Reuss 1798

Franz Ambros Reuß, Mineralogische Beschreibung der Kameralherrschaften Königshof und Tocznik im Berauner Kreise, in: Johann Mayer – Franz Ambros Reuß (edd.), Sammlung physikalischer Aufsätze, besonders die Böhmische Naturgeschichte von einer Gesellschaft Böhmischer Naturforscher V, Dresden [Waltherische Hofbuchandlung] 1798, pp. 98–157.


Franz Ambros Reuss (1761–1830) was a Bohemian physician, geologist, and mineralogist, who was appointed spa physician in Bílina by Prince Joseph Franz Masimillian of Lobkowicz (1772–1816). Reuss published several works on the geology and mineralogy of Bohemia. The excerpts presented here are taken from his study on the mineralogy and geology of the former royal estates of Králův Dvůr (Königshof) and Točník, in which he discusses the limestone deposits of the Bohemian Karst. Particularly noteworthy is his description of the quarries on Koukolova hora, which appear to have supplied the lime kilns in nearby Zdice. Available evidence suggests that high-quality aerial lime from this source was procured by the prominent Prague fresco painter Wenzel Lorenz Reiner (1689–1743), and very likely by other fresco painters as well (cf. Jahn 1797). In his treatise, Reuss sharply criticizes the inaccuracies in the work of engineer Johann Jirasek, who had attempted to describe the geological formations of the same area twelve years earlier (cf. Jirasek 1786).


III.

Mineralogische Beschreibung
der  
Kameralherrschaften Königshof und Tocznik
im Berauner Kreise

pp. 100–120

Erster Abschnitt.

Die Herrschaft Königshof.

Diese liegt an der südwestlichen Gränze des Berauner Kreises, und gränzt an der Westseite mit der in dem Rakonitzer Kreise gelegenen Herrschaft Pirglitz, an der Nordseite mit der Stadt Beraun, an der Ostseite mit Carlstein und dem Gute Tmein, an der Südseite endlich mit der Herrschaft Tocznik. Sie hat etwas über eine Meile in der Länge, und etwa ¾ Meilen in ihrer größten Breite. Von beyden Seiten schließen sie Berge ein, die meistens in abgerundeten Kuppen, oder langgezogenen wellenförmig gekrümmten Rükken sich endigen und sanft herabfallen, nur dürften die Kieselschiefergebirge um Swata hier eine Ausnahme machen. Um Königshof selbst ist ein Strich ebenen Landes, das sich bis an die Ufer der Beraun erstreckt, und einen Bach, Littawka, aufnimmt. In diesem Bache liegen sehr häufige, mehr und weniger abgerundete Geschiebe von Quarz, die, nach der Beobachtung des Herrn Grafen von Kinsky, (s. Schreiben des Herrn Grafen von K. an Herrn von Born, über einige mineralogische und lithologische Merkwürdigkeiten, in den Abhandlungen einer Privatgesellschaft in Böhmen, erster Band,) sich von dem bey Ginez gelegenen Quarzfelsen, dem Pleschiwecz heschreiben, an sich aber nichts auszeichnendes haben. Doch ich gehe zur mineralogischen Beschreibung dieser Herrschaft selbst über.

Unweit dieses Baches, der an der Morgenseite des Schlosses Königshof vorbeyfließt, an dem Schaafstalle, also in einem der tiefsten Punkte dieser Gegend, fand ich zuerst einen sehr aufgelößten dünnschieferigen Thonschiefer, der in fast senkrecht einschießenden, sehr schwachen Schichten ansteht. Dieser Thonschiefer scheint mir von sehr neuer Formation zu seyn, da er, wie ich später zeigen werde, so oft mit Schichten von Sandsteinschiefer abwechselnd vorkommt, obschon ich nicht so glücklich war, in demselben Abdrücke von Pflanzen oder Versteinerungen zu finden, welches für seine spätere Entstehungsepoche zum vollgültigen Beweise gedient haben würde. Indessen beschreibt der Herr Graf von Kinsky (in der angeführten Abhandlung) aus der Gegend von Ginetz, zwey Hügel, an welchen der sie constituirende Thonschiefer unzählige Versteinerungen der sogenannten Trilobiten enthalten soll.

Der Berg Kossow.

Etwas gegen Osten, erhebt sich eine mäßige Anhöhe, welche den Namen Kossow in der Gegend erhalten hat. Diese fällt von allen Seiten ziemlich sanft, am steilsten an der Abendseite hinab. Sie ist aus mehrern Gebirgslagern zusammen gesetzt, deren Ausgehendes um so deutlicher beobachtet werden kann, da ihr westlicher Abhang fast gar nicht bebauet ist. Ich bestieg daher die Anhöhe von dieser Seite, und ich will mir Mühe geben, die Gebirgsarten in der Ordnung, in welcher sie bey dem Ansteigen auf einander folgten, zu beschreiben,

I. Unmittelbar am Fuße des Kossows fand ich eine Gebirgsart anstehend, die mit jener vom Kuchelbade (s. meine mineralogische Bemerkungen über die Gegend von Prag in Mayers Sammlung, 4ter Band, S. 335. u. ff.) sehr nahe übereinkömmt, ja bis auf einige geringe Abweichungen, dieselbe zu seyn scheint.

Ihr Vorkommen ist folgendes:

Im frischesten Zustande ist ihre Farbe theils grünlichgrau, theils graulichschwarz, je nachdem der eine oder der andere der zu beschreibenden beygemengten Theile vorwaltend ist. An der äußern Oberfläche, wo sie der Einwirkung der äußern Luft längere Zeit blos gestellt war, so wie auf den breitern aufsehenden Klüften, ist sie gelblichbraun beschlagen, an den sehr schmalen Klüftchen aber ist sie eisenschwarz angelaufen, und dann metallisch glänzend, welches beydes auf einen starken Eisengehalt der Gebirgsart hinzudeuten scheint.

