Pegius 1718
Martin Pegius, Drey Bücher Von Dienstbahrkeiten/ Oder Gründlicher Unterricht/ Wie Die Irrungen in denen Städten/ So sich wegen Scheid-Mauern/ Gemein-Mauern/ eigenen Mauern/ Tächern/ Wänden/Tach-Tropff/ Aussehens/ Fenster-brechen/ Fenster- oder Licht-verbauen/ Tag-Licht/ Vorbauens/ höher Bauens/ Ausgiessen/ Bürd-tragen/ heimlich Gemach/ Bach-Defen/ Rauchfängen/ Heerdstätten/ Hauß und Hofstatt/ eingefallener Gebäu/ Kellergrabens &c. &c. Imgleichen auf dem Lände/ Wegen der Gang-Steige/ Land-Straffen/ Brücken/ Steegen/ Vieh-Treib/ Vieh-Weyd/ Vieh-Tränck/ Wasserleitungen/ Wasserschöpffen/ Fischen/ Tämmen/ Schlachten/ Garten/ Wiesen/ Aeckern/ Weinbergen/ Zäunen/Mist-Gruben/ Sand-graben/ Steinbrechen/ Kalch-brennen/ Ziegel-Hütten &c. &c. Gerichtlich und Rechtlich zu entscheiden. Ein Werck/ nicht nur denen so Gerichts-Waltungen unter sich haben/ ingleichen Advocaten/ Procuratorn, Gerichts- und Marck-Schreibern/ sondern auch jedermänniglichen/ in den Städten und auf dem Land/ höchst-nützlich, Franckfurth – Leipzig [Johann Martin Hagen] 1718.
pp. 211–215
Von Gemählden/ Anwurff und Ubertäffeln.
Gemähld kan ein Gemeiner auf eine
Gemeine Mauer machen/
auch wider den Willen
seines Mit-Gemeiners.
KEin Zweifel ist es/ daß ein Gemeiner in der gemeinen Wand kan ein Gemähld machen lassen. Text. est in L. quidam Hyberus in princ. de serv. urb. præd. & ibi per omnes Doctores & not. Ang. in L. Inter quos in princ. in ult. Col. de Dam. infect. Dann dieweilen der Mauer dadurch kein Schad geschiehet/ auch allen Gemeinern soviel/ als derer seyn/ nutz ist/ soviel als die Zierde der Mauer anlanget/ so kans jeder auch wider den Willen seines Mit-Gemeiners mahlen lassen. Secundum Ang. in d. L. Inter quos, ad hoc tu alleg. L. Impensæ in fin. de verb. sig.
Hieraus ist zu mercken/ daß ein Gemeiner auch wider den Willen seines Mit-Gemeiners die gemeine Wand kan anweissen/ anmahlen und anders dergleichen machen lassen. Secundum Jo. pen. de papia in suo ult. Lib. in gloss antep. versic. Licet hoc casu quilibet eorum, & tenet Ang. in d. L. quidam Hyberus ante fin. in princ. Er kan auch die Mauern vertünchen und vertäfflen. Ut est Text. in d. L. quidam Hyberus §. fin. Exponit Ang. in d. L. Inter quos in Florentinis volentibus incrustare parietem, quæ incrustatio fortificat parietem.
Item/ wann einer Caution gethan hätte/ den andern wegen der Mauer schadlos zu halten/ so ist in denselben weder das Gemähld noch Vertäfflung/ noch Überzug mit begriffen/ wann es gleich schadhafft wird. Et est Text. in d. L. quidam Hyberus §. fin. & ibi per gloss. & Doct. & per Ang. in d. L. Inter quos in princ. in ult. col.
Der Gemeiner solle/ wann er Trammen einlegen will/
nicht zu starck an die Mauer schlagen; auch das Wasser von
Ausguß und anders also richten/ daß weder den Gemählden
noch Mauer Schaden geschehe.
Wann auf der einen Seiten der gemeinen Mauer ein Gemähld wäre/ so solle der andere mit Einlegung der Tramme und Balcken nicht allzuhart an die Mauer stossen oder klopffen/ damit das Gemähld nicht beschädigt würde/ dergleichen kan er auch das Wasser aus seinen Guß oder heimlich Gemach also richten und führen/ damit das Gemähld der Nässe wegen nicht verderbet werde/ dann ein Gesellschaffter oder Mit-Gemeiner solle sich der gemeinen Mauer solcher Gestalt gebrauchen/ damit solcher kein Schad geschehe. Per d. L. quidam Hyberus & per L. Fistulam si serv. vend.
