Volkmann 1720

Georg Anton Volkmann, Silesia Subterranea, oder Schlesien mit seinen Unterirrdischen Schätzen, Seltsamheiten, welche dieses Land mit andern gemein, oder zuvoraus hat…, Leipzig [Moritz Georg Weidman] 1720.


CAP. XIII.

Von allerhand Siegel-Erde/ Bolis, Mergel, oder Stein-Marck, Kreyde, Ocker &c.

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pp. 287–289

§. 27. Ocher, oder Ocker gelb, gelbe Erde, Berg Gelbe, Oggers gelbe, Leber-Erde, Ochra, terra citrina, luteum montanum, Græc. óχρα, ist eine harte gelbe Erde oder Doon, bleyicht, kupffericht und eiserner Natur, von einem etwas anhaltenden Geschmack, welche nicht nur umb und bey den Metallen, besonders in den Kupffer- und Bley-Gruben, sondern auch wohl in eigenen Adern in den Bergen gefunden und ausgegraben wird. Von den Berg-Leuten wird er ein von den Klüfften kommender Sinter oder ausgetrockneter Gehr genannt, welcher offters durch die Gruben Wasser auf den Stollen zu Tage ausgeführet, und gesammlet wird.

§. 28. Anfangs kam er theils aus Franckreich, theils aus Engelland, heute zu tage aber findet er sich auch hin und wieder in Deutschland, Ungarn, Böhmen, umb Hildesheim, in Hessen zwischen Alsfeld und Einbeck, und andern Orten mehr. Dessen giebet es drey Sorten, als die gemeine, die Mittel Gattung, und die feine. Olaus Wormius machet derer noch mehr. Es hat auch einen gemachten, wenn nehmlich das schwarze Bley so lange im Feur gebrannt wird, bis es gelbe Farbe bekommet.

§. 29. Bey uns wird er zu Kupfferberg, und Aldenberg bey den alten Silber Schichten sehr schön und in grosser Menge gefunden; ingleichen zu Mauer und Goldberg am Burg-Berge vorm Salzer Thore über der Ober-Mühle, auf welchem Berge vor Alters die Fürstliche Burg oder Schloß gestanden, so der Fürstin Ludomilla, Herzogs Friderici I. hinterbliebener Wittib, Königs Georgii zu Böhmen Tochter Leib-Gedinge gewesen, und sie daselbst ihren Fürstlichen Sitz gehabt; wie auch zu Kopatsch in einem Garten, unter welchen dreyen die letztere die beste ist. Es giebet auch eine auf dem Sand-berge bey Schweidnitz zwischen Schönbrunn und Cammerau, in und ausser denen daselbst befindlichen Æxiten; zu Skarschin im Fürstenthum Oelße werffen die dasigen Gesund-Quellen, derer wir in folgenden Capitul gedencken wollen, eine gelbe Martialische Ocker mit sich in die Höhe, welche sich hernach an die Röhren und Rinnen, wordurch das Wasser aus den Trinck-Quellen, in den Bade-Brunnen geleitet wird, anleget, auch, was sich hiervon nicht ansetzt, wie groß und kleine Flocken aus den Rinnen kommt, und mit dem Wasser fortlaufft. Zu Obernick, 2. Meilen davon, lieget auf einem Sand-Berge sine ganz braune, wie eine Umbra, die einen starcken Eisen-Geruch hat, und zu Massel eine Goldgelbe im Wasser-Graben des Pfarr-Gartens.

§ 30. Sie ist eine resolvens in Geschwulsten, besonders bey den Ohren, und um die Gelencke, wenn man sie unter die Pflaster mischt, zermalmet die zusammen gewachsene steinichte Härtigkeiten um die Gebeine, und trocknet die fliessenden Schäden aus. Die Weiß-Gärber gebrauchen sie zu Färbung des Sähmischen-Leders; wenn sie gebrennet, gibt sie eine sehr schöne roth-braune Farbe, die den Tischlern und Mahlern nützlich.