Sie ist bis zu einer ansehnlichen Tiefe verwittert und nach allen Richtungen zerklüftet, so daß ihr Streichen und Fallen nur sehr schwer zu bestimmen ist; doch glaubte ich beobachtet zu haben, daß sie im Großen ein ziemlich starkes Lager bildet, welches St. 8 streicht, und unter 76° gegen Nordnordost einfällt. Im Kleinen scheint sie aus auf- und nebeneinander liegenden, etwas plattgedrückten, nicht zu regelmäßigen Kugeln zu bestehen, die, bey einem höhen Grade der Verwitterung, sich in concentrische dünnschaalige abgesonderte Stücke auflösen, später in kleine lose Körner zerfallen, so daß bey einer und derselben Gebirgsart dreyfach abgesonderte Stücke statt zu haben scheinen, und zwar großmassige, schaalige und kleinkörnige. Bey der endlichen Auflösung geht sie in eine schwärzlichgraue, thonige Masse über.

Sie scheint blos ein Gemenge von gemeiner Hornblende und Zeolithe zu seyn. Ist jene verhältnißmäßig häufiger beygemengt, so zieht sich die Farbe der Gebirgsart mehr in die schwarze, ist dieser in größerem Verhältnisse vorhanden, so wird die Farbe grünlich- auch

graulichweiß. Doch hier ist die Beschreibung beyder Fossile selbst:

1.) Die Hornblende

hat eine dunkelschwarze Farbe, welche aber um so mehr in die grünlichte sieht, je näher sie den größern Zeolitparthien liegt.

Sie ist meistens innig mit dem Zeolithe gemengt; doch glaubte ich unter dem Suchglase hier und da Spuren eines eingewachsenen undeutlichen Kristallen zu finden.

Der innere Glanz derselben ist geringe, der Bruch deutlich blätterich, mit doppeltem Durchgange der Blätter. An Durchsichtigkeit mangelt es ihr ganz. Sie ist weich, dem halbharten sich nähernd, giebt einen grünlichgrauen Strich, entwickelt angehaucht, den ihr eigenthümlichen thonig bitterlichen Geruch.

2.) Der Zeolith

ist am gewöhnlichsten graulich- seltener gelblichweiß; zieht nur bey einiger Vermassung mit der Hornblende in die grünlichgraue erscheint nur dann milchweiß und bläulich grau, wenn er in größern Parthien und unvermengt, ohne alle Hornblende erscheint.

Er kömmt, wie gesagt, theils innig mit der Hornblende gemengt vor, theils durchsetzer die Gebirgsart in sehr schmalen, kaum ½ bis eine Linie starken Schnürchen nach allen Richtungen,

ist innwendig matt, oder doch nur äußerst wenig glänzend.

Sein Bruch ist dichte und zwar klein und feinsplitterig, der sich zuweilen dem unvollkommen blätterichen etwas nähert.

Er hat unbestimmt eckige scharfkantige Bruchstücken,

ist nur an den Kanten und in dünnen Splittern durchscheinend, am stärksten der graulich und milchweiße, am schwächsten der gelblichweiße und grünlichgraue, und im hohen Grade halbhart.

Zufällig hat die Gebirgsart

3.) etwas messinggelben Schwefelkies sehr zart eingesprengt.

Aus der Vergleichung der Beschreibung dieser Gebirgsart von Kossowe mit jener vom Kuchelbade ergeben sich folgende Abweichungen:

a) daß die thonige Hauptmasse hier ganz vermißt wird, oder wenigstens selbst unter dem Suchglase nicht unterscheidbar ist;

b) daß hier der, nebst der Hornblende und dem Zeolithe, dort vorhandene Kalkspath und Quarz fehlt;

c) daß der Zeolith hier eine ganz eigene Art und zwar der dichte Zeolith einiger mineralogischer Schriftsteller zu seyn scheint, da er dort mehr der faserige Zeolith war;

d) daß sich die Kossower Gebirgsart durch ihre abgesonderte Stücke vor jener auszeichnet. Indessen scheint sie doch nur eine Abänderung der Kuchelbader zu seyn, mit welcher sie auch die Unterlage, den Thonschiefer und die Decke, den Kalkstein und Sandstein gemein hat.

II. Steigt man diesen Berg etwas höher hinan, so verbirgt sich die eben beschriebene Gebirgsart unter dem dichten Kalksteine, welcher 4 bis 6 Zoll, doch auch nur ½ bis 1 Zoll starke Schichten bildet, welche unter 18° gegen Südostost einfallen, und ihr Streichen St. 2 haben.

Im frischesten Bruche ist dieser dichte Kalkstein bläulichgrau, der außern Oberfläche näher ist er rauch und gelblichgrau.

Versteinerungen fand ich in demselben nicht, wohl aber durchsetzen ihn schmale Streifen eines graulichweißen Kalkspathes.

Innwendig ist er matt, nur da, wo er Kalkspath beygemengt hat, schimmernd, im Bruche dichte und zwar feinsplitterig; die Bruchstücke sind unbestimmt eckig, nicht sonderlich scharfkantig.

An den Kanten ist er nur äußerst schwach durchscheinend.

Er scheint einen beträchtlichen Thongehalt und einigen Quarzgehalt zu haben, und wegen des leztern giebt er mit dem Stahle einige sparsame und schwache Funken. Der Thongehalt nimmt in diesem Kalkstein immer mehr zu, so daß er am Ende in

III. Thonschiefer übergeht.

Dieser ist an Farbe dunkelgraulichschwarz, innwendig, wegen der sehr zart beygemengten silberweißen Glimmerschüppchen, schimmernd,

dünn und geradschieferig im Bruche.

Seine sehr schwachen Schichten, (sie übersteigen selten an Dicke ½ Zoll,) fallen unter einem Winkel von 48° gegen Südostost ein, und haben ihr Streichen mit dem eben beschriebenen dichten Kalkstein gemein.

