Poppe 1811/III
Johann Heinrich Moritz Poppe, Geschichte der Technologie seit der Wiederherstellung der Wissenschaften bis an das Ende des achtzehnten Jahrhunderts III, Göttingen [Johann Friedrich Römer] 1811.
pp. 200–211
Dritter Abschnitt.
Die Bereitung einiger Hülfswaaren zum Verschönern mancher Arbeiten.
§. 58.
Seit drey Jahrhunderten haben wir aus den Kobalterzen ein Paar blaue Pigmente, Saflor oder Zaffer und Smalte oder Schmalte, bereiten gelernt, welche zu blauen Glasuren der irdenen Geräthe, zum Blaufärben des Porcellans und anderer irdenen Waaren, zum Färben des Glases und Emails, zu manchen künstlichen Edelsteinen, zur Stärke, damit diese den Batisten, Linons, Mousselinen und andern Zeugen nebst der Festigkeit zugleich ein angenehmes Hellblau gebe, und zu verschiedenen andern Zwecken sehr nützlich gebraucht wird.
Zwar hat man vielfältig geglaubt, daß schon die Alten den Kobalt oder Kobolt gekannt, in Schmalte zu verwandeln gewußt und diese zum Blaufärben der Gläser, der irdenen Waaren und zum Bemahlen vieler Sachen benutzt hätten 1b). Aber dieses ist nicht allein sehr unwahrscheinlich, sondern Gmelin hat auch durch Versuche erwiesen, daß alle blaugefärbte Alterthümer, die er in die Hände bekam, ihre blaue Farbe bloß durch Eisen erhalten hatten 2). Daß durch Verglasung des Eisens eine angenehme blaue Farbe zu entstehen pflegt, sieht man unter andern an den Rohschlacken in Eisenhütten.
1b) Recherches philosophiques sur les Egyptiens et les Chinois. Vol. I, Berlin 1773. p. 345.
E. H. Delaval, an experimental inquiry into the cause of the changes of colours in opake and coloured bodies. London 1777. 4. p. LVI.
2) J. F. Gmelin, de caeruleo vitro in antiquis monumentis; in Commentat. societ. Goetting. 1779. Vol. II. P. 41.
J. Beckmann’s Beyträge &c. Bd. III. S. 211 f.
§. 59.
Es scheint gewiß zu seyn, daß man den Kobolt nicht vor dem Ende des funfzehnten Jahrhunderts zu Saflor und Schmalte zu verarbeiten gelernt habe. Vorher warf man den Kobolt als unnütz hinweg, der vielleicht schon lange davon seinen Namen (Cobalus, κοβαλος; Berggeist) erhalten hatte, daß er den Bergleuten oft vergebliche Hoffnung und Arbeit machte, und daß er ihrer Gesundheit, wegen des beygemischten Arseniks, oft Schäden zufügte.
Um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts gab Rößler zu verstehen, daß schon 150 Jahre vor seiner Zeit Kobalt gewonnen und als Saflor verhandelt worden sey 3). Um dieselbe Zeit berichtete Lehmann, daß hundert Jahre vor ihm (also in der Mitte des sechszehnten Jahrhunderts) schon Farbenmühlen existirt hätten, womit man das aus dem Kobalt erhaltene blaue Glas zermahlte 4). Vanuccio Biringoccio, der zu Ende des funfzehnten Jahrhunderts lebte, erwähnt schon der Zaffer und beschreibt ihren Gebrauch zur Färbung des Glases 5). Auch Cardan, welcher im Jahr 1575 starb, nennt Zaffer eine Erde, die das Glas blau färbt 6). Porta sagte zwar eben so wenig als jene beyden Männer was Zaffer sey 7); er ertheilte aber doch Unterricht, wie man sie schmelzen, geschmolzen in Wasser gießen, zerstoßen, sieben, und zu feinem Pulver schlämmen müsse, um sie zu künstlichen Edelsteinen gebrauchen zu können. Auch Merret wußte nichts weiter von der Zaffer, als daß sie eine teutsche Erfindung sey und daß sie ihm aus Kupfer und Sand, vielleicht mit einem Zusatze von Galmey, gemacht zu seyn scheine 8). Erst Kunckel erklärte die Zaffer richtig und beschrieb die Bereitung derselben ausführlich 9).
3) Rößler, Speculum metallurgiae politissimum. Dresden 1700. Fol. S. 165.
