Schmidt 1841
Christian Heinrich Schmidt, Volltändiges Farben-Laboratorium, oder ausführliche Anweisung zur Bereitung der in der Malerei, Staffirmalerei, Illumination, Fabrication bunter Papiere und Tapeten gebräuchlichen Farben, und namentlich der Erd- und Metall- oder Oxydfarben, Lackfarben, Saftfarben, Pastellfarben und Tuschfarben (Neuer Schauplatz der Künste und Handwerke CXVII), Weimar [Bernhard Friedrich Voigt] 1841.
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Erste Abtheilung.
Von den Erd- oder Oxydfarben.
Unter diese Rubrik gehören die verschiedenen Metalloxyde und metallischen Salze, welche in der Malerei Anwendung finden. Diese Pigmente machen den wichtigsten Theil des Farbenvorrathes aus und dienen sowohl für Leimfarben, als auch für Oelfarben. Sie sind entweder natürliche oder künstliche Producte, wenigstens in ihrer gewöhnlichen Darstellungsweise.
pp. 63–65
Zweites Capitel.
Gelbe Farben.
Der Ocker.
Man unterscheidet den Ocker in gelben, saffrangelben und goldgelben. Den hochgelben Ocker nennt man auch Satinocker. Die Ocker sind Erden von thonigem Ansehen, mit Eisenoxyd gefärbt und mit diesem Oxyd durch Vermittlung des Wassers verbunden. Wenn die Säuerung des Eisens nur unvollständig ist, so entsteht ein brauner Ocker; mehr gesäuert giebt es den gelben Ocker. Die Ocker sind im Allgemeinen mild und gleichsam seifenartig anzufühlen; sie sind glanzlos, undurchsichtig, mürbe und werden glänzend, wenn man sie mit einem polirten Körper reibt; sie kleben an der Zunge und verbreiten, wenn man sie schwach befeuchtet, einen eigenthümlichen Geruch, den man Thongeruch genannt hat; sie saugen sehr viel Wasser ein und bilden dann einen Teig; sie lassen sich sehr leicht in einer großen Quantität Wasser verdünnen. Außer dem Thon ist dem Ocker auch häufig kohlensaurer Kalk in sehr mannichfachen Verhältnissen beigemengt. Dann ist der Ocker trockner und giebt dem Gemälde weniger Körper, als ein ganz thonartiger Ocker.
Die Ocker von guter Qualität sind fett und lassen sich sehr leicht reiben; die magern Ocker oder diejenigen, welche sandig sind, lassen sich nicht so gut reiben und sind weniger geschätzt. Die natürlichen Ocker haben die Eigenschaft, daß sie durch Calciniren roth oder braun werden.
Man findet Ocker in den meisten Gebirgsländern. In der Regel bricht er auf Lagern und Nestern im Flötzgebirge, im Schuttlande. Man findet Ocker am Harze bei Goslar, Elbingerode, Tilkerode, im Siegenschen, in Baiern bei Amberg, in der Oberlausitz zu Wehrau; in Frankreich zu Vitry, St. Pourrain u. s. w.; in England in Surrey, Oxfordshire, Nottinghamshire und einigen anderen Gegenden.
Schönen Ocker liefert auch die Insel Ormuz und das Land der Kaffern. Der Ocker von Combal in Savoyen wird seit Kurzem häufig in Genf in der Oel- und Miniaturmalerei angewandt. Er ist hochgelb und enthält nach Laugier:
| Kieselerde | 44. |
| Thonerde | 20. |
| Eisenoxyd | 19. |
| Kalk | 2. |
| Talk | 1. |
| Bleioxyd | 3. |
| Kupferoxyd | 1 ½. |
| Wasser | 7. |
Der schöne Ocker von Vierzon, der nur uncalcinirt angewandt wird, enthält nach Berthier:
Thon . . . . . . . . . 69,5.
(der die Hälfte Kieselerde enthält)
Eisenoxyd . . . . 23,5.
Wasser . . . . . . . . 7.
Der Ocker von Pourrain wird dagegen gestoßen und gesiebt, worauf das, was nicht durch’s Sieb geht, geglüht wird, da es eine weniger schöne Farbe hat und Preußischroth giebt. Berthier fand in diesem Ocker 80 Procent Thon, der über die Hälfte Kieselerde enthält, 12 Proc. Eisenoxydul und 7,6 Proc. Wasser. Außerdem hat Frankreich noch Ocker zu St. Armand, der aber geringer ist und daher meist calcinirt verkauft wird. Der Ocker von Vitry (aber geglüht) enthält 3 Proc. Eisenoxyd, 94 Proc. Thon und 3 Proc. Kalk. Der Berrysche, Danziger, Nürnberger, Haynitzische (bei Meißen) gehören unter die besten Sorten des gelben Ockers.
Seine Gewinnung ist ganz einfach, indem er bloß ausgegraben und an der Luft getrocknet wird. An manchen Orten verfeinert man ihn wohl auch durch Schlämmen, oder erhöht seine Farbe durch gelindes Glühen.
Einige Arten erhalten dadurch verschiedene Schattirungen von Roth und Rothbraun und werden in diesem Zustande besonders von Malern angewendet. Das Glühen macht den Ocker zugleich weicher und milder. Man verrichtet es mit den erbsengroßen Stücken in einer eisernen Pfanne unter Umrühren und löscht ihn, sobald er roth glüht und die verlangte Schattirung hat, mit Wasser ab. Zu starkes Glühen zerstört die Farbe.
pp. 65–66
Künstliche Bereitungsart des Ockers.
Künstlich kann man ockerartige gelbe Farben bereiten, indem man kalte oder heiße Eisenvitriolauflösung unter Kalkmilch einrührt und die Mischung bei öfterem Umrühren der Luft aussetzt. Ist die gelbe Farbe durch Anziehung des Sauerstoffes entstanden, so trocknet man den Niederschlag. Je gelber die Farbe werden soll, desto mehr nimmt man völlig kupferfreien Eisenvitriol. Hat man nicht zu viel Eisenvitriol genommen, so hat man eine Farbe, die aus Kalk, Gyps und Eisenoxyd besteht; ist dagegen soviel genommen worden, daß alle Kalkerde mit Säure verbunden ist, so enthält sie Gyps und Eisenoxyd. Reines Eisenoxyd erhält man, wenn man eine Eisenvitriolauflösung (die man am besten mit Salpetersäure kocht, da dann der Niederschlag schneller gelb wird) mit einer Kali- oder Kalkauflösung fällt. Es wird im letztern Falle zwar auch Gyps niedergeschlagen, derselbe aber, wenn viel Wasser vorhanden ist, von letzterem aufgelöst. Denselben Zweck erreicht man, wenn man Kochsalz zugleich mit dem Eisenvitriol in Wasser auflöst. Vermischt man eine Alaunlösung mit einer Eisenoxydlösung und fällt die Mischung durch Kalk, so erhält man thonhaltiges Eisenoxyd, das als feine Malerfarbe gebraucht werden kann.
Der Eisenvitriol läßt sich durch metallisches Zink unter Zutritt der Luft nach und nach zersetzen. Man löse zu dem Ende 4 Unzen Eisenvitriol in einer hinlänglichen Menge Wasser auf und werfe ein Stück metallisches Zink, ungefähr 2 Unzen schwer, hinein. Nach und nach sieht man einen gelben Niederschlag erscheinen, aus Eisenoxyd bestehend, das die Schwefelsäure fahren läßt und dagegen das Zink auflöst. Nach einer Zeit von 8–14 Tagen wird sich eine beträchtliche Menge eines solchen gelben Niederschlags erzeugt haben. Den Niederschlag und die Flüssigkeit muß man durch ein Filtrum voneinander absondern. Jenen süßt man noch einige Mal aus; und er giebt alsdann eine der schönsten und feurigsten gelbbraunen Farben. Die Flüssigkeit aber siedet man ein und läßt sie alsdann zu weißem Zinkvitriol anschießen.
Auf diese Art kann man sowohl eine Farbe, als auch Zinkvitriol mit Vortheil verfertigen. Auch der gemeine Zinkvitriol setzt einen solchen gelbbraunen Eisenocker ab, wenn er mit metallischem Zink dick gerührt wird.
