Fernbach 1849
Franz Xaver Fernbach, Frescomalerei!, Neue Münchener Zeitung 165 (Beilage zu Nr. 165, 16. Juli 1849) | 167 (Beilage zu Nr. 167, 18. Juli 1849), München 1849, [s. p.].
Beilage zu Nr. 165 der neuen Münchener Zeitung.
Montag 16. Juli 1849.
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Die Frescomalerei!
„ne omnis moriatur.“
Die Frescomalerei soll und wird auch nicht zu Grunde gehen, wie ein Artikel in der Beilage Nr. 168 der Augsburger Allgemeinen Zeitung sich überhebend im Lobe der Fuchs’schen Stereochromie in Aussicht stellen will. Der Verfasser jenes Artikels hat einerseits die Ursachen des leider eingetretenen Verfalls dieser Maltechnik übersehen, oder ignorirt, so wie die Studien übersehen, die seit längerer Zeit stattgefunden, diesen Uebelständen in der Frescomalerei möglichst abzuhelfen und andererseits scheinbar nicht in gehörige Erwägung gezogen, daß gar viele sowohl aus der Mauermasse, als auch aus den Atmosphärilien auf das Wasserglas einwirkender Zerstörungs-Ursachen vorhanden sein könnten, die sich mit der im voraus schon so bestimmt verheißenen (bereits ewigen) Dauer und Beständigkeit unmöglich vereinen lassen. Darüber nun, sowohl über das eine wie über das andere, wollen wir uns einige Betrachtungen erlauben. Hiebei soll von vorneherein schon fest erklärt bleiben, daß wir es hiebei nicht mit dem allerdings großen Verdienste des allenthalben hochverehrten Erfinders des Kieselkali oder Wasserglases, Herrn Oberbergrath Dr. Fuchs zu thun haben, sondern lediglich und allein nur die für diese Erfindung erhobenen Werthsansprüche, als könnten nämlich durch Wasserglas sogar im Freien angebrachte unzerstörbare Mauermalereien hervorgebracht werden, und als wollte die hierauf gebaute sogenannte Stereochromie die altehrwürdige, seit Jahrtausenden bestehende und sich bewährte Fresco-Malerei durchaus zur Antiquität herabwürdigen oder gar entbehrlich machen und verdrängen, hier näher besprechen.
Verfasser will die in jenem Artikel enthaltene Herz und Gemüth erhebende Erfindungslegende und die bizarren damit verbundenen Bemerkungen umgehen, glaubt aber, daß die angeführten persönlichen Verhältnisse mit Professor Schlotthauer, ohne in ein Recht oder Unrecht eingehen zu wollen, als eine reine Privatsache zu betrachten und jene Ihn betreffenden Stellen der Oeffentlichkeit nicht angehörend, einen Mann, der die allgemeinste Achtung genießt, kompromittiren, gelinde ausgesprochen, unzart und ungeeignet sein möchten. Wir wollen uns daher lediglich an jene Schlußartikel halten und diese Verhältnisse dem verehrlichen Publikum zur geeigneten Beurtheilung einander gegenüber stellen. In jenem Artikel heißt es u. A.: „Die Stereochromie ist nicht bestimmt die Oel-Malerei, sondern die italienische Frescomalerei zu verdrängen.“ „Wie sehr die Frescomalerei Brust und Augen angreift und schädlich ist,“ heißt es ferner, „ließen sich viele traurige Beispiele erzählen.“
Die seit Jahrtausenden geübte und sich bewährte altehrwürdige Frescomalerei durch die in ihrer größten Kindheit sich noch befindliche Stereochromie zu verdrängen, hieße vergleichnißweise, – eine Pygmäe will einen Riesen erschlagen. – Die Beschuldigung der Schädlichkeit wiederlegt sich am Besten durch die mit der Frescomalerei beschäftigt gewesenen Maler und durch die unzähligen Maurer, die bereits von ihrer Kindheit immer mit Kalkmörtel umgehen und das höchste Alter erreichen. Hier möchten wir wohl zu bedenken empfehlen, daß fördernde Kritik nicht Alles geringschätzig zu beurtheilen pflegt, und daß, um etwas vortrefflich zu preisen, es keineswegs nöthig sei, Anderem Fehler aufzubürden oder dasselbe herabzusehen; man lasse doch Jedem für seine Zwecke und für seine Bedürfnisse Gerechtigkeit widerfahren!
