ist insgemein, wie schon erwähnt, mit etwas Küchensaltz vermischet. Auch ein gereinigter Vitriol giebet seine Säuere lieber von sich, als ein unreiner. Die Auflösung des Kupfer-Vitriols für sich, will nicht so gut von statten gehen, als des Eisen-Vitriols, aus Ursache: Weil sie nicht soviel Phlegma hat. Es ist zu mercken, daß, wenn man zum Vitriole Branntewein giesset, solcher allemahl einen weissen Vitriol niederschläget, welcher süße ist, zumahl wenn der Branntewein starck licht ist; dergleichen weissen Vitriol man auch erhält, wenn man Urngeist zugiesset. Das Eisen, so mit Vitriol-Oele vermischt gewesen, hat, nachdem es mit Alkali davon niedergeschlagen worden, einen besondern Nutzen, und will sich nicht wohl reduciren lassen, löset sich auch im Salpeter-Geiste nicht mehr grün, sondern roth auf. Einige wollen aus dem Vitriole mit fixen Salmiac eine Erde niederschlagen, es ist aber falsch: Indem es keine Erde des Vitriols, sondern eine Kalk-Erde ist, welche der fixe Salmiac gehalten hat. Vermischet man Vitriol mit Urin, so giebet es ein salmiakisches Mengsel. Die Sublimation des Vitriols mit Salmiac gehet nicht mit rohen Vitriole an, sondern es muß ein gereinigter und gelb calcinirter dazu genommen werden, wovon man röthliche Blumen und einen flüchtigen Geist bekommt, welcher schweflichter Eigenschafft ist. Die gantze Destillation des Vitriols bis ans Ende geschiehet mit weissen Dämpffen, ausser, daß gantz zuletzt etwas schwartzbraun gefärbte Tropffen gehen, welche, wenn die Destillation auch über acht Tage währete, immer bis ans Ende zu sehen seyn, und auch ein gut Theil metallische Erde mit überführen. Destilliret man das Vitriol-Oel aus roth calcinirten Vitriole, so gehet es in Gestalt einer Butter oder Eisses über. Bey Abnehmung der Vitriol-Säuere muß man allemahl Behutsamkeit gebrauchen, indem der erstickende Geruch nicht geringen Schaden verursachen kan. Wenn man den Vitriol auflöset und in behörige Geschirre giesset, an welchen er sich nachgehends ausserhalb anleget und auswächset, so hält dieser ausgewachsene Vitriol die meiste Säuere, und lässet fast alle grobe Erde zurück, aus welchem Vitriole man gar leichte seine Säuere scheiden kan; es ist zwar eine langwierige und kostbare Arbeit, hat aber in der Physic ihren Nutzen. Diese Reinigung durch das Auswachsen kan auch mit andern Saltzen vorgenommen werden. Der Vitriol giebet auch seine Säuere leichter von sich, wenn man dessen haltende Eisen oder Kupffer-Erde daraus niederschläget, mit einer Erde, die flüßiger ist, z. E. Zink, Wißmuth u. d. g. welche man in aufgelösten Vitriol leget, so löset die Säuere den Wismuth und Zink auf, und lasset das vorherhaltende Metall fahren: Jedoch dergleichen Vitriolsäuere ist ziemlich flüchtig und verändert, auch nicht nußbar. Vermischet man den Vitriol mit Eisen oder treibet ihn aus einer eisernen Retorte, so wird der Vitriolgeist flüchtig: Denn in der Destillation geschichet eine Gegenwürckung. Desgleichen giebet der Vitriol einen flüchtigen Geist, wenn er vor der Destillation mit Brannteweine oder auch destillirten Oele gemischet wird. Der Todtenkopf des Vitriols mit seinem Oele und Phlegma befeuchtet und ausgelauget, giebet einen Vitriol, so von dem gemeinen sehr unterschieden ist. Wenn man aus dem Todtenkopffe des Vitriols das Saltz auslauget, verdicket, und wiederum mit seinem Vitriol-Oele starck destilliret, so gehet die rückständige Vitriolsäuere mit über, aus Ursache: weil sie von ihrer Erde entbunden ist. Eine recht reine Vitriolsäure zu machen, geschiehet am besten: wenn man das Vitriol-Oel mit vielem Wasser destilliret, durchseiget und abdampffet, und diese Arbeit in gläsernen Gefässen so lange wiederholet, bis sich daraus weiter keine metallische Erde niederschläget; da denn diese Vitriolsäuere auch weiß ist: Und dergleichen Reinigung ist der Rectification durch die Destillation weit vorzuziehen, indem durch die Destillation noch allemahl subtilmetallische Theile mit übergerissen werden. In der Goldenen Quelle der Kunst und Natur, stehet p. 116. eine besondere Manier, ein Vitriol-Oel hervorzubringen, welche wir, ihrer Merckwürdigkeit wegen, hier beyfügen wollen, dieweil das daraus erhaltene Vitriol-Oel in der Physic einigen Nutzen haben kan. Die Vorarbeit ist nichts anders, als eine gute und öftere Reinigung des Vitriols, welcher Vitriol, nachdem er in Pulver zerfallen, zuletzt im verschlossenen Gefässe nach und nach mit Lampenfeuer bis zur Röthe soll calciniret werden. Nun folgen des Schriffftstellers Worte von der Practic: „Erstlich soll man haben einen guten und wohl bereiteten Branntewein, zum andern soll man in Bereitschafft haben, ein schon klar destillirtes Brunnen- oder Regenwasser, darnach nimm im Nahmen GOttes deinen Vitriol, in ein Kolbenglas gethan, nach der Grösse der Materie, geuß den Branntewein daruber, wohl vermacht, und laß ihn vier oder fünf Tage stehen, denn fein gemach und langsam abgießen, damit keine Hefen eingehen, alsdenn stelle ihn beyseits. Nach diesem giesse auf die Hefen, welche blieben sind, wieder Branntewein, und wohl vermacht, in gelinde Wärme gestellet, bey vier oder funf Tagen, auf daß sich mehr in den Branntewein vom Vitriole auflöse, und das thue so lange, bis du alle edle und subtile Materie aus dem Vitriole gezogen habest, denn so ist die Erde nichts mehr werth, thue sie alle hinweg; Alsdenn nimm allen deinen Branntewein, welchen du von dem Vitriole gesiegen, geuß ihn zusammen in ein Kolbenglas, und destillire sein Phlegma im Bade davon, auch erst den Geist, bis du deine Materie trocken siehest; denn nimm den Helm und Vorlage hinweg, und den Branntewein wieder drauf gegossen und aufgelöset, die Hefen abgeschieden, wider abgezogen, und solches so ofte wiederholet, bis es wohl gereiniget, welches zum dritten mahle geschiehet und gnung ist. Wenn nun der Branntewein im Bade wieder davon gezogen, und die Materie trocken ist, so nimm den Helm und Vorlage wieder ab, und geuß denn auf die wohl bereitete Materie ein gemein destillirtes Wasser, rühre es wohl unter einander, und in einer warmen Asche bey vier oder fünf Tagen stehen lassen, auf daß sie sich in dem destillirten Wasser aufschliesse, und, was sich davon aufgeschlossen hat, fein gemach ab in ein rein Glas gethan, und gesiehen. Wenn nun das geschehen, so destillire das Wasser von der Materie im Bade wieder trocken ab, und dann nimm die trockene Materie, und thue solche in ein beschlagen Kolbenglas, mit gehörigen Helm und Recipienten, oder auch in eine Retorte mit einem weiten Halse, verlutire es alle wohl, damit sich nichts verrieche: Nun hebe an stuffenweise zu destilliren, so wird alsdenn aufsteigen das gebenedeyete Blut des grünen Löwens, auf welches vorlängst alle Philosophen gehoffet haben, roth als ein Rubin, welches auch bey dunckler Nacht soll Licht geben und gläntzen, auch lieblich riechen.“ Uebrigens soll nach Maßgebung unterschiedener Policey- und Landes-Ordnungen, als z. E. nach der Hoch-Fürstlich-Sachsen-Gothaischen P. II. c. 3. cit. 40. zu keinen Tuchfarben Vitriol genommen werden, sondern denen Färbern, dergleichen darzu zu gebrauchen, bey hoher Strafe verboten werden.
col. 162
Vitriol, (Römischer)
Vitriol, (Römischer) Vitriolum Romanum, Vitriol Roman, ist in ziemlich grossen Stücken, welche fast so grün, als wie der Englische Vitriol aussehen, und einen gelinden, anziehenden Geschmack haben. Er hat etwas von Eisenart an sich. Welcher sauber ist, den soll man nehmen. Aeusserlich brauchet man ihn zu Blutstillungen: dannenhero das sympathetische Pulver davon bereitet wird. Auch kommt er zur Dinte und zum Schwartzfärben.