Die feinsten Ockersorten werden als Malerfarben, die geringeren für die Zwecke der Staffirmalerei benutzt.
pp. 67–68
Der Bolus,
auch bekannt unter dem Namen Lemnische Erde, Striegauer Erde, Armenische Erde, Siegelerde, Erde von Siena u. s. w.
Auch der Bolus gehört zu den Ockerarten, und seine verschiedenen Farbenabstufungen rühren von den verschiedenen Verhältnissen der Erde und des Eisenoxydes her. Aller Bolus ist derb, von muscheligem Bruch, etwas schwach schimmernd, rothgelb, braun, auch gefleckt, fühlt sich fettig an, hängt sich an die Zunge, wird im Feuer hart, ohne leicht zu schmelzen. Er findet sich in Armenien, auf der Insel Stalimene, dem Lemnos der Alten, wird gereinigt und mit einem Siegel bedruckt, woher der Name Lemnische Erde, Siegelerde; auch findet man ihn in Schlesien zu Striegau, Liegnitz, zu Säebühl bei Göttingen, Habichtswald bei Cassel, in Böhmen bei Zamarowska, in Steiermark, in der Oberlausitz, bei Zittau, bei Minden an der Weser, im Würtembergischen, in Frankreich (in Berry), bei Siena und bei Florenz in Italien.
Eine dem Armenischen Bolus ähnliche, schön gelbroth gefärbte Art findet man besonders bei Zittau, ferner in Böhmen und Steiermark.
Die Erde von Siena hat, in der Regel, eine iabellgelbe Farbe, die in’s Fleischrothe und Braunrothe übergeht, gleicht im Aeußern gefärbtem Thon, ist jedoch weniger fett und nicht knetbar; im Brennen wird sie braunroth. Sowohl gebrannt, als ungebrannt kommt sie im Handel vor.
Nach Wackenroder enthält der Bolus vom Säebühl bei Göttingen 41,259 Kieselerde, 21,079 Thonerde, 12,082 Eisenoxydul, 0,585 Kalk, 1,388 Talk, 0,127 Kohle, 24,575 Wasser.
Künstliche Darstellung desselben: Zu einer Eisenvitriolauflösung gießt man so lange Kalkwasser, als noch ein Niederschlag erfolgt. Dieser ist grünlich schwarz, wird aber an der Luft dunkelbraun und dem Bolus von Siena ähnlich. Will man den Niederschlag gypsfrei haben, so bewerkstelligt man ihn langsam und in vielem Wasser. Ein schickliches Verhältniß in diesem Betreff ist 1 Pfd. Eisenvitriol, 12 Pfd. Wasser und 200 Pfd. Kalkwasser. Auf diese Weise erhält man eine schöne Farbe, die der terra di Siena völlig gleichkommt und circa fünf Mal weniger, als letztere, kostet.
pp. 68–69
Gelbe Erde.
Auch diese gehört, streng genommen, zu den Ockerarten, indem sie aus Thon, Eisenoxyd und Wasser zusammengesetzt ist. Sie kommt häufig im Basalttuff, in der Wacke, im Sandstein u. s. w. mit thonhaltigen Lagern vor, besonders in Böhmen, Sachsen, Steyermark, Baiern u. s. w. Sie ist ockergelb, zuweilen in’s Röthliche übergehend, grob- und feinerdig, sehr weich, abfärbend und schreibend, beim Anhauchen einen Thongeruch ausgebend. Im Wasser zerfällt sie; im Feuer wird sie roth und unterscheidet sich dadurch von den Ockern, die im Feuer dunkelbraun werden.
Da sie wegen ihres starken Thongehaltes (50 Procent) zu leicht abspringt, so wird sie als Maler- oder Anstreichfarbe wenig gebraucht, ziemlich häufig aber zum Anstreichen des Leders, z. B. der ledernen Beinkleider u. s. w.
Die gelbe Erde wird, nachdem sie ausgegraben ist, in Bottichen auf die gewöhnliche Art geschlämmt, in Klumpen geformt und an der Sonne getrocknet, man hat eine hoch- und eine blaßgelbe Sorte.
Nach Kühn besteht die gelbe Erde von Amberg aus 37,758 Proc. Eisenoxyd, 14,111 Proc. Thonerde, 1,380 Proc. Talkerde, 33,233 Proc. Kieselerde, 13,242 Wasser.
. . .
pp. 77–83
Das Neapelgelb.
Unter den Farben, welche man in der Oelmalerei anwendet, giebt es nur wenige, die so häufig gebraucht werden und so unentbehrlich sind, wie das Neapelgelb; dasselbe wird daher auch in großer Menge in den Handel gebracht. In den chemischen Werken findet man aber keine genaue Angabe über seine Natur und noch weniger gute Vorschriften zu seiner Bereitung. Alle Schriftsteller stimmen darin überein, daß es Antimon- und Bleioxyd als Hauptbestandtheile enthält, und mehrere scheinen zu glauben, daß außerdem Arsenik darin vorkommt. In Italien wurde diese Farbe zuerst im Großen bereitet; auch bezog man sie lange ausschließlich aus diesem Lande unter der Bennung Gialollino.
*) Dr. Dinglers polit. Journ. Bd. 16, S. 76.
Passeri, de la Lande und andere Schriftsteller haben uns Vorschriften zur Bereitung dieser Farbe geliefert. Alle sagen, daß man sie durch Glühen eines Gemenges von Antimonoxyd und Bleioxyd erhält, und sie weichen nur in dem Verhältniß dieses Gemenges und der Substanzen, welche zugesetzt werden müssen, voneinander ab. Diese Substanzen sind: Weinstein, Salmiak, Kochsalz, Alaun &c. Es ist schwer, sich von der Theorie dieser Vorschriften Rechenschaft zu geben, und selbst, wenn sie richtig sind, dürften sie eher das Ergebniß vieles Probirens, als eines auf wissenschaftliche Principien gegründeten Raisonnements seyn. Thenard hat gewiß Recht, wenn er sagt, daß die Bereitung dieser Farbe nur denjenigen genau bekannt seyn dürfte, welche sie für den Handel fabriciren.
Prof. Brunner hat Neapelgelb von verschiedenen Magazinen in Rom, Paris, Lyon &c. analysirt und darin als Hauptbestandtheile immer Blei- und Antimonoxyd gefunden und überdies Eisenoxyd, Alaunerde, Kieselerde, kohlensauren Kalk &c. in sehr verschiedener und, in der Regel, in sehr geringer Menge, was zu beweisen scheint, daß diese Substanzen bloß zufällige sind.
Durch diese Analysen und mehrere Versuche ist es Carl Brunner, Professor der Chemie zu Bern, gelungen, ein Verfahren zu entdecken, nach welchem sich ein sehr schönes Neapelgelb darstellen läßt.
„Um ein reines und schönes Product zu erhalten,“ sagt er, „ist es unumgänglich nöthig, reine Materialien anzuwenden. Deswegen verdient auch der Brechweinstein (weinsteinsaures Antimonoxyd-Kali) vor allen andern Antimonpräparaten den Vorzug; derselbe sollte auch vor der Anwendung noch öfters umkrystallisirt und besonders von dem Eisen gereinigt werden, welches er oft enthält.
Das Blei muß als salpetersaures Bleioxyd angewandt werden, welches man sich leicht verschafft, indem man metallisches Blei oder auch reines Bleioxyd oder Bleiweiß in Salpetersäure auflöst und das Salz dann durch öfteres Umkrystallisiren reinigt.
Man vermengt einen Theil fein gepülverten Brechweinstein so gut, als möglich, mit zwei Theilen gepülvertem salpetersauren Blei, versetzt das Gemenge mit vier Theilen trocknen und gepülverten Kochsalzes und glüht es dann in einem hessischen Tiegel zwei Stunden lang. Die Hitze muß so stark seyn, daß das Salz in Fluß kommt; eine mittlere Rothglühhitze reicht hin. Der Tiegel wird nach dem Erkalten umgestürzt und durch einige leichte Stöße sein Inhalt in Masse losgemacht. Das Salz befindet sich größtentheils auf der Oberfläche des Gemenges; man trennt es von dem Producte durch wiederholtes Auswaschen. Das Neapelgelb befindet sich im Tiegel als eine etwas harte Masse, welche sich im Wasser zu einem mehr oder weniger feinen Pulver aufweicht. Wenn der angegebene Hitzegrad überschritten wurde, bildet das Product eine sehr harte Masße, welche sich im Wasser nicht aufweicht und schwer zu zerreiben ist; dieses muß vermieden werden.