Ferner/ so ich wollte ein Crucifix oder anders Gemähld in eine Kirche machen lassen/ so könnte mirs niemand verwehren/ dann solches nur die Zierde antrifft/ und nicht die Gestalt. L. ne quid in loco Sacr. & ibi hoc not. Bart.
Der Nießbrauch eines Bildes kan verschafft werden./
Ein Leibgedinger kan in den Bestand-Hauß
seine Wappen machen lassen.
Ingleichen kan einer den Nießbrauch eines Stock-Bildes oder einer Bildnuß einen andern verschaffen. L. statuæ & ibi not. per gloss. de usufruct.
Ein Leibgedinger oder Nießbraucher/ auch ein Ingedinger kan in der nießbräuchlichen oder bestandenen Wohnung sein Wappen/ Schild und Helm mahlen lassen. Per L. sed & si cujus §. ædium de usufruct. & ibi hoc not. Flor. Dann durch dieses mahlen wird die Sache nicht schlimmer noch in seiner Substanz verändert/ sonst wäre es anders/ C. de relig. L. Monumentorum & C. ne quis vela regia. Und solches kan mit den Gemähld passiren/ dieweilen es leicht wieder ausgelöscht werden kan/ ein anders aber wäre/ wann es einer wollte in Stein einhauen lassen.
Keiner kan sein Wappen/ Nahmen oder Titul
an ein frey offen Gemein-Gebäu setzen lassen.
So kan auch kein Pfleger/ Amtsverwalter oder andere besondere Person sein Wappen oder Nahmen in einen gemeinen Gebäu oder Pallast/ oder Gassen setzen lassen/ sondern allein des Käysers oder seines Fürsten Nahmen und Wappen. Ut est Text. in L. opus in fin. cum L. seq. ff. de op. publ.
So einer von seinen eigenen Geld der Gemein
ein Gebäu machen liesse/
kan sein Wappen daran machen./
Ein Bischoff von Bern bauete von andern Geld
ein Capell an der Haupt-Kirche/ u. ließ sein Wappen darein mahlen/
ist ihm aber ausgethan worden./ So einer eine Kirch oder Capell
von seinem Geld aufbauete/
so soll seine Wappen nicht weggethan
u. andere an dessen Stelle gesetzt werden.
Wo aber einer von seinen eigenen Geld/ ein Gebäu der Gemeine zum Besten bauen liesse/ derselbe kan auch sein Wappen und Nahmen zum Gedächtnuß daran mahlen lassen. Ut est Casus in L. II. Et in L. opus in fin. de op. publ. Also hält man es auch/ wann man eine Kirche oder Capelle bauet/ wann es von seinen eigenen/ und nicht mit fremden Geld geschiehet: dergleichen Casus sich mit einen Bischoff zu Bern/ der Cardinal und Vice-Camerarius war/ zugetragen/ der hatte von dem Geld der Armen 2000. Ducaten genommen/ und an Gebäude an die Haupt-Kirchen zu Bern verwandt/ und liesse in einer Capelle sein Wappen mahlen/ welches ihme aber wieder abgeschaben worden/ und das auch von Rechtswegen/ dann er den Bau nicht von seinen eigenen Geld geführet. Arg. c. relatum cum ibi not. per gloss. & Doct. extra de præb.
Wann einer von seinem Guth eine Kirche oder Capelle bauete/ und ließ seine Wappen zum Gedächtnuß daran mahlen/ wie es dann gebräuchlich ist/ so können die Priester dieselbe Wappen nicht hinwegthun/ um ein anders an dessen Stelle zusetzen/ so sie es aber ja thäten/ so sollen sie nach Erkanntnuß des Richters gestrafft werden. L. qui libertatem ad fin. Et L. opus ff. de op. publ. secundum Lud. de Rho in CCCIV. singulari ut not. Bar. in d. L. qui libertatem.
Der verjagten Verräther Wappen
können abgethan werden.
