Schraudolph – Spemann 1894
[Johann von Schraudolph – Johann Wilhelm Spemann ?], Angaben des kgl. bayer. Professors Joh. von Schraudolph über seine Erfahrungen in der Freskotechnik, in: Deutsches Maler-Journal 17 / 1, Stuttgart [Johann Wilhelm Spemann] 1894, pp. 2–3.
17. Band. Heft 1.
pp. 2–3
Angaben des kgl. bayer. Professors Joh. von Schraudolph über seine Erfahrungen
in der Freskotechnik.
Freskogrund.
Der Untergrund soll durchschnittlich 1 bis 1 ¼ Zoll dick sein, aus Verputz angetragen; er muß ganz trocken sein, bevor man den eigentlichen Malgrund aufträgt. Dieser zweite Auftrag soll nicht stärker sein als ein schwacher Centimeter.
Der Verputz besteht aus öfters geschlämmtem und an der Sonne oder am Ofen wieder getrocknetem Quarzsand und möglichst wenig, aber altem Kalk. Als Wasser ist gekochtes oder Regenwasser zu gebrauchen.
Das Antragen darf nicht mit der eisernen Kelle geschehen, weil Eisenflecken durchwachsen. Am besten ist eine Antragscheibe von Holz mit Filz darauf genagelt.
Der Grund soll überhaupt nicht glatt sein, weil er dann schlecht zieht, und die Farben nicht genügend eindringen. Den Malgrund soll man eine Stunde stehen lassen, bevor man darauf malt.
Ueber die Farben.
Anzuwenden sind alle Erd- und gebrannte Farben.
Farbenproben werden am besten gemacht auf Ziegelsteine, auf denen der Malgrund aufgetragen ist, welche dann ins Freie gestellt werden.
Lacke sind gar nicht zu verwenden.
Unter jede Farbe soll etwas Kalk, auch in tiefen Tönen. Sehr vorteilhaft ist es, möglichst dünn zu malen. Was man über den Rand malt, wird grau.
Angewendete Farben.
| Weißkalk, Neapelgelb (nicht absolut notwendig), Lichtocker, Lichtocker gebrannt, Goldocker, Goldocker gebrannt, Dunkelocker, Dunkelocker gebrannt, Terra di Siena, Terra di Siena gebrannt, Eisenoxyd rot, Eisenoxyd violett, | Morellensalz, Bergzinnober, Zinnobergrün hell, Zinnobergrün dunkel, Grüne Erde hell, Grüne Erde dunkel, Umbra, Umbra gebrannt, Kölner Erde gebrannt, Kölnerschwarz, Kobalt, Ultramarin (Nürnberger). |
Wie Bergzinnober für Fresko zu präparieren.
Man schüttet ihn in einen Tiegel und gießt Kalkwasser auf; der graue Schlamm, welcher sich absetzt, wird entfernt und die Prozedur so lange fortgesetzt, bis kein Schlamm sich mehr zeigt.
Eine schöne gelbe Lasurfarbe
erhält man, wenn man die hellen Stücke der ungebrannten Terra di Siena aussucht; gebrannt geben sie auch ein schönes Rot. Bei Erdfarben ist die Farbe bedeutend zu erhöhen, wenn man die Stücke bricht und nur die durch und durch farbigen nimmt.
Bei sperren Farben, z. B. Blau, Grün, Violett, überhaupt Oxyden, setzt man „Grüne Erde“ zu, um die Inkrustierung zu erleichtern. Kobalt, rein aufgetragen, wird grau, es muß deshalb Kalk darunter.
Bei Violett
täuscht man sich mit dem Auftrocknen. Es trocknet nicht nach dem Umbrastein auf. Man probiert daher am besten die Mischungen dieser Farbe dadurch, daß man dieselbe auf einen Ziegelstein mit Malverputz streicht. Tags darauf sieht man dann genau die Differenz im Auftrocknen.
Grüne Erde
darf man in keine fetten Farben mischen, weil die Farbe sonst abspringt.
Große Flächen zu malen.
Was man nachmittags (auf die am Morgen schon angetragene Malfläche) malt, hat die Eigenschaft, einen halben Ton dunkler aufzutrocknen; man legt daher am besten alles morgens an, und bevor man übermalt, schabt man die Oberfläche mit der Spachtel etwas ab, um die schon begonnene Inkrustierung zu zerstören, und feuchtet mit Wasser wieder an; nun zieht es wieder vortrefflich und trocknet gleichmäßig auf.
Bei großen Flächen ist es auch gut, die vorgemischten Farben in Töpfe zu geben, statt auf die Palette zu setzen.
Am dritten Tage soll die Malerei Flecken bekommen, d. h. auftrocknen. Was früher trocknet, wird grau, wenn es länger dauert, „versoffen“.
Konturen sind schief abzuschneiden.
Temperamalmittel zur Restaurierung von Freskobildern.
1 Teil Trockenöl (Copal Vernis),
2 Teile Eidotter,
4 Teile Essig,
⅓ Teil Honig, wenn es weniger rasch trocknen soll.
Man kann Schmierseife zur leichteren Verbindung dazu nehmen, ist aber eigentlich überflüssig.
Vor Fäulnis bewahrt man das Malmittel durch einige Tropfen Salmiakgeist.
(Anmerkung.) Johann von Schraudolph, Historienmaler, geb. 1808 zu Oberstdorf im Algäu, erhielt seine künstlerische Ausbildung seit 1825 auf der Akademie zu München unter Schlottauers Leitung. Dann führte er die Zeichnungen von H. Heß zu einem für den Regensburger Dom bestimmten Glasgemälde aus und unterstützte denselben bei Ausführung der Freskomalereien in der Allerheiligenhofkapelle und in der Basilika zu München. Von den Kartons zu den Glasgemälden in der Kirche der Vorstadt Au sind Christus im Tempel sein alleiniges, die Heimsuchung Mariä, der Tod Mariä und die Kreuztragung sein und Joh. Ant. Fischers gemeinsame Werke. Seine umfassendste Arbeit ist der Gemäldecyklus aus dem Leben des heil. Bernhard im Dom zu Speier (1845–53). 1844 besuchte S. Italien. Im Maximilianeum zu München befinden sich eine Geburt Christi und unter den Arkaden des neuen südlichen Friedhofes daselbst eine Erweckung der Tochter des Jairus von ihm. Er starb 31. Mai 1879 in München. Sein 5 Jahre jüngerer Bruder Claudius, gleichfalls Maler, half an der Ausführung der Malereien im Dom zu Speier mit.