Vitriol, (rother)
Vitriol, (rother) Vitriol rouge, sonst Lateinisch und Frantzösisch Colcothar genannt, ist derjenige Vitriol, der entweder von Natur in der Grube, durch das unterirdische Feuer, oder aber künstlicher Weise im gemeinen Feuer calciniret worden. Der von Natur in der Grube calcinirte Vitriol wird Chalcitis genennet: und dieses Wort kommt von χαλκός, æs, Erz: dieweil er aus den Kupfergruben gezogen wird. Er ist ein röthlichbrauner Stein, den man in Schweden und Deutschland bricht; ist aber gar selten, und schwerlich zu den Dispensationen des Theriacks, dazu er kommen soll, zu finden. Den soll man wählen, welcher in schönen, blaurothen Stücken ist, die gar vitriolisch schmäcken, und im Wasser leicht zergehen. Der im Feuer calcinirte Colcothar siehet insgemein gar schöne roth: der beste ist, der nach der Destillation des Vitriolgeistes und Oeles in der Retorte zurücke bleibet. Beyde führen viel Saltz und eine metallische Erde. Sie halten an, sind gut zu Wunden, und dienlich zum Blutstillen, wenn sie äuserlich gebrauchet werden. Der in Colcothar verwandelte Vitriol kan durch ein Schmeltzfeuer in rechtes Eisen; das Eisen hingegen durch das Auflösen gäntzlich in Vitriol verwandelt werden.
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col. 178
Vitriol-Colcothar, Clods
Vitriol-Colcothar, Clods, Colcothar Vitrioli, Clodii. Lasset den Vitriol fliessen, und brennet ihn drey Stunden wohl aus zu einem Weinsteine, reibet ihn mit destillirtem Eßige, und calciniret ihn wiederum. Ueberhaupt ist der Vitriol-Colcothar nichts anders, denn der Todtenkopf, oder dasjenige so nach vorhergegangener Destillation eines jeden Vitriols zurückgeblieben.
Vitriol-Colcothar, (versüßter)
Vitriol-Colcothar, (versüßter) und Vitriol-Kreide, Clods, Colcothar Vitrioli Dulcificatus, & Creta Vitrioli, Clodii. Wenn man den Colcothar in der Wärme auflöset, und die Röthe, so an demselbigen zu sehen, scheidet, und hernach abrauchet, so bleibet ein süsser Colcothar zurücke; ziehet man nun vollends alle Röthe heraus, so wird das Ueberbleibsel Vitriol-Kreide genennet.
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col. 180–181
Vitriol-Farben
Vitriol-Farben. Hievon hat D. Duckewiz aus Schmiedeberg den Breßlauer Naturgeschichten, Vers. XXXVIII p. 496 folgendes einrücken lassen: „Allhier ist ein Vitriolwerck, so stets im Sude erhalten wird, und gar sehr martialisch ist, wie denn auch vor dem ein Eisenhammer daselbst gewesen. Aus diesem Vitriole, und zwar aus dessen Todtenkopffe, bereitet man mit Oel-Verniß eine schöne hochrothe, und schöne gelbe feste Farbe, so weder im Regen, noch Sonnenschein verschiesset. Man bemühet sich auch starck, eine Alaune daraus zu verfertigen, so aber wohl schwerlich angehen dürffte, indem ja die Alaune nichts weniger leidet, als was martialisch ist; solte aber diese von dem Vitriole abgenommen werden, so bliebe gewiß von vier Theilen nicht ein Theil zurücke, wobey denn folglich mehr Schaden, als Nutzen seyn würde.“
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