Denselben Neigungswinkel und dasselbe Streichen hat der auf diesem Thonschiefer aufliegende

IV. Sandsteinschiefer, davon aber mehrere Abänderungen hier angetroffen werden.

a) Derjenige Sandsteinschiefer, welcher unmittelbar auf dem Thonschiefer aufliegt, ist in abwechselnd (von ½ Linie bis zu ½ Zoll) schmälern und breitern Streifen, bläulich gelblich und rauchgrau, ochergelb und gelblichbraun. Die äußerst kleinen Quarzkörner sind in den erstern Farbenabänderungen durch ein thoniges, in den zwey leztern durch ein eisenschüßiges Bindemittel verbunden, und haben sehr häufige, aber äußerst zarte silberweiße Glimmerschüppchen eingesprengt. Die gelblichbraune Abänderung ist zudem löchericht und porös, und die sehr und ganz kleinen Löcher sind mit einem dunkelgelblichbraunen Eisenocher ausgefüllt oder überkleidet.

b) Die darauf folgende Abänderung des Sandsteinschiefers ist viel dickschieferiger, die Schichten haben von ½ bis 1 auch 2 Zoll Stärke; die Farbe ist abwechselnd gelblich- und bläulichgrau; die theils und zwar größtentheils mittelst eines quarzigen, theils mittelst eines eisenschüßigen Bindemittels gebundenen Quarzkörner sind größer, doch immer noch sehr klein und weniger abgerundet. Nur äußerst selten entdeckt man ein zartes Glimmerschüppchen, und dieses nur unter der Luppe.

c) Noch größer und eckigter werden die Quarzkörner in der dritten Abänderung des Sandsteinschiefers, und diese sind mittelst eines Eisenochers gebunden; daher auch die Farbe desselben theils lichte gelblich theils röthlichbraun ist. Der Glimmer wird darinn ganz vermißt, aber dafür wird er von einige Linien starken, wellenförmigen Adern eines ocherigen Brauneisensteins durchzogen, so wie dieser auch in kleinen und größern Nestern mitten in demselben vorkommt.

Eine Vertiefung trennt den Kossow von einer steil ansteigenden Anhöhe, welche eine beträchtliche Höhe erregt und in einem Rücken oder vielmehr Kamme gegen Osten fortläuft. Ihren eigentlichen Fuß sezt dieselbe Gebirgsart zusammen, welche ich unter I beschrieb, und man beobachtet an ihr dasselbe Verhalten in Hinsicht des Streichens und Fallens, und das nämliche Vorkommen in Rücksicht ihrer abgesonderten Stücke. In höhern Punkten aber scheint sie von ihr abzuweichen und in eine andere Gebirgsart zu übergehen, die sich durch manche Eigenheit auszeichnet, die aber doch gleichfalls dem Thonschiefer untergeordnet werden zu müssen scheint.

Sie hat eine rauchgraue, ein wenig in die grünlichgraue ziehende Farbe.

Kommt an den steilern beraseten Abhängen nur in zerstreuten Bruchstücken vor. Anstehend fand ich sie wenigstens nicht.

Sie ist innwendig matt, nur unter dem Suchglase entdeckt man einige schimmernde Pünktchen.

Im Großen scheint sie einen dickschieferigen Bruch zu haben, im Kleinen aber ist dieser grobsplitterig, dem erdigen sich nähernd.

Sie springt in unbestimmt eckige, stumpfkantige Bruchstücke, ist weich, das sich dem halbharten nähert, giebt einen graulichweißen Strich.

Auf den aufsehenden ziemlich zahlreichen Klüften ist sie eisenschwarz beschlagen, und dann metallisch glänzend.

Die Farbe dieser Gebirgsart wird an einem höhern Standorte desselben Berges etwas dunkler, und zieht in die schwärzlichgraue hinüber; der Bruch wird kleinkörnig, die schimmernden Pünktchen vermehren sich an Zahl, und diese entwickeln sich unter dem Suchglase zu kleinen, theils gelblichweißen, theils weingelben Körnchen, die sich durch den Glanz, den blätterichen Bruch, und vorzüglich durch das Aufbräusen mit Scheidewasser, als Kalkspath charakterisiren.

Ganz nahe am Gipfel werden die Kalkspathkörner größer und sehr zahlreich; die Gebirgsart wird zu einem Mandelsteine, wo aber die innliegenden meistens vollkommen kugelrunden, selten elliptischen, noch seltener verschiedentlich eckigen Kalkspathkörner, selten drey bis vier Linien im Durchmesser übersteigen. Nur äußerst selten hinterließ das größere Kalkspathkorn ein kleines leeres Blasenräumchen in seinem Innern, und in diesem Falle ist dasselbe mit einem dünnen Ueberzuge eines traubigen Chalcedons bekleidet.

Verwittert, wird diese leztere Abänderung der Gebirgsart an der äußern Oberfläche gelblichbraun, und, wegen der ausgefallenen Kalkspathkörner, blasig und porös. Die Blasenräume überzieht oder füllt zuweilen ein gelblichbrauner Eisenocher. Noch setzen sehr schmale Schnürchen desselben Kalkspathes an der Gebirgsart nach verschiedenen Richtungen auf.

Dieselbe Folge von Gebirgsarten, wie am Kossowe, entdeckt man auf demjenigen langgezogenen, nicht zu hohen Berge, an dessen westlichen Abhange das Dorf Jarow liegt, und der sich an der Ostseite in eine kegelförmige oben abgerundete Kuppe endigt, an der Westseite sich mit den beschriebenen Kossowe verbindet, so daß auch hier Thonschiefer, die Gebirgsart Nr. 1, Sandsteinschiefer u. s. w. über einander liegen.

Dlauha Hora.