Dieses sollen sonderlich die Fratres minores und etliche andere Religiose wohl mercken/ die der verstorbenen Capelle andere Nahmen geben/ welches sie nicht thun sollen/ auch die jenige/ die die Wappen abschaben und andere davor hinmahlen. Wann aber einer aus seinen Vaterland/ Verrätherey halber/ verjagt wäre/ dessen Wappen können wohl abgethan werden. Casus est in L. Eorum qui ff. de pœn. secundum Ludov. de Ro. in suo sing. CCCLIII. quod incipit, eorum arma & ita etiam sæpissime observatur.
Wann einer einen gemahlten Verräther
auswischet/ ist straffmäßig.
So auch einer auf einen gemeinen öffentlichen Orth als ein Verräther angemahlt stünde/ und einer wischete es aus/ ohne Erlaubnuß des Käysers oder Fürstens/ der ist Straffmäßig. In Edictum de quo habetur in L. si familia de jurisdict. omni judic. & ibi hoc not. Ang.
Straff derer/ die der Heiligen Bildnuß
schänden oder zerbrechen.
Wann einer das Bildnuß Gottes oder eines Heiligen schläget/ der kan gestraffet werden. L. Cornelia de sicc. L. Ho. Senatus de sicc. Et ibi hoc not. Ang. Angelus schreibet/ er habe zu Paris gesehen/ daß man einen/ der ein hölzenes Crucifix zerbrochen/ die Hände abgehauen/ und was noch mehr ist/ so könne ein solcher mit dem Tode gestraffet werden. De quo vide per Ang. in L. I. C. de rap. vir. Et quod habetur C. II. de off. ord. LI. VI.
Straff der Mahler/ so mit verfälschter Farbe mahlen./
Ingleichen auch der Färber.
Die Mahler/ so sie mit ungerechter vermängter Farbe mahlen/ sind dem Herrn seine Interesse abzulegen schuldig. Ut L. II. & ibi hoc not. Bar. C. de muril. Lib. X. Item tenetur Crimine Stellionatus. L. III. §. si quis servos de Crimine Stell. Et not. Bar. in d. L. II. ad fin. Dergleichen ist es auch mit den Färbern zu halten/ die verfälschte Farben zu den Tücherfärben nehmen. Bar. in loco prædicto.
Item/ weil das Gemähld schätzbarer ist als die Tafel oder Papier/ so wird dieser Unterscheid darinnen gehalten; so der/ deme die Tafel eigenthümlich zustehet/ dieselbe sammt den Gemähld besitze und innen hatte/ und der Mahler sein Gemähld von ihm begehrte/ ist er ihm solches/ den Werth der Tafel zubezahlen schuldig; ist aber der Mahler selbst Besitzer der Tafel/ so ist er schuldig mit den Eigenthümer derselben Tafel sich zu vergleichen. Ita est text. in §. si quis in aliena Tabula. Inst. de re divis. Et L. in rem. §. sed id quod in charta, de rei vend. & quod. not. in dictis Juribus.
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pp. 216–217
Von Bau-Gerüst.
Diß ist zu verstehen durch ein Bau-Gerüst/ darauf die Werck-Leuthe/ als Maurer und Zimmer-Leuthe stehen/ etwas zubauen. L. si ut certo §. interdum ff. Commoda.
Das Bau-Gerüst kan nicht auf des Nachbarn
Grund gelegt werden.
Wann einer ein Hauß bauet/ so kan er sein Bau-Gerüst auf seines Nachbarn Grund nicht setzen/ daß alsdann die Arbeits-Leuthe darauf zu ihrer Arbeit stehen. Arg. L. quemadmodum §. 1. ad L. Aquiliam & L. I. §. ædificare de mort. infer.
Jedoch ist dieses dawider/ daß in Fall/ so er sein Bau-Gerüst nicht anderst aufrichten könne. In L. Refectionis com. præd. Dann wann ich darff meine Mauern höher aufführen/ L. Altius C. de serv. so wird darunter schon verstanden/ daß ich das Gerüst dazu auch auf einen mir undienstbaren Orth machen kan. Ut est Text. in L. Refectionis in princ. facit ad hoc L. si iter. si serv. ven. Et L. veteres de iti. actuque priv. Wann ich es aber thun kan/ ohne meines Nachbarn Grund zuberühren/ so soll ich mich dessen auch enthalten/ und kan er mirs in solchen Fall wohl verwehren. Ita intelligitur d. §. ædificare, & alia jura superioris ad hoc allegata, quod est not. quia quotidianum.
