Rößig 1782/II

Karl Gottlob Rößig, Versuch einer pragmatischen Geschichte der Oekonomie- Polizey- und Cameralwissenschaften seit dem sechzehnten Jahrhunderte bis zu unsern Zeiten. Deutschland II, Leipzig [Weidmanns Erben – Reich] 1782.


pp. 775–780

Im siebenzehnten Jahrhunderte.

In diesen Zeiten litten die Bergwerke, wenigstens in einem großen Theil der deutschen Bergwerkslande, viel durch die Kriege, die dieses Jahrhundert merkwürdig machen. Wir nahen uns zuerst dem sächsischen Bergbaue, der in dem meißnischen Erzgebirge zu Anfange dieses Jahrhunderts noch immer blühete.

In den schneebergischen Werken hatte zwar der ungeheure Reichthum etwas nachgelassen, und sie gaben von 1598 bis 1605, von 1607 bis 1621, und von 1626 bis 1646, und also zu 15 und 20 Jahren keine Ausbeute. Es finden sich Nachrichten, daß um das Ende des Jahres 1617, wo keine Ausbeute von Silber gefallen, nach Abzug aller Unkosten, an 400 Thaler gewonnen worden, welches ein unendlicher Abstand gegen die vorigen Schätze war. Desto wichtiger aber wurde der schneebergische Bergbau ißt durch die Kobalde. Man hatte bisher die Kobalde, deren großen Nutzen man wenig oder nicht kannte, fast gar nicht geachtet. Die mehrefte Aufmerksamkeit scheint ein gewisser Christoph Schürer, ein Glasmacher von den Platten, welcher nach Neudeck auf die Eulenhütte zog, und daselbst Glas machte, erregt zu haben. Er war einst zu Schneeberg, und sah daselbst schön gefärbten Kobald liegen, er nahm etliche Stücke mit sich nach Hause, probirte es im Glasofen, und sah, daß es schmolz; er that Asche und die übrigen zum Glas gehörigen Erfordernisse dazu, und machte daraus ein schön blaues Glas. Er sann noch weiter nach, und machte etliche Schachteln voll blauer Farbe für die Töpfer. Diese Farbe kam nach Nürnberg, ward sehr bewundert, und den Holländern gewiesen. Diese forschten nicht allein, wo sie gemacht würde, sondern kamen selbst nach Neudeck zu dem Meister, lernten ihm die Kunst ab, und beredeten ihn, mit nach Magdeburg zu ziehen, und einige Proben von schneebergischen Kobalden zu machen, schickten ihn aber wieder zurück anheim. Dieser Schürer baute dann eine kleine Mühle, nur mit Schwangrädern, weil es aber zu sauer ward, richtete er’s ans Wasser, und ein Centner Farbe kostete erst hier 7 und einen halben Thaler, in Holland 50 bis 60 Gulden. Die Holländer bauten in ihrem Lande 8 Farbemühlen, hatten aber keine Kobalde, sondern liessen dieselben geröstet in Schneeberg kaufen. Dem Churfürsten Johann George I. stellte man vor, wie durch das Farbemachen auch die giftigen, sonst unnützen Kobalde könnten verbraucht und theuer ausgebracht werden, wenn man den rechten Vortheil wahrnähme und von den Holländern haben könnte. Denn die Schneeberger hatten bemerkt, daß ein Centner desjenigen, was Speise genannt würde, und im Rösten der Kobalde abtriefe und weggeworfen würde, besser sey als 10 andre. Der Churfürst schickte nach Holland, ließ zwen Farbenmacher holen, gab 1000 Fl. Verlag, und ließ auf dem Schneeberg solche Farbemühlen machen. Jnen lernte es Hans Burghard, Kämmerer und Handelsmann in Schneeberg, ab, und verderbte damit die 11 Farbemühlen auf der Platten, darunter Lorenz Breckau die erste gebauet, und sich dadurch wohl bereichert hatte. Paul Nordhof, ein Friesländer, wohnte auf der Zwittermühle, übertraf im Farbemachen alle, und diese, die ihn beneideten, vertrieben ihn unter dem Vorwande der päpstlichen Religion. Er wandte sich darauf nach Annaberg, nachdem er zuvor auch zu Schneeberg 10 Jahre Farbe gemacht, nahm auf Verlag Sebastian Oehms, Kaufherrns zu Leipzig, den Hüttenhof zu Annaberg auf, und bauete die Farbemühle 1649 im October. Er selbst wurde Faktor, der Anfangs jährlich 10000 Thaler in Händen zum Vorrath und Bezahlung der Arbeiter hatte, und dadurch wurden die annabergischen Kobalde genutzt. 1659 hatte er 8000 Centner im Vorrath, da sich andre Bergstädte auch darauf gelegt, so daß die Farbe ins Stecken gerathen. Die Kobalde waren außerordentlich ergiebig. Melzer in der schneebergischen Chronik führt aus dem Kobaldbuche den iährlichen Ertrag seit den Jahren 1620 an: in diesem Jahre gewann man 8462 Kübel, welche nach verschiedenen Taxproben 33189 Gülden 18 Gr. betragen. Im Jahr 1621 gewann man 9016 Kübel, welche nach dem Tax 36809 Gülden 5 Gr. 3 Pf. machten. 1622 gewann man 9582 Kübel für 39414 Gülden. 1623 6465 Kübel für 31421 Gülden. 1624 gewann man 7053 Kübel für 32048 Gülden. Dieses war der Gewinn von 30 bis 40 Zechen. In den folgenden Jahren wurde dieser Bau durch den Krieg unterbrochen und gestört, auch hörten die Contrakte eine Zeit lang auf, und man war genöthigt, den Kobald wohlfeil zu verschleudern.