Es ist viel gewagt, vom Parteigeiste sich überwältigen zu lassen und den Untergang der Frescomalerei durch die benannte Stereochromie so apodiktisch auszusprechen, ohne hiebei die männliche Konsequenz durch neuere und großartige Verheißungen und Gewährleistungen wiederholt nicht verlegt zu wissen, und ohne mit den einschlägigen, historischen, geschichtlichen und noch vorhandenen Erscheinungen sich vertrauter zu machen.
Die Frescomalerei steht mit goldenen Buchstaben im großen Buche der Geschichte, sogar der vorchristlichen Zeit niedergeschrieben. Was auch in diesem Gebiete, für diese Zwecke und Bedürfnisse immerhin Neues erscheinen mag, so wird es niemals gelingen, jene tief eingegrabenen Schriftzüge auszulöschen und zu vernichten. Die Frescomalerei ist die Mutter aller Malarten und wir finden sie in der ägyptischen Kunstepoche, in Beziehung auf Dauer schon in einer für uns noch überraschenden und bewunderungswerthen Weise geübt. Nicht minder vollkommen und beunschilderungswerth, in Beziehung auf Schönheit und Durchsichtigkeit der Farben, malerischer Durchbildung und Vollendung, finden wir die Frescomalerei in der italienischen und der alten deutschen Kunstepoche, aus welchem wir hier einiges jener Werke zur Gewähr und Ueberzeugung hinstellen und anführen zu müssen glauben.
Salt, Belzoni u. A. geben uns über die ägyptischen Frescen interessante Nachrichten. Salt sagt in seiner Beschreibung eines ägyptischen Mausoleums: „Die Wände desselben sind mit Frescomalerei überdeckt, so daß bei größter Sorgfalt unmöglich ist, Copien zu liefern, die an Pracht und Reinheit der Farben dem Original gleich kommen.“ In gleicher Weise spricht sich Norden aus. Er sagt: „die ägyptische Fresco-Malerei ist so interessant, daß ich es für nöthig halte, mich hierüber etwas näher auszulassen. Ein Gemälde von 80 Fuß Höhe und verhältnißmäßiger Breite ist in Basreliefs getheilt und mit den ausgesuchten Draperien und dem Nackten angemessenen Farben bedeckt. Noch bewundernswerther ist, daß das Azur, Gelb, Grün und die übrigen Farben so wohl erhalten sind und so fest sitzen, daß es unmöglich war, ein Stück davon abzulösen.“ Champollion der Jüngere bemerkt u. A. über mehrere Frescogemälde im Palast des Königs Rhamses Maiamun: „Die Komposition war ganz auf Schmuck oder Zierde berechnet. Die glänzendsten Farben, in geschicktester Vermählung oder Verschmelzung, bildeten Entwürfe von unendlicher Mannigfaltigkeit, gegen die auch der modernste Geschmack nichts einwenden kann.“ Bruce erzählt im ersten Teile seiner Reise, die er in den Jahren 1768 bis 1778 zur Entdeckung der Nilquelle unternahm. (Leipzig 1790), im 17 Kapitel, Seite 183 bis 189: er habe unter den Gemälden in den Gräbern der Könige bei Theben Harfenspieler getroffen, die schön und edel, die Harfen geschmackvoll gezeichnet, in oder auf Stuck gemalt, die bereits 5000 Jahre gut erhalten seien.