4) Klotzsch, Sammlung zur sächsischen Geschichte. Th. IV. S. 363. — J. Beckmann’s Beyträge &c. Th. III. S. 215.
5) Vannuccio Biringoccio, Pyrotechnia. Venet. 1540.
6) Hieron. Cardani, de subtilitate. Lib. V.
7) Porta Magia naturalis. Francof. 1591. 8. p. 271.
8) Neri, de arte vitraria cum Christ. Merretti observationibus. Amstelod. 1668. 12. p. 32. 327.
9) Kunckel’s Glasmacherkunst. Nürnberg 1743. 4. S. 46.
§. 60.
Wenn man das Kobaltoxyd röstet, zerstößt, durchsiebt und mit 2 oder 3 Theilen fein geriebenen Sand oder Quarz vermischt, so entsteht eigentlich die Zaffer oder der Saflor daraus. Schmilzt man hingegen den gerösteten gestoßenen und ausgelesenen Kobalt mit reinem geschlämmtem Sande oder mit weißem gestoßenem, gewaschenem und stark calcinirtem Quarze und mit Potasche zu Glase, und zermahlt dieses sehr fein, so erhält man die Schmalte, wovon die hellere Sorte auch wohl Eschel genannt wird. Der Name Zaffer oder Zaffera ist ohnstreitig aus Σαπφειρος, eigentlich σαπφειρος entstanden, welches so viel als eine blaue Farbe bedeutet. Die Bergleute sagten Zaflör, und daraus ist denn endlich auch Saflor geworden. Schmalte Smaltum kommt von dem teutschen Worte Schmelz her; Eschel aber von Asche oder Aeschern. Es ist wahrscheinlich, daß man anfangs erst Zaffer, und einige Jahre nachher die eigentliche Schmalte, gemacht hat.
§. 61.
Ein sächsischer Glasmacher, Christoph Schürer, aus dem Städtchen Platten (welches jetzt zu Böhmen gehört) zog um die Mitte des sechszehnten Jahrhunderts nach Neudeck auf die Eulenhütte, wo er Glas machte. Er sah die schönfarbigen Kobalte zu Schneeberg, nahm etliche Stücke mit, und versuchte sie in dem Glasofen. Kaum hatte er ihre Schmelzbarkeit entdeckt, als er sie mit Asche und den übrigen zum Glase nöthigen Materialien vermischte, und daraus ein schönes blaues Glas erhielt. Er zerrieb dieses auf einer Handmühle, die mit einem Schwungrade versehen war, und verkaufte es dann als blaue Farbe an die Töpfer. Da alles trefflich ging, so wurde aus der Handmühle bald eine Wassermühle.
Die Farbe kam unter andern auch nach Nürnberg, wo man ihr viele Bewunderung zollte. Hier sahen sie die Holländer. Diese gaben sich bald alle Mühe, den Verfertiger ausfindig zu machen, und es glückte ihnen. Würcklich lernten sie ihm die Bereitung dieser Farbe ab, und fingen darauf in ihrem Lande selbst an, Farbenmühlen anzulegen, wozu sie aber die Kobalterze geröstet aus Schneeberg kommen lassen mußten.
§. 62.
Um den Verschleiß des Kobalts zu steuern, gab Kurfürst August I. im Jahr 1575 zweyen seiner Diener, Hanns Jenitschen und Hanns Harrern ein Privilegium, welches ihnen auf zehn Jahre allein die Aufbereitung und den Ankauf der Kobalte zugestand. Aber auch hierdurch wurde der Zweck nicht ganz erreicht. Deswegen errichtete Kurfürst Christian II. im Jahr 1610 eine eigne Kobaltkammer, und schloß mit den Holländern noch besondere vortheilhafte Contrakte ab. Hierdurch beförderte er den Saflor- und Schmaltebetrieb ungemein. Nach und nach kam die Kobaltkammer dennoch wieder in Verfall. Kurfürst Johann Georg I. überließ sie im Jahr 1624 erb- und eigenthümlich an den Kammer- und Bergrath Christoph Karl von Brandenstein, welcher dieß Privilegium aber auch bald wieder aufgab. Im Jahr 1627 wurde ein neuer Contrakt mit Handelsleuten von Frankfurt und Hamburg zwar verabredet, aber nicht zu Stande gebracht. Man gab den Handel wieder frey, und contrahirte wieder. So ging es eine Zeitlang, bis man endlich auf einen festern Grund gerieth.