Allein von dem Jahre 1630 an gieng es wieder etwas besser. Man bauete in diesem Jahre 20 Zechen, und gewann 2731 Kübel. In den folgenden nahm es bald ab bald zu; so bauete man 1631 noch 18 Zechen, 1632 und 1633 12 Zechen, 1634 und 1635 nur 6 und 9 Zechen, 1638 wurden 28 Zechen gebaut, und gewann davon 4033 Kübel y). Jm Jahre 1642 ward das Messen nach Kübeln abgeschafft, und dagegen der Centner angenommen z). In diesem Jahre erfolgten 1844 Centner, in dem Jahre 1647 3292 Centner, und so führt Melzer am erwähnten Orte die Gewinne aller Jahre bis auf seine Zeiten an. Im Jahre 1683 war der Contrakt auf 5000 Centner. Man ersiehet hieraus, wie ergiebig dieser Bergbau für die Stadt in diesen Zeiten gewesen. Die sächsische Regierung nahm sich dieses schneebergischen Kobaldwerks nachdrücklich an. Christian II. errichtete zu Beförderung des Bergbaues eine Kobaldkammer a), wie auch eine Safflorfarbehandlung b). Johann Georg, da sie nach dem Jahre 1620 so zu fallen anfieng, verlangte eine Berichterstattung wegen des Verfalls. Er überließ 1624 diese Handlung an seinen Kämmerer und Bergrath von Brandenstein; allein auch diese wurde aufgehoben, weil man es für den Bergbau nachtheilig fand, und 1627 eine andere mit fremden Kaufleuten geschlossen, ia 1628 die freye Handlung unterdessen auf eine Zeit lang verstattet, bis 1641 wiederum neue Contrakte in Vorschlag kamen, welche auch 1642 anfiengen c). Es wurde damals auf 6 Jahre geschlossen, und 3 unterschiedene Proben gesetzt. 1649 wurde abermahls auf 6 Jahre geschlossen, und auf 4 Proben gesetzt. Und so giengen die Verlängerungen von Zeit zu Zeit fort.

y) Melzers Bergläuftige Beschreibung der Stadt Schneeberg S. 437.

z) Melzer l. c. p. 437.

a) Melzer l. c. p. 484.

b) Melzer l. c. p. 482.

c) Melzer l. c. p. 484. 437. 486.

In diesem Jahrhunderte gieng sonderlich eine wichtige Veränderung in der freybergischen Bergverfassung vor. Man hatte, wie oben in der Geschichte des sechzehnten Jahrhunderts erinnert worden, daselbst immer nach zwey und dreyßig Theilen die Grubengebäude gerechnet. Allein in diesem Jahre, im Quartal Luciä, fieng man zuerst an, die Ausbeuten nach 128 Kuren zu vertheilen d). Uebrigens waren die freybergischen Gruben in diesem Jahrhunderte sehr einträglich. Die Silbergruben daselbst brachten 1696 in einem Jahre an Brandsilber beym Zehntneramte ein, 17166 Mark, welches nach ietziger Währung 183204 Reichsthaler ausmachte e).

d) S. (Klotzsch) vom Gegenbuche, ein Beytrag zur sächsischen Bergwerksgeschichte p. 35.

e) S. Inventarium von Chursachsen und Schrebers neue hallische Samml. VII. p. 199.