Man mag hier wohl einwenden, daß Aegypten mit einem besseren Mörtelmaterial und durch ein weit milderes Klima begünstigt sei. Dagegen kann ich aber wiederholt auf das bestimmteste versichern, daß ich im südlichen Tyrol die wichtige Auffindung von antiken Frescen und farbigen Flächen gemacht habe, über welche das Wasser wegen Vernachlässigung des Gebäudes schon Jahrzehnte vom Felsen herabläuft, während die Gemälde auf dem Mauerstein so fest gebunden, die Farben so gut erhalten und fest sitzen, daß ich nur vermittelst eines Meisels und mit starken Beilschlägen kleine Splitter ablösen konnte, und daß man mit sorgfältiger Behandlung und Beobachtung des Materials für Frescen eine jenem Mörtel bereits gleichkommende Mörtelunterlage hervorzubringen im Stande ist.
In Beziehung auf mögliche Durchbildung und Ausführung der Frescomalerei der italienischen Kunstepoche, mögen die Raphael’schen Frescen, z. B. die Fabel von Amor und Psyche und der Triumph der Galatea, ferner die zwei Kuppelgemälde in der Johannes- und der Domkirche zu Parma von Correggio, welche aber durch Vernachlässigung der Gebäude beschädigt wurden und endlich die Deckengemälde in der Kirche Eusebio und in der Villa Albani, wie das in einem zur vatikanischen Bibliothek gehörigen kleinen Zimmer, la Camera dei papiri, von Anton Raphael Mengs gemalt, als die schönsten Beweise dienen. Hier kommt jedoch in Betracht, daß die Künstler jener großen Periode in Ausübung der Frescomalerei sich nicht auf ein einziges materielles Verfahren beschränkt, sondern verschiedener Ausübungsarten und Grundlagen sich bedient haben. Die verhältnismäßige Dauer und Beständigkeit der Farben an den italienischen wie an den alten deutschen Fresken kann man nach der Mauer oder der Unterlage beurtheilen und berechnen. Die italienischen Künstler malten die meisten Bilder auf ein schlechtes Intonaco (Mörtelgrund). Sie malten auf Lattenwände, auf eine Unterlage aus Kalk und Marmorkleie, auf kaum trockenen Gyps, auf unebenen höchst nachlässig gearbeiteten Mörtel und viele italienische Mauergemälde sind in Fresco-secco ausgeführt, und solche Werke werden alle überein für Fresken gehalten, was in Beziehung auf Dauer und Beständigkeit der Farben schon zu vielen Mißverständnissen und nachtheiligen Beurtheilungen für die wahre Freskomalerei Anlaß gegeben hat. In den wahrhaften, von großen italienischen Meistern ausgeführten Fresken, findet man aber die schwierigsten Beziehungen meisterhaft durchgeführt und dieselben wohl erhalten.
In Deutschland finden wir eine Menge wohlerhaltene Fresken aus den frühesten Zeiten. Am Aeußern, über dem ehemaligen Haupteingange des Kreuzganges in Brixen befindet sich z. B. ein Frescogemälde, Christus am Kreuz vorstellend mit mehreren Figuren, im Jahre 1473 gemalt, welches ich außer mechanischen Beschädigungen, noch gut erhalten gefunden habe. In Basel und anderen Orten befinden sich eben so frühe und noch früher geschaffene Fresken, welche noch eben so erhalten sind. Wir wollen aus Mangel des Raumes, um mehrere solche im Freien befindliche Fresken als Belege für die Dauer der Frescomalerei anzuführen nur noch einige aus der uns näher liegenden Schwesterstadt Augsburg anführen.