Die Holländer waren anfangs Lehrlinge der Sachsen; aber bald übertrafen sie in der Zurichtung, vorzüglich im Mahlen, ihre Meister. Acht große Farbenmühlen waren in Holland bald in Gang gebracht. Johann Georg I. ließ zwey Farbenmeister aus Holland kommen, und von diesen um Schneeberg herum Farbenmühlen anlegen, deren nach und nach immer mehrere wurden. Hanns Burghard, Kaufmann und Kämmerer in Schneeberg, legte in der Schlem eine wohl eingerichtete Farbemühle an, wodurch die eilf Mühlen auf der Platten nicht wenig litten.
§. 63.
Paul Nordhoff, ein Friesländer, brachte es um’s Jahr 1640 in der Farbenverbesserung zu großer Vollkommenheit. Zehn Jahre lang hatte er auf der Zwittermühle Farbe gemacht. Da erregten seine Fortschritte in dieser Kunst Neider, die ihn endlich sogar von der Mühle vertrieben. Er ging nach Annaberg, und legte daselbst im Jahr 1649 auf Vorschub eines Leipziger Kaufmanns, Oehm, ein Farbenwerk an. Er ward Faktor bey demselben, und brachte durch seine herrlichen Einsichten und durch seine Betriebsamkeit die Annaberger Kobalte zu einer sehr vortheilhaften Benutzung. Im Jahr 1659 hatte er einen Vorrath von 8000 Centnern.
Das älteste Blaufarbenwerk war das Schnidlersche gewesen, welches Jenitschen und Harrer im Jahr 1575 zu Albernau, einem Freygute ohnweit Buckau, gegründet hatten. Erst Erasmus Schindler brachte es im Jahr 1649 völlig zu Stande. Das Farbenwerk zu Schlemma errichtete Lorenz Bergkau, ein Magdeburgischer Apotheker, im Jahr 1611 auf Böhmischen Grund und Boden. Die Kobalte dazu ließ er aus Joachimsthal und Schneeberg kommen. Hanns Burghard bewürkte aber bald das kurfürstliche Verbot, daß keine Kobalte auf die Böhmische Seite geschafft werden durften. Dadurch kam jenes Farbenwerk so herunter, daß Bergkau es bald an Burghard verkaufen mußte. Dieser verlegte nun im Jahr 1644 sein Blaufarbenwerk, welches er in Platten hatte, nach Schlemma; im Jahr 1651 aber vermachte er es dem Kurprinzen, nachherigen Kurfürsten Johann Georg II. Dieser ließ damit im Jahr 1682 das kurfürstliche Farbenwerk zu Gugel bey Johanngeorgenstadt vereinigen; und so entstand daraus das kurfürstliche Doppelfarbenwerk.
Das Pfannenstieler Farbenwerk wurde im Jahr 1635 von einem Schneeberger Bürger Schnorr errichtet. Im Jahr 1642 wurde es von dem Kurfürsten Johann Georg I. privilegirt. Das Zschopenthaler Farbenwerk bey Zschopau soll anfangs unter dem Namen Oheimsche Farbenmühle an der Sehme ohnweit Buchholz angelegt, im Jahr 1684 nach Waldkirchen, und bald darauf nach Zschopenthal und Zschopau verlegt worden seyn. Es gehört jetzt der Richterschen Familie in Leipzig.
§. 64.
Den Betrag der Farbengewinnung pflegte man von der Entstehung der Blaufarbenwerke an nach Kübeln zu rechnen. So gewann man z. B. im Jahr 1620 aus den Annabergischen Kobalten 8462 Kübel; im Jahr 1622 schon 9582 Kübel. In den folgenden Jahren störte der Krieg, welcher Teutschland dreyßig Jahre lang verwüstete, auch diese Betriebsamkeit, so daß die Contrakte eine Zeit lang aufhörten. Im Jahr 1630 fing sie zwar wieder an in Gang zu kommen; aber es ging doch nur langsam und schlaff damit. Erst als Teutschland wieder mit Ruhe und Frieden übergossen wurde, kamen auch die sächsischen Farbenwerke in eine lebhaftere Bewegung.
Die Rechnung nach Kübeln dauerte bis zum Jahr 1642, wo man dafür den Centner anschaffte. Im Jahr 1642 gewann man 1844 Centner, im Jahr 1647 aber schon 3292 Centner 10).