Der Hergang bei dieser Operation ist leicht zu erklären. Der Brechweinstein wird durch das salpetersaure Blei zersetzt, indem der Sauerstoff der Salpetersäure die Elemente der Weinsteinsäure oxydirt und das Antimonoxyd in Antimonsäure verwandelt, welche sich mit dem Bleioxyd verbindet. Der Zusatz von Salz hat keinen andern Zweck, als die Wirkung der gegenseitigen Zersetzung zu mäßigen, indem sonst ein Theil dieser Metalle reducirt würde (wovon sich Professor Brunner durch directe Versuche überzeugt hat).
Das durch dieses Verfahren erhaltene Gelb ist immer gut, obgleich es in der Nuance etwas variirt. Es sticht mehr in Orange, wenn die Hitze nicht über den Schmelzpunct des Salzes getrieben wurde, und mehr in Citronengelb und sogar in Schwefelgelb, wenn die Hitze stärker war. Es ist schwer und beinahe unmöglich, stets die gewünschte Nuance zu treffen; immer erhält man aber ein gutes Product.“
Es giebt noch ein zweites Verfahren, welches wohlfeiler, aber nicht so sicher ist, als das vorhergehende. Man macht eine Legirung von gleichen Theilen Blei und Antimon, vermengt sie im Zustande eines feinen Pulvers mit 1 ½ Theile Salpeter und 3 Theilen Kochsalz und setzt sie, wie beim vorhergehenden Verfahren, der Rothglühhitze aus. Nach dieser Methode wurde sogar eine gelbe Farbe, obgleich von geringerer Qualität, bereitet, indem gepülverte Buchdruckerlettern, mit Salz und Salpeter vermengt, geglüht wurden.
Das intensivste Gelb, aber auch das am stärksten in Orange stechende, erhält man, wenn man das Gemenge in einer dünnen Schicht auf einem Röstscherben wenigstens 3 Stunden lang einer mäßigen Rothglühhitze aussetzt.
Auch Mérimée theilt, in seinem Traité de la peinture à l’huile, ein Verfahren mit, das er Guimet, dem Entdecker des künstlichen Ultramarins, zuschreibt. Es besteht darin, ein Gemenge von einem Theile antimonisaurem Kali (gut ausgewaschenem Antimonium diaphoreticum) und zwei Theilen rothem Bleioxyd oder Mennige zu calciniren. Man reibt diese beiden Substanzen unter Wasser zusammen, bis die Zertheilung vollständig ist, trocknet dann den Teig, pülvert ihn und setzt ihn einer mäßigen Rothglühhitze aus.
Dieses Verfahren hat jedoch bei weitem nicht die guten Resultate geliefert, als ersteres.
Auch in den Secrets modernes etc. par Pelouze werden mehrere Gemenge angegeben, durch deren Schmelzung man Neapelgelb erhält, und zwar:
1)
3 Theile Bleiasche,
1 Theil Antimonoxyd.
(Geschmolzen bei nicht hoher Temperatur).
2)
2 Theile Mennige,
3 Theile Antimonoxyd,
1 Theil graues Zinkoxyd.
3)
24 Theile Blei,
16 Theile Antimon,
1 Theil Weinstein,
1 Theil Seesalz.
4)
16 ⅓ Theile Blei,
10 ⅓ Theile Antimon,
1 Theil Weinstein.
5)
10 ⅔ Theile Blei,
5 ⅔ Theile Antimon,
1 Theil Weinstein.
6)
6 Theile Blei,
4 Theile Antimon,
1 Theil Weinstein.
7)
5 ½ Theile Blei,
2 Theile Antimon,
1 Theil Weinstein.
In den sechs letzten Mischungen müssen das Blei und das Antimon zuvor calcinirt und sodann mit den andern Substanzen geschmolzen werden.
8)
12 Theile Bleiweiß,
3 Theile antimoniigsaures Kali*),
1 Theil Alaun,
1 Theil Salmiak.
9)
5 Theile Bleiglätte,
2 Theile antimoniigsaures Kali,
1 Theil Salmiak.
*) Das antimoniigsaure Kali wird dargestellt durch Mischung von Antimon mit 1/4 Salpeter, wobei er diese Mischung nach und nach in einen rothglühenden Tiegel giebt und den Rückstand auslauget. Es ist bekannt unter dem Namen Antimonium diaphoreticum.
Die Substanzen werden gut gerieben, gut gemischt und anfangs mehrere Stunden lang schwach erhitzt, sodann 3 Stunden lang in der Rothglühhitze erhalten. Mit mehr Antimonium und Salmiak wird das Product röther.
Belebung. Nach Laboullaye-Marillac avivirt man das Neapelgelb auf die Weise, daß man es lange Zeit in sehr verdünnter Salzsäure kocht. Diese Säure wirkt hierbei insofern, daß sie das überschüssige Bleioxyd und die Thonerde auflöst.
Nach Versuchen bewährte sich in Paris eine Mengung von 12 Theilen Spießglanz, welches calcinirt mit 8 Theilen Mennige und 4 Theilen Zinkoxyd zusammengerieben und geschmolzen wurde.
In seinem natürlichen Zustande ist das Neapelgelb viel blasser, als in Leimfarbe- oder Oelfarbeantrichen; seine Abstufung ist viel milder und nähert sich der gelben Grundfarbe mehr, als das Chromgelb; mit den andern Farben vermischt, bildet es die zarten und harmoniereichen Farben, mit denen indessen der Uebelstand verbunden ist, daß sie mit der Zeit dunkeln.
Das Neapelgelb befördert bei seinem Gehalt an alkalischen Stoffen, die sich indessen durch Schlämmen in heißem Wasser beseitigen lassen, die Oxydation des Eisens. Man muß es auf einer Glasplatte oder auf einer Marmortafel reiben und mit einem hörnernen oder elfenbeinernen Spatel zusammenstreichen; denn Porphyr und Eisen geben ihm einen grünlichen Schimmer.
Das Neapelgelb wird hauptsächlich zu den chamoisgelben Farbetönen und zu denjenigen, welche das Gold nachahmen, angewendet; mit den blauen Farbestoffen vermischt, giebt es ziemlich dauerhafte grüne Farben. Man muß vermeiden, dieses Gelb mit eisenhaltigen Farben zu mischen, weil es davon sich schwärzen würde.
Nächst den Ockern ist das Neapelgelb die dauerhafteste gelbe Farbe, nur wird es mit der Zeit dunkler. Setzt man es dem Schüttgelb oder dem Chromgelb zu, so werden beide davon dauerhafter und es erhält von ihnen einen glänzenderen Farbenton.
Die Intensität des Neapelgelbs ist vier Mal geringer, als diejenige des Chromgelbs. Eine gute Eigenschaft des Neapelgelbs ist noch die, daß es gut trocknet.
Man wendet das Neapelgelb in der Oel-, Glas-, Porzellan- und Steingutmalerei an und zieht es dem Ocker, Bleigelb und Operment vor, weil seine Farbe heller, sanfter, fetter, weicher und auch dauerhafter ist. Wird die Farbe als Wasserfarbe benutzt, so wird sie mit Gummiwasser abgerieben, weil dieselbe dann mehr in’s Goldgelbe nuancirt. Zum Reiben ist aber ein sehr harter Marmorstein erforderlich.
p. 84
Antimongelb.
Diese Farbe, welche die Mitte zwischen dem Chromgelb und dem Neapelgelb hält, pflegt auf folgende Weise dargestellt zu werden. Man zerreibt trocken und so gut wie möglich, 1 Theil Antimonium diaphoreticum (eine Verbindung von antimoniiger Säure und Kali), 1 1/2 Theil basisch-kohlensaures Blei und 1 Theil Salmiak. Diese drei Substanzen, gut zerrieben, setzt man in einem irdenen Gefäß über ein Feuer von hinlänglicher Stärke, um den Salmiak zu zersetzen und zu sublimiren, was man an dem weißen Dampfe erkennt, der sich erhebt und aufhört, nachdem die Operation beendigt ist. Man wäscht hierauf diese Farbe, gleich den anderen, in reichlichem Wasser und trocknet sie sodann.