Am obern äußern Theil der Hauptkirche befindet sich dort ein noch wohl erhaltenes Marienbild aus dem 16. Jahrhundert. Die ganze äußere Façade des Weberhauses, an der Maximiliansstraße, wurde 1620 al Fresco gemalt, welche Gemälde zwar schmußig durch Rauch ic., aber noch gut erhalten sind. Völlig gut erhalten, lebendig, rein und kräftig in der Farbe sind die, an den äußeren Räumen des Scheuerischen Hauses dortselbst, vor ungefähr 200 Jahren ausgeführten Fresken; wir könnten noch eine Menge solcher Beispiele anführen, wenn es der Raum gestatten würde. Die mit unzähligen Figuren reich komponirten und mit der größtmöglichsten Optik hervorgebrachten Knoller’schen Fresken, besonders das in Ettal vorhandene großartige Deckengemälde, sind ferner die sprechendesten Beweise der schönsten und möglichsten Ausführung. Unzählige kleine und größere Engel in kaum sichtbaren Gestalten und in den zartesten verschmolzensten Tinten schweben, besonders am Ettal’schen Gemälde zur höchsten Glorie der versinnlichten Gottheit; im Gegensatz sind wieder die kräftigsten, reinsten und schönsten Farben angebracht. Im Deckengemälde des hiesigen Bürgersaales hat Knoller die schwierigste Aufgabe eines Fresco-Malers, nämlich ein Glanzlicht der himmlischen Glorie, im vollgehaltenen Tageslicht im Bilde hervorzubringen, so meisterhaft gelöst, wie wir es in einem so kolossalen Werke an anderen Fresken kaum wieder finden werden. Denjenigen endlich, welche an einer größtmöglichsten Ausbildung und Durchbildung wie an Hervorbringung einer größten optischen Wirkung, Kraft, Reinheit und Schönheit der Farben und der Frescomalerei im Allgemeinen von Künstlern aus der gegenwärtigen Zeit ausgeführt, zweifeln möchten, empfehlen wir die Beschauung der in der k. Residenz zu Stuttgart von Gegenbauer gefertigten Fresken und man wird sich eines Anderen belehren.
Durch die von König Ludwig hervorgerufenen Prachtbauten, wurde die durch anhaltende Kriegsumwälzungen lange Zeit außer Thätigkeit gekommene Frescomalerei von Cornelius neuerdings wieder in’s Leben gerufen und entwickelt. Es ist klar, daß die neuen Frescomaler bei ihren Ausführungen auf Hindernisse mancherlei Art gestoßen sein möchten und eben so klar ist es, daß eine auf Vortheile und auf längere Erfahrung beruhende Mal-Technik, wie die Frescomalerei es erfordet, weder in fünf noch in zehn Jahren durch neue freie Entwickelung auf einen Standpunkt erhoben werden kann, auf welchen unsere Vorfahren dieselbe vermittelst persönlichen Ueberlieferungen durch ein paar Jahrhundert hindurch, zu entwickeln vermochten. Dieser natürliche Umstand darf aber keineswegs auf Kosten dieser Mal-Technik zum Nutzen einer andern Sache ausgebeutet, sondern es soll vielmehr der neu zu entwickelnden Frescomalerei auf alle Weise mehr Unterstützung und derselben neue Mittel und Kräfte zur Hand gegeben werden.
Wenn man die Aufmerksamkeit wieder dem besprochenen Artikel in der Beilage Nro. 168 zuwendet, so erscheint es doch wunderbar, daß dieselbe Stereochromie, welche bereits im Jahr 1841 alle Mal-Arten, selbst die Oelmalerei entbehrlich zu machen bemühet war, als abgeschlossene und vollendete Technik zur augenblicklichen Anwendung im Lobe sich so überhebend empfohlen und hierauf in Aschaffenburg auch wirkliche Anwendung gefunden hat, im Jahr 1849 in Nro. 168 der Beilage der Allgemeine Zeitung, folglich um 8 Jahre später, trotz allen den damals schon bezeichneten Marterwerkzeugen, als Hize, Eis 2c., die ihre Unvertilgbarkeit erweisen sollten, alle jene Versuche und Arbeiten als mißlungene nun selbst erklärt, und daß man bisher keine bemalte Fläche von zwei Quadratzollen ohne Flecken hervorzubringen vermochte. Ob alle diese selbst anerkannten Mißstände der Stereochromie durch den gegenwärtig angewandten einfachen körnigen rauhen Grund allein und für die Folge gehoben, ob dieselben aus dem eigenen Wesen der sogenannten Stereochromie nicht selbst hervorgehen möchten und ob endlich dieselbe für Malereien im Freien die nöthige Bürgschaft zu leisten vermag, wofür sie sich besonders empfiehlt und deshalb die Frescomalerei verdrängen will, wollen wir im Nachstehenden einer etwas näheren Anschauung unterstellen.
