Völker 1852
Johann Wilhelm Völker, Die Kunst der Malerei. Enthaltend das Landschaft-, Porträt-, Genre- und Historien-Fach nach rein künstlerischer, leicht faßlicher Methode, Leipzig [Rudolph Weigel] 1852.
pp. 425–431
Freskomalerei und Enkaustik.
Fresko (frisch) malt man mit Wasser auf frischen, wasserharten Kalk. Diese Art zu malen erweist sich für Gemälde, die auf größere Entfernung gesehen werden müssen, als an Plafonds, Giebeln, Wänden &c. höchst geeignet, weil sie die Gegenstände auf große Distanz dem Beschauer ungemein deutlich zeigt.
Die Mauer, auf welche man Fresko malen will, wird, wenn sie noch rauh in Steinen und Spalten ist, mit grobem Mörtel aus gelöschtem Kalk und grobem Flußsand angeworfen und ziemlich eben verstrichen; ist die Mauer zu glatt in Steinen, so läßt man mit dem Hammer schräge Rinnen und Löcher hinein klopfen, daß der Mörtel hält; auf Backsteinmauern ist dieses nicht nothwendig, weil davon der Anwurf von selbst angezogen wird. Sobald der erste grobe Anwurf, unter den auch Häckerling gemischt werden darf, ausgetrocknet, so nimmt man die Pause von dem Carton, dessen Inhalt in Fresko gemalt werden soll, rollt sie von unten nach oben auf und befestiget sie ganz so wie sie angeheftet war, an dem oberen Rande des Cartons, über der Stelle der Mauer, worauf das Freskobild gemalt werden soll, und bindet die gerollte Pause in der Mitte mit umschlungenem Bande oder Schnur zusammen, daß sie, an der Mauer befestigt, nicht sich von selbst abrollen kann. Hierauf stellt man eine ziemlich ausgeführte Farbenskizze in Oel, Guache oder Aquarell des auszuführenden Gegenstandes neben sich, und läßt von einem Stuccateur oder reinlichen Maurer auf den ersten groben Mörtelanwurf eine dünnere Schichte oder Lage feineren Mörtels aus feinkörnigem Flußsand und Kalk dahin auftragen, wo man mit dem Freskobilde anfangen will. Gewöhnlich fängt man oben an einer Ecke oder überhaupt an Hintergründen an; in diesem Falle läßt man sich auf den vorher mit Wasser besprizten groben Anwurf so viel feinen Mörtel auftragen, als man glaubt in einem Tage oder einer vorgesetzten Zeit malen zu können. Wenn alsdann das Stück angetragen ist, so rollt man seine Pause auf, die natürlich genau im Winkel mit den Ecken des Raumes, worin man malt, übereinstimmend aufgemacht sein muß, und fährt auf der Stelle, wo die Pause den frisch angetragenen Mörtel bedeckt, alle Striche mit einem spizigen beinernen Griffel nach, indem man so andrückt, daß die Striche in dem ziemlich weichen Mörtel eingedrückt erscheinen, welche man alsdann wie einen aufgezeichneten Contour zur Ausführung benußt, nachdem man vorher die Pause wieder aufgerollt und zusammengebunden hat. Einige schneiden ihren Carton in kleinere Stücke, die sie Stück an Stück nebeneinander fügend durchzeichnen, und sich so die Anfertigung und mehrere Umständlichkeit der Pause ersparen; allein für einen Carton, der wirklich mit künstlerischem Fleiße gemacht ist, wäre es Schade, wenn er, den man für alle Zeiten aufbewahren kann, so unfehlbar ruinirt würde.
Die Farben zu dieser Art der Malerei müssen erdartig sein, vegetabilische Farbestoffe oder Mineralien werden vom Kalk zerfressen oder schwarz. Man nimmt dazu Englischroth, Kork- oder Beinschwarz, Cobalt, Terra de Siena gebrannt, Umbra, Bolus, Neapelgelb, gelben Ocker, gebrannten gelben Ocker, Goldocker, Dunkelocker, Ultramarin, Röthel, Chromroth, Cölnische oder Kasseler-Erde.