Herr Guimet bereitet ein Antimongelb von schöner Goldfarbe und intensiver, als das Neapelgelb, auch, wie es scheint, von Dauer, auf folgende Weise:
Er mengt 1 Theil gut gewaschenes Antimonium diaphoreticum mit 2 Theilen reiner Mennige aufs Sorgfältigste, indem er die Substanzen im Zustande des Teiges auf einer Marmorplatte reibt. Er trocknet sie alsdann, verwandelt sie wiederum in Pulver und exponirt sie 4 oder 5 Stunden lang einer mäßigen Rothglühhitze, mit der beständigen Rücksicht, die Temperatur so zu reguliren, daß eine Desoxydation des Antimons und des Bleies nicht bewirkt werden kann.
pp. 129–136
Viertes Capitel.
Rothe Farben.
Engelroth *)
oder Englischroth, Preußischroth, Braunroth, Colcothar u. s. w. – Mit diesen Benennungen bezeichnet man in der technischen Sprache das rothe Eisenoxyd, welches als Farbe zum Anstreichen von Holz und Mauerwerk, auch in der Oel-, Porzellan- und Emailmalerei benutzt wird.
*) Prechtl’s technol. Enc. Bd. V. S. 403.
Zu diesen mannigfaltigen Anwendungen gewinnt man das Eisenoxyd auf verschiedene Weise, und indem es hierbei mehr oder weniger rein, im Zustande einer mehr oder weniger feinen Zertheilung erhalten wird, zeigt es eine verschiedene Farbe. Gewöhnlich ist seine rothe Farbe bräunlich, öfters aber auch ziemlich hell und schön; manchmal geht sie in das Violette und selbst in das Schwärzlichbraune über. Immer wird das Eisenoxyd durch starkes Glühen dunkler von Farbe, und daher hat ein größerer oder geringerer Hitzegrad, bei seiner Bereitung angewendet, auffallenden Einfluß auf die Schattirung.
Für den Gebrauch als Farbe, wozu das Eisenoxyd in großer Menge und um wohlfeilen Preis verlangt wird, könnte dessen absichtliche Bereitung sich nicht lohnen; man erzeugt es daher zu diesem Behufe nur dort, wo es als Nebenproduct bei einem andern chemischen Processe abfällt. Dies ist der Fall:
a) Bei der Bereitung der Nordhäuser Schwefelsäure (des rauchenden Vitriolóls) durch Glühen von Eisenvitriol, wobei das Eisenoxyd den Rückstand bildet, und zwar vermengt mit einer geringen Menge basisch-schwefelsauren Eisenoxydes, sowie mit den Dryden derjenigen schwefelsauren Salze, welche im Vitriole als Verunreinigung enthalten waren (Kupferoxyd, Manganoxydul, Zinkoxyd).
b) Bei der älteren (nunmehr meist aufgegebenen) Bereitungsart der Salpetersäure durch Glühen eines Gemenges von calcinirtem Eisenvitriol mit Salpeter, wobei im Rückstande das Eisenoxyd mit schwefelsaurem Kali vermengt erhalten wird, daher mit Wasser ausgewaschen werden muß, um das Salz zu entfernen.
c) Bei der (jetzt gleichfalls veralteten) Methode, Salzsäure durch Erhitzen von Kochsalz mit Eisenvitriol darzustellen, wo dem zurückgebliebenen Eisenoxyd schwefelaures Natron beigemengt ist, das man gleichfalls durch Auswaschen wegschafft.
d) Bei der Alaun- und Eisenvitriolsiederei, wo der aus den Rohlaugen beim Stehen sich absetzende Schlamm aus basisch-schwefelsaurem Eisenoxyd (welches hauptsächlich mit schwefelsaurem Kalk verunreinigt ist) besteht. Durch Glühen, z. B., auf dem Heerd eines Flammofens wird die Schwefelsäure ausgetrieben und das Eisenoxyd gewonnen.
Der nach a bei Bereitung der Nordhäuser Schwefelsäure erhaltene Colcothar dient gewöhnlich zum Poliren optischer Gläser. Für die Anwendung des Eisenoxyds in der Oel-, Porzellan-, Email- und Glasmalerei reicht eine Reinigung des im Großen als Nebenproduct erhaltenen Oxyds durch Schlämmen nicht durchgängig hin, weil man theils eine größere chemische Reinheit (von welcher die Farbe mit abhängt), theils gewisse Schattirungen fordert, welche nur durch abgeänderte Bereitung zu erhalten sind. Es ist aus letzterem Grunde nothwendig, die verschiedenen Darstellungsmethoden, welche in Folgendem angezeigt sind, zu kennen.
1) Man zersetzt Eisenvitriol (schwefelsaures Eisenoxydul) durch die Hitze. Dies ist zwar der nämliche Proceß, welcher fabrikmäßig bei der Bereitung der rauchenden Schwefelsäure ausgeübt wird, wo das Eisenoxyd nur ein Nebenproduct bildet, allein wenn das Verfahren im Kleinen benutzt wird, um das Eisenoxyd reiner darzustellen, so geht es an, ganz reinen oder wenigstens kupferfreien Vitriol anzuwenden, was bei der Fabrikation der Schwefelsäure weder nöthig, noch (der Oeconomie wegen) möglich ist. Eine größere Menge Kupferoxyd aber, welches nach der Zersetzung des kupferhaltigen Vitriols dem Eisenoxyde beigemengt bleibt, macht die Farbe desselben dunkel und unansehnlich.
Der krystallisirte Eisenvitriol wird bis zur weißen Farbe calcinirt, d. h., zur Entfernung seines Wassergehaltes in einer eisernen Pfanne erhitzt, bis er schmilzt, und hierauf so lange über dem Feuer gerührt, bis er wieder trocken geworden ist, wobei er von selbst zu einem ziemlich feinen, gelblich weißen Pulver zerfällt. Dieses wird gerieben, gesiebt und sodann im Windofen, in einem bedeckten hessischen Schmelztiegel 1 – 1 ½ Stunde, oder überhaupt so lange schwach geglüht, bis beim Herausnehmen des Tiegels aus dem Feuer keine Entwickelung von schwefelsauren Dämpfen mehr bemerkt wird. Es entweicht zugleich schwefeligsaures Gas, weil ein Theil Schwefelsäure zerlegt wird, um durch seinen Sauerstoff das Eisenoxydul in Eisenoxyd zu verwandeln. Man erhält so ein schön rothes Pulver, welches man im Mörser fein zerreibt und dann schlämmt. Wird das Glühen stärker und länger fortgesetzt, so fällt das Oxyd dunkelroth oder violet aus.
2) Man glüht basisch-schwefelsaures Eisenoxyd. Um dieses Salz zu bereiten, übergießt man krystallisirten Eisenvitriol in einer eisernen Pfanne oder in einer porzellanenen Schale mit ungefähr dem gleichen Gewichte Wasser, setzt eine geringe Menge Salpetersäure zu und bringt die Flüssigkeit zum Kochen. Es entwickelt sich, indem der Vitriol aufgelöst wird, viel rother salpetrigsaurer Dampf, und wenn derselbe aufhört, setzt man wieder etwas Salpetersäure zu, wobei man sich in Acht zu nehmen hat, daß die Flüssigkeit nicht überschäumt. Den Zusatz von Salpetersäure erneuert man von Zeit zu Zeit so oft, bis derselbe keine rothen Dämpfe mehr hervorbringt. Durch dieses Verfahren wird der Vitriol in eine Auflösung von neutralem schwefelsauren Eisenoxyde verwandelt, während viel basisches schwefelsaures Eisenoxyd als ein hellgelber Schlamm sich zu Boden setzt. Die Flüssigkeit gießt man ab, den Bodensatz aber trocknet man in der Schale unter beständigem Rühren vollkommen ein, zerreibt ihn hierauf zu Pulver und glüht dieses in einem thönernen Schmelztiegel, bis es aufhört, Schwefelsäure auszudampfen. Es erhält so, wenn die Hitze nicht zu stark war, eine schöne und helle rothe Farbe. Durch stärkeres Glühen wird es dunkelroth und endlich grau; nimmt man aber diese graue, zum Theil in Klümpchen zusammengebackene Masse in den Mörser und zerreibt sie, so liefert sie ein violetes Pulver von desto schönerer Farbe, je feiner es zerrieben wird. Bei dieser Bereitungsart des Eisenoxydes ist die Anwendung eines kupferfreien Vitriols gar nicht nöthig, weil der Kupfergehalt nicht in das basische Salz übergeht, sondern in der abgegossenen Auflösung des neutralen schwefelsauren Eisenoxydes zurückbleibt.