Hat man den Kossow erstiegen, so sieht man noch zwey Kämme parallel sich erheben, welche von Nordost gegen Südost laufen, davon einer niedriger als der andere ist. Beyde schließen eine Vertiefung ein, welche größtentheils, so wie der höhere Kamm, bebauet ist; der nördliche Abhang des niedrigern Kammes ist blos beraset. Diese Kämme bestehen aus dichtem Kalksteine von theils gelblich theils rauchgrauer Farbe. Inwendig ist er, da er äußerst viel Kalkspath aufnimmt, ja parthienweise von diesem fast ganz verdrängt wird, stark schimmernd, ja wenig glänzend. Er nimmt sehr zahlreiche Versteinerungen auf, und zwar Orthoceratiten, platte und gestreifte Chamiten, Turbiniten. Das Verhalten dieses Kalksteins ist an dem niedrigern Kamme unbestimmbar, da ich ihn daselbst bloss in Blöcken, aus dem Rasen hier und da hervorragend fand. An dem höchsten westlichen Punkte des höhern Kammes aber bildet er einige kahle nicht zu hohe Felsen; hier sah ich ihn in nicht zu starken Schichten (von 1 bis 1 ½ Fuß) unter 44° gegen Südsüdost einfallen, und sein Streichen St. 4 beobachten; an der südlichen Höhe hingegen, wo dieser Kamm steil gegen Bitow (Bythow) herabfällt, fielen die Schichten viel flacher (unter 18°) und gegen Nordnordost ein, und hatten ihr Streichen St. 8. An dieser leztern Spitze ist der Kalkstein so reich an Versteinerungen, daß er blos aus unzähligen kleinen Chamiten aggregirt zu seyn scheint, und so zu sagen, die die Versteinerungen einschließende Hauptmasse verdrängt wird.

Kotis.

Hinter Koniaprussy und Bitow, diesen Dorfschaften gegen Mittag, liegt ein anderer langgezogener Berg, der von Osten gegen Westen läuft, dessen nördlicher Abhang mit Walde bedeckt ist, und an dessen Abendseite die Gebirgsart in großen Felsenmassen ansteht, welche gleichfalls aus demselben dichten Kalksteine besteht, dessen noch stärkere Schichten unter einem Winkel von 24° gegen Nordost einfallen.

Oberhalb Bitow, diesem Dorfe mehr gegen Osten, befinden sich zwey niedrige Hügel, welche, bis auf die westlichen Abhänge, die mit Walde bewachsen sind, bebauet sind. An ihren Abhängen findet man wieder Bruchstücke desselben Kalksteines.

Diese Hügelchen, nebst dem Berge Kotis, schließen eine gegen Mitternacht sanft abfallende Ebene ein, auf welcher die zwey eben genannten Dorfschaften liegen. Diese Ebene verliert sich in ein Thal, in welchem, am westlichen Fuße einiger kahler Felsen, ein einzeln stehendes Haus befindlich ist. Diese Felsen zeigten, bey sorgfältiger Prüfung, wieder die bey Jarow beschriebene Gebirgsart, welche aber hier schon größtentheils zu einer thonigen masse aufgelößt ist, und nur einige wenige, nach vieler Mühe aufgefundene, ziemlich wohl erhaltene Stücke, zeigten mir zerklüftet die Natur derselben. Ihre Farbe zieht stark in die bläulichgraue, und sie nimmt sehr häufige Kalkspathkörner von der Größe eines Steckenadelkopfes oder eines Mohnsaamens auf, die ihr das Ansehen eines Mandelsteines geben. Diese Kalkspathkörner sind oft so durchscheinend, daß man die Hauptmasse durch dieselben durchschimmern sieht, oft aber auch weniger durchscheinend und dann graulich und gelblichweiß von Farbe mit deutlichem blätterichem Bruche und einem Perlmutterglanze versehen. Die zahlreichen Klüfte, die nach allen Richtungen in der Gebirgsart aufsetzen, waren Ursache, daß ich ihr Verhalten, in Hinsicht ihres Streichens und Fallens, nicht bestimmen konnte. Diese Gegend heißt Chobotow.

Und was sagt uns nun Herr Jirasek von dieser ganzen Gegend? Man höre ihn selbst: „Der Berg Kossow über den Karlshütten, hängt an den Kaukolower Berg, und erstreckt sich gegen Osten bis Tetin; obschon auf diesem Berge sandige und andere harte Steinarten, die größtens theils mit Kalk gemischt sind, angetroffen werden, so scheint das ganze zusammengekettete Gebirge auf Grundlagen des Marmors gesezt zu seyn.“ Also harte und andere Steinarten setzen den Kossow und die damit verbundenen Berge zusammen? Wie genau und bestimmt, und dann wie genügsam! ob es wohl seine Leser auch so sehr seyn dürften?

Kaukolowa Hora.

Der Fuß des gegen Norden etwas steil abfallenden Gebürges der Kaukolowa Hora, welchen ein von Süden gegen Osten laufender Bach bespühlt, ist gleichfalls aus der zulezt beschriebenen Gebirgsart zusammengesezt. An dem östlichen Gehänge, welches beraset ist, entdeckt man hier und da einen Thonschiefer, der als Lager in der lezt beschriebenen Gebirgsart vorkommt. Seine Farbe ist bläulichschwarz, verwittert beschlägt er gelblichgrau, der Bruch ist dickschieferig, der innere Glanz mangelt gänzlich. Auf der Ablösung und Klüften, ja selbst mitten in denselben kömmt nesterweise ein ochergelber und gelblichbrauner Eisenocher vor.

Auf diesen Thonschiefer liegt ein Sandsteinschiefer auf, welchen ein an demselben Abhange gezogener tiefer Graben entblößte. Seine von ½ bis 5 auch 6 Zoll starken Schichten, fallen unter dem sehr großen Winkel von 88° gegen Südost ein, und haben ihr Streichen St. 12 ½. Der Sandsteinschiefer ist gelblichgrau, das hier und da in das ochergelbe übergeht, und ist sehr feinkörnig. Sein Bindemittel scheint thonig zu seyn, und er nimmt sehr zahlreiche äußerst kleine silberweiße Glimmerschüppchen und eben so häufige gelblichbraune Ocherpunkte auf.