Andere Farben zu gebrauchen, ist gefährlich. Man reibt sie mit Wasser sehr fein ab, bewahrt sie in verschlossenen Tiegeln vor Staub, und feuchtet sie beim Malen mit Wasser an. Die Palette zum Freskomalen ist von Blech (verzinnt) mit einem breiten festgelötheten blechernen Ring gerade unter der Stelle versehen, wo an Oelpaletten das Daumenloch ist; durch diesen Ring steckt man beim Malen den Daumen. Auf den Stellen der Palette, wo Farbenpasten in Haupt- oder gemischten Tönen zu sitzen kommen, sind Höhlungen in das Blech getrieben, in Rundung und Tiefe eines Tusche-Schälchens, damit die Farben von dem beim Malen umherschwimmenden Wasser nicht weggeschwemmt werden, und letztlich ist der Rand der Palette aufgeschlagen, etwa in der Höhe einer Manns-Fingerdicke, damit das nöthige Wasser zum Mischen nicht ablaufte. Gemalt wird mit Borstpinseln aller Grade.
Da beim Freskomalen immer nur ein bestimmtes Stück für einen Tag vorgenommen wird, so bereitet man sich auch nur dazu seine Farben, mischt selbige auf einem Reibsteine nach dem Vorbilde der Farbenskizze in allen Abstufungen und Veränderungen, und setzt sie vom Lichte zum Schatten der Reihe nach auf. Die Aufmischung der Farben vom dunkelsten bis zum hellsten Tone geschieht mit Zusatz von gelöschtem Kalk (am besten sind Kalksteine aus der Isar), der aber schon einige Zeit gelöscht sein muß, damit er seine Schärfe verliere. Die Farben werden bei ganz wenigem Zusatz von Kalk sehr hell, was man erst erkennen kann, wenn die Malerei trocken ist; um dieses zu prüfen, hält man sich neben dem Malen ein Paar große Stücke Umbraun, schabt sie auf einer Seite flach, und streicht von den präparirten Farbenmischungen zum Malen von jeder Paste einen Strich mit dem Pinsel darauf, und zwar nebeneinander in der nämlichen Skala, wie sie auf der Palette sitzen. Das Umbraun saugt schnell das Wasser ein, und trocknen die Farbetöne so schnell auf, daß der Maler genau erkennen kann, wie dieselben im Bilde austrocknen.
Der zweite Kalk- oder Mörtelauftrag muß nach dem Auftrage, wo er zu naß ist, eine Stunde oder länger (nach der Witterung) ruhen, bis er wasserhart ist, d. h. eine krystallartig zartglänzende Rinde zeigt, sonst löst sich der Mörtel in der Farbe auf, und verschwindet die Malerei nach völligem Auftrocknen zum größten Theile. Die eingekrizelten Umrisse werden hierauf mit einer der zu malenden Stelle entsprechenden dunkleren Farbe und ziemlich vielem Wasser nachgefahren, und hierauf das Malen begonnen. Die vornehmste Vorsicht beim Freskomalen ist, daß man die Farben allezeit möglichst mit Wasser verdünnt, die Schatten- und Mitteltöne zuerst angiebt, und ganz zuletzt die Lichttöne aufsetzt; oder besser gesagt: daß man im Anfange wenig Weiß unter die Farben nimmt; erst wenn der Effekt ziemlich erreicht ist mit gebrochenen Mitteltönen (Halbschatten), spielt man mit den Lokaltönen hinein und setzt die frischen, wohlberechneten Lichter auf. Die nassen Farben sind wenigstens sechsmal so dunkel, wie sie ausfallen, wenn die Malerei ausgetrocknet ist, die hellen (mit vielem Weiß) ebenso, wie die tieferen ohne oder mit wenigem Weiß; würde man demnach umgekehrt verfahren, so wären Irrungen unvermeidlich, und würden oftmals helle Farben stehen, wo Schatten, und Schatten wo helle Farben hingehören. Man übt das Freskomalen am besten auf einer wasserharten, frisch gegossenen Platte von gebranntem Gypse, welche mehrere Tage feucht erhalten werden und wie eine Holztafel zum Bemalen auf eine Staffelei gestellt werden kann. Darauf mache man Proben im Colorit des Fleisches, Draperien, Haare, Hintergründe &c., und beginne einen aufgepauseten Kopf auf die vorangegebene Weise.
Die Farbenskala mischt man, wie sie im Oelmalen der Köpfe angegeben ist, und zieht den Contour des Kopfes in den fleischigen Stellen mit Terra de Siena (gebr.) nach, untertuscht diesen ganz fleißig, bis er im Braunen rund ist; dann spielt man, aber allezeit mit vielem Wasser im Pinsel, die grünlichen, rosa, violetten &c. Töne an die braunen Schatten, an diese, immer sehr naß, die Lokaltöne des Fleisches, die man zart verarbeitet mit den benachbarten Uebergangsfarben, und setzt zuletzt einige formgerechte, frische Lichter auf, deren Trockenton sich als blühend und rein auf dem Umbraunprobirstein gezeigt hat. Man verlasse sich nicht zu sehr auf die Distanz oder Höhe des Bildes von dem Beschauer, und führe sein Stück fleißig durch, um nicht zum Tapetenmaler herabzusinken; zumal im Anfange mancher ungewünschte Verstoß dadurch verborgen bleiben muß. Durch das hier empfohlene Naßmalen auf Kalk ziehen sich die feinsten Theilchen des Kalks und Sandes auf die Oberfläche des Bildes, und verursachen durch ein Amalgama eine glänzende, schimmernde Glasdecke über dem Bilde, welche vermöge ihrer Härte die Lichtstrahlen zurückwirft, woher das Helle und die Deutlichkeit der Freskobilder auf die Entfernung rührt.