3) Man erhitzt weißcalcinirten Eisenvitriol (1 Theil) mit Salpeter (1 ½ Theile). Das feinpulverige Gemenge von beiden Salzen wird in einen schon voraus glühend gemachten hessischen Tiegel portionenweise nach und nach eingetragen, um zu starkes Aufblähen zu verhüten; zuletzt bedeckt man den Tiegel und erhält ihn noch eine halbe Stunde oder länger (überhaupt, bis keine salpetersauren und salpetrigsauren Dämpfe mehr entweichen) in der Glühhitze. Es entsteht anfangs salpetersaures Eisenoxyd und schwefelsaures Kali, von welchem ersteres späterhin die Säure, größtentheils zersetzt, fahren läßt, so, daß das Eisenoxyd zurückbleibt. Man wäscht es mit Wasser aus, um das schwefelsaure Kali wegzuchaffen. Es besitzt, wenn die Hitze nicht stark und anhaltend genug, folglich die Zersetzung des Vitriols unvollkommen war, eine unansehnliche, gelblichbraune Farbe, wird aber bei stärkerem Glühen braunroth und endlich fast schwarz.
4) Man stellt basisch-salpetersaures Eisenoxyd dar, indem man einer salpetersauren Eisenauflösung Pottaschenlauge in solcher Menge zusetzt, daß von ersterer ein Ueberschuß bleibt, von dem braunen Niederschlage die Flüssigkeit abgießt, ihn in einer Schale bis zur Trockenheit abdampft und endlich glüht, um die Salpetersäure fortzutreiben. Man erhält so ein schön braunrothes Oxyd von etwas dunkler Farbe. Die Fällung der Eisenauflösung durch die Pottasche muß in einem geräumigen Gefäße vorgenommen werden, damit die unter starkem Aufbrausen entweichende Kohlensäure kein Ueberlaufen bewirke.
5) Man verschafft sich Eisenoxydhydrat und erhitzt dasselbe bis zum Anfange des Glühens, wodurch es das Wasser verliert und eine schön dunkelrothe Farbe erhält. Das Eisenoxydhydrat kann sehr zweckmäßig aus der Auflösung des schwefelsauren Eisenoxyds gewonnen werden, welche (nach 2) bei der Bereitung des basischen schwefelsauren Eisenoxydes von diesem abgegossen worden ist. Es wird nämlich das schwefelsaure Eisenoxyd allmälig in eine Pottaschenauflösung geschüttet, wobei Kohlensäure unter Aufschäumen entweicht. Der Niederschlag (das Eisenoxydhydrat) wird, nach dem Abgießen der darüber stehenden Flüssigkeit, zu wiederholten Malen mit Wasser ausgewaschen, dann (um das Filtriren zu ersparen) in einer irdenen Schale oder eisernen Pfanne über dem Feuer eingetrocknet, zerrieben und zum Glühen in einen hessischen Tiegel eingefüllt.
Zwei als Farbe gebrauchte Mineralien, der gelbe und braune Ocher (Eisenocher) und die Umbra (Umbererde) *) sind natürliche Gemenge von Eisenoxydhydrat mit Thon oder feinem Sande. Durch Glühen (Brennen) geht das Wasser des Hydrats verloren, und das zurückbleibende wasserfreie Oxyd zeigt eine mehr oder weniger veränderte Farbe, je nach dem Grade der angewendeten Hitze und der natürlichen Reinheit des Fossils. Der rohe Ocher ist gelblichbraun, bräunlichgelb oder hellgelb, der gebrannte Ocher dagegen braunroth. Die Umbra im natürlichen Zustande hat eine dunkel gelblichbraune, kastanienbraune oder leberbraune Farbe; die gebrannte Umbra ist rothbraun.
*) Von der Umbra gehört nur die sogenannte türkische hierher; denn die köllnische Umbra (das Cöllnisch-Braun) ist erdige Braunkohle. Der rothe Eisenocher enthält das Eisenoxyd im wasserfreien Zustande.
6) Man übergießt reine Eisenfeilspähne in einer flachen Schale mit wenig Wasser und läßt sie längere Zeit, unter öfterem Umrühren, der Luft ausgesetzt. Es bildet sich allmälig ein schwarzes Oxyd, welches man täglich ein Mal durch Schlämmen absondert, indem man mehr Wasser auf die Feilspähne schüttet und dasselbe, nach sorgfältigem Umrühren, sogleich wieder abgießt. Das aus dem Wasser niederfallende Pulver wird beim Trocknen gelbbraun oder röthlichbraun, beim nachherigen Glühen schwarzbraun oder dunkelviolett. Diese Methode ist sehr wohlfeil, aber wenig ergiebig, so, daß wenigstens mehrere Wochen erforderlich sind, um eine etwas beträchtliche Menge Eisenoxyd zu erhalten. Man kann auch die benetzten Feilspähne trocknen lassen, den gebildeten Rost durch Reiben und Schlämmen absondern und dann glühen; in diesem Falle erhält man ein Oxyd von hellerer Farbe.
7) Man schlägt eine Eisenvitriolauflösung durch kohlensaures Kali (Pottasche) nieder, trocknet und glühet den Niederschlag. Da der Eisenvitriol gewöhnlich nicht frei von Eisenoxyd ist, so erscheint der Niederschlag schmutziggrün, als ein Gemenge von kohlensaurem Eisenoxydul und kohlensaurem Eisenoxydoxydul. Wird er nach dem Abgießen der Flüssigkeit und wiederholtem Abspülen mit Wasser über dem Feuer schnell abgedampft und eingetrocknet, so läßt er sich dann leicht zu einem zarten dunkelbraunen Pulver zerreiben, welches durch Glühen fast schwarz wird (Eisenoxydoxydul). Läßt man aber den noch mit Wasser gemengten breiartigen Niederschlag an einem warmen Ort allmälig eintrocknen, so oxydirt sich ein bedeutender Theil desselben zu Eisenoxydhydrat; er wird dadurch gelbbraun und erscheint nach dem Glühen braunroth oder violet. Es ist offenbar, daß die Farbe dieses Oxydes desto mehr der hellrothen sich nähern muß, je mehr es an der Luft Gelegenheit gehabt hat, Sauerstoff aufzunehmen. Hierdurch hat man es einigermaaßen in seiner Gewalt, die Schattirung voraus zu bestimmen.
8) Man erhitzt (röstet) Achtsiebentel Schwefeleisen, welches durch Zusammenschmelzen von Eisen und Schwefel bereitet wird, unter Luftzutritt und öfterem Umrühren so lange, bis aller Schwefel verbrannt und verflüchtigt und das Eisen vollständig oxydirt ist. Diese Operation ist langwierig und erfordert gegen das Ende starke Glühhitze; sie kann aber, bei der Wohlfeilheit des Schwefeleisens, dennoch unter gewissen Umständen in öconomischer Hinsicht vortheilhaft seyn.
pp. 136
Röthel
ist ein bräunlich-, röthlichbraun- oder ziegelblutrother, derber, weicher, stark abfärbender, etwas fetter Thoneisenstein, der sich stark an die Zunge hängt und einen blutrothen, etwas in’s Bräunliche fallenden Strich und ein eben so gefärbtes Pulver giebt. Man findet ihn gewöhnlich im Flözthonschiefer, z. B., am Rhein, in Thüringen, in Böhmen, in Hessen, in der Oberlausitz und in Baiern.
Geschnitten und in Holz gefaßt dient er zu den bekannten rothen Zeichenstiften, welche häufig auch aus dem fein gemahlenen und mit Gummi oder Leim, Seife, Talg, Thon verbundenen Pulver verfertigt werden.
Bleiroth
nennt man in England eine durch vorsichtiges Glühen von Bleiweiß erhaltene feine Sorte Mennige.
pp. 136–137
Nürnberger Roth.