Oberhalb diesem Sandsteinschiefer kömmt also gleich der dichte Kalkstein vor, auf welchen hier zwey Brüche vorgerichtet sind, die mir sein Verhalten zu bestimmen erlaubten. Er bildet eine hohe Kuppe, welche an der Morgenseite, wo die Brüche befindlich sind, steil abgestürzt ist, und den Kalksteinfelsen entblößt dem Auge darstellt. Man hat eine Höhle in diese Kuppe hinein gehauen, die, bey einer ansehnlichen Breite, 8 Klaftern Höhe haben mag. Der Kalkstein bricht hier in mehr und minder starken Schichten ein, die aber unmittelbar unter der Dammerde am stärksten (mehrere Fuß stark) sind, in größerer Tiefe aber an Mächtigkeit so abnehmen, daß sie kaum 2 bis 1 Zoll stark werden. Diese Schichten fallen unter 16° gegen Norden ein, und haben ihr Streichen St. 6. Ganz entgegengesezt ist das Fallen des Kalksteins, in dem zweyten mehr gegen Norden gelegenen, aber nur wenig entfernten, viel kleinern, jezt verlassenen Bruche; denn hier mißt der Einfallwinkel 24, und nimmt seine Richtung gegen Süden. Dieses so verschiedene, ja ganz entgegengesezte Fallen der Gebirgsschichten, scheint auf eine gewaltsame Revolution hinzudeuten, und es ist mehr als wahrscheinlich, daß eine einst offene Weitung, die in dem Kalkstein des Berauner Kreises gar nicht selten sind, verbrochen, und so die aufliegenden Kalksteinschichten in einander zussammengestürzt sind, wodurch diese Erscheinung leicht erklärbar wird.

Von dem dichten Kalksteine sind eigentlich zwey Abänderungen zu unterscheiden:

a) Der in mächtigeren Schichten anstehende.

Dieser hat eine dunkelgelblich und rauchgraue, nur selten eine bläulichgraue Farbe.

Er nimmt nur sparsam Versteinerungen auf, und ich fand nur einige wenige Turbiniten.

Er ist selten innwendig ganz matt, sondern meistens von dem sehr häufig beygemengten Kalkspathe schimmernd.

Sein Bruch ist splitterig.

Die Bruchstücke sind unbestimmt eckig, nicht sonderlich scharfkantig.

Er ist an den Kanten äußerst schwach durchscheinend, die matte Abänderung ganz undurchsichtig.

Zuweilen giebt er einen bituminosen Geruch von sich.

Also eine Annäherung des dichten Kalksteines, oder ein Uebergang desselben in Stinkstein.

b) Die tiefer liegende und in schwächern Schichten einbrechende Abänderung,

ist gelblich- lichte- bläulich- und röthlichgrau, welches leztere sich durch mehrere Abstuffungen bis in das bräunlichrothe verliert. Diese Farben wechseln fleck und streifenweise mit einander ab.

Der häufig beygemengte Kalkspath giebt ihm einen innern Schimmer.

Der Bruch ist dünnsplitterig und die Kanten mehr durchscheinend.

Versteinerungen kamen mir in dieser Abänderung nicht vor, aber die aufsetzenden Kalkspathadern und Nester sind um so häufiger. Auch scheint sie etwas Quarz aufzunehmen, da sie besonders in den gelblichgrauen Parthien sich dem harten nähert, (aus dem Stahle einige Funken lockt).

Beyde Abänderungen scheinen nicht frey vom Thongehalt zu seyn, ja die bräunlichrothen Parthien der leztern Abänderung sind oft schon zu einer sehr eisenschüßigen thonigen Masse aufgelößt, und machen zum Theil den Uebergang in den thonartigen Eisenstein aus, von welcher noch in beyden Abänderungen etwas klein eingesprengt vorkömmt.

Auf den Ablösungen ist dieser Kalkstein ochergelb beschlagen, und es setzen in demselben häufige Trümmchen und Gänge eines graulich- und gelblichweißen Kalkspathes auf, der oft auch in großen Nestern darinn vorkömmt.

Um diesen Berg von allen Seiten kennen zu lernen, verfolgte ich erst seinen Rücken, der sich von Norden gegen Süden zieht, und an welchem man das Kalksteinlager stellenweise aus dem Rasen ausbeißen sieht, gieng dann den westlichen Abhang hinab, der sich steil gegen Popowitz (Popowicze) hinabstürzt. Da, wo der Kalkstein aufhört, beginnt die am Kossow einbrechende unter Nr. I beschriebene Gebirgsart, nur mit dem Unterschiede, daß sie mit vielen schmalen Gängen und Trümmchen von Kalkspath, welche meistens senkrecht niedersetzen, und ihr Streichen St. 6 haben, durchzogen, ja daß sie sehr zerklüftet ist, und daß diese Klüfte wieder derselbe Kalkspath ausfüllt, der meistens eine gelblich- und graulichweiße, seltener eine bläulichgraue Farbe hat, und nur dann, wenn die Klüfte einige leere Räume zurück ließen, drusig erscheint, und zwar in aggregirte flache doppelte dreyseitige Pyramiden kristallisirt.