Ist man mit dem vorgesetzten Stücke für einen Tag fertig, so schneidet man mit einer scharfen Spagdel oder Messer den übrigen außer Contour stehenden Kalk ab, damit er nicht hart werde, oder thut dieses gleich nach dem Auszeichnen des Contours, und malt auf diese Weise das ganze Bild fertig. In geschlossenen Räumen, in Kirchen, Sälen &c., kann man zu hell aufgetrocknete Freskogemälde ausbessern, indem man sie mit Pastellstiften überarbeitet, was bei Köpfen, Händen und zarten Theilen eines Gemäldes oftmals wünschenswerth wird; doch geschieht dies nur im äußersten Nothfalle, und muß man durch eine hinreichend gute Farbenskizze und fleißige Ausarbeitung vor dergleichen Nachhülfe sich zu bewahren suchen.
Die Enkaustik oder Wachsmalerei, gleichfalls auf Wände und zu größeren Gemälden anwendbar, wird folgendermaaßen bewerkstelliget: Man nimmt zu größerem Bedarf 3 Pfund Terpentinöl, 1 ½ Pfund Damar-Harz und 3/8 Pfund weißes Wachs, schmelzt dieses in einem neuen Tiegel über mäßigem Kohlenfeuer, und stellt die dadurch erlangte Mixtur, die beim Zergehen mit einem Glasstäbchen umgerührt wird, wohlverdeckt vor Staub, bei Seite.
Hierauf reibt man alle Farben, die vorher im Wasser fein geschlemmt sind, mit dieser Masse ab, wie man es mit Oel zu thun pflegt, und füllt sie in Blasen oder mit Schweinsblase verbundene Töpfe. Diese Malerei geschieht gleichfalls auf den feinen Mörtelanwurf, den man mit wenig Gyps vermischen kann, und läßt sich unter Verdünnung mit Terpentinöl auftragen, wie die Oelfarben auf Leinewand; auch hat man nicht nöthig, alle Stücke auf einmal fertig zu machen, wie beim Fresko, sondern man kann unter- und übermalen und retouchiren. Es ist dabei nicht ohne Vortheil, wenn man vor dem Malen die zu fertigenden Stellen mit obiger Harzmasse, die auch dazu mit Terpentinöl verdünnt wird, tränkt, und dann darauf arbeitet. Hat man eine Stelle hinreichend ausgeführt, so wird eine Kohlenpfanne mit starkglühenden Kohlen vor die Malerei gehalten, und dadurch das in der Farbe befindliche Wachs auf die Mauer befestiget, während das Terpentin verflüchtiget. Hierauf kann man wiederholt an dererselben Stelle fortarbeiten und neuerdings einbrennen, bis die gewünschte Vollendung erzielt ist. In geschlossenen Räumen wird das Einbrennen von Vielen gar nicht mehr ausgeübt und das fixirende Amalgam der Zeit überlassen.
Diese Malerei ist sehr angenehm, und die Unbehaglichkeit des Befindens auf einem Gerüste und den Terpentingeruch abgerechnet, wie die Oelmalerei vor der Staffelei; der matte Glanz mit einer ungemeinen Tiefe der Töne, der diesen Wachsfarben eigen ist, bedarf keines Firnisses, und es wäre sehr ungeeignet, sich dazu eines Weingeistfirnisses zu bedienen, so wie ein Terpentinfirniß, wie sich von selbst versteht, die Farben auflösen würde: doch bietet die Wachsmalerei der Tiefe der Farben, so wie der weicheren Oberfläche halber nicht die Deutlichkeit auf die Ferne, wenn nicht entsprechend großes Format dazu behülflich ist, wie man es bei den Freskofarben findet, und wird die Enkaustik zur Auszierung innerer Räume, das Freskomalen hingegen zu Gemälden, welche den Einflüssen des Wetters Jahrhunderte Trotz bieten sollen, angewendet.