Eine durch Eisenoxyd rothgefärbte ockerartige Erde, die man künstlich auch durch Brennen einiger gelber Erdarten erhält. Das Nürnberger Roth wird bei Petzenstein (einem Städtchen zwischen Nürnberg und Baireuth), nebst einer schönen gelben Erde, viele Klafter tief gegraben, in Vierecke geformt, in Oefen gebrannt und ziemlich weit versendet.
Ein Braunroth, das dem Nürnberger Roth mehr oder weniger ähnlich, gewöhnlich aber dunkler ist, wird an mehreren Orten aus gelbem Ocker gebrannt.
Die in England unter dem Namen Spanischbraun bekannte, früher aus Spanien eingeführte, jetzt in den Mendip-Hills, bei Bristol und in Yorkshire gegrabene Erde, ist eine ähnliche Art Ocker. Sie wird dort, im rohen Zustande gestoßen, unter dem Namen Reddle, Ruddle zum Bezeichnen der Schaafe und mit Oel oder Theer als Anstreichfarbe gebraucht. Sehr fein gemahlen und abgerieben kommt sie auch unter dem Namen Tiver, Bar Tiver im Handel vor.
p. 137
Almagra.
Ein tiefrother Ocker, den man in Andalusien findet.
Armenischer Bolus.
Der ursprüngliche Fundort desselben ist Cappadocien; er wird aber jetzt auch in New Jersey und an andern Orten gefunden.
Indischroth oder Indianischroth.
Ein sehr reiches Eisenerz oder Eisenperoxyd aus Bengalen. Es ist von in’s Purpurne ziehender rothbrauner Farbe und von gutem Körper, ist dabei sehr haltbar, indem weder Licht, noch unreine Luft, noch Zusatz anderer Pigmente, weder Feuer noch Zeit eine erhebliche Veränderung daran bewirken. Am meisten ist diejenige Sorte geschätzt, deren Farbe sich in’s Rosaroth zieht.
Fünftes Capitel,
Blaue Farben.
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pp. 214–222
Darstellung der Smalte oder des Safflors.
Zur Darstellung von Safflor und Smalte sind folgende Materialien nöthig: 1) Kobalterze, welche theils eine chemische Vorbereitung bedürfen, theils auch nicht, eigentlich richtiger Kobaltoxyd; 2) Pottasche; 3) Quarz; 4) arsenige Säure als Zuschlag.
1) Was die Kobalterze betrifft (auf den Blaufarbenwerken durch K bezeichnet), so sind sie entweder schon in einem oxydirten Zustande, wie der graue Erdkobalt, die Kobaltblüthe, der Kobaltbeschlag, brauchen also nicht erst oxydirt zu werden, oder es ist Speis- und Glanzkobalt [F F K*), wenn es derbes Erz, und F K, wenn es eingesprengtes], welche Kobalt mit Arsenik, im letztern auch mit Schwefel verbunden enthalten; diese müssen vorher oxydirt werden. Die Kobalterze bedürfen einer sorgfältigen Aufbereitung, besonders wenn sie fein eingesprengt vorkommen; die derben und reinen, grob eingesprengten werden zu Safflor bearbeitet. Enthalten dieselben eingemengtes Wismuth, was nicht selten der Fall ist, besonders bei den sächsischen Speiskobalten in der Umgegend von Schneeberg, so wird dieses Metall erst durch eine vorläufige Absaigerung geschieden, welche theils durch bloßes Rösten mit Holz, theils auf Saigerheerden, theils in eigends construirten Saigeröfen (Treiböfen) geschieht.
*) F fein, M mittel, O ordinär, B böhmische Sorte (in Sachsen). Bei den Gläsern bedeutet F eine dunkle Farbe.
Das Rösten der Kobalterze ist eine sehr wichtige Vorbereitung; je nach der Beschaffenheit der Erze muß der Röstproceß geleitet werden. Ganz reine Kobalterze, die keine andern Metalle enthalten, können, unbeschadet der Farbe des damit zu schmelzenden Glases, völlig abgeröstet (todt geröstet) werden, während andere, welche Einmengungen von fremden Metallen enthalten, als Eisen, Kupfer, Nickel, Antimon, Zinn, Zink, Blei, Wismuth, nie vollständig abgeröstet werden dürfen, damit nicht zu viel fremde Metalloxyde sich bilden und später mit in die Glasmasse eingehen. Fand die Röstung aber nur unvollkommen statt, so werden später beim Glasschmelzen die nicht oxydirten, an sich aber leichter oxydirbaren, Metalle die oxydirten, aber schwerer oxydirbaren reduciren; so wird, z. B., Nickel und Kupfer, welche sich durch’s Rösten oxydirt hatten, beim Schmelzen durch Kobalt, Eisen &c. wieder reducirt. Da nun regulinische Metalle nicht verglasen, so bleibt in solchen Fällen eine Legirung am Boden der Schmelzhäfen zurück, Speise, stets eine Folge des unvollkommenen Röstens der Kobalterze. Daher können auch zu stark geröstete Kobalterze durch Beimengung von ungerösteten wieder brauchbar gemacht werden.
Kobalterze, welche reich an Nickel sind, läßt man allmälig sich an der Luft oxydiren, wobei durch die Wasserdämpfe der Luft das enthaltene Eisen, Kobalt, Arsenik, Schwefel sich oxydiren, Nickel aber nicht. Diese Verwitterung läßt man ein Jahr andauern; länger fortgesetzt, wird endlich auch Nickel oxydirt, was der Farbe nachtheilig ist. Durch diesen Proceß nimmt das Erz an 8–10% zu.
Man nimmt auf den Blaufarbenwerken das Rösten nur im Winter vor, wegen der in der Kälte leichteren und vollständigeren Niederschlagung der Dämpfe der arsenigen Säure in dem Giftfang und in dem Gifthause. Man röstet 3–5 Ctr. Schliech auf ein Mal und trägt denselben 5–6 Zoll hoch auf; nach zwei Stunden wird er gewendet und dieses alle halbe Stunden wiederholt, bis kein Arsenik-Dampf mehr entweicht. Hierauf ist der Proceß zu Ende; das Erz wird aus dem Ofen gekrückt und anderes eingebracht. Die Dauer des Röstens richtet sich theils nach der Menge von Schwefel und Arsenik, theils nach dem Gehalt an Nickel, welcher, wenn er sich oxydirt und in die Glasmasse eingeht, die Farbe verschlechtert, theils nach der Qualität der Farbe, die man produciren will. Das geröstete Erz hat eine bräunlich-graue Farbe und wird gesiebt aufbewahrt. Der Gewichtsverlust beim Rösten beträgt im Durchschnitt nach der Güte der Kobalterzschlieche 10–50 Proc.
2) Man wählt den weißesten Quarz aus und brennt ihn theils auf Röstbetten, theils in Brennöfen, wodurch er mürbe wird, so daß er sich leicht durch Pochtempel zerkleinern läßt. Nachdem Brennen wird derselbe sortirt, die nicht gehörig durchgebrannten Stücke werden ein zweites Mal in den Ofen eingesetzt. Man pocht ihn naß und läßt das Pochmehl in Sümpfen sich absetzen, wobei das Eisenoxyd, Manganoxyd, Kalk und Talkerde, welche den Quarz verunreinigen, mit dem Wasser fortgeführt werden. Das feuchte Quarzmehl, Sand, wird dann in einem Glühofen (dem Materieofen, welcher an dem Glasofen angebaut ist) geglüht, sodann nach dem Abkühlen gesiebt. Man rechnet bei diesen Operationen 30 Proc. Verlust, gegen das Gewicht des dem Brennen unterworfenen Quarzes.
3) Die zum Fertigen der Smalte anzuwendende Pottasche muß rein seyn und nochmals calcinirt werden; ein reichlicher Gehalt an unlöslichen Erden und Erdensalzen bedingt nicht allein ein weniger reines Glas, sondern auch Nuancirung des reinen Blaues. Natron kann statt Kali nicht angewendet werden, da es eine violette Farbe giebt.