Das Bau-Gerüst kan auf eines andern Mauer
nicht gelegt werden.
Item/ wann einer sein Bau-Gerüst in seiner Mauer hätte/ so kan er solches nicht in oder auf seines Nachbarn Mauern legen/ daß es darauf lege. Ut est Text in L. si duo. §. si vicinus uti poss.
Aus diesen erscheinet nun/ daß keiner sein Bau-Gerüst in eines andern Wand legen/ oder auf dessen Grund richten könne/ es wäre dann Sach/ daß er ohne dieses seinen Bau nicht fortführen könnte.
So einer von einen Gerüst gefällen/
wer ihn zu zahlen schuldig.
Ferner/ wann das Bau-Gerüst nicht gnugsam verbunden oder verwahret/ so auch ettwan faules/ morschiges Holtz dazu genommen worden/ und es zerbreche/ und fiele einer herab/ so ist alsdann der Werckmeister den Schaden zu ersetzen schuldig. Ut est Text. & ibi gloss. not. in d. L. si ut certo §. interdum. ff. Comm. Hieher gehöret/ auch was vor unter den Titul Von einsencken der Balcken und Trammen gehandelt worden.
pp. 402–403
Von Dienstbahrkeiten des Kalch-brennens und Sand-grabens
Vom Kalch-brennen und Sand-graben.
Diese zwo Dienstbahrkeiten sind genisch. Ut probatur in L. I. §. in prædiis & L. ergo ff. de serv. rust. præd. & Instit. de serv. §. in rusticorum. Dann der Kalch und Sand ist ein nothwendiges Ding zu Erbauung eines Häußleins dessen/ dem man die Dienstbarkeit schuldig ist/ darein er seine Feld-Früchte unterbringen könne. Ita dicit gloss. d. §. in rust. in vers. calcis coquendæ.
Das Kalch-brennen ist bißweilen allein
eine persönliche Gerechtigkeit.
So man aber einem die Dienstbahrkeit des Kalch-brennens oder Sand-grabens schuldig wäre/ nicht zu Nutz eines städtlichen noch bäurischen Erbeigens/ so wäre es keine sächliche Dienstbahrkeit/ sondern eine persönliche Gerechtigkeit. Ut not. gloss. in L. veluti in vers. quid ergo ff. de serv. rust. præd. & probatur in L. Mela. §. fin. & ibi per gloss. & Bart. & Doct. ff. de alim. & cib. leg. & not. in L. domum ff. de serv. L. pecorum ff. de servit. rust. præd.
Die sächlichen Dienstbahrkeiten strecken
sich allein auf die Nothdurfft
des herrschenden Erbeigens.
Item/ man kan keine solche Dienstbahrkeit aufrichten/ daß einer dörffe mehr Kalch brennen/ oder mehr Sand graben/ als des herrschenden Erbeigens oder Grundes Nothdurfft erfordert. L. ergo in fin. cum L. seq. eod. tit. Und das ist die Ursach/ daß die sächlichen Dienstbahrkeiten sich allein auf die Nothdurfft des herrschenden Erbeigens strecken. Ut d. L. ergo §. fin. & ita not. Bart. in L. eadem in §. Cato in 6. q. ff. de verb. oblig. & in L. stipulationes non dividuntur in 4. q. eod. tit.
Item/ so einer die Gerechtigkeit/ Kreiten oder Stein aus eines andern Grund zunehmen/ hätte/ so ferne dieselbe Dienstbahrkeit zu Nutz eines bäurischen Erbeigens gehöret/ so ist eine Feld-Dienstbahrkeit/ gehörets aber zu einem städtischen Erbeigen/ so ists eine städtische Dienstbahrkeit. So man aber dieselbe Dienstbahrkeit nicht zu Nutz eines Grundes/ sondern zu andern Sachen schuldig wäre: Als so ein Hafner wolte Hafen-Geschirr machen auf den Kauff; alsdann wird es keine sächliche/ städtische oder Feld-Dienstbahrkeit seyn/ sondern eine nützliche Gleichheit/ gleich als ein Nießbrauch. Ut est Text. cum gloss. ibi Doctor in d. L. ergo §. fin. & L. veluti ff. de serv. rust. præd.