10) Von der Geschichte der sächsischen Blaufarbenwerke handeln:
Chr. Melzer’s Historia Schneeberg. renovata, d. i. erneuerte Stadt- und Bergchronik der Bergstadt Schneeberg. Schneeberg 1648. [!] 4.; und 1716. 4. S. 151 f.
Christ. Melzer’s Bergkläustige Beschreibung der Stadt Schneebergk. Schneeberg 1684. 4. S. 405 f.
J. A. Gesner’s historie vom Kobalt, und der daraus bereiteten Zaffera und Smalten. Berlin 1744. 8.
D. Krieg, a letter concerning Cobalt and the preparation of Smalt and Arsenik; in den Philosophical Transactions. 1753. Nro. 293.
J. G. Lehmann’s Geschichte des Farbenkobolts, Königsberg 1761. 8.
F. Kapf, Beyträge zur Geschichte des Kobolts und der Blaufarbenwerke. Breslau 1792. 8.
Erzgebirgische Blätter. 1795. Nro. 5. S. 103.
A. L. Peck, historische und geographische Beschreibung des kursächsischen Erzgebirges. Geschichte und Beschreibung des Kreisamtes Schwarzenberg. Bd. I. Schneeberg 1795. 8.
Beytrag zur Geschichte der sächsischen und andern Blaufarbenwerke; im Journal für Fabrik &c. Bd. XV. Leipzig 1798. 8. December. S. 490 f.
§. 65.
Da die mit der Schmaltefabrikation verknüpften Vortheile sehr bedeutend waren, so fing man nach und nach auch in andern Ländern an, Blaufarbenwerke anzulegen, z. B. in Böhmen, Schlesien, am Harze, in Hessen, im Nassauischen, im Würtembergischen, im Steyermärkischen, im Bayreuthischen, in Frankreich, in Spanien, in England, in Schweden und in Norwegen. Manche darunter, z. B. die englischen, waren ziemlich unbedeutend. In Böhmen entstand das Buzische Blaufarbenwerk zwischen Johanngeorgenstadt und Platten, das Mießlische am Joachimsthale, dasjenige zu Gottesgab auf der Kameralherrschaft Preßnitz und dasjenige zu Aberdam auf der Herrschaft Kuttenberg. Die beyden erstern sollen jährlich ohngefähr 1000 Centner Farbe liefern. Die ganze Schmaltebereitung in Böhmen aber warf im Jahr 1792 gegen 72000 Gulden ab 11).
11) Leipziger Intelligenzblatt vom Jahr 1794. Nro. 5.
Jars voyages metallurgiques &c. Tom. II. Paris 1780. 4. p. 516.
Jars metallurgische Reisen. Bd. IV. S. 884.
Die Schlesischen Blaufarbenwerke zu Querbach und zu Gieren nahmen erst in den siebenziger Jahren des achtzehnten Jahrhunderts ihren Anfang. Aber erst im Jahr 1794 kamen sie mehr in Aufnahme. Sie können jedoch nicht ganz Schlesien mit Schmalte versehen. Zu Andreasberg am Harz legte man in den letzten Jahren des siebzehnten Jahrhunderts ein Blaufarbenwerk an, nachdem man im Jahr 1698 einen Blaufarbenmeister aus Sachsen hatte kommen lassen 12). In dem Blankenburgischen brachte man im Jahr 1783 ein neues Farbenwerk zu Stande. Im Hessischen besitzen Schwarzenfels und Karlshafen ein Blaufarbenwerk. Bey Schmalkalden errichtete man eins im Jahre 1788. Gleich nach der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts kamen die Blaufarbenwerke im Nassau-Siegischen empor; sie sanken aber bald wieder. Das Farbenwerk zu Alpirsbach im Würtembergischen gelang vom Jahre 1787 an zu einigem Betrieb. Mit den Steyermärkischen ging es schon besser. In Frankreich hatte der Graf Beust in den Gebirgen Chalonsches und bey Juset in den Pyrenäen Kobalte entdeckt, und im Jahr 1784 zu St. Mamet an der Pique ein Farbenwerk errichtet, das bald sehr in Flor kam 13). Spanier fanden fast zu gleicher Zeit Kobalt in den Pyrenäen von Arragonien. Sie verkauften ihn anfangs an das Blaufarbenwerk des Grafen Beust zu St. Mamet. Graf Aranda aber verschrieb bald nachher Teutsche, und ließ von diesen selbst ein Farbenwerk anlegen.
