Hohberg 1682/I
Wolff Helmhard von Hohberg, Georgica Curiosa. Das ist: Umständlicher Bericht und klarer Unterricht Von dem Adelichen Land- und Feld-Leben/ Auf alle in Teutschland übliche Land- und Haus-Wirthschafften gerichtet/ hin und wieder mit vielen untemengten rare Erfindungen und Experimenten versehen/ einer mercklichen Anzahl schöner Kupffer gezieret/ und in Zweyen absonderlichen Theilen/ deren jeder in Sechs Büchern bestehet/ vorgestellet; Also und dergestalt/ daß in dem Ersten Theil Der Landgüter Zugehörungen und Beobachtungen/ wie sich Christliche Hausvätter und Hausmütter in ihrem ganzen Beruff/ sowol inner- als ausserhalb des Hauses/ in allen Begebenheiten und fürfallen den Veränderungen/ als auch durch das ganze Jahr/ mit allen Arbeiten und Anstellungen im Haus und Felde/ und gegen Jederman zu verhalten/ auch wie die Weinberge/ Obst- Kuchen- Arzney- und Blumen-Gärten auf das beste einzurichten/ zu warten und zu geniessen/ enthalten… I, Nürnberg [Johann Friedrich Endter – Michael Endter Seel] 1682.
Des
Adelichen Land- und Feld-Lebens
Erstes Buch.
Land-Gut.
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Cap. XXIII.
Wie die Abtheilung des Hauses geschicklich anzustellen.
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p. 26
Die Alten haben den Gebrauch gehabt/ ihre Wohnstuben mit Tischler-Arbeit/ Läden und Tafelwerck zu bekleiden/ der Meynung/ daß sie desto besser die Wärme halten sollen; Ist aber/ die Warheit zu sagen/ mehr eine Gelegenheit und Unterkommen für Mäuse und Ratzen; also besser auch um viel lichter die Mauern sauber ausweissen zu lassen; weil es so wol zu Tapezereyen/ als auch zu Bildern viel geschicklicher und tauglicher ist. Wann man inwendig oder auswendig and die Mauren etwas will mahlen lassen/ muß es in den Mörtel und Kalch also in Fresco geschehen/ daß sie noch feucht sey; und muß mehr auf einmal nicht bewerffen lassen/ als der Mahler mahlen kann; so vereinigt sich die Farb mit dem Mörtel/ und bleibt beständig; wann der Kalch trocken wird/ so taugt er nicht mehr zu diesem/ die Farb schehlet sich ab/ und fällt weg; Es müssen aber darzu lauter Erdfarbe/ als gebrannter Kalch/ gelb Ocker/ braunroth/ Terra verde, Otramarin, oder blau Lazur, Smalta, braunn Ocker/ Ombra, Kienruß, und dergleichen Farben/ die der Kalch nicht aufzehren kann/ hingegen Lack/ Schüttengelb und andere von Säfften gemachte Farben verschwinden gleich/ Zinober aber/ Mennig/ Bleygelb und dergleichen verschwartzen. Zu dieser Mahlerey gehört eine geschwinde Hand/ müssen auch keine Leinfarb/ noch mit Eyergelb/ Gummi oder Dragant angemachte/ darzu kommen/ weil die Farben abstehen. Vide plura bey Herrn Joach. de Sandrart in der Teutschen Academia der Bau-Bild- und Mahlerey-Künste/ part. I. lib. 3. cap. 3.
pp. 57–58
Cap. LVIII.
Vom Kalch-Brennen.
Weil in Zusammenfügung und Festhaltung eines Gemäuers nichts tauglichers als der Kalch ist/ in dem er aus Steinen gebrannt/ mit seiner klebrichten und zähen Krafft, wann man ihn mit Sand gebührlich vermischet/ die Steine zusammen hält und gleichsam leimet/ ja endlich in der Lufft getrocknet gar wieder zu einem Stein wird/ auch so fest hält/ daß offt die Steine selber eher zerbrechen/ als der aus Kalch und Sand verhartete Mörtel: daher ein jedlicher Haus-Vater sich befleissen solle, selbst ein Kalch-Ofen zu haben/ damit er nicht allein zur Haus-Nothdurfft Zeug erlange/ sondern auch den Uberschuß anderwerts verkauffen könne. Ein wolgebrannter Kalch/ soll um das dritte Theil leichter wägen/ als die Steine gewogen haben/ daraus er ist gebrannt worden; die Stein/ so man darzu nimmet, sollen nicht mit Erden vermischt seyn/ weil der Kalch davon unrein wird/ auch nicht dürre/ faule und alt abgelegene Steine/ sondern aus frischen schattechten und feuchten Stein-Brüchen/ Item aus weissen/ harten und sehr zähen Felsen-Steinen oder aus Kisel-Steinen/ welches den besten Kalch gibet zu Gewölben und Schwibbögen. Der Kalch aus löcherichten Steinen ist gut zum Ubertünchen und Ausweissen/ weil er sich gern läst ausziehen; also wird auch aus den aufgeklaubten/ runden/ rothbräunlichten und harten Bach- und Flüß-Steinen ein guter Kalch bereitet/ wiewol die ausgegrabene und erst vom Stein-Bruch ausgehauene Steine besser sind. Der Kalch muß dritthalbe Täge im Feuer stehen/ daher muß ihm das Feuer vor der Zeit nicht entzogen werden; und wann der ausgenommene Kalch sich zertheilet und Brösleinweise kommt/ so ist er undienlich; wenn er aber Stückweise/ weißlicht/ leicht und Klingend ist/ auch wann man ihn mit Waser besprenget/ viel und grossen Dunst von sich gibt/ der ist gerecht und gut/ sonderlich wann er mit einem Geräusche siedet. Cardanus vermeinet lib. 2. de Subtilitate fol. 40. daß der beste Kalch aschenfärblecht und nicht weiß seyn solle/ weil in dem weissen das innligende Feuer schon von der eingedrungenen Lufft ausgetrieben sey/ und je fester und härter die Steine sind/ daraus der Kalch gemacht ist/ je besser wird die Hitz darinnen erhalten. Dencwürdig ist/ was Scaliger de Subtil. exercit. 101. §. 19. schreibet: daß in ein Geschirr voll Kalch/ ohne Uberfliessen/ so viel Wasser könne gegossen werden/ als sonst in dasselbige Geschirr hätte kommen können. Item was er Exerc. 104. §. 17. schreibt: Calcem in fornace tecta vidimus adeo turgesecere, ut tigna atque tegulas sustolleret, quasi fermento reor hoc illi tum contigisse. Das ist/ daß der Kalch in einem zugemachten Ofen das Dach und die Balcken hinweg schmeisse/ so zweifels ohne/ durch die hefftigen Dämpffe/ die mit Gewalt die Lufft suchen/ geschiehet; und soll der Kalch mit den Bau-Steinen viel fester und lieber zusammen halten/ wann sie beede aus einem Stein-Bruch genommen sind.