Herr Jirasek verschaft uns auch über diesen Berg nicht viel Aufklärung. Er sagt: „Der Kaukolower Berg, über dem Dorfe Popowitz, besteht aus Stinkstein von spathigem Gewebe, lapis suillus particulis spathosis; dieser Stein, an einander gerieben, giebt einen sehr unangenehmen Geruch von sich, und schlägt mit Stahl Funken, welches bey Kalksteinen ungewöhnlich.“ Also nichts von den daselbst einbrechenden Abänderungen des Kalksteins, nichts von seinem Verhalten gegen andere Gebirgsarten. Dafür giebt er uns aber über das Karlshüttner Schichtamt einige Notizen, die ich hier anführen will:

„Das Karlshüttner Schichtamt, sagt er, hat auf dieser Seite kein Eisenerz, doch, wie wir später sehen werden, seit kurzem bey Hrzedl, sondern man muß dies sowohl dazu als das zum Hrzedler Hochofen von denen auf der Fürstlichen Herrschaft Pürglitz befindlichen Eisenbergwerken bey Hudlitz bringen lassen. Obschon diese kleinkörnigten, guten Erze nicht in dieser Gegend gebrochen werden, so kann ich sie doch nicht so gleichgültig übergehen, um nicht wenigstens den Nutzen davon anzuführen. Auf den Karlshüttner Hochofen, ohne dem Gußwerke, werden 180 Centner wöchentlich im Durchschnitte, und in Hrzedl nicht weniger geschmolzen; auch bringt man es bey ersterem auf 200 Centner rohes Eisen.“

Unweit der Karlshütte sezte ich über den Bach, um das jenseitige Gebirge zu untersuchen. Ich stieß zuerst auf einen niedrigen, isolirten, kegelförmigen Hügel, welchem gegen Osten das Dorf Poczapl liegt. An seiner Mittageseite sieht man die Gebirgsart in Felsenmassen anstehend; sonst ist der Hügel ganz beraset. Die Gebirgsart bildet 1 bis 4 Zoll starke Schichten, welche fast unter einem rechten Winkel gegen Norden einfallen, und ihr Streichen St. 5 beobachten. Sie ist im frischesten Zustande lichte bläulichgrau; an der Oberfläche, wo sie der Einwirkung der Luft und des atmosphärischen Wassers längere Zeit ausgesetzt war, ist sie gelblichgrau. Es scheint eine sehr feinkörnige Sandsteinabänderung zu seyn. Die sehr und ganz kleinen Quarzkörner, sind mittelst eines bläulichgrauen Thones gebunden, dessen Kalkgehalt sich aber durch das obgleich nicht zu starke Aufbrausen mit Scheidewasser verräth. Sie hat sehr zahlreiche, aber äußerst feine silberweiße Glimmerschüppchen eingesprengt, die sich dem bloßen Auge nur durch ihren Schimmer verrathen, unter dem Suchglase aber erst deutlich werden. Hier und da nimmt sie in schwachen Schnürchen oder kleinen Körnern Kalkspath auf. Beym ersten Anblick sollte man diese  Sandsteinabänderung für eine sehr feinkörnige Grauwacke halten.

Die Unterlage dieses Sandsteins macht wieder eine dem Thonschiefer untergeordnete Gebirgsart. Ihre Hauptmasse ist ein dunkelgelblichgrauer Thon, in welchem äußerst häufige, hier aber nicht runde, sondern verschiedentlich eckige Kalkspathkörner liegen, die im frischern Zustande gelblichweiß mit deutlich blätterichem Bruche sind, verwittert aber isabell- und ochergelb mit Verluste des Glanzes und des blätterichen Bruches werden. An der Oberfläche ist die Gebirgsart, wegen des ausgefällenen Kalkspathes, porös und kleinblasig. Die Kalkspathkörner sind sehr klein, und ihr Längedurchmesser übersteigt selten 2 bis 3 Linien.


Hinter Poczapl erhebt sich ein gleichfalls niedriger aber langgezogener Hügel, der vor Trubin erst westwärts, dann aber nordwärts läuft, an der Nordseite sich sehr sanft verflächt und bebauet ist; an der Südseite steiler abfällt, kahl und blos hier und da beraset ist. Das herabfließende Regenwasser zog in der weichen Gebirgsart, die diesen Hügel zusammensezt, zahlreiche mehr und weniger tiefe Schrunden. An der Oberfläche ist diese zu einem Thon aufgelößt, im frischen Zustande aber erscheint sie als ein feinkörniger Sandstein, dessen Korn viel feiner ist, als jenes in dem Sandsteine Hügels war, oder wenn man lieber will, ein sehr sandiger dickschieferiger Thonschiefer, der äußerst zahlreiche ganz kleine Quarzkörner enthält, welche die graulichschwarze Thonmasse bindet, in welcher wieder sehr häufige etwas größere silberweiße Glimmerblättchen liegen, die sich durch ihren metallischen Glanz schon in der Ferne verrathen.

Oberhalb Trubin, diesem Dorfe gegen Norden, liegt ein kahler Hügel, der aus obigem bey Popowitz beschriebenen Sandsteinschiefer besteht. Die Schichten, welche er hier bildet, fallen sehr flach unter 18°, gegen Südsüdwest ein, und haben ihr Streichen St. 8. Auszeichnend ist an diesem Sandsteinschiefer hier nur dieses, daß er durch die Verwitterung sich in etwas gezogene (spitzwinkliche) rhomboidale Stücke auflößt. Die in demselben aufsetzenden sehr schmalen (nur einige Linien breite) Klüfte sind größtentheils mit Kalkspathe ausgefüllt, theils aber auch leer und dann ochergelb beschlagen. In diesen Sandsteinschiefer hat die Verwitterung tief eingegriffen, und die Farbe des verwitterten ist mehr ochergelb, ja gelblichbraun. Der langgezogene Hügel hinter Poczapl fiel, wie gesagt, an seiner Mitternachtseite sehr sanft hinab, erhebt sich aber bald wieder in einen andern Rücken, der in derselben Richtung von Nordost gegen Südost läuft, an der Südseite steil abgestürzt ist, welcher Absturz wieder mit sehr zahlreichen Schrunden durchzogen ist.