12) H. Calvör, Beschreibung des Maschinenwesens auf dem Oberharze. Th. II. Braunschw. 1763. Fol. S. 202 f.
13) Description des gites des mines des Pyrenées par Mr. Dietrich. p. 95.
Poppe’s Gesch. d. Technol. B. III.
§. 66.
Sächsische und holländische Schmalte ist in Hinsicht der Feinheit und Güte noch immer die beste von allen geblieben; sächsische und holländische Blaufarbenwerke sind auch noch immer die wichtigsten von allen vorhandenen. In Sachsen bereitet man von Saflor, Eschel und Schmalte gegen 23, in Holland gegen 55 verschiedene Sorten, wovon die feinste vom höchsten Blau Königsblau genannt wird. Ehe man in Sachsen selbst nach holländischer Art Farbenmühlen anlegte, vermischte man den nach Holland zu versendenden gerösteten Kobalt mit Sand, um den Holländern die weitere Verarbeitung zu erschweren. Diese müssen sich daher alle Mühe bey der Schmaltebereitung geben, und eine vielfältige Uebung war auch wohl der Grund, daß sie es darin bald weiter als die Sachsen selbst brachten (§. 62). Noch immer besitzen die Holländer manche Vortheile in der Veredlung, selbst der sächsischen blauen Farben. Holländer verfeinern die sächsische Schmalte durch Raffiniren ausnehmend, theils durch ein noch feineres Zermahlen zwischen zwen horizontalen Mühlsteinen und durch ein sorgfältiges Beuteln, theils auch vorzüglich durch vielfache Vermischungen der verschiedenen Farbenarten 14).
¹⁴) Bergmännisches Journal. Freyberg 1791. August.
F. A. A. Eversmann, technologische Bemerkungen auf einer Reise durch Holland. Freyberg und Annaberg 1792. 8. S. 16 f. Von Verfeinerung der sächsischen blauen Kobaltfarbe.
Auf dem Trierischen Farbenwerke in Sachsen gelang es einem Farbenmeister, aus Kobalt eine dem Ultramarin völlig gleiche Farbe zu bereiten. Der Mann behielt aber sein Geheimniß für sich, und nahm es leider mit in’s Grab. In Frankreich soll vor ein Paar Jahren dieselbe Kunst erfunden seyn. Allerdings wäre eine solche Erfindung von großer Wichtigkeit, weil das Ultramarin (bekanntlich aus zerschlagenem, geglühtem, in Weinstein abgelöschtem, zu Pulver geriebenem und mit Wachs und Colophonium geschmolzenem Lasurstein bereitet) so außerordentlich theuer ist. Das Loth davon kostet einen Dukaten.
§. 67.
Vor wenigen Jahren ist auch folgende Methode entdeckt worden, den Kobalt zur höchsten Feinheit zu bringen. Mäßig gerösteten, in reinem Wasser abgelöschten und wohl zerriebenen Kobalt vermischt man mit einem Viertel Salmiak, schmilzt ihn so in einem Tiegel, löst ihn dann in Scheidewasser auf, thut etwas Regenwasser hinzu und schlägt ihn mit Potaschenlauge nieder. Schnell trennt man nun die Flüssigkeit von dem Niederschlage, indem man sie durch Löschpapier filtrirt. Durch einen wiederholten Aufguß von frischem Regenwasser wird der salzigte Geschmack wieder gänzlich hinweggeschafft.
Unter die mancherley Erfindungen, wodurch man die Blaufarbenwerke nach und nach zu größerer Vollkommenheit brachte, gehören auch, außer der mit der Zeit besser eingerichteten Blaufarbenmühle, außer den zweckmäßiger eingerichteten Röstdöfen oder Reverberiröfen, Abwärmöfen oder Temperiröfen, Schmelzöfen und außer den verschiedenen Handgriffen und Vortheilen zur Vermischung des Kobaltoxydes, die trefflich erbauten Giftfänge, worin die beym Rösten der Kobalterze verflüchtigten Arsenikdämpfe nicht bloß ohne Gefahr der Arbeiter rasch emporsteigen, sondern sich auch als Arsenikmehl, Hüttenmehl ansetzen. Daraus kann man denn, mit Schwefel sublimirt, noch Rauschgelb, Auripigment und Sandarach gewinnen.