Das Wasserglas ist eine chemische Verbindung von Kali und Kieselsäure (Kieselerde). Es ist luftbeständig, löst sich in Wasser, weit leichter jedoch in heißem als in kaltem. Kommt dasselbe mit Wasser und einem Kalksalze zusammen, so erfolgt eine gegenseitige Zerlegung; die Säure des Kalksalzes tritt an das Kali und der Kalk an die Kieselsäure; es bilden sich also zwei neue Salze, von denen das Kalisalz in Wasser auflöslich, das Kalksalz (der kieselsaure Kalk) dagegen in Wasser ganz unauflöslich ist. Am leichtesten erfolgt die Zerlegung, wenn das mit dem Wasserglase in Berührung kommende Kalksalz sich in Wasser löst; ist es z. B. salzsaurer Kalk, salpetersaurer Kalk oder schwefelsaurer Kalk (Gyps), so erhält man salzsaures, salpetersaures oder schwefelsaures Kali. Diese drei letztgenannten Kalisalze sind luftbeständig.
Aber auch in Wasser unlösliche Kalksalze setzen sich, obgleich langsamer, mit dem Wasserglase bei Gegenwart von Wasser um; so entsteht mit phosphorsaurem Kalk ein hygroskopisches Salz. Aus phosphorsaurem Kali, mit kohlensaurem Kalk entsteht ein leicht zerfließliches Salz: das kohlensaure Kali. – Äßender Kalk wirkt im Verein mit der Kohlensäure der Lust auf das Wasserglas gerade so wie der kohlensaure Kalk, d. h. es entsteht unlöslicher kieselsaurer Kalk und freies Kali, an welches letztere die Kohlensäure der Luft tritt. In jedem Falle bildet sich also hier ein zerfließliches Kalisalz. Kommt daher Wasserglas auf einem frischen, scheinbar trockenen Kalkgrund, oder ist die Wand, wenn auch alt, den Einflüssen der Witterung ausgesetzt, so tritt die angedeutete Zersetzung unfehlbar ein; die unausbleibliche Folge davon ist eine jahrelang feuchte Wand und das Endresultat wird ein Verwischen, Fleckig-, Laub- und Blind-Werden der Farben und gar ein Zerstören sein.
Hieraus ergiebt sich schon, daß Malereien, welche dem Regenwetter ausgesetzt sind, niemals mit Wasserglas ausgeführt werden dürfen, also die Frescomalereien nicht ersetzen, weniger noch verdrängen können. Eine zehn-, vielweniger eine halbjährige Erfahrung, scheint hiebei nicht maßgebend sein zu können, noch zu dürfen.
Es ist überdies noch ein großer Unterschied, ob Malereien auf eine alte, trockene regungslose, oder auf eine neue, mit Feuchtigkeit, Salzen 2c. oft schwer beladenen Mauer angebracht werden; letztere werden und müssen unfehlbar, entweder schon während, gewiß aber nach dem Bemalen vertrocknen und auswittern und keine günstigen Folgen üben. (Schluß f.)
Beilage zu Nr. 167 der neuen Münchener Zeitung.
Mittwoch 18. Juli 1849.
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Die Frescomalerei!
(Schluß.)