. . .


pp. 127–134

Zweyter Abschnitt

Die Herrschaft Tocznik.

Diese liegt der bisher beschriebenen Herrschaft Königshof gegen Westen, macht an der Nordseite die Gränze mit dem Rakonitzer Kreise, und zwar der in diesem gelegenen Herrschaft Pürglitz. An der Westseite stößt sie mit der Herrschaft Zbirow zusammen, an der Ostseite endlich gränzt sie mit Horzowez und Praskoles. In dem größten Längedurchschnitt mißt sie 1 ¾ Meile, in der größten Breite 1 ¼ Meile, die Meile zu 4000 Wiener Klaftern angenommen.

Die Ufer der Littawka waren um Königshof niedrig; das Gebirge zog sich von beyden Seiten etwas zurück, und hinterließen die Ebene, auf welcher Königshof liegt. Hinter Poczapl nähern sich die beyderseitigen Gebirge wieder mehr, und schließen den Bach in engere Gränzen ein. An der Westseite sezt ihm diese Gränzen der

Knihow,

ein nicht zu hoher, kahler Berg, der der Abendseite steil, noch steiler der Morgenseite, wo an seinem Fuße die Poststraße vorbeyführt, zufällt. Er ist eigentlich zweykuppig; die erste Kuppe ist viel höher, die zweyte niedriger, ein sanft sich verlierender Einbug verbindet sie. Beyde dehnen sich in einen breiten und langgezogenen allmälig gegen Westen abfallenden Rücken aus; beyde sind ganz beraset, an beyden stehet die Gebirgsart in Felsenmassen hervorragend an, von welcher sich aber, wegen der sehr zahlreichen Zerklüftungen, kein Fallen und Streichen angeben läßt. Nur wenig scheint sie sich von der am Kossow einbrechenden zu unterscheiden.

In einer lichte grünlichgrauen Hauptmasse liegt dunkellauchgrüne dem schwärzlichgrauen sich nähernde gemeine Hornblende, nebst dem grünlichgrauen und graulichweißen dichten Zeolithe, beyde in ziemlich gleichem Verhältnisse, lezterer doch in etwas größerer Menge. Die Hornblende giebt der Gebirgsart ein kleingeflecktes Ansehen, da sich die schwärzlichgrüne Farbe der Hornblende von der lichte grünlichgrauen der Hauptmasse, die allmälich in die graulichweiße des Zeolithes verfließt, stark heraushebt. Unter dem Suchglase glaubte ich etwas sehr fein eingesprengten Schwefelkies bemerkt zu haben. Noch ist die Gebirgsart mit sehr vielen, oft nur einige Linien breiten und dann verschiedentlich gekrümmten Adern, oft aber auch mehrere Zolle starken Trümmchen und Gängen eines gelblichweißen Kalkspathes durchsezt.

Hinter Zeditz (Wzdicz, Weiskirchen), diesem Dorfe gegen Abend, erhebt sich ein kahler in einen langgezogenen Rücken auslaufender Hügel, der seine Richtung von Westen gegen Osten nimmt. An dem südöstlichen Füße ist in demselben ein Steinbruch angelegt. Der daselbst gebrochene Stein wird zu Thürstöcken, Fensterstöcken, Wasserbehältern und dergleichen behauen, und hat ein nicht unangenehmes Ansehen.

Er hat eine grünlichgraue thonige Hauptmasse mit unebenem Bruche von kleinem Korne, die sich schon dem erdigen nähert. In dieser Hauptmasse liegt sehr häufiger Kalkspath von röthlichweißer Farbe, deutlich blätterichem Bruche und mäßigem Glanze. Dieser Kalkspath bildet einige Linien bis einen halben Zoll und mehr starke verschiedentlich eckige Massen, die aber wieder meistens, mittelst sehr schmaler Aederchen desselben Kalkspathes, in Verbindung stehen. Von diesem erhält die Gebirgsart ihr geflecktes, nicht unangenehmes Ansehen. Da sie zudem leicht zu bearbeiten ist und nicht leicht verwittert, so ist sie zu obigem Gebrauche um so vorzüglicher, obschon sie, wegen ihres erdigen Bruches, keine Politur annimmt.

Das Vorkommen der Gebirgsart, in Hinsicht ihres Fallens und Streichens, war nicht zu bestimmen, da sie zwar durch mehrere Horizontalablösungen getheilt war, und daher eine Schichtung zu haben schien, aber zahlreiche seiger aufsetzende Klüfte dieselben wieder undeutlich machten.

Diese Gebirgsart nennt Herr Jirasek: eine grünlichte mit weißem Quarze gemengte Breccia, da doch keine Spur von Quarze an derselben aufzufinden ist, so wie er obige vor Zdicz einbrechende Gesteinart eben so unrichtig für mergelartigen Thonschiefer, ausgiebt.

Auf dieser Gebirgsart liegt unmittelbar Thonschiefer auf. Man bemerkt aber keinen deutlichen Uebergang der erstern in lezteren, sondern dieser ist von jener scharf abgeschnitten, welches mit um so größerer Zuverläßigkeit behauptet werden kann, da an einem seigern durch Zufall entstandenen Absturze, das gegenseitige Verhalten beyder Gebirgsarten sichtbar ist.

Der Thonschiefer ist bläulichgrau, dem perlgrauen sich nähernd, auf den Ablösungen ochergelb, ja bräunlichroth beschlagen, sehr dünnschieferig, und blättert sich durch Verwitterung und Auflösung noch mehr ab. Seine Schichten fallen unter 36° gegen Nordwest ein, und haben ihr Streichen St. 7.