4) Arsenige Säure befördert nicht allein den Fluß der Beschickung, sondern dient auch noch als Correctionsmittel für Eisenoxydul, welches eine schmutzig grüne oder violette Färbung bedingen würde. Durch die arsenige Säure wird dasselbe in Oxyd umgewandelt und so unschädlich gemacht, während die arsenige Säure reducirt als Arsenik theils verflüchtigt wird, theils zur Bildung von Speise beiträgt.
Die Producte eines Blaufarbewerks sind nun vorzugsweise Smalte, blaue Farbe, ein durch Kobaltoxyd blau gefärbtes Glas, welches, mehr oder minder fein gemahlen, in den Handel kommt, als Streublau, Farbe, Eschel und Safflor, Zaffer, ein inniges Gemeng von geröstetem Kobalterz und Sand. Nicht alle Werke können Safflor für den Handel erzeugen, sondern nur diejenigen, welche reiche und stark tingirende Kobalterze verarbeiten.
Bereitung der Smalte. Zum Schmelzen des Kobaltglases dient ein Glasofen, den man Blaufarbeofen nennt, und Häfen aus feuerfesten Thon; als Brennmaterial wird Holz, auch Steinkohle angewendet. Man gebraucht zwar auch statt des Tiegelofens einen eigends construirten Flammofen, wie, z. B., zu Hasserode bei Wernigerode, doch ist dieses nicht die gewöhnlichste Art zu schmelzen; daß man aber bei letzter Einrichtung an Brennmaterial ersparen mag, ist ersichtlich, so wie auch durch die Ersparung der Häfen die Kosten verringert werden.
Die Anmengung der 3 Ingredienzien zu den Färbegläsern (G) geschieht in verschiedenen Verhältnissen, theils nach der Beschaffenheit des calcinirten Kobalterzes, theils nach der zu erzielenden Höhe oder Blässe der Farbe, der beabsichtigten leichteren oder schwereren Schmelzbarkeit, letztere durch größeren Zusatz von Sand; man pflegt auch Heerdglas und Sumpfeschel zur Beschickung zuzuchlagen. Das Mengen geschieht in hölzernen Trögen sehr gleichförmig für den Verbrauch eines Tages oder einer Woche, auf den Hafen 3 Ctr. Das Schmelzen des Gemenges geschieht wie beim Glasschmelzen, nur ist hier die Dauer einer Schmelzung, wenn der Ofen in gehörigem Gang, 8–12 Stunden, da die Beschickung weit leichter schmilzt, als Glas. Das Glas wird mehrmals durchgerührt und die Beschaffenheit nach genommenen Proben beurtheilt, ob es homogen und ob sich die Speisekörner gehörig abgesetzt haben. Ist die Schmelzung beendet, so schöpft man das Glas mit eisernen Löffeln an langen hölzernen Stielen in einen Trog mit fließendem Wasser, worin es sogleich abgeschreckt wird. In dem untern Theile der Häfen befindet sich, wenn die Erze Nickel enthalten, die Speise, welche aus einer seitlichen Oeffnung in der Ebene des Bodens der Häfen und der Brustmauer des Ofens, Knieloch, nach Einstoßen eines Pfropfens abgestochen und in eisernen Eingüssen aufgesammelt wird. Ein Schmelzofen mit 8 Häfen liefert in 24 Stunden von 24 Ctr. Gemeng 19 Ctr. Glas (¼–¾ Ctr. Speise). Man unterscheidet bei den Gläsern F F F F G, F F F G, F F G, F G, M G, O G nach dem Farbeton.
Speise, Kobaltspeise, nennt man eine Verbindung von Arsenik mit Nickel, Schwefel, welcher noch Kobalt, Eisen, Kupfer, Wismuth, Silber &c. beigemischt ist. Nicht überall erhält man, wie schon bemerkt, bei dem Glasschmelzen Speise, es kommt auf die Erze und das Calciniren an. Nicht selten ist die Speise silberhaltend, wie die Schneeberger, durchschnittlich 4 ½ Loth im Centner. Man benutzt die Speise zur Darstellung von Nickel.
Die blauen Gläser werden nach dem Abschrecken unter Pochstempeln trocken gepocht oder zwischen Quetschwalzen zerkleinert, durch ein feines Durchwurfssieb passirt, dann auf Mühlen mit Wasser vermahlen, deren Steine von Granit in Mühlfässern sich bewegen. Gewöhnlich wird der Schlamm nach 6 Stunden abgezapft und in Waschfässer von 3 bis 4 Fuß Höhe und 4–4 ½ Fuß Durchmesser geschüttet, mit Flußwasser verdünnt, um die gröbern Theile von den feinern zu sondern, welche ersteren Streublau (H) heißen und nochmals mit Glas als Zusatz vermahlen werden. Hat nun die Trübe 8 bis 30 Minuten lang nach Maaßgabe der Güte der Smalten und der Temperatur des Wassers ruhig gestanden, so wird dieselbe in ein zweites Waschfaß, Farbfaß, gezapft und mit Flußwasser verdünnt. Hier erfolgt die Abscheidung der Farbe (C) und zwar binnen ¾ – 1 ½ Stunde, während welcher Zeit drei Mal mit frischem Flußwasser der Niederschlag gemengt und das Trübe abgelassen wird. Die über dem Niederschlage stehende Flüssigkeit ist immer noch von eingemengten, sehr fein zertheilten Theilchen stark gefärbt; sie wird deßhalb in die Eschelfässer abgezapft, in denen man den Eschel, Faßeschel (E), nach mehrmaligem Aufrühren und Niedersetzen durch Aussüßen mit Wasser gewinnt. Das Trübe vom Faßeschel, welches mehr bläulichgrau, als blau aussieht, wird in große Sümpfe geleitet, in welchen sich sehr langsam der Sumpfeschel (E E) absetzt. Durch dieses wiederholte Waschen werden das Streublau von Farbe, die Farbe von Eschel und dieser von Glasgalle gereinigt. Die Eschel sind von viel blässern Farbetönen, als die Farben und Gläser, und der Sumpfeschel fast von ganz blaßbläulich weißer Farbe, weßhalb derselbe, da er keinen Absatz findet, zu den Gemengen für Glas zugesetzt wird.
Die Farben und Eschel werden aus den Fässern genommen, in den Farbestuben auf Reibebänken zwischen Bretern von hartem Holze verrieben, sodann in Trockenhäusern bei freier Luft oder in Trockenstuben bei mäßiger Wärme auf Breter ausgebreitet, die in Gerüsten liegen, getrocknet, sodann auf der Reibebank nochmals verrieben und gesiebt, die Eschel auch wohl noch ein Mal gemahlen, geschlämmt, getrocknet, gerieben, gebeutelt (oder zwischen polirten stählernen Walzen zerdrückt und gebeutelt). Man gewinnt durch die Aufbereitung aus 100 Theilen Farbeglas 46–50 Proc. Farbe, 30–25 Proc. Faßeschel, 24–25 Proc. Sumpfeschel; aus Eschelglas 60–70 Proc. Faßeschel und 40–30 Proc. Sumpfeschel.
Die Farbe und der Eschel werden von den Blaufarbenwerken in sehr mannichfachen Nuancen geliefert und auf Bestellung nach Probe gefertigt; die allerdunkelste Smalte F F F F C heißt Königsblau, Azurblau. Je reiner das Kobalterz von fremden Metallen, desto schöner die Farbe; daher können Blaufarbenwerke, welche die dunkelsten Farben darstellen können, alle Färbegläser produciren, die im Handel verlangt werden, da sich die dunkeln Farben sehr leicht verdünnen lassen. So geben, z. B., die besten sächsischen Erze, noch mehr der reine Tunaberger Glanzkobalt, sehr reine, kräftige Farben, während nickelhaltige leicht, wenn das Nickeloxyd in die Farbe eingeht, einen violetten Ton erhalten. Kalk, Baryt, Magnesia wirken nachtheilig, letztere bedingen einen Stich in’s Violette, Kalk vermindert den Glanz der Farbe; ähnlich ist die Wirkung von Thonerde haltenden Fossilien. – Die blauen Farben sind in Luft und Wetter und in der Schmelzhitze unveränderlich, werden weder von Wasser, noch von Säuren, Flußsäure ausgenommen, oder Alkalien angegriffen, sind daher in manchen Beziehungen andern blauen Pigmenten vorzuziehen.
Safflor, Zaffer (S), ist ein Product solcher Blaufarbenwerke, welche reiche Kobalterze verarbeiten. Man vermengt das calcinirte gesiebte Kobalterz mit eben so viel Sand, als es zu einem gewissen Buchstaben vertragen kann, vermahlt das Gemeng auf einer Mühle und bringt die Masse in ein Waschfaß unter Zusatz von Wasser, wobei das Gröbere sich schnell absetzt, das Feinere aber als Trübe in ein zweites Faß gezapft wird, wo es sich ablagert; ersteres kommt wiederum auf die Mühle. Der abgeschlämmte Safflor wird langsam, aber nicht völlig, getrocknet und in Fässer verpackt. Die Sorten des Safflors sind eben so bezeichnet, wie die der Smalte, insofern man aus einem gewissen Buchstaben S dieselbe Sorte Smalte fertigen kann.
Die feinern Sorten der Smalte werden in der Wasserfarben-, Glas- und Emailmalerei angewendet. In Wasser und Oel schwindet jedoch ihre Schönheit bald. Auch in andern Beziehungen verhält sie sich, ungeachtet ihres schönen Ansehens, weit weniger günstig, als anderes Kobaltblau.
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pp. 287–288
Siebentes Capitel.
Braune Farben.
Umbra, Umbraun, Cöllnische Erde, Cappahbraun, Euchrom.
Die Umbra oder das Umbraun ist theils eine verwitterte und mit Erdharz durchdrungene Holzerde, theils eine lichtbraune Ocherart, welche in der Levante, auf Cypern, auf Sicilien, bei Nocera in der Gegend von Spoleto (dem alten Umbria, woher der Name), im Cöllnischen, Bergischen, Jülich’schen, Henneberg’schen, in Sachsen, in Tyrol und in England gefunden wird. Die beste kommt aus der Levante und von der Insel Cypern; auch erhält man sie schön aus Sachsen, Jülich, Berg, Cölln und Ilefeld.
Die Türkische oder Cyprische Umbra enthält, nach Klaproth, 48 Eisenoxyd, 20 Manganoxyd, 13 Kieselerde, 5 Thonerde und 14 Wasser; wenn man sie glüht, wird sie braunroth, weicher und milder. Die beste cyprische Umbra muß aus großen, lebhaft braunen, leichten Stücken bestehen, die sich mild und zart anfühlen. Diese Sorte findet sich in Lagern mit braunem Jaspis auf Cypern.
Die unter dem Namen Cöllnische Erde bekannte Umbra ist theils in Erde verwandeltes und mit Harz und Eisenoxyd durchdrungenes Holz, theils eine verwitterte Eisen- und Braunsteinoxyd haltende Erdkohle. Sie folgt an Güte nach der cyprischen, ist sehr dunkel von Farbe, trocken, rein, zerbrechlich, im Bruche glasig und zart; gehörig geschlämmt gibt sie auf Kalk das schönste und lebhafteste Braun; als Oelfarbe aber verändert sich ihr dunkles Colorit in ein röthliches Braun.
Die italienische Umbra ist sehr fein, heller und weniger harzig, als die cöllnische. Sie wird, gleich den genannten Arten, als Anstreichfarbe, Oelfarbe, zum Färben der Handschuhe und anderer Lederwaaren benutzt.
Die englische Umbra behält im stärksten Feuer ihre Farbe, die sehr gut im nassen Kalk und Wasser steht und nur in Oel etwas nachschwärzt.
Man kann auch künstliche Umbra darstellen, indem man Braunkohle mit ätzender Lauge kocht, bis sich alle brennbaren Theile aufgelöst haben. Die Auflösung wird durchgeseiht, und die farbigen Theile werden durch Säuren niedergeschlagen; ferner indem man Glanzruß in Seifensiederlauge auflöst und mit Eisenvitriol niederschlägt, und endlich durch Schlämmen fein gestoßener Braunkohlen. Zuweilen wird auch ein brauner Bolus als Umbra verkauft.
In England hat man, unter dem Namen Cappahbraun, eine aus Torf und Braunstein dargestellte braune Malerfarbe, die mit Oel schnell trocknet und viel Glanz hat. Eine Sorte davon ist unter dem Namen Euchrom bekannt.
Durch das Brennen erhält die natürliche Umbra immer einen tiefern und mehr in’s Rothbraune ziehenden Ton und die Eigenschaft, schnell im Oel zu trocknen, so daß sie demselben sogar als Austrocknungsmittel zugesetzt werden kann. Sie läßt sich in Wasser, Oel und al fresco sehr gut anwenden und ist vollkommen haltbar. Die Italiener nennen sie Falsalo. –
pp. 289
Kesselbraun,
auch unter dem Namen Saalfelder Umbraun bekannt, eine mehr oder weniger dunkelbraune Umbra, welche die Kupferschmiede anwenden, um den neuen kupfernen Gefäßen eine kupferbraune Farbe zu ertheilen. Es wird gewöhnlich in Form großer Kugeln in den Handel gebracht.
pp. 289–290
Gebrannte terra di Siena,
ist braunroth, während sie vorher bräunlichgelb oder hellgelb war. Sie ist von Farbe reicher, tiefer und durchsichtiger, verarbeitet sich auch besser, als die rohe terra di Siena, besitzt aber übrigens alle Eigenschaften ihrer Mutterfarbe und verdient, wo sie paßt, wegen ihrer Dauer alle Empfehlung.
Die terra di Siena wird auch künstlich hergestellt. Man löst für diesen Zweck 1 Pfd. Eisenvitriol in ungefähr 12 Pfd. Wasser auf; diese Auflösung schüttet man in ein Gefäß, welches gegen 200 Pfd. Wasser halten kann. Ueber diesem Niederschlagungsgefäße bringt man ein anderes an, welches nahe am Boden mit einem Hahne versehen ist, und woraus, sobald der Hahn geöffnet ist, die Flüssigkeit in das Sedimentirgefäß tröpfeln kann. In dieses obere Gefäß gibt man Kalkwasser, öffnet alsdann den Hahn ein wenig und richtet es so ein, daß das Kalkwasser nur in geschwinden Tropfen in das darunter befindliche Sedimentirgefäß fallen kann.
Der Niederschlag geschieht auf diese Weise ganz gemächlich, und der aus dem Kalkwasser und der Schwefelsäure entstehende Gyps löst sich besser im Wasser auf. Man kann das Faß mit dem Hahne so einrichten, daß die ganze Fällung innerhalb 24 Stunden beendigt wird, und muß nur die Vorsicht anwenden, daß nicht mehr Kalkwasser angewendet werde, als gerade zur Fällung des Eisenoxydes erforderlich ist.
Ist die Präcipitation gehörig beendigt, so läßt man den Niederschlag sich vollständig zu Boden setzen und das obenstehende gypshaltige Wasser ablaufen, gießt einige Mal frisches darüber, zapft nach 24 Stunden wieder ab, bringt die Farbe alsdann in einen Seihkorb und läßt sie im Schatten trocknen. Auf diese Weise erhält man eine schöne dunkelbraune Farbe, welche der terra di Siena gleichkommt.
pp. 290
Casseler Erde oder Van Dyk’s-Braun.
Dieses Pigment, welches fast so berühmt ist, als der Maler, nach dem es benannt ist, ist eine Art Torferde von schöner, tiefer, halbdurchsichtiger, brauner Farbe.
Die von Van Dyk so vielfach angewandte und so hochgeschätzte Farbe wurde angeblich von Cassel bezogen, und diese Angabe scheint sich bei Vergleichung der Casseler Erde mit dem Braun der Gemälde jenes Malers als richtig zu bewähren. Die jetzt gebräuchlichen Sorten des Van Dyk’schen Brauns scheinen ähnliche, durch Reiben und Schlämmen gereinigte erdige Substanzen zu seyn. Sie ändern zuweilen in Ansehung des Tones und des Trocknens in Oel ab, wozu sie, wegen ihrer bituminösen Beschaffenheit, gewöhnlich lange Zeit gebrauchen, wogegen sie einen guten Körper und sowohl in Wasser, als in Oel viel Dauer besitzen.
Das ächte Pigment, was den Namen der Casseler Erde führt, ist eine Art Ocher, der sich stark zum Rothbraun hinneigt. (Field’s Chromatography S. 158.) –
