Jacobsson – Hartwig 1782/II

Johann Karl Gottfried Jacobsson – Otto Ludwig Hartwig (edd.), Johann Karl Gottfried Jacobssons technologisches Wörterbuch oder alphabetische Erklärung aller nützlichen mechanischen Künste, Manufakturen, Fabriken und Handweker, wie auch aller dabey vorkommenden Arbeiten, Instrumente, Werkzeuge und Kunstwörter, nach ihrer Beschaffeneheit und wahrem Gebrauche II (G–L), Berlin – Stettin [Friedrich Nicolai] 1782.


s. 64–65

Gerüst, Rüstung

Gerüst, Rüstung, Fr. Echafaud, (Baukunst, Maurer, Maler &c.) ein auf eine Zeitlang aufgeführtes Bauwerk von Holz, mancherley Arbeiten darauf vorzunehmen, oder auch auf demselben in die Höhe zu steigen, bequem bey der Arbeit zu stehen, und die benöthigten Materialien in die Höhe zu schaffen. Bey Aufführung eines massiven Gebäudes muß um den ganzen Platz eine Rüstung oder ein Gerüst aufgeführet werden, so sich der Maurer bey einem Wohnhause selbst aus vereinigten Stangen verfertiget. Die senkrechten Rüststangen werden nämlich unter einander und mit dem Mauerwerk durch verschiedene horizontale Stangen, vermittelst Stricke und Nägel verknüpfet, und auf den letztern Stangen liegen die Rüstbretter. Soviel Stockwerke das Gebäude erhält, eben soviel Stockwerke bekomt auch das Gerüst, und man gelangt durch Leitern aus einem Stockwerk ins andere. Bey Thürmen und andern hohen Gebäuden wird von dem Zimmermann ein Gerüst von Bauholz verfertiget, auf welches man karren kann. Von dem Maler wird gleichfalls ein Gerüste errichtet, wenn er die Decke eines Zimmers, einer Kirche &c. ausmalet. Die Gerüste der Schieferdecker sind nur aus Stangen gemacht, und hangen an Stricken bevestiget an den Thürmen. (s. Dachstuhl) Die Gerüste der Schiffbauer an den Seiten eines Schiffs, um das Schiff kalfatern zu können, gehören gleichfalls hieher. (s. ein mehreres unter Rüstung) Endlich giebt es auch Gerüste für Zuschauer. (s. Bühne)


pp. 335–338

Kalk

Kalk, (Kalkbrenner) ein ausgebrannter und in Mehl verwandelter Kalkstein, Marmor oder Muschelschale. Es ist ein erdhafter, dichter, sehr scharfer und fressender Körper, der sich nach dem Brande mit den Fingern zerreiben lässet, und an der Luft, oder mit Wasser angefeuchtet, in ein Mehl zerfällt, mit vielem Wasser aber zu einem heißen Brey wird, der sich, wenn er auf den Boden niedergefallen, nicht gerne davon trennet; er beschmutzt die Finger und beißt auf der Zunge; hat ein dem Kochsalz ähnliches, flüchtiges, alkalisches Salz bey sich. So wie er aus dem Ofen komt, heißt er lebendiger Kalk. (s. diesen) Wenn er aber in der Luft zerfallen, oder im Wasser aufgelöset ist, nennt man ihn gelöschten Kalk. Dieser wird besonders zum Bauen gebraucht; in der Färberey hat er gleichfalls seinen Nutzen. Bey der Küpe auf Schmelzhütten wird er als ein Fluß unter die Schliche, ingleichen unter die Treibasche gemenget, und auf Eisenhämmern als ein Fluß zu manchen Eisensteinen geschlagen. In Piemont und fast in ganz Italien macht man zwo Sorten des Kalks, den schwachen und den starken: der erste ist dem gemeinen Kalk gleich, der letzte aber wird aus einem marmorartigen Stein gebrannt, und darf davon nicht mehr auf einmal gelöscht werden, als in einem Monath verarbeitet wird, sonst wird er so hart wie ein Stein.

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Kalkbrennen

Kalkbrennen, (Kalkbrennerey) die Art, aus Kalkstein den Kalk zu brennen. Dieses geschiehet in dem Kalkofen. (s. diesen) Weil die Kalksteine eine Nässe bey sich führen, so müssen sie erst durch ein gelindes Feuer austrocknen. Der ganze innere Raum des Kalkofens wird, so weit man nur kommen kann, mit Kalksteinen angefüllt, dergestalt, daß eine Lage über die andere zu liegen komt. Da diese Bruchsteine eine unförmliche Gestalt haben, so bleibt in ihren Lagen im Ofen Zwischenraum genug, durch welche die Flamme des Feuers durchstreichen kann. In den untersten Lagen der Kalksteine läßt man, so wie bey dem Ziegelofen, vor jedem Mundloch, einen leeren Raum oder Feuerstätte, die so weit und hoch ist, als das Mund- und Zehrloch. Eine solche Feuerstätte geht von einer Wand bis zur andern, wie die Bänke (s. diese) in einem Ziegelofen. Jede Feuerstätte wird oben mit Kalksteinen zugewölbet, und über diesem Gewölbe gehen die Lagen der Kalksteine nach der ganzen Länge und Breite durch den Ofen durch. Die Steine werden beynahe bis zur gewölbten Decke übereinander aufgethürmt. Anfänglich wird, wie gedacht, der Ofen nur durch ein gelindes Feuer von einigen Kloben Holz, die man in den Feuerstätten anzündet, erhitzet, und wird dieses so lange unterhalten, bis sich der dicke, schwarze und mit Dünsten geschwängerte Rauch verlieret. Es ist ein sicheres Zeichen, daß die Steine ausgetrocknet sind, wenn sich an die Hand keine Dünste mehr ansetzen, wenn solche der Kalkbrenner über die Zuglöcher hält. Dieses gelinde Feuer pflegt 6 bis 8 Stunden zu brennen. Sobald die Steine trocken sind, vermehret man nach und nach die Hitze, bis man endlich nach einiger Zeit die Steine der völligen Gluht aussetzen kann. Die Gluht muß überhaupt 6 Tage unterhalten werden, ohne daß man mit dem Feuer anhält; nur zuweilen mindert der Kalkbrenner dieselbe in etwas, wenn er an den Zuglöchern bemerkt, daß die Ziegelsteine des Ofens dergestalt erhitzt sind, daß sie anfangen zu schmelzen. Die Farbe der Flamme, die aus den Zuglöchern schlägt, verändert sich bey dem zunehmenden Grad der Hitze. Hat sich der dicke und schwarze Rauch, der die Dünste abführet, verlohren, so zeiget sich hintereinander eine Dunkelrothe, violette, blaue, und endlich eine weiße Flamme. Diese letzte Farbe ist ein Zeichen, daß diese Kalksteine gar sind. Zugleich verlieren sich der Schwefelgeruch völlig, den die Arbeiter anfänglich verspühren. Der Kalkstein selbst siehet, wenn er durch das Mundloch beobachtet wird, wie eine weiße lockere Baumwolle aus. Diejenigen Steine, welche neben den Seitenwänden des Ofens stehen, brennen jederzeit zuerst aus, und zuletzt diejenigen, welche in der Mitte liegen: denn die Spitze der Flamme, die ihre Richtung auf die Wände des Ofens hat, wird zurückgeschlagen, folglich wirkt sie mehr auf die Seiten als auf die Mitte. Wenn durch das Mundloch bemerkt wird, daß die Steine neben den Wänden des Ofens gar sind, so werden diejenigen Zuglöcher in der gewölbten Decke des Ofens, die den Seitenwänden am nähesten sind, verstopft. Die Flamme wird hierdurch blos auf die Mitte des Ofens gerichtet, und wenn die Kalksteine, die in dieser Gegend liegen, gleichfalls gar sind, so werden endlich alle übrige Zuglöcher verstopft. Zugleich werden auch die Mund- und Zehrlöcher zugestopft, und die Gluht erstickt. Nach 24 Stunden öffnet man den Ofen und nimt die Steine heraus. Man braucht gewöhnlich Fichtenholz zum Brennen des Kalks, weil dieses eine starke und lebhafte Flamme giebt, die zu diesem Zweck erfordert wird. Die Holzkloben werden bey der Feuerung in den Werkstätten nach der Länge aufeinander geworfen, und die starke Gluht der verbrannten setzt die hineingeworfenen Kloben schnell in Brand. Der Kalkstein verlieret nach dem Brennen viel von seiner Schwere, nach den Bemerkungen der Kalkbrenner die Hälfte derselben. Ohnstreitig findet man in diesem Verlust die Ursache, weshalb durch das Brennen der Zusammenhang der Theile eines Kalksteins gemindert, und der Stein selbst locker und zerbrechlich wird.