An der Südostseite desselben Hügels ist ein anderer weit ausgedehnter Absturz, der mir um so willkommener war, da er mir Aufklärung über die Aufeinanderfolge und das gegenseitige Verhalten der diesen Hügel constituirenden Gebirgsarten versprach, und in der That entsprach auch der Erfolg meiner Erwartung. Ich beobachtete, folgende Gebirgsarten:

1.) In dem tieffren Punkte des Absturzes, der aber doch beträchtlich höher liegt, als der zuvor beschriebene, sah ich einen Sandsteinschiefer in 1 bis 3 Zoll starken Schichten, die aber hier und da, obgleich selten, die Dicke von einem Schuh erreichten, unter einem Winkel von 40° gegen Nordost einfielen, und das Streichen St. 9 beobachteten. Diese Sandsteinschieferschicht wechselte wieder mit ganz schmalen Lagen Thonschiefer ab.

Ich will beyde hier etwas genauer beschreiben: Die Farbe des Sandsteinschiefers hält das Mittel zwischen gelblichgrau und gelblichbraun; sein Korn ist sehr fein, das Bindemittel der ganz kleinen Körner thoneisenschüßig. Es liegen in demselben sehr häufige aber äußerst zarte, meistens silberweiße Glimmerschüppchen; nesterweise sowohl als in durchsetzenden Adern und Trümmchen, liegt Kalkspath inne, der sich durch seine graulich- und gelblichweiße Farbe, den blätterichen Bruch, die rhomboidalischen Bruchstücke und das starke Brausen mit Scheidewasser als diesen beweißt. Auf den zahlreichen aufsetzenden Klüften kömmt zuweilen Bergmilch vor.

Diese ist gelblichweiß, zusammengebacken, von feinen, staubartigen Theilen, fühlt sich fein und mager an, und ist leicht.

Zwischen den Ablösungen dieses Sandsteinschiefers liegt, wie gesagt, Thonschiefer.

Dieser ist schwärzlichgrau an Farbe, sehr dünn, aber krummschieferig, da er wieder nierförmige Erhöhungen bildet, welche dünn und krummschaalig abgesonderte Stücke zu haben scheinen.

Er ist an Glimmer viel reicher als der Sandsteinschiefer.

Etwas höher sieht man in demselben Absturze die unten geraden Schichten des Sandsteinschiefers sich krümmen, und so Segmente concentrischer Kreise, oder wenn ich mich dieses hier uneigentlichen Ausdruckes bedienen darf, concentrisch und dickschaalig abgesonderte Stücke darstellen.

Noch höher verändert sich die Schichtung der Gebirgsart sowohl, (denn die Schichten fallen unter dem stärkern Winkel von 43° gegen Südost, und streichen St. 2, 4) als das äußere Ansehen derselben. Sie wird schwärzlichgrau; der Gehalt von Thon vermehrt sich, der innliegende Glimmer wird häufiger, aber auch zartschuppiger, so daß seine Blättchen sich dem bloßen Auge nur durch den metallischen Glanz verrathen, und erst unter dem Suchglase deutlicher sich entwickeln. Es scheint also die Gebirgsart hier einen Uebergang des Sandsteinschiefers in Thonschiefer zu machen, und in der That sieht man in höhern Punkten das Ausgehende eines Lagers von diesem leztern, auf welchem aber wieder unmittelbar ein grünlichgraues thoniges Gestein mit zahlreich innliegenden Glimmerblättchen von theils silberweißer, theils tombakbrauner und graulichschwarzer Farbe, sparsamen Kalkspathkörnern von wein- und honiggelber Farbe, und einigen seltenen größern rauchgrauen Quarzkörnern aufliegt. Wegen des durch allmälige Verwitterung aufgelößten und dann ausgewaschenen Kalkspathes erscheint dieses Gestein an der Oberfläche, wo es der Einwirkung der Atmosphäre blos gestellt war, porös und blasig. Es findet zwischen ihm und dem tiefer liegenden Thonschiefer kein Uebergang statt, sondern beyde Gebirgsarten sind scharf von einander abgeschnitten, und leztere ist äußerst zerklüftet.

Einigemal wechselt diese Gebirgsart mit dem Thonschiefer, oder vielmehr sehr thonigen Sandsteinschiefer ab, nur mit dieser Abweichung, daß in den höher liegenden Schichten der Thonschiefer viel Quarz und etwas Kalkspath aufnimmt.

Den Gipfel des Hügels selbst endlich sezt eine andere Gebirgsart zusammen, deren Beschreibung ich hier vorlege.

Ihre Farbe ist graulichschwarz und sie scheint blos aus Feldspath und Glimmer zu bestehen. Lezterer ist viel häufiger, theils tombakbraun, und aus diesem ing schwärzlichbraune übergehend, theils gelblichgrau, das in das schwärzlichgraue hinüberzieht. Ersterer ist sparsamer, und hat bey näherer Prüfung, besonders wenn man die Gebirgsart an den Kanten untersucht, u. unter dem Suchglase eine gelblichgraue Farbe. Bey dem ersten Ueberblicke scheint aber die Gebirgsart schwarz, weil der sparsamere Feldspath theils sich dem Auge entzieht, theils, wegen seiner Durchscheinbarkeit, die Farbe des Glimmers durchschimmern läßt. Der Feldspath scheint übrigens dichte zu seyn.

Noch findet man in dieser Gebirgsart zahlreiche nach allen Richtungen aufsetzende Kalkspathgange, die oft ½ Fuß stark sind.

Der Kalkspath ist gelblichweiß, seltener graulichweiß,

innwendig theils stark glänzend, theils nur glänzend,

von blätterichem Bruche,

mit dem gewöhnlichen dreyfachen Durchgange der Blätter, und was ihn hier auszeichnet,

von grobkörnig abgesonderten Stücken, die Absonderungsflächen mit einer bräunlich rothen Farbe bezeichnet, oder vielmehr einem so gefärbten Ocherhäutchen bekleidet.

In die Gebirgsart selbst ist außerwesentlich etwas messinggelber Schwefelkies fein, und Kalkspath klein eingesprengt, welchen lezteren das Brausen mit Scheidewasser verräth.

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