„Ne omnis moriatur.“
Die Frescomalerei darf und wird auch nicht zu Grunde gehen! Sie soll vielmehr neu aufblühen neues Leben und Ansehen gewinnen und ich spreche im höchsten Interesse der Kunst daher meine Ansicht unumwunden dahin aus, daß, insbesondere in unserem Klima, eine systematisch begründete und durchgebildete Frescomalerei an äußern Gebäuderäumen die zuverlässigste und dauerhafteste sei. Keine Malerei die vermittelst einer Farbenschichte auf die trockene Mauer aufgetragen auf derselben haftet, und wenn sie noch so fest erscheint, ja einige Jahre zu widerstehen im Stande ist, dürfte diesen Widerstand je auf die Dauer zu leisten vermögen, weil bei uns selbst der feste polirte Granit in wenigen Jahren sich abblättert, wie das Postament der Reiterstatue Maximilians des I. deutlich zeigt. Ich habe riesige, im 16. Jahrhundert geschaffene, mit historischen Bildern reich bemalte freistehende Mauerflächen aufgefunden, die mittelst einer festen Farbenkruste auf der trockenen Mauer aufgetragen waren, folglich auf derselben hafteten. Ihre Technik war bis jetzt nicht einmal erkannt worden, und niemand wußte, daß man sie in Deutschland ausgeübt hatte; denn sie galten irrigerweise für Fresken. Nach Berichten fingen dieselben schon im Verlaufe von 20 Jahren an schadhaft zu werden, und sie sind gegenwärtig (in einem geschlossenen Hofraum) bis auf einige bemalte Spuren rein abgespült, während die blanke Mauer noch gut erhalten ist. *)
*) Diese und andere wichtige Erläuterungen und Auffindungen im Gebiete der monumentalen Malerei, wird ein von mir abgefaßtes starkes, demnächst zu erscheinendes Buch: „Ueber die Malerei, die Entwickelung ihrer sämmtlichen dabei angewandten Techniken von den Urfängen bis – auf unsere Gegenwart in archäologischen und kunstgeschichtlichen Zusammenhang“ Lehr- und Handbuch für Künstler und Kunstfreunde weitere Aufschlüsse ertheilen und auseinandersehen.
Dagegen sind Fresken aus jener Zeit und in derselben Art bis auf diesen Augenblick gut erhalten. In der Frescomalerei ist die Farbe und das von der Natur zum Widerstand geeignete Material, Kalk und Sand auf’s innigste verbunden. Es bildet sich hiebei, vermöge der Einwirkung der Luft, von selbst eine feste kohlensaure Kalkkruste, so zu sagen eine natürliche Art Verglasung. Diese ist es, welche den Einflüssen des Wetters zu widerstehen vermag. Die Haltbarkeit der Frescomalerei wird aber vorzüglich durch die Porosität der Mauer gefördert, weil die Luft oder die Atmosphärilien ungehindert hindurchströmen und sie austrocknen können. Es unterliegt keinem Zweifel mehr, daß Dauer, Kraft, Reinheit und Schönheit der Farben, so wie leichteres und angenehmeres Malen beinahe ausschließlich von einer geeigneten Unterlage abhängt, deren Herstellung einen wesentlichen Theil meiner bisherigen technischen Forschungen gebildet hat.
Hier handelt es sich also um Wahrheit, Verlässigkeit und Popularität der Sache; und dieser besprochene Gegenstand ist im Allgemeinen für die Kunst von zu großem Interesse und von zu großer Bedeutung, die vieljährigen und mannigfachen Verheißungen der Stereochromie sind wahrlich zu früh und zu hoch gestellt, als daß sich eine mehr bescheidene persönliche Rücksichtsnahme hiebei einhalten ließe und unsere Langmuth noch länger fortdauern könnte, in dieser so höchst wichtigen diese nothwendigen Erläuterungen zu geben.
Verfasser ist geneigt, daß falls die hier ausgesprochenen Bedenken bei einer etwaigen weitern Polemik als irrig widerlegt und gehoben werden sollten, er alsdann auch eben so endlich im Interesse der Kunst die Verdienste dieser neuen Malart öffentlich anzuerkennen und seine Bedenken als einen Irrthum zu erklären bemüht sein. So lange wird er aber seine Ansichten auf das Bestimmteste vertheidigen.
Fernbach.
