Jirasek 1786

Johann Jirasek, Versuch über die Naturgeschichte einiger im Berauner Kreise gelegenen Kammral-Herrschaften, besonders Zbirow, Tocznjk und Königshof, und der anliegenden im Pilsner Kreise gelegenen Herrschaften Miröschau und Wosek, in: Abhandlungen einer Privatgesellschaft in Böhmen, zur Aufnahme der Mathematik, der vaterländischen Geschichte, und der Naturgeschichte auf das Jahr 1786, Prag – Dresden [Verlag der Waltherischen Buchhandlung] 1786, pp. 60–106.


Jan Jirásek or Johann Jirasek (1754–1797), was a Czech natural scientist. Among his principal contributions is the description and mapping of the geological structure of the Krkonoše Mountains (Riesengebirge). Here we present an excerpt from his natural history account of the royal chamber estates of Zbiroh (Zbirow), Točník, and Králův Dvůr, which includes descriptions of the limestone deposits around Zdice. The text mentions that lime burned in Zdice was transported even to the distant construction site of the Terezín (Theresienstadt) fortress (approximately 100 km away). Jirásek also emphasizes the quality of the local lime, noting that it should not be used immediately after slaking but rather left to mature in pits for an extended period. Other sources inform us that lime from Zdice was also used by the Prague fresco painter Wenzel Lorenz Reiner (1689–1743) (cf. Jahn 1797).


VI .

Versuch
über
die Naturgeschichte
einiger
im Berauner Kreise gelegenen Kammral-Herrschaften,
besonders Zbirow, Tocznjk und Königshof,
und der anliegenden im Pilsner Kreise gelegenen Herrschaften
Miröschau und Wosek,
von dem Landes-Ingenieur Jirasek.

(Mit einer Charte dieser Gegenden)


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pp. 77–78

Gegen Zdiz sind die groben sandkörnichten Anhöhen, welche bey dem Zdizer Berg in eine grünliche mit weisem Quarz gemengte Breccia sich verwandeln; dieser Stein läßt sich zu Wasserbehältern, Fenstergewänden, und andern dergleichen Arbeiten, nüzlich verwenden: er ist sehr hart, und verwittert nicht so leichte. Hinter dem Dorfe, an der Straße, bis an die Königshofer Gränze, haben die Anhöhen Geschiebe von mergelartigem Thonschiefer. Zdiz ist jener Ort, wo vor etlichen Jahren der Blizstrahl einen Heuschober gezündet, und nach dem Brande der Vegetabilien eine schlackigte löcherige Materie auf dem Boden hinterlassen hat. Herr D. Reuß bekam einige Stücke davon, und machte die möglichsten Versuche, wodurch er mineralische Laugensalze herausbrachte, welche Versuche in den Abhandlungen der Böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften auf das Jahr 1785. eingerückt sind.

Die Herrschaft Königshof, welche zu beyden Seiten von Anhöhen eingeschlossen ist, und nur in der Mitte, bis gegen den Fluß Littowa, einen flachen Streif vom Lande hat, ist von einer angenehmen Lage. Der Koukolowerberg, über dem Dorfe Popowiz, besteht aus Stinkstein von spatigtem Gewebe, Lapis suillus particulis spatosis; dieser Stein an einander gerieben, giebt einen sehr unangenehmen Geruch von sich, und schlägt mit Stahl Funken, welches bey Kalksteinen ungewöhnlich. In der Littowa, welche von Ginezer Seite anhero gegen Zdiz, Popowiz und Königshof, sodann bey Beraun in den dortigen Fluß sich ergießt, sieht man eine unbeschreibliche Menge Quarzkiesel, welche Herr General, Graf von Kinsky auf seiner Reise, nebst vielen andern sehr wichtigen Anmerkungen, im 1sten Theil der Böhmischen Privat-Gesellschafts-Abhandlungen, sehr richtig beschrieben; eben diese Kiesel sind von Ginezer Seite von der dortigen Kuppe des hohen Pleschiwez herabgerollte, und bey großen Wasserfluthen anhero gebrachte Stücke.

Der Zdizer Kalkstein wird dort zu Kalk gebrannt, wovon er den Namen führet, und bis Theresienstadt verführt; man nennet ihn auch den Leder-Kalk, weil sich derselbe mit 1 Schuch Sande bedeckt und abgelöscht in den Gruben halten läßt, wo er hernach, je älter, desto besser zu verwenden ist: man darf ihn daher niemals frisch verbauen, dann er macht, wegen seiner ⅖ Vermehrung, ein schwammiges unhaltbares Malter, welches den ersten Winter äußerlich ganz abfällt; sein schönes Weis übertrifft alle Kalche im Lande. Der Berg Kosow, über Karlshütten, hängt an dem Koukolower berg, und erstreckt sich gegen Osten bis Tetjn; obschon auf diesem berge sandige und andere harte Steinarten, die größtentheils mit Kalche gemischt sind, angetroffen werden, so scheinet das ganze zusammen gekettete Gebürge auf Grundlagen des Marmors gesezt zu seyn.

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