Kalkbrenner

Kalkbrenner, ein unzünftiger Arbeiter, der die Kunst verstehet, die Kalksteine zu Kalk zu brennen. Im weitläuftigen Verstande heißt auch derjenige so, welcher eine Kalkbrennerey hat, die er auf seine Kosten unterhält und von erfahrnen Leuten den Kalk brennen läßt.

Kalkbrennerey

Kalkbrennerey, ein Platz, wo die Kalkofen und alle zum Kalkbrennen gehörige Gebäude stehen und woselbst der Kalk gebrannt wird.

Kalkbruch

Kalkbruch, Fr. Charriere [!] de Chaux, die Gegend, wo Kalksteine gebrochen werden, welches am meisten am Tage geschiehet, weil der Kalkstein bey Tage aus, wenigstens unter dem Rasen liegt.

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Kalkerde, Kalkstaub

Kalkerde, Kalkstaub, Fr. Terre calcaire melange, eine weiße oder graue, mürbe, staubige, lockere Kreidart.

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Kalkkasten

Kalkkasten, (Maurer) ein 3 Fuß langer und 2 Fuß breiter Kasten, an jedem Ende mit einem Handgriff versehen. Man vermauert daraus den Kalk.

Kalkkasten, Kalkbank

Kalkkasten, Kalkbank, (Maurer) ein Kasten, der über auch in der Erde stehet, und worinn der Kalk gelöschet wird. Es ist ein länglich viereckiger Kasten von willkührlicher Größe, der auf der einen schmalen Seite einen Schieber hat, welchen man öffnet, wenn der Kalk gelöschet ist, um das Wasser ablaufen zu lassen. Damit dies desto leichter geschehe, stehet der Kasten etwas geneigt.

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Kalklöschen

Kalklöschen. (Maurer) Die gebrannten Kalksteine werden in einen Kalkkasten geschüttet, dieser halb mit Wasser angefüllet, die Steine alsdenn mit einer Hacke zerschlagen und der Kasten mit Wasser ganz voll gefüllet; denn man kann dem Kalk, welchen man in einer Grube aufbehalten will, nicht Wasser genug geben. Wenn der Kalk im Kasten auf das beste durchgearbeitet ist, so ziehet man den Schieber des Kalkkastens auf, und läßt das Wasser ablaufen. Der Kalk wird endlich in eine Grube neben dem Kalkkasten geworfen und bedeckt. Der Kalk ist allemal besser und brauchbarer, wenn er einige Zeit in der Grube gelegen hat. Soll er aber bald nach dem Löschen verbraucht werden, so muß man ihm so wenig Wasser, als nur möglich ist, geben, und kann denn allenfalls damit nach einigen Tagen gemauert werden.

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Kalkofen

Kalkofen, (Kalkbrennerey) der Ofen, worinn der Kalkstein zu Kalk gebrannt wird. Er hat gemeiniglich die Gestalt eines länglichen Vierecks; die Länge desselben ist 18 bis 20 Fuß, die Breite 12, und die Höhe, das Gewölbe mitgerechnet, 15 Fuß. Doch ist dieses willkührlich, je nachdem es die Umstände erfordern. In einem Ofen von der angegebenen Größe kann man 5 Pramen Kalksteine zugleich brennen. Ein Pram ist nach berlinischem Maaß 21 Fuß lang, 7 Fuß breit und 3 Fuß hoch. Wenn es die Gegend erlaubet, so legt man diese Oefen in einer ausgehöhlten Anhöhe an. Die Ursache ist diese: legt man einen solchen Ofen im Freyen an, so müssen die Mauern außerordentlich stark seyn, wenn man sie nicht der Gefahr aussetzen will, daß sie von dem starken Feuer, welches zum Brennen erfordert wird, gesprenget werden. Hierzu komt, daß die Nässe leichter vom Ofen abfließet, wenn er auf einer Anhöhe lieget. Findet sich aber nicht ein solcher schicklicher Platz in der Nähe, so muß man es durch dauerhafte Steine und durch die Stärke des Mauerwerks ersetzen. Die vier Seitenwände werden alsdenn bis 7 Fuß, und die Gewölbedecke 3 Steine dick; überdies werden auch noch an jeder Wand einige Strebepfeiler angebracht. Der Fußboden eines Kalkofens wird mit den härtesten Mauerziegeln ausgemauert, denn das in Brand gesetzte Holz liegt auf diesen Steinen, die daher leicht springen oder schmelzen, wenn sie nicht dauerhaft sind. In der einen langen Seitenwand sind zur Feuerung in einiger Entfernung von einander zwey Mundlöcher angebracht, die sich oben in einen gewölbten Bogen endigen. Der Schlußstein dieses gewölbten Bogens hat ohngefähr 5 Fuß Abstand von dem Fußboden des Ofens. Das Mundloch selbst aber ist nur 3 Fuß hoch und ohngefähr 2 Fuß breit; denn unter jedem Mundloch ist noch ein Zehrloch, welches den Zug der Luft, und also die Lebhaftigkeit des Feuers befördert. In einer Seite erhält der Ofen eine Thür, wodurch die Kalksteine in den Ofen gebracht werden. Sie wird vor dem Brennen aber wieder zugemauert. In der gewölbten Decke sind bey 22 Zuglöcher, die in vier Reihen gleich weit von einander angebracht werden. Es stehen gemeiniglich der gleichen Oefen mehrere zusammen, welche mit einem massiven Gebäude umgeben sind. Die Gewölbe dieser Oefen springen in den Raum des mit Ziegeln gedeckten Dachs dieses Gebäudes hinein. Eine Treppe führet zu dem Dach, und auf der starken Mauer neben dem Gewölbe kann man um die gewölbte Decke herumgehen, und die Zuglöcher beobachten. Das Gebäude ist etwas breiter, als die Oefen, und hiedurch entstehet ein Gang vor den Mundlöchern, in welchen die Arbeiter bedeckt stehen, und wo zugleich das nöthige Holz liegt. (s. Kalkbrennen)

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Kalkstein

Kalkstein, Fr. Pierre de chaux, (Bergwerk) ein Stein, welcher im Feuer gebrannt, den Mauerkalk giebt. Er ist von weit geringerer Härte als der Hornstein; bestehet aus kleinen zarten Theilen, welche keine gewisse Figur haben, sondern wie zarte Flecken aussehen, und läßt sich mit Eisen leicht poliren und bearbeiten, behält aber allemal eine matte Farbe, und wird von der Luft zertrieben. Wenn er gebrannt ist, ziehet er aus der Luft die Feuchtigkeit an sich und zerfällt zu Staub; wird aber viel Wasser darauf gegossen, so erhitzt er sich und brauset mit Scheidewasser sowohl gebrannt als ungebrannt. Man findet verschiedene Arten, sowohl der Strucktur als Farbe nach: als dichten, glimmerichten, körnichten &c. weißen, grauen, braunen, rothen und grünen.

Kalksteinbruch

Kalksteinbruch, eine Art, wo Kalksteine liegen und gebrochen werden.