Neapelgelb 1809

Das Neapelgelb und seine Zubereitung, in: Sigismund Friedrich Hermbstädt (ed.), Bulletin des Neuesten und Wissenwürdigsten aus der Naturwissenschaft, so wie den Künsten, Manufakturen, technischen Gewerben, der Landwirthschaft und der bürgerlichen Haushaltung; für gebildete Leser und Leserinnen aus allen Ständen 1, Berlin [Karl Friedrich Amelang] 1809, pp. 326–329.


LXXXII.

Das Neapelgelb und seine Zubereitung.

Das sogenannte Neapelgelb, in dem Zustande wie man solches aus Neapel erhält, erscheint zuweilen in Form einer erdigen Kruste, die 3 bis 4 Linien dick ist, zuweilen aber auch in Form eines feinen Pulvers. Im ersten Fall ist es körnig, schwer, leicht zerbrechlich, und unveränderlich in der feuchten Luft. Die Farbe jenes Materials ist bald Citronengelb, bald Pomranzengelb, welches hinreichend zu beweisen scheint, dass dasselbe nicht durchaus auf einerlei Art verfertiget wird.

Es existiren auch in der That verschiedene Vorschriften zu seiner Darstellung, die wir hier mittheilen wollen.

1. Nach einer von Fougeron beschriebenen Verfahrungsart gewinnt man das Neapelgelb, indem 3 Theile weisses Spiessglanzoxyd, 1 Theil Salmiak, und ein Theil Alaun mit einander zusammengerieben werden, und das Gemenge sodann sieben bis acht Stunden lang geschmolzen, hierauf aber die geschmolzene Masse verkleinert wird.

2. Giam Battista Passéri (in seinem Werke über Fayancemalerei) liefert mehrere Vorschriften, zur Darstellung dieser Farbe; als:

a. 16 Loth Spiessglanzoxyd, 48 Loth rothes Bleyoxyd, 2 Loth mildes Kali; und 2 Loth Küchensalz.

b. Vier Theile Siessglanzoxyd, sechs Theile rothes Bleyoxyd, und einen Theil mildes Kali.

c. Ein Theil weisses Spiefsglanzoxyd, drei Theile rothes Bleyoxyd, und ein Theil mildes Kali.

d. Ein Theil Spiefsglanzoxyd, fünf Theile Bleyoxyd, und drei Achttheile mildes Kali.

e. Zwei Theile Spiessglanzoxyd, vier Theile Bleyoxyd, drei Achttheile mildes Kali, und einen Theil Küchensalz.

f. Zwei Theile Spiefsglanzoxyd, zwei Theile Bleyoxyd, zwei Theile mildes Kali, und zwei Theile Küchensalz.

g. Zwei Theile Spiessglanzoxyd, drei und einen halben Theil Bleyoxyd, und einen Theil mildes Kali.

Alle diese einzelnen Gemenge werden, wie vorher bemerkt, so lange geschmolzen, bis eine herausgenommene Probe den verlangten Zustand der Farbe andeutet. Die geschmolzne Masse muss hierauf verkleinert und mit Wasser ausgelaugt werden, um die salzigen Theile so vollkommen wie möglich, daraus hinweg zu schaffen.

3. Eine dritte Verfahrungsart zur Zubereitung des Neapelgelbs, welche ein Prinz San Severo mitgetheilt hat, ist durch Lalande bekannt gemacht worden, sie besteht im folgenden.

Zwei Theile rothes Bleyoxyd werden mit einem Theil weissem Spiefsglanzoxyd, beides im fein gepulverten Zustande, sehr genau untereinander gerieben, und durch ein Sieb geschlagen.

Jenes Pulver wird sodann auf Bogen von weissem Papier, die auf grossen irdenen Schüsseln liegen, zwei Zoll hoch ausgebreitet. Diese Schüsseln werden hierauf in dem obern Theil eines Töpferofens placirt, wo die Hitze nur schwach ist, weil schon die Reverberation der Flamme zum schmelzen der Masse hinreichend ist. Ist die Schmelzung geschehen, so werden die Schüsseln aus dem Ofen genommen, die nun eine Masse von goldgelber Farbe enthalten, welche das Neapelgelb darstellt. Da diese Farbe keine Salztheile enthält, so ist es auch nicht nothwendig, solche noch auszulaugen.

Jene Verschiedenheit in der Zubereitung des Neapelgelbs, enthält den zureichenden Grund der verschiedenen Nüancen, die wir daran wahrnehmen, und über welche die Mahler sich so oft beklagen. Man wendet das Neapelgelb in der Oelmahlerei ganz vorzüglich an; es ist glänzender, sanfter und dauerhafter als jede andere gelbe Farbe. Eben so wird dasselbe mit Gummi abgerieben in der Miniaturmahlerei; so wie auch in der Fayance- und Porcellanmahlerei mit Vortheil